Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1908 Nr. 4

Spalte:

101-103

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Musil, Alois

Titel/Untertitel:

Umgebungskarte von Wâdi Mûsa (Petra) 1908

Rezensent:

Schürer, Emil

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

101

Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 4.

102

Mufil, Alois, Arabia Petraea. I. Moab. Topographifcher
Reifebericht. Mit 1 Tafel und 190 Abbildungen im
Texte. (Kaiferliche Akademie der Wiffenfchaften.)
Wien, A. Holder 1907. (XXIII, 443 S.) gr. 8° M. 15.60

— Karte von Arabia Petraea nach eigenen Aufnahmen.
Hrsg. von der Kaiferl. Akademie der Wiffenfchaften.
1 : 300000. 3 Blatt von je 50x65 cm Bildfläche.
Farbdruck. Ebd. 1907. M. 15 —

- Umgebungskarte von Wädi Müsa (Petra). 1 : 20000.

nördlichen und füdlichen Ende des toten Meeres ent-
fpricht. Nach Often hin gingen die gefahrvollen Streifzüge
des Verfaffers wenigftens teilweife bis nahe an
den 37. Grad. Die Darftellung ift nicht fyftematifch geordnet
, fondern gibt genau das Reife-Journal wieder, ent-
fprechend der zeitlichen Folge und dem örtlichen Verlauf
der einzelnen Expeditionen. Von Ort zu Ort, von Stunde
zu Stunde begleiten wir den Veifaffer auf feinen Zügen.
So bilden die Jahreszahlen 1896, 1897, 1898, 1900, 1901,
1902 zugleich die Überfchriften der fechs Haupt-Ab-
fchnitte. Die Zahl der Reifen innerhalb der einzelnen
■c uL.a/ TTKrl inn-7 i Jahre fchwankt zwifchen zwei und fünf. Das Jahr 1899
28,5x37,5 cm B.ldflache. bot_ irjo; { J ^ ^ ^ ^ zugebracht. Die gewähite Anordnung,

die aus guten Gründen in folchen Reifewerken faft immer
befolgt wird, hat freilich den Übelfland, daß die Nachweife
über manche wichtige Orte an verfchiedenen Stellen
fleh finden, weil Mufil fie mehrmals befucht und bei den
fpäteren Befuchen feine früheren Forfchungen und Aufzeichnungen
ergänzt hat. Wenn dies auch feine Berechtigung
hat, fo hätte doch jedenfalls das Regifter
praktifcher eingerichtet werden müffen. Es ift aus dem-
felben nicht erfichtlich, an welchen Stellen die eigentliche
Befchreibung der betreffenden Ruinenftätte zu finden ift.
So gibt z. B. das Regifter S. 427 für das wichtige, von
Mufil erft entdeckte Schloß Kusejr 1 Antra zehn Seitenzahlen
, wo diefer Name vorkommt (173, 193, 198, 208,
2IO, 215, 222, 265, 276, 399); die Befchreibung findet fich
aber nur an zwei Stellen und zwar S. 222—232 u. 276—
290. Davon erfährt man durch das Regifter nichts. Ähnlich
fleht es in zahlreichen andern Fällen. Für die noch

Ein Forfchungsreifender von ungewöhnlicher Ausdauer
, Energie und Unerfchrockenheit legt uns hier die
reichen Refultate jahrelanger, mühevoller Arbeit vor.
Alois Mufil hat feine wiffenfchaftliche Ausbildung an
katholifchen Inftituten des Orients, namentlich der Ecole
biblique in Jerufalem erhalten und ift in feinen Beftre-
bungen durch den Rat vieler Gelehrten, u. a. auch durch
Brünnow, dem wir das fchöne Werk über die Provincia
Arabia verdanken, unterftützt worden. Er hat es aber
auch verftanden, Geldmittel von allen Seiten flüffig zu
machen. Im Vorwort S. XIII nennt er als finanzielle
Förderer feines Werkes den Fürftbifchof von Olrnütz, die
Franz Jofef-Akademie in Prag, die Akademie der Wiffenfchaften
in Wien, die Lackenbacherfche Stiftung, das
öfterreichifche Kultusminifterium und verfchiedene reiche
und vornehme Privat-Perfonen. Auf Grund fo vielfeitiger

Unterftützung war es ihm möglich, in den Jahren 1896 j ausftehenden Bände ift daher dringend eine praktifchere
bis 1902 das Gebiet des peträifchen Arabien nach allen Einrichtung des Regifters zu wünfchen.
Richtungen hin zu durchfireifen und unter Ertragung Um einige wichtigere Orte, welche der Verf. be-

endlofer Strapazen, nicht feiten auch mit Lebensgefahr, fchreibt, hervorzuheben, folgen wir zunächft der alten

eine topographifche Aufnahme des Landes herzultellen,
die in Bezug auf Vollftändigkeit alles bisher Geleiftete
weit hinter fich läßt. Während die meiften Reifenden
nur die größeren Orte und die berühmteren Ruinenftätten
auffuchen, ging fein Abfehen hauptfächlich darauf, auch die
kleinften und unbedeutenden Örtslagen mit möglichfier
Volldändigkeit aufzuzeichnen. Dabei ift er weit in die
Wüfie bis über die Grenze der türkifchen Schutzherrfchaft
hinaus vorgedrungen und hat hochbedeutfame Stätten
alter Kultur (namentlich aus der früheren Zeit des Islam)
entdeckt, die bisheT der Kenntnis europäifcher Reifender
entgangen waren. Die Herftellung einer auch in allen
Einzelheiten, namentlich in Bezug auf Flußläufe und

