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Ausgabe:

1908

Spalte:

42-44

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bruckner, Albert

Titel/Untertitel:

Quellen zur Geschichte des Pelagianischen Streites 1908

Rezensent:

Preuschen, Erwin

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Wellhaufen. J. Analyte der Offenbarung Johannis. (Ab- Von dem Verfaffer unterfcheidet W. dann noch den

Handlungen der Königlichen Gefellfchaft der Wiffen- .Herausgeber'. Mit Sicherheit laffcn fich diefem aber

™ . , i .« •/■ 1 T/i cc nur der Anfang (I, I—3) und der Schluß (22, 18 — 19)

fchaften zu Göttingen. Phflologifch-hiftonfche Klaffe. zuweifen_ Qb Kihm von den fonftigen Überarbeitungen

Neue Folge Band IX. Nro. 4.) Berlin, Weidmannfche auch noch ejnjges angehört, bleibt unentfchieden.
Buchhandlung 1907. (34 S.) 40 M. 2 — Ejne prüfUng der von W. vollzogenen Text-Analyfe

Die Refultate, zu welchen diefe Analyfe der Offen- müßte fich hier auf einige wenige Beifpiele befchränken.

barung Johannis gelangt, find in der Hauptfache folgende. Ich verzichte auch hierauf und fchließe ftatt deffen mit

Das Buch ift als ganzes von einem Chriften, der fich dem Bekenntnis, daß die Gründe, welche an fo zahllofen
Johannes nennt, zur Zeit Domitians verfaßt. Der Autor Stellen zu einer Scheidung zwifchen Vorlage und Überhat
aber zahlreiche Vorlagen benützt, deren Text er arbeitung geführt haben, mir nur in einer Minderzahl
überall durch Streichungen, Zufätze und fonftige Um- von Fallen überzeugend erfcheinen. Ob Andere fich
geftaltungen modifiziert und fo fich ,affimiliert'. Auf kräftiger von ihrer Wucht getroffen fühlen, wird ja die
Schritt und Tritt haben wir darum zwei Schichten des Zukunft lehren.

Textes zu unterfcheiden: die Vorlagen und die Umar- Güttingen E Schürer

beitung derfelben durch den Autor. Von der reinlichen ' B

Ausfcheidung der Vorlagen ('oder, wie W. fich ausdrückt,

vom Abkratzen der Tünche) hängt das Verfiändnis des Bruckner, Pfr. Lic. A., Quellen zur Gefchichte des Pela-

Buches ab. weil man fonft auf fchwankendem, doppeltem gjanifchen Streites. (Sammlung ausgewählter kirchen-

B°dDieftVorlagen find nicht viel älter als das Buch felbfi. und dogmengefchichtlicherQuellenfchriften, als Grund-
Die ältefien. und zugleich ficher jüdifchen Stücke find , Ege für Seminarübungen herausgegeben unter Lei-
kurz vor der Zerftörung des Tempels im J. 70 n. Chr. tung von Profeffor D. G. Krüger. Zweite Reihe,
gefchrieben, nämlich ii.i—2 und 12, 1 —17. Das kurze Siebentes Heft.) Tübingen, J. C. B. Mohr 1906. (VIII,
Orakel II, 1—2 (nur diefe beiden Verfe!) ftammt von IQ, g gr g« M x gQ

einem der Zeloten, welche während der Belagerung durch . Q- *„ ,

Titus den Tempelplatz inne hatten. Es ift verfaßt, als Eine handliche und uberfichthehe Quellenfammlung

