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Ausgabe:

1908

Spalte:

611-612

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Funk, Salomon

Titel/Untertitel:

Die Juden in Babylonien 200 - 500. II. Teil 1908

Rezensent:

Bacher, Wilhelm

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6u

Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 22.

612

(p. It3p n. n) lieft H nach Rabb. iilbsi l»; aber H lieft
richtig iibn ny = prpty. Ibid. {ibid. n. 1) -pytfl
H ift naturlich Schreib-'oder Druckfehler für pmxi.
Sanh. I09b (p. 352 n. b) ift aus F eine längere Stelle
mitgeteilt; darunter findet fich ib KFCET tlS; die volle
Endung KtT", die ich fonft nirgends angetroffen habe,
erhielte dadurch einen Beleg; aber leider lieft F nach
der mir zugegangenen Photographie ib ffiET rüttTriit,
wo von it am Ende keine Spur und die Formen überhaupt
hebräifch find. Überhaupt hat Rabb. mehrfach
ftillfchweigend geändert; häufig find feine Emendationen
plaufibel, aber dadurch bleiben wir in Unkenntnis des von
den Handfchriften wirklich Gebotenen. Ich bemerke
ausdrücklich, daß eine Abficht, die hohen Verdienfte des
Rabbinovicz zu fchmälern, mir ganz ferne liegt; noch
bleibt fein Werk feblft demjenigen, der die von ihm unter-
fuchten Handfchriften wieder an Ort und Stelle zu Augen
bekommt, ein notwendiges Hilfsmittel. Aber für philo-
logifche Zwecke ift fein Werk unbrauchbar und hat fchon
manchen irregeführt.

Was die Altfchülerfche Arbeit betrifft, fo ift allerdings
durch die Photographie manches, das im Original
unleferlich oder verwifcht ift, zu Licht gekommen; aber
wiederum ift in nicht wenigen Stellen die Reproduktion
durchaus nicht fo erfolgreich, daß fie im ent-
fernteften das Original erfetzt. Namentlich an den unteren
linken Rändern ift die Schrift ganz verdunkelt; hätte ich
nicht das Original zur Seite, fo würde ich den Inhalt
nur mit Mühe entziffern können. Was aber die Photographie
leiften kann, erfehe man aus den Leidener Publikationen
. Der Herausgeber hat fogar unterlaffen anzugeben
, welchen Seiten des gedruckten Textes jede
Seite der Handfchrift entfpricht! Und die Praefatio legt
Zeugnis ab von einer Oberflächlichkeit, die den Herausgeber
kaum als die geeignete Perfon fürs Unternehmen
darf! eilt. Der .Hauptkopift' wird Salomo, Sohn des
R. Simon genannt, er heißt aber: Salomo, Sohn des R.
Simfon. Der ,Verbefferer' war nicht R. Jofeph, fondern
Jehofifjah Benjamin. Der fpätere Eigentümer heißt
Mattithjah und nicht Mathias. Woher A. das Datum
1303 entnahm, weiß ich nicht; Steinfehneider fchreibt
1369, indem er einer leichtfertigen Emendation Grätzens
folgt; aber folio SOia und 5Ö3b (Steinfehneider fälfch-
lich: 503; auch ,12. Tebet' ebendaf. ift ein Fehler für
,17. Tebet') ift ganz deutlich gefchrieben T»btn rfiOD ro»
tlö© SpKb, was natürlich 1343 ergibt. Die Tranfkriptions-
methode des Orbis Antiquitatum kennzeichnet fich zur
Genüge durch Leiftungen wie 'Ejrübijn, Ra's hasanah,
Tabmüd, Mala'kat hamisakan, Qijnijn ufw. Das erweckt
in uns keinesfalls das Vertrauen zur Perfon des Herausgebers
, der uns ,die Quellen der Talmuden {sie) in Text,
Transkription und Überfetzung zugänglich zu machen'
verfpricht.

z. Z. in München. Max L. Margolis.

Funk, Dr. S., Die Juden in Babylonien 200—500. Mit einer
Karte von Babel. II. Teil. Berlin, M. Poppelauer 1908.
(XII, 160 S.) gr. 8» M. 4 —; geb. M. 4.80

Das Werk, deffen erfter Teil (148 und XXII S.) im
Jahre 1902 erfchien, fchließt mit diefem zweiten Teile ab.
Im erften Teile wurde die Gefchichte der Juden Baby-
loniens vom Anfange des dritten bis zum Anfange des
vierten Jahrhunderts geführt; der zweite Teil umfaßt das
vierte und fünfte Jahrhundert. Den fechs Kapiteln des
erften Teiles läßt der Verfaffer in fortlaufender Zählung
Kap. VII—XIV folgen, deren Inhalt zum größeren Teile
wohl die Wirkfamkeit der babylonifchen Schulen und
ihre Häupter bildet, die aber auch den gefchichtlichen
Rahmen, innerhalb deffen diefe Wirkfamkeit fich abfpielte,
mit großer Sorgfalt zur Darfteilung bringt. Das Bild der
gefchichtlichen Vorgänge und der Kulturverhältniffe des

