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Ausgabe:

1908 Nr. 4

Spalte:

117

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Doumergue, Emile

Titel/Untertitel:

Le dernier mot du fidéisme 1908

Rezensent:

Lobstein, Paul

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Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 4.

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wichtigen Fundes foll in der Zeitfchr. für chriftl. Kunft
gegeben werden.

Betheln (Hann.). E. Hennecke.

Doumergue, E., Le dernier mot du fideisme. Toulouse,
Lengereau 1907. (67 p.) 8° fr. —60

Der bekannte Calvinbiograph (Theol. Litzeitung
1900, Nr. 15; 1904, Nr. 4; 1906, Nr. 16), der ftreitbare
Dekan der theologifchen Fakultät von Montauban, Prof.
Doumergue läßt keine Kundgebung der unter feinen
Landsleuten als fideisme bezeichneten, von Menegoz
und der Parifer Schule talentvoll und erfolgreich vertretenen
freiem Theologie erfcheinen, ohne fofort mit
allen ihm zu Gebote flehenden wiffenfchaftlichen Mitteln,

mit dem unerfchöpflichen Reichtum einer bald lyrifch, fchauung, deren Unnahbarkeit leicht zu zeigen i(V d<f>

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Da die fünf Redner als Dolmetfchcr eines weferit-
lich gleichen Verftändniffes der neuteflamentlichen Uberlieferung
und der chrifthchen Weltanfchauung auftreten,
ift ein näheres Eingehen auf die Sondergeftalt und die
Eigentümlichkeiten der einzelnen Vorträge nicht angezeigt
. Es mag genügen, zur Charakteriflik des Ganzen,
einige Hauptzüge hervorzuheben. ,Die kritifche Unter-
fcheidung zwifchen Worten und Taten Jefu und die daraus
abgeleitete Folgerung, daß die Überlieferung feiner
Worte glaubwürdiger fei als die Berichte von feinen
Wundertaten, ift unberechtigt und unhaltbar' (17). ,Das
Wort Jefu foll die Kraft haben, den Frieden der Sündenvergebung
zu vermitteln; aber es foll unvermögend ge-
wefen fein, in den Naturbereich erneuernd einzugreifen.
Das ift die Inkonfequenz der modernen kritifchen An-

bald rhetorifch geltimmten Beredfamkeit, gegen den j Seinen erften Vortrag fchließt Haußleiter durch Mit-
Feind ins Feld zu ziehen, ihn der fchlimmften Abheilten | teilungen über die Perfonalia der vier Evangeliften. Es
und der gefährlichften Wirkungen zu befchuldigen und j he|ßt dort u. a.: ,Das Matthäusevangelium erweift fich
Kirche und Schule vor der grundftürzenden Irrlehre zu 1 bel eindringender Unterfuciiung als ein einheitliches, von
warnen. Nachdem er in einer vor lahresfrift erfchienenen i einem Augenzeugen der in ihm erzählten Gefchichte her-

Brofchüre Les itapes du ftdiisme nachzuweifen verfucht
hatte, daß der Fideismus fchlicßlich zum religiöfen Nihilismus
führen müffe, richtet er heute die Wucht feiner

rührendes Werk, deffen Verfaffer in Galiläa in die Nachfolge
Jefu berufen worden ift' (25). Der Verf. des
2. Evangeliums, Joh. Markus fcheint Kap. 14, 51 von fich

Polemik gegen Menegoz' Vortrag Unc triple distinetion i felber zu reden (26). .Angefichts des Zeugnisgedankens
theologique (Theol. Litztg. 1907, Nr. 20). Da er in- erkennt man, wie undurchführbar der kritifche Vcrfuch

deffen zu den früheren Anklagen auf Verworrenheit und
Zweideutigkeit, Widerfpruche und Mißverftändniße, keine
wefentlich neuen Momente hinzufügt, mag es genügen,
die Flugfchrift des unermüdlichen Gegners der Parifer
Ketzerei zur Anzeige zu bringen und die Tatfache feft

ift, den gefchichtlichen Inhalt des Johannes-Evangeliums
zu diskreditieren. Das Buch ift der unverrückbare Eck-
und Schlußftein der Evangelien; an ihm werden auch die
modernen Verfuche, die Glaubwürdigkeit der Evangelien
in Zweifel zu ziehen, fcheitern und zerfchellen' (27—28).

zufteilen, daß der ftets in den höflichften Formen ge- Die alte Harmoniltik wird gelegentlich erneuert: Hauß-
führte Kampf für das theologifche Verftändnis der um- j leiter ftatuiert eine doppelte Tempelreinigung (36. 45).
(trittenen Lehre kaum einen nennenswerten Gewinn ab- , Zuweilen werden wichtige Probleme durch allgemein ge-
werfen dürfte. haltene Bemerkungen eher verhüllt als geftellt, gefchweige

i) t ua öenn gelöft. ,Die Liebe ift es, die ihm das Verbot an

Straßburg i. E. __P. Lobltein. , die Geheilten, die erfahrene Hülfe vor allen zu rühmen,

