Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1908 Nr. 25

Spalte:

699

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kolde, Th.

Titel/Untertitel:

Historische Einleitung in die Symbolischen Bücher der evangelisch-lutherischen Kirche 1908

Rezensent:

Köhler, Walther

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

699 Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 25. 700

Koide, Prof. D. Th., Hiftorifche Einleitung in die Symboliichen
Bücher der evangelifch-lutherifchen Kirche. (Sonderdruck
aus J. T. Müller, Die fymbolifchen Bücher der evangelifch
-lutherifchen Kirche, deutfch und lateinifch.
10.Aufl.) Gütersloh, C.Bertelsmann 1907. (LXXXIIIS.)
gr. 8° M. 2 —

Müllers .fymbolifcheBücher', 1848 erstmalig erfchienen,
gehören zu dem unentbehrlichen Handapparat jedes
Theologen. Die Ausgabe ift klaffifch und konnte daher
von der 3. Auflage an im Intereffe eines möglichft billigen
Preifes stereotypiert werden. Das war mißlich nur für
die Einleitung, die je länger defto mehr gegenüber der
fortfchreitenden Forfchung fich rückftändig erwies. Eine
Neuarbeit mußte getan werden, und daß gerade Kolde
fie übernahm, war hoch erfreulich. Als feine Aufgabe
bezeichnete er: ,in möglichfter Kürze, wie es eine Einleitung
erfordert, alles für die hiftorifche Würdigung der lutheri-
fchen Bekenntnisfchriften Notwendige zufammenzuftellen
und zugleich in den Anmerkungen die wichtigften Belege
und die Anhaltspunkte für weitere Forfchung zu bieten.
Dagegen konnte und follte in eine kritifche Würdigung
der heutigen Kontroverfen über die einzelnen dogmatifchen
Ausfagen, die Sache der Symbolik ift, nicht eingegangen
werden'. Diefe treffend formulierte Aufgabe wird voll
und ganz gelöft, der Lefer wird in den Stand der Forfchung
vorzüglich eingeführt, ohne fich im Detail verlieren
zu müffen. Die Änderung gegen früher ift durchgreifend,
man vergleiche nur fogleich am Anfange die Einleitung
in die Auguftana. An Einzelheiten notiere ich: S. X
Z. 10 lies fogleich, S. XIV wäre unter den Ständen, die
ein Sonderbekenntnis für den Reichstag vorbereitet hatten,
auch Nürnberg zu nennen; denn das von Schornbaum in
den Mitteilungen des Vereins für die Gefch. Nürnbergs
1906, 176fr. mitgeteilte theologifche Gutachten ift eine
Sonderkonfeffion der Art. Zur Gefchichte der Auguftana-
handfchriften hat inzwifchen Hafenclever in ZKG 1908 z. T.
neues Material beigebracht. — Intereffant find die von
Kolde wiederholt angeftellten begriffsgefchichtlichen Un-
terfuchungen. So wird S. XLIX vermutet, der terminus:
praecipua membra ecclesiae komme zuerft in Melanchthons
tractatus de potestate et primatu papae vor; oderS. LXXIX,
daß der terminus: symbola oecumenica auf Nik. Seinecker
1575 zurückzuführen fei (vgl. fchon Loofs: Symbolik
S. 63, der aber das Jahr 1577 angab). — S. LXXV11I wird
noch von einer Verpflichtung der Wittenberger Ordinan-
den feit 1535 auf Apoftolikum, Nicänum und Athanafianum
gefprochen; vgl. aber dagegen das Gießener Programm
von Drews: Die Ordination, Prüfung und Lehrverpflichtung
der Ordinanden in Wittenberg 1535 (1904).

Gießen. Köhler.

Kältner, Dr. Alexander, Gefchichte des teleologifchen Gottes-

beweifesvonderRenaiffancebis zur Aufklärung. Leipzig,
P. Stiehl 1907. (VII, 104 S.) gr. 8» M. 2.50

Der Verf., der zu feiner Arbeit durch P. Barth (Leipzig)
angeregt worden ift, befpricht in einem Vorwort kurz
die Stellung Kants zum teleologifchen Beweis. Die Achtung
, die der Königsberger Philofoph dem betreffenden
Argument entgegengebracht hat, erfcheint als ein Anlaß
dazu, dasfelbe ,auch heute noch Geiftlichen und Lehrern
zur Verwendung bei der Belehrung über Gottes Dafein,
feine Weisheit und Güte zu empfehlen'. Sie rechtfertigt
zugleich das Unternehmen, ,der Entstehung diefes Beweifes
in der Renaiffance nachzugehen und feine Gefchichte
bis zur Aufklärung darzulegen'.