Saffanidenreiches, foweit fie dasSchickfal der babylonifchen
Juden beeinflußten, tritt in der Erzählung des Verfaffers
überfichtlich und klar zutage. Er hat außer der Hauptquelle
, dem babylonifchen Talmud, auch andere Quellen
i benutzt und z. B. viel intereffante Daten aus den Homilien
des Aphraates gefchöpft (f. bef. S. 56—65: ,Die chriftlich-
jüdifche Polemik'). Natürlich widmet er befondere Auf-
merkfamkeit der Entftehungsgefchichte des babylonifchen
Talmuds, deffen Würdigung dem Schlußkapitel angefügt
ift (S. 125—136). Der Verfaffer hat auf feine Aufgabe,
eine vertiefte Darfteilung der Gefchichte der Juden Baby-
| loniens zu bieten, viel Fleiß und Hingebung verwendet,
j und man darf fein Werk als willkommene Bereicherung
der jüdifchen Gefchichtsliteratur bezeichnen. Für manche
Punkte, die er zum Teile in befondern Noten am Schluffe
beider Teile erörtert, bietet er neue Auffaffungen und
Kombinationen. So verdient die Zurückverlegung des
Aufftandes des Exilarchen Mar Sutra II. um einige Jahr-
i zehnte nähere Erwägung. Aber die neuen Aufhellungen
j des Verfaffers find nicht immer glücklich, fo wenn er in
| talmudifchen Ortsnamen die Städte Ispahan (S. 146) und
Edeffa (S. 148) erkennen will. Auch fonft läßt es der
Verfaffer an der gehörigen Kritik fehlen. So wenn er
(S. 124) die merkwürdigen Berichte über eine meffianifche
Weisfagung, die ein im römifchen Heere dienender Jude
in einer hebräifchen Rolle fand, an das Ende des fünften
Jahrhunderts verfetzt. Zu diefem Behufe identifiziert er
den Rab Jofeph, dem ein fonft nirgends genannter Chanan
b. Tachlifa von diefem Funde Mitteilung macht, mit dem
Sabora Jofeph. Nun ift aber zweifellos auch hier, wie
anderwärts, Rab Jofeph kein anderer, als das bekannte
Schulhaupt von Pumbeditha (ft. 323). Für den
Namen des anderen Amora aber lautet die richtige Lesart
NBibnn p pv 31 Anan b. Tachlifa war, gleich Jofeph,
ein Schüler Samuels. Der Verfaffer hätte die Unrichtigkeit
feiner Identifikation fchon daraus entnehmen können,
I daß der Talmud eine Variante zu jenem meffianifchen
j Berichte im Namen Acha's, des Sohnes Rabas (Mitte
■ des 4. Jahrhunderts) anführt. Noch auffallender ift das
Verfehen des Verfaffers in der Datierung des in Jebamoth
115 b berichteteten Vorfalles. Obwohl Abaji und Raba
den Vorfall zum Gegenflande der Kontroverfe machen,
verlegt ihn F. (S. 120) ans Ende des fünften Jahrhunderts
(die in der Anmerkung daf. verfechte Rechtfertigung ift
unhaltbar). Der Amora Bebai (1313 3~l), um deffen
Neffen es fich in jenem Vorfalle handelt, war tatfächlich
ein Zeitgenoffe Abajs und Rabas. — Im Anhange (S.
148—160) erhalten wir bemerkenswerte Ausführungen
über ,die bedeutendften Judenftädte im engern Babylon',
Ergebniffe der Forfchungen des Verfaffers für feine Arbeit
in den ,Monnmenta ludaica' (f. oben Sp. 163—166).
Die in den M. I. enthaltene Karte von Babel nach talmudifchen
Quellen ift auch diefem Werke beigegeben. —
Der Verfaffer fchreibt lebhaft und anziehend, wird aber
hier und da ohne Not pathetifch. Auch an kleinen fprach-
lichen Entgleifungen fehlt es nicht (S. 25, Z. 16: ,Letzteren',
d. h. Späteren; S. 89, Z. 6: ,Mitfchüler Rabas', d. h. gleich
ihm Schuler Rabas.

Von den Druckfehlern feien einige berichtigt. S. 2,
Z. 6 v. u. 1. Kaifer ft. König. — S. 10, Z. 13 1. dritten ft.
vierten. — S. 73, Z. 12 1. Rabbas ft. Rabas. — S. 101,
Z. 8 1. hochbetagte ft. hochbegabte. — S. 103, A. 1 1.
Sendfehreiben ft. Handfehreiben. — S. 143, Z. 9 und IO
v. u., ft. Robad 1. Kobad.

Budapeft. W. Bacher.