I eingegeben hat... Auch das wird nun klar, warum
Jefus Chriftus für unfere Zeit. Dargeftellt in Vorträgen von ! Jefus die deutliche Erklärung feiner Meffianität fo lange
Prof. D. Haußleiter, Prof. D. Walther, Prof. D. | vermieden hat. Der wahren Liebe ift es nicht genug,
Lütgert Gen-Sup Kaftan und Prof. Schaeder. j die Wahrheit zu bezeugen, fondern fie will damit zum
1-3 Auflage" Hamburg, G. Schloeßmann ,907. ' bejen dienen' (9,) Jefus war der größte Arbeiter, den
i. ä. nuiidBc nai g, ^' unfere Erde fall. Wirklich, feine Seele arbeitete, und

(V, 211 S.) 8° Geb. M. 4— Chriften, die zu ihm gehören, find wir auch nur, wenn

Diefe im Januar und Februar 1907 ,vor einer immer J wir arbeiten, ernftlich und ganz' (207).
wachfenden Zuhörerzahl' zu Hamburg gehaltenen neun j Unter den hier dargebotenen Vorträgen dürften die
Vorträge verfolgen einen apologetifchen Zweck und find | beiden von Tb. Kaftan den Vorzug verdienen. Methode
vorwiegend gegen die .religionsgefchichtliche Schule'ge- und Anlage beweifen, daß des Verf. Anfpruch auf
richtet Diefe ,tritt mit beftimmten Vorausfetzungen an Modernität durchaus begründet ift, fofern er fich um ein
das Studium der Quellen über Chriftum heran und läßt j gefchichtliches Verftändnis der dogmatifchen Probleme
ihre Forfchungsergebniffe beftändig durch ihre Vorurteile bemüht. Aus der umfichtigen Formulierung feiner Erbeftimmen
'. Die beiden Vorausfetzungen der Schule, gebniffe (man lefe 158—162) erhellt, daß K. der Kritik
die durch die Naturwiffenfchaft poflulierte Gefetzlichkeit auch Rechnung zu tragen weiß, wie energifch er fich
alles naturlichen Gefchehens und der gefchichtliche Ent- auch gegen die Ausfchreitungen der religionsgefchicht-
wicklungsgcdanke find ,das Dogma, an welchem alle liehen Verfuche Einzelner ausfprechen mag. — Daß
Quellen geprüft werden. Was zu ihm nicht llimmt, kann ! gleichfalls in den übrigen Vorträgen der Lefer manchen
nicht exiftieren. Ein derartiges Verfahren müffen wir , Ausführungen begegnet, denen er, auch bei abweichenfür
völlig unwiffenfchaftlich erklären'(7). . . . ,Wir treten ; den Vorausfetzungen, feine Zuftimmung nicht verfagen
ohne Vorausfetzung an die Unterfuchung der Frage: wird, verficht fich von felbfi. Die ftets in anftändiger
„Wer war Jefus?" heran ... wir behaupten nicht im vor- Form gegen Bouffet, Wellhaufen, Troeltfch u. a. ge-
äus. daß es kein anderes als natürliches Gefchehen geben führte Polemik wird zwar in den meiden Fällen un-
könne. Denn unfer Ziel ift, die Wirklichkeit zu fehen, gerecht und unzutreffend erfcheinen; zuweilen gelingt es
wie fie ift, nicht aber, wie wir fie uns denken' (8—9). i ihr aber, wunde Stellen bloß zu legen und fchwache Be-
Die fünf Vortragenden haben die Aufgabe fo unter- weisführungen aufzudecken. — Paßt man indeffen das
einander verteilt, daß Haußleiter über die Grundlagen Unternehmen unferer Apologeten als das, was es fein
des Lebens Jefu (Die Glaubwürdigkeit der vier Evan- will, als eine Gefamtkundgebung gegen das Beftreben,
gehen, die Gefchichte Jefu), Walther (der auch die Ein- die nichttheologifchen Kreife mit den Refultaten der
leitung gefchrieben) über die Perfönlichkeit Jefu, Lütgert neueren Wiffenlchaft bekannt zu machen, fo wird man
über die Lehre Jefu (Jefu Lehre von Gott, die Ethik wohl an dem Gelingen des Verfuches zweifeln dürfen.
Jefu), Th. Kaftan über den Menfchenfohn und über den An Stelle einer eingehenden Auseinanderfetzung mit den
Gottesfohn, Schaeder über die Einzigartigkeit Jefu und j Gegnern tritt beinah ftets ein fiegesgewiffer Ton, der die
fein Ziel (Jefus und die großen Männer, Was wollte Jefus?) baldige Vernichtung der zurückgewiefenen Auffaffungen
fprechen. verheißt, aber blutwenig dazu beiträgt, diefes in Ausficht