die Römer die heilige Stadt bereits eingenommen hatten, zur Gefchichte des pelagianifchen Streites ift ohne Zweifel
und fpricht die Hoffnung aus, daß fie den inneren Tempel ein verdienftltches Unternehmen. Die Sammlung von
nicht einnehmen werden (Wellhaufen fcheint zu über- Aktenftucken und Berichten, die von den Maurinern als
fehen, daß die Eroberung des Tempels früher erfolgte Appendix an den 10. Band ihrer Auguftin-Ausgabe an-
als die der Oberftadt; auch wird man die Ausgabe eines gefügt worden ift, kann, trotzdem fie auch von Migne
fchriftlichen Orakels mitten in der Blut-Arbeit nicht aufgenommen worden ift (MSL XLV. 1609 sqq), nicht als
gerade wahrfcheinlich finden können). Zu dem zelotifchen ; allgemein und bequem zugänglich betrachtet werden, eben-
Örakel 11, 1—2 bildet 12, i —17 das pharifäifche Gegen- fowenig die lückenhafte Quellenfammlung von Garnier,
ftück. Die Frau ift die Elite der jüdifchen Gemeinde, die dem erften Band feiner Ausgabe des Marius Mercator
die in die Wüfte geflohen ift, fo daß der Drache nur (Paris 1673) angehängt ift. Um auch Studenten und
,die übrigen von ihrem Samen' bekämpfen kann. Aus Pfarrern die Möglichkeit zu bieten, die Hauptfachen des
dem Kreife jener Frommen, welche es nicht für Verrat hiel- Streites an den Quellen zu ftudieren, hat fich B., der mit
ten. fich dem Kampfe durch die Flucht zu entziehen, ftammt dem Gegenftand durch feine Studien über Julian von
unfer Stück, das aber in ftark überarbeiteter Form vor- : Eclanum vertraut ift, zur Herausgabe diefer verdienfilichen
liegt. — Wahrfcheinlich jüdifchen Urfprungs find auch ' Sammlung entfchloffen. Ihr einen größeren Umfang zu
die Grundlagen von Kap. 13 und 17. In Kap. 13 find j geben verbot die Rückficht auf den Zweck des Unterzwei
Stücke verarbeitet; der Gegenfatz zwifchen dem nehmens, in den fich diefe Veröffentlichung als ein Teil
großen und kleinen Tier ift aber erft vom Bearbeiter einfügen folltc, fowie die Dispofitionen der Redaktion
eingetragen: es gibt nur ein üiftiov, das römifche Im- und des Verlags. So mußte auch der femipelagianifche
per'ium. Die Zahl 666, die allerdings auf Nero zu deuten Streit leider völlig ausgefchaltet werden,
ift. ftammt vom Bearbeiter. Sie ift nicht der Schlüffel Unter diefen Umftänden wäre es unberechtigt, an der

zum Verftändnis. fondern der Schlüffel zum Mißverftändnis Auswahl eine allzuftrenge Kritik zu üben. Eine Auswahl
des frrjQiov. Auch der Lügenprophet in der zweiten wird immer fubjektiv bleiben, zumal wenn fie fich auf
Hälfte des Stückes ift erft eingetragen. Auch in K. 17 das Notwendigfte befchränken muß. So wird man es
find zwei Stücke verarbeitet, das eine aus der Zeit; nur bedauern, nicht tadeln dürfen, daß manches fehlt,
Vefpafians. das andere aus der des Titus. was man zu finden erwarten könnte, z. B. die wichtigften

Die Mehrzahl der Vorlagen, welche der Apokalyptikcr Nachrichten über Pelagius, Caeleftius, Julian; daß nicht
benützt hat, find aber nach W. nicht jüdifchen, fondern häufiger die Ausführungen, die Auguftin in den Predigten
chriftlichen Urfprungs. Zu den Vorlagen gehören auch gegeben hat, herangezogen werden, und fonft noch dies
die heben Sendfehreiben in K. 2 —3, denn auch hier weifen und jenes. Das Prinzip der Auswahl und die Dispofition
disparate Textbeftandteile auf die Überarbeitung einer des Stoffes (I. zur Gefchichte des Streites: Anfänge, BeVorlage
durch den Autor. Auch find die Sendfehreiben teiligung des Orients, die afrikanifche Gegenaktion, das
nur an fieben befondere Gemeinden gerichtet, deren , Schwanken Roms, die Entfcheidung, die Ausläufer, fpä-
Situation verfchieden war. ,Das ftimmt nicht zu jener > tere Nachrichten; II. zur Lehre der Pelagianer: Pelagius,
umverfalen Verfolgung, die vom Imperium ausging'. Der Caeleftius, Julian, Agricola; einige wichtige Lehrftucke
Apokalyptiker fetzt aber .anerkanntermaßen die Verfol- Auguftins, die freilich nicht unter diefer Hauptrubrik hätten
gung Domitians voraus' (S. 8). — Bemerkenswert ift be- untergebracht werden follen) wird man billigen müffen,
londers noch die Analyfe von K. 11, 3 — 13. Die /jiya/j] wie man auch gerne anerkennen darf, daß das mitgeteilte
ki s 1?' 8 nicht die heilige Stadt, fondern Ba- Quellenmaterial genügt, um ein in der Hauptfache deut-
bylon-Rom: das Stück alfo urfprünglich eine Bußpredigt liches Bild von dem Verlauf des Streites in feinen Hauptin
und für Rom. Die Beziehung auf Jerufalem ift fachen fowie von den dogmatifchen Streitpunkten zu
fekundär. gewinnen. Auch der Druck ift recht korrekt; an Druck-

Für die Hauptmaffe des Inhalts ift hiernach der Ver- fehlem wären außer Kleinigkeiten zu verbeffern S. 29, 20
faffer des Buches eigentlich nur Bearbeiter. Doch flammen j sciat ft. seiet; S. 32, 32 subucit ft. subiuit; S. 70, 28 salttm
auch einzelne größere Stücke ganz von feiner Hand, 1 ft. sallum S. 76, 16 diät ft. diris; S. 80, 25 donis ft. btmis
fo z. B. K. 4—5, auch 7, 9—17. S. 85, 18 signare ft. signari. Auch die Interpunktion ift

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