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Ausgabe:

1908

Spalte:

713-717

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Steuernagel, Carl (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Tell el-Mutesselim. I. Band. Fundbericht. Erstattet von Baurat Dr. G. Schumacher 1908

Rezensent:

Nowack, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nm. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark,

Nr. 26.

19. Dezember 1908.

33. Jahrgang.

Teil el-Mutesselim, Bericht über die Ausgrabungen
, 1. Bd. Fundbericht von Schumacher,
herausg. von Steuernagel (Nowack).

Cafpari, Die Bedeutungen der Wortfippe 133
im Hebräifchen (Volz).

H 0 b e rg, Exegetifches Handbuch zum Pentateuch,
1. Bd. Die Genefis (Volz).

Liber Geneseos, textum hebr. emendavit, latinam
Vulgatam addidit Hoberg (Volz).

Herrmann, Joh., Ezechieltludien (Volz).

Pseudo-Augustini Quaestiones Vet. et Nov.
Test. (Souter).

Richter, Defiderius Erasmus und feine Stellung

zu Luther (Köhler).
Pfleger, Martin Eifengrein (Ernft).
Natorp, Religion innerhalb der Grenzen der

Humanität (E. W. Mayer).
Thomä, Die Abfolutheit des Chriftentums

(Schufter).

Teil el-Mutesselim. Bericht über die 1903 bis 1905 mit
Untertützung Sr. Majeflät des deutfchen Kaifers und
der Deutfchen Orient-Gefellfchaft

vom Deutfchen Verein
zur Erforfchung Paläftinas veranftalteten Augrabungen.
I. Band. Pundbericht. Erftattet von Baurat Dr. G.
Schumacher. Herausgegeben vom gefchäftsführen-
den Ausfchuß unter der verantwortlichen Redaktion
von Prof. Lic. Dr. Steuernagel. Text- und Tafelband
. Leipzig, R. Haupt in Komm. 1908. (192 S.
m. Abbildgn. u. ifarb. Tafel u. IV S. m. 50 Tafeln.)
4° M. 40 —

Mit diefer Publikation über die Ausgrabungen in
dem alten Megiddo i(t der deutfche Paläftinaverein erfolgreich
an die Seite der Palestine Exploration Fund
getreten, der 1890—92 in Teil el-hasi, 1898—1900 in
den vier Sephela-Hügeln und 1902—1905 in Teil el
dfchezer Ausgrabungen hatte vornehmen laffen. Mit
den Engländern traten die Öfterreicher in Wettbewerb, die

die erfte und zweite Schicht 3, 10 m umfaffen, zwifchen
ihnen und dem Eflrichboden der Halle liegen weitere
3, 10 m, was obige Vermutung nahe legt. Leider läßt
fich nach dem Bericht diefe Frage nicht mit Sicherheit
entfcheiden, das kann nur an Ort und Stelle gefchehen.

Welcher Zeit diefe einzelnen Schichten zugehören,
ift nicht immer mit Beftimmtheit zu fagen, immerhin hat
man einige Anhaltspunkte: da in der zweiten Schicht
fich Skarabäen finden, die ihrer ganzen Technik nach
etwa der Zeit 2000 v. Chr. angehören, fo wird man nicht
zu viel fehlgreifen, wenn man den Anfang der Befied-
lung etwa in die Zeit 2500 v. Chr. fetzt. Gehört das
Löwenfiegel der fünften Schicht einem Diener Jero-
beams II an, was das Wahrfcheinlichfte ift, fo kommen
wir damit in die erfte Hälfte des 8. Jahrh. Die achte
Schicht führt fclion in arabifche Zeit. Wie groß die
Zeit zwifchen diefer und der nächft vorhergehenden
Schicht ift, ift fchwer zu fagen, wahrfcheinlich waren es
Jahrhunderte, vielleicht läßt fich die Zeit aus der im
Mauerwerk der fiebenten Schicht gefundenen Athene-