Römerftraße, welche Moab von Norden nach Süden durchzieht
. An diefer Straße liegen, im Norden beginnend:
Hesbän, das bibhfehe Hesbon (S. 383—38S, 393), füd-
lich davon: Madaba, bibl. Medeba (S. 113-123), Libb,
bei Jofeph. Antt. XIII, 397 Ae/ißa, XIV, 18 Aißßa (S. 112,
122), Diban, im A. T. und auf der Mefa-Infchrift Dibon
(S. 376—380), diefe alle noch nördlich vom Arnon, {Sejl
el-Mbgeb); fodann füdlich von demfelben: Rabba, das
Areopolis der griechifch-römifchen Zeit (S. 370ff. 381 f.),
und el-Kerak, die oft befchriebene, noch heute wichtige
Feftung, das Kir-Moab des alten Teltaments und Xa-
gaxucoßa oder Xagayucoßa der griechifchen Quellen (S.
45—56, 58—62, 359—362). Wenn diefe Städte zum Teil

Gebirgszüge, fchlechthin zuverläffigen Karte des weiten , auch fchon von andern Reifenden eingehend befchrieben
Gebietes ging freilich über die Kräfte eines Einzelnen | worden find, fo find die ergänzenden Mitteilungen des
hinaus. Der Verfaffer hebt diefe Schranken feiner Leiftung Verfaffers, welche von zahlreichen Abbildungen begleitet
im Vorworte freimütig hervor. Da aber auf Generationen find, doch höchft willkommen. Auf antiquarifche Er-
hinaus nicht daran zu denken ift, daß das peträifche läuterungen hat er prinzipiell verzichtet; doch gibt er
Arabien etwa in der Weife vermeffen wird, wie es hin- am Schluffe jedes Abfchnittes die wichtigften Stellen der
fichtlich des Weftjordanlandes durch die Engländer ge- alten Autoren im Wortlaut, die arabifchen leider ohne
fchehen ift, fo gebührt dem Verfaffer der wärmfte Dank deutfehe Uberfetzung.

für das, was er geleiftet hat. Der Hauptwert der Arbeit liegt aber nicht in der

Die Karte, welche mit Hülfe des öfterreichifchen | Befchreibung wichtigerer Städte, die auch fchon von
militärgeographifchen Inftitutes hergeftellt ift, gibt bereits j Anderen befchrieben worden find, fondern in der Voll-
das Gefamt-Refultat der Forfchungsreifen des Verfaffers , ftändigkeit der Orts-Statiftik und in der Auffuchung und

wieder. Sie umfaßt freilich nicht das ganze Gebiet des
einfügen nabatäifchen Königreiches, auch nicht die ganze
römifche Provincia Arabia. Während diefe bekanntlich
nördlich bis Boftra am Hauran reichte, hat der Verlader

Befchreibung folcher Ortslagen, die bisher nicht oder
wenig bekannt waren. Zu letzteren gehören namentlich
befeftigte Orte, die im Altertum und Mittelalter über
das eigentliche Kulturland nach Often hin vorgefchoben
die Gegend von Hesbon (nicht viel nördlicher als das , waren, um Schutz vor den räuberifchen Nomaden zu geNord
-Ende des toten Meeres) fich als Grenze gefetzt und j währen. Es fei hier nur beifpielsweife verwiefen auf
hat füdlich beim älanitifchen Meerbufen Halt gemacht; ] S. 176—210 {Kasr at-Tüba, Kasr al-Mwakkar und
weftlich geht die Karte bis Rafia an der Grenze Ägyptens, j Kasr al-Msatta), 290 ff. {Kasr al-Harani), 303 ff (Kasr
öftlich in die Wüfte bis zum 37. Grad. Als Spezialkarte j at- Tuba). Überall find zahlreiche Abbildungen beige-
ift die obengenannte Karte der Umgebung von Petra ; geben. Von höchftem Intereffe ift das erft von Mufil im
beigegeben. Jahre l898 entdeckte, weit im Often in der Wüfte liegende

Vom Text liegt bis jetzt nur der erfte Band vor. ; Kusejr 'Antra, das durch feine Architektur und feine
Er behandelt das alte Moab in derjenigen Ausdehnung Malereien uns überrafchende Aufichlüffe über die dortige
von Norden nach Süden, welche ziemlich genau dem : Kultur im früheren Mittelalter gibt (S. 222—232, 276—

*