In einem erften einleitenden Teil, der übrigens unfraglich
der intereffantefte ift, wird nun zunächft gefchil-
dert, wie in der Renaiffance mit den Gedanken der
ftoifchen Philofophie der Begriff der natürlichen Religion'
wieder auflebt, wie zugleich Aftronomie und Naturwiffen-

fchaften einen gewaltigen Auffchwung nehmen, und fo
j die Tendenz fich einftellt, das Dafein Gottes teleologifch
zu beweifen.

Folgt der zweite Teil, der den eigentlichen Stamm
der Schrift bildet. Er befchreibt das Umsichgreifen der
,phyfikotheologifchen Weltbetrachtung' im allgemeinen
während des Aufklärungszeitalters, indem er deren wich-
tigfte Vertreter in England, in Frankreich und Holland,
in Deutfchland aufzählt und kurz charakterifiert. Darauf

i werden die Spezialformen des ,phyfikotheologifchen' Beweifes
, nämlich der ,phytotheologifche', der ,zootheo-
logifche' und der .anthropotheologifche' durchgegangen,
wobei dasfelbe Verfahren wie vorher eingehalten und
diefelbe Disposition zugrunde gelegt wird. Endlich werden
die Theodizeeverfuche in Betracht gezogen, fofern fie mit

; dem phyfikotheologifchen Beweis je und je kombiniert
worden find.

In einem Anhang gibt der Verf. noch einen Uberblick
über die Beifpiele, durch welche man die zweite
Prämiffe des teleologifchen Beweifes (jedes zweckmäßig
und kunstvoll eingerichtete Werk ift das Werk eines
weifen und verständigen Wefens und nicht des Zufalls)
zu illustrieren beliebte, und kennzeichnet mit einigen Worten
die Auffaffung einzelner Denker über die Tragweite des
in dem genannten Argument vollzogenen Analogiefchluffes.

Daß das behandelte Thema eine Monographie wert
war, wird man nicht bestreiten. Daß der Verf. eine Fülle
von Material und eine Unfumme vereinzelter Notizen mit
Bienenfleiß zufammengetragen hat, erft recht nicht. Manchmal
freilich möchte der Lefer eine etwas straffer zu-
fammenhängende Darfteilung, vielleicht fogar breitere
Ausführlichkeit wünfchen. Wie inkohärent und apho-
1 riftifch ift beifpielsweife die Befprechung von Leibniz'
j Theodizee! Störend wirkt auch gelegentlich dieTermino-
j logie des Autors. So unterfcheidet er wohl zwifchen
I .natürlicher' und .rationaler' Theologie und versieht unter
| erfterer wefentlich die Lehrweife, die mit eingeborenen
1 Ideen, unter letzterer diejenige, die mit dem teleologifchen
Beweis operiert. Das ift doch mindeftens ein eigentümlicher
Sprachgebrauch. Zum Schluß noch die Frage:
1 Warum wird S. 70 Popes ,Essay on man' als ,Verfuch
am Menfchen' zitiert?

Straßburg i. E. E. W. Mayer.

Kühn, Pfarrer D. Ernst, Johann Georg Hamann, der Magus
im Norden. Verfuch einer erften Einführung in
feine Autorfchaft. Mit zwei Bildern. Gütersloh, C.
Bertelsmann 1908. (VIII, 112 S.) gr. 8° M. 1.60;

geb. M. 2.20

Das Schriftchen trägt auf dem Titel felbft einen im
Druck fo deutlich und stark hervorgehobenen Hinweis

! darauf, daß es nur Anfängern des Hamannftudiums etwas

i bieten zu können meine, daß jedes Urteil über es unbillig
wäre, welches einen fpezififch wiffenfchaftlichen Maßstab
anlegte. Als ein folcher würde es mir erfcheinen, wenn
man in ihm eine hiftorifche Würdigung Hamanns im

Zufammenhange feiner Zeit fuchte. Gildemeifter hat
zum Schluffe feines vielbändigen Werkes H. im Vergleich
und im Verhältnis zu den bedeutendften Männern, mit
denen er fich berührt und auf die er eingewirkt hat,
charakterifiert. Daß er da alles, oder auch nur wirklich
das Wefentliche geleistet habe, darf man billig bezweifeln;
es bleibt da noch vieles anders und beffer zu fagen.

j Neueftens hat H.Stephan in einem Auffatz der ZThK.

I (1902, S. 345—427) .Hamanns Christentum und Theologie'
lehrreich und m. E. glücklich zur Anfchauung gebracht.
Kühn kennt diefen Auffatz, wie eins feiner erften Zitate
beweift. Vielleicht hätte er gerade im Intereffe feines
Buches direkter darauf verweifen dürfen. Aber ich
vermute, daß er eben nur an H. felbft heranführen will
und es deshalb nicht zweckmäßig befunden hat, ,über'