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Ausgabe:

1910 Nr. 8

Spalte:

249-251

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lahusen, Friedrich

Titel/Untertitel:

Das apostolische Glaubensbekenntnis für unsere Zeit der Gemeinde ausgelegt 1910

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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249 Theologifche Literaturzeitung 1910 Nr. 8. 250

fechs Kapitel verfolgt das Büchlein die Gefchichte der zwifchen wiffenfchaftlichen und religiöfen Intereffen zu
Kirche in England von der älteften Zeit bis auf die ■ unterfcheiden, angefaßt und fo fchonend wie deutlich
Gegenwart. In knappen, zuweilen faß keck hingeworfenen behandelt hat. Bei .Niedergefahren zur Hölle' erledigt er
Zügen bietet es eine Charakteriftik der verfchiedenen das ,zur Hölle', indem er die richtige Überfetzung (,in
Zeiten, wobei der vorreformatorifchen Periode fachge- die Unterwelt' = zu den Toten) den Hörern einfach
maß nur ein, das erfte und kürzefte Kapitel gewidmet autoritativ mitteilt und in der Kürze beleuchtet. Den
ift. Eigentlich fetzt das Büchlein Kenntnis der Gefchichte Artikel von der jungfräulichen Geburt des Herrn hat er
voraus, kann aber auch als eine Art von vorläufiger j nicht felbftändig behandelt, fondern nur geftreift im ZuOrientierung
gelten. Am eingehendften find die beiden j fammenhang der Erörterung des Begriffes .eingeborener
letzten Kapitel: E Eglise au dix-neuvihne stiele und Etat Sohn Gottes'. Das entfpricht dem richtigen religiöfen
present de Vanglicanisme. Verfaffer gibt nirgends ab- Gefchmacke und Takte. Lahufen ftellt fich da freilafiend,

ftrakte, fchematifche Schilderungen, fondern konkrete
.Proben' der Verhältniffe, in der Kürze viel gut gewähltes
Material. Wir haben in Deutfchland kein ähnlich
intereffantes und inftruktives Büchlein über die englifche
Staatskirche.

Halle a. S. F. Kattenbufch.

L a h u (e n, Kon fift.-Rat Fr., Das apoltolifche Glaubensbekenntnis

für unfere Zeit der Gemeinde ausgelegt. Berlin, M.
Warneck 1909. (228 S.) gr. 8° M. 2.50; geb. M. 3 —
Solange das apoftolifche Symbol für den Unterricht
der Jugend im Glauben die Grundlage bildet und folange
(bezw. überall da, wo) es unter uns Evangelifchen ein
Beftandteil der fonntäglichen und der Taufliturgie ift,
befteht auch ein Bedürfnis, es in der Gemeinde felbft
lehrhaft zu behandeln. So hat vor einigen Jahren (1901)
A. Trümpelmann es in populär-wiffenfehaftlicher Weife
apologetilch behandelt (in dem guten Buche ,die moderne
Weltanfchauung und das apoftolifche Glaubensbekenntnis'),
Loofs hat es im akademifchen Gottesdienfte in Halle
zur Grundlage von Predigten gemacht (,das Apoftolikum
in drei Predigten ausgelegt', 1895). Auf Schleiermachers
Kanzel, in der Dreifaltigkeitskirche zu Berlin, hat im
vorigen Jahre Fr. Lahufen es in einer größeren Predigtreihe
der Gemeinde veiftändlich zu machen und nahe zu evangelifchem Verftändnis derfelben aus (wie Luther

doch fo, daß man erkennt (und ich teile da feine An-
fchauung), an dem Wundergedanken als folchem ftoße
lebendiger Glaube fich nicht und follte ein Chrift nicht
Ärgernis nehmen. Aber wo lag für mich denn ein Anlaß
zubefonderem Aufmerken und vielleicht zu dem Wunfche,
die Sache etwas anders angefaßt zu fehen? Kurz gefagt:
bei der Grundfrage, wie das Apoftolikum den Hörern
überhaupt vorgeführt werden folle, ob als ein Ganzes
von Chriftentumsauffaffung, oder als eine Summe von
Einzelheiten, von beftimmten Begriffen und ,Tatfachen'.
Loofs hat feiner Zeit der (feit Luther üblich gewordenen)
Verteilung des Symbols auf drei Artikel folgend (die
alte Zeit redete von .zwölf Artikeln') fich auf drei Predigten
befchränkt, als Themata aufftellend die Sätze
1. .Chriftlicher Glaube ift rechtes Gottvertrauen', 2. .Rechtes
Gottvertrauen ift eins mit rechtem Chriftusglauben',
3. .Rechter Chriftusglaube ift ein Werk des heiligen Geiftes'.
Das ift eine durchaus evangelifch vergegenwärtigte einheitliche
Faffung des Glaubens, den das Bekenntnis ausdrücke
. Zu evangelifcher Deutung der aus der alten
Kirche uns überlieferten Formel ift der Prediger (wie der
Katechet) nicht nur berechtigt, fondern einfach verpflichtet.
Wenn überhaupt am Apoftolikum der Chriftglaube verdeutlicht
werden foll, fo kann es nur gefchehen, wenn
feine Begriffe und fachlichen Elemente von der Bibel und