1902 und 1903 unter der Führung Sellins Teil Taanak Münze annähernd beftimmen.
in der Megiddo-Ebene aufzudecken fuchten. Noch in Natürlich ift es unmöglich, hier die Wichtigkeit diefer

demfelben Jahr begann der deutfche Paläfiina-Verein Ausgrabungen nach allen Seiten hin zu erörtern, nur
unter Leitung des verdienten Baurat Schumacher auf einige Andeutungen find hier möglich. Von entfcheiden-
dem Teil el-Mutesselim, der ohne Zweilei dem alten der Bedeutung find diefe Ausgrabungen für die Ent-
Megiddo entfpricht, feine Arbeit, die 1904 und 1905 fort- j fcheidung der P>age, welchen Kultureinflüffen diefe
gefetzt wurde. Der vorliegende Band, der wefentlich Fund- Bewohner unterworfen waren. Benzinger hat in der
bericht ift und von allen gefchichtlichen und archäologi-
fchen Folgerungen abfieht, ift von Schumacher erftattet
und von Steuernagel zum Druck befördert. Auf die
Wichtigkeit der in Mutesselim gemachten Funde war
die wiffenfchaftliche Welt fchon durch die kurzen Bemerkungen
in den Mitteilungen und Nachrichten des
deutfchen Paläftina-Vereins 1904 ff. aufmerkfam gemacht,
doch gewinnt man erfl jetzt ein rechtes Bild von der
Bedeutfamkeit diefer Ausgrabungen: 292 in den Text
eingefügte Abbildungen und nicht weniger als 50 Tafeln
ermöglichen es dem Lefer, fich eine Vorftellung von
den Funden und der hier gekitteten Arbeit zu machen.

Dadurch, daß Schumacher einen Graben von Norden
nach Süden durch den Teil zog, gelang es ihm acht ver-
fchiedene Baufchichten aufzuzeigen, und zwar war er
fo glücklich, auf eine Reihe hervorragender Bauwerke zu
flößen: die Nordburg, die mittlere Burg und den Palaft.
Ebenfo deckte er das füdliche Burgtor auf, während er
im Norden ein Vorwerk auffand, das wahrfcheinlich mit
dem nördlichen Burgtor in Verbindung geftanden hat.
Steuernagel hat in einem Nachwort der Vermutung Ausdruck
gegeben, daß die von Schumacher der dritten
Schicht zugewiefene Halle der Nordburg vielmehr der
vierten oder gar der fünften Schicht zugehört, fo daß
wir alfo im Ganzen mit neun oder zehn Schichten zu
rechnen hätten. Er weift daraufhin, daß nach Schumacher

kürzlich von mir hier befprochenen (vgl. Nr. 13) Archäologie
fich den Standpunkt der Panbabylonilten angeeignet
und behauptet, daß derfelbe durch die Ausgrabungen
in Paläftina Betätigung erhalten habe, daß
nämlich fchon lange vor Ptnwanderung der Israeliten,
ja fchon im dritten Jahrtaufend Paläftina vollftändig
unter dem Einfluß der babylonifchen Kultur geftanden
habe, daß namentlich in der Ebene Megiddo und mehr
nordwärts der ägyptifche Einfluß hinter jenen zurückgetreten
fei. Diefe Behauptungen laffen fich ange-
fichts der Ausgrabungen in Teil el-Mutesselim
d. i. Megiddo nicht länger aufrecht erhalten. Es
ift eine zwar unbequeme, aber doch nicht zu betretende
Tatfache, daß bis in die fünfte Schicht hinein, d. h. bis
zum Beginn des 8. Jahrh., fich nennenswerte affyrifch-
babylonifche Einflüffe nicht nachweifen laffen, wohl aber
durch alle Schichten einerfeits ägyptifche und andrer-
feits phönizifch-mykenifche. Zahlreich find die Skarabäen,
Horusaugen, Amulette, Tier- und Menfchenfiguren, auch
Siegel, die nach Form und Bild ägyptifchen Einfiuß
zeigen. Es it höcht bedeutfam, daß in Megiddo kein
einziges Gottesbild aus dem affyrifch-babyloni-
fchen Pantheon gefunden it, wohl aber unzweifelhaft
folche ägyptifchen Urfprungs. Dahin gehören vor allem
Besgötzen, die, wie auch die andern Götterfiguren, offenbar
nicht im öffentlichen, fondern im häuslichen Kult, be-

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