bringen geflieht. Er hat die Predigten im Drucke dem
Andenken Schleiermachers und der Erinnerung daran,
daß diefer gerade vor 100 Jahren (11. Juni 1809) fein
Predigtamt in der Dreifaltigkeitskirche antrat, gewidmet
und durch ein Motto aus Schleiermachers erftem Send-
fchreiben an Lücke (,Uns kommt es immer nur an auf
eine klare und belebende Darfteilung der gemeinfamen
inneren Erfahrung; und was als Lehre erfcheint, ift hie-
zu nur Vorbereitung und Mittel') fich auch zu dem Geifte
der Predigtart Schleiermachers bekannt. Im ganzen find
es achtzehn Predigten, die Lahufen (die erfte am Neujahrstage
1909, die letzte an einem der Trinitatisfonntage)
gehalten hat. Die Sonn- und Fefttage, die ihm zugefallen
, hat er zum Teil mit Kunft, aber ohne Künftelei,
in Verbindung gefetzt mit dem fich gerade darbietenden
Artikel des Symbols. Am überrafchendften wirkt es,
wenn er am Palmfonntag das .Begraben, niedergefahren
zur Hölle' zum Thema (mit 1. Petri, 3,18—22 als Text)

gänzlich unbefangen es unternommen hat) mit klarem,
den Glauben wirklich orientierendem Inhalte erfüllt werden.
Was es .hiftorifch' bedeutet, d. h. was etwa der hiftorifchc
Forfcher als die urfprüngliche Tendenz der Zufammen-
ftellung feiner Artikel und als die Anfchauung von feinen
Einzelheiten, die der .Verfaffer' gehegt habe, nachweifen
kann, ift für den Homileten und Katecheten gleichgültig,
muß es fein, da er nicht hiftorifche, fondern religio fe'
Gedanken und Erkenntniffe zu vermitteln hat. Dennoch
kann gerade derHiftoriker vielleicht dem Prediger Dienfte
tun. Ich habe meinerfeits als Hiftoriker mir ausdrücklich
die Frage vorgelegt, ob neben der Deutung der
Einzelheiten auch noch ein Verftändnis des .Ganzen' der
Formel im Sinne ihrer Urfprungszeit möglich fei, und
ich habe dabei die Überzeugung gewonnen, daß das
nicht nur wirklich fo fei, fondern auch, daß das Apoftolikum
(feine Grundformel, die von der uns geläufigen
fich wenig unterfcheidet, das .altrömifche' Symbol) merknimmt
, würdig evangelifch gedacht ift. Lahufen hat fich die

Ich bin ja nicht Homilet und habe keine Veranlaffung,
auf die formale Art des Predigers einzugehen; ich habe
die Predigten auf mich wirken laffen, wie wenn ich zu
Lahufens Gemeinde mitgehörte. Aber ich habe doch
nicht umhin gekonnt, als Hiftoriker des Apoftolikums
die Ohren vielleicht etwas mehr zu fpitzen, als folche es
getan haben werden, die ganz ohne ,Belaftung' dem Prediger
folgen durften. Das foll nicht heißen, daß ich auf
gelehrte Erörterungen gerechnet hätte, etwa bei .Niedergefahren
zur Hölle' oder bei andern Artikeln, wo der
Hiftoriker wohl zweifeln kann, wie fie urfprünglich gemeint
gewefen. Auch das kann mir nicht näher liegen
als andern, was der Prediger etwa zu fachlich umftrittenen
Artikeln (z. B. zu .geboren von der Jungfrau Maria') zu
fagen für nötig hielt und fich gedrungen fühlte. Ich
finde, daß Lahufen die hiftorifchen und kritifchen Fragen

Frage nach dem Gefamtcharakter des Apoftolikums als
Bekenntnis nicht geftellt. Er hält es anfeheinend für
felbftverftändlich, daß es nach den Begriffen des Trinitäts-
gedankens disponiert fei und hat in diefem Sinne wohl feine
Schlußpredigt als eine Zufammenfaffung des in den Predigten
über die einzelnen Artikel und Stücke zuvor gefagten
dem Thema ,der dreieinige Gott' gewidmet. Das ift für
den Plomileten ficher nicht falfch und ließ mich doch
merken, daß wertvolle Erkenntniffe, die der Hiftoriker
über das Apoftolikum gewinnen kann, noch zurückftehen.
Auch in der letzten Predigt ift es nicht eigentlich Lahufens
Abfehen, das Apoftolikum wirklich als ein Ganzes
als einen eigentümlichen,charakteriftifchen Totalausdruck
des evangelifchen Glaubens vorzuführen, fondern es überwiegt
, wie in allen Predigten, der Wunfeh, konkrete
Einzelgedanken zu verdeutlichen, alles Material des

mit fchlichter Unbefangenheit, weil mit vollem Vermögen j Apoftolikums der Gemeinde lieb zu machen, von An