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Ausgabe:

1908

Spalte:

33-34

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Haupt, Paul

Titel/Untertitel:

Purim 1908

Rezensent:

Volz, Paul

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark..

Nr. 2. 18. Januar 1908. 33. Jahrgang.

. ...

Haupt, Purim (Volz). | Tertullien, De praescriptione haereticorum,

Mayfer, Grammatik der griechifchen Papyri texte latin, traduction frangaise etc. par La-

aus der Ptolemäerzeit (Wackernagel). briolle (Jülicher).

Steinmetzer, Neue Unterfuchungen über die Ecclesiae Occidentalis monumcnta juris antiquis-

Gefchichtlichkeit der Juditherzählung (Schürer). | sima ed Xurner n , (jülicher).
Wellhaufen, Analyfe der Offenbarung Johannis 1, . . - ,

Schürer) i *otn Corpus Scnptomm Christianorum Onen-

Bruckner, Quellen zur Gefchichte des pela- , talium VI (Neftle).

gianifchen Streites (Preufchen). --— VII (Neflle).

Acta Salzburgo-Aquilejensia, Bd. I, bearb. von
Lang, 2. Abt. 1352—1378 (Haller).

Hermelink, Die theologifcheFakultät in Tübingen
vor der Reformation 1477—1534 (Köhlerl.

Thilo, Leibniz's Religionsphilofophie (E. W.
Mayer).

Die Kultur der Gegenwart I, 6: Syftematifche

Philofophie (E. W. Mayer).
Bekanntmachung der deutfchenOrientgefellfchaft.

Haupt, Prof. Paul, LL. D., Purim. Address delivered at
the Annual Meeting of the Society of Biblical Lite-
rature and Exegesis, New York, December 27, 1905.
Leipzig, J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung 1906. (53 p.)
Lex. 8» Kart. M. 4 —

Der Wurzelflock des j'üdifchen Purimfefles fetzt fich
aus iolgenden Teilen zufammen: erfte Wurzel ift der ba-
bylonifche Naturmythus, der den Sieg der Frühjahrsgottheit
über den Wintergott darfteilt; mit diefem babylo-
nifchen Frühlirgsfeft verband fich die kultgefchichtliche
Legende, die die Übervvindung der elamitifchen Gottheiten
Humman (Haman) und Masti durch die babylonifchen
Hauptgötter Marduk (Mordecai) und Ifthar (Efther)
feierte; diefe babylonifche Natur- und Kultfeier ging als
Frühlingsfeft auch in perfifchen Gebrauch über und wurde
den perfifchen Juden bekannt. Ein jüdifchcr Dichter,
der zur Zeit des Makkabäerkampfes lebte, bemächtigte
fich des Stoffs und wob ein zeitgefchichtliches Bild in
den gegebenen Stoff hinein. Er hat den wunderbaren
Sieg der Juden über den grimmen Nikanor erlebt; fo
wird ihm Nikanor zu Haman, der hohepriefterliche Jonatan
zu Mordecai, Alexander Balas zu Ahasverus, deffen Frau
Kleopatra zu Efther. Es ift eine köftliche Gefchichte,
der Zeitgenoffe verfteht ja das Spiel der Ffguren; das
fchon bisher gefeierte babylonifch-perfifch-jüdifche Frühlingsfeft
hat nun eine fröhliche, aus dem nationalen Hoch-
gelühl genommene jüdifche PYftgefchichte. Das Buch
Efther ift alfo eine Feftlegende für das Purimfeft, gefchrie

faßt worden wäre, um das Purimfeft den Juden zu erklären
und anzuempfehlen.

Die kleine Schrift von H. ift eine ganze Fundgrube
von kult-, religions- und fprachgefchichtlichem Material.
H. beraufcht fich zuweilen geradezu an den Parallelen
aus allen Gebieten der Etymologie, Pfychologie ufw.,
aus allen Gebieten der Erde (Efther, Ifthar, Sheherazade,
<Paiövpirj; fprachgefchichtliche Parallelen zu Bovyaioq,
dem Beinamen des Haman in LXX). So ift das Büchlein
zugleich ein ausgezeichnetes Mutter für einen, der
fich in religionsgefchichtliche Unterfuchung lernend vertiefen
will: überall in der Welt finden fich diefelben
Motive. Das reizt zur Vergleichung und mahnt zur Vorficht
in der Deutung und Gleichfetzung.

Tübingen. Volz.

Mayfer, Prof. Dr. Edwin, Grammatik der griechifchen Papyri
aus der Ptolemäerzeit mit Einfchluß der gleichzeitigen
Oflraka und der in Ägypten verfaßten Infchriften.
Laut- und Wortlehre. Leipzig, B. G. Teubner 1906.
(XIV, 538 S.) gr. 8° M. 14 —

Das vorliegende Werk bildet ein Seitenftück zu der
drei Jahre vorher erfchienenen ,Memoria Graeca Herrn
lanensis' von Wilhelm Crönert. Während in diefer die
literarifchen Papyri fprachlich ausgebeutet find (allerdings
mit beftändigem Ausblick nach jeder Art verwandter
Überlieferung), gilt Mayfers Arbeit dem Zeugniffe, das
die gefchäftlichen Papyri, private und ftaatliche, von der

?fVi°in r?mim P , Juden Um I3°; fo' W1C daS I Sprache des Lebens ablegen.
3. Makk.-Buch eine alexandrinifche, Judith eine paläfti- I Auf diefes Zeugnis hat man immer etwas geachtet,
miche Punmlegende ift. Der Name Purim flammt nach | feitdem fich überhaupt (durch Schows 1788 erfchienene
ri. von einem altperfifchen Äquivalent für vedifches/Ä/V« ru„„*„ n_____•____i j:„o>„ c«..-;„l „_.;i„. f"r«_i:.r___________

{portio) = Teil = Feftgefchenk; möglicherweife fekun
där, als populäre Etymologie, ift die Deutung: Los, Schick-
falslos.

Im Prinzip ift diefe Deutung des Purimfeftes und
des Fftherbuchs gewiß richtig. Viel altes mythologifches
Material (naturhaftes und kultgefchichtliches) erfcheint
in neuem, zeitgefchichtlichem Gewand. Auch unfre
chriftlichen Fefte haben, wie H. anfehaulich ausführt,
folch zufammengefetzten Charakter. Es ift leichter, das
antike mythologifche Material zu beftimmen, als die
zeitgefchichtliche Deutung zu finden. So werden wir
die Auffaffung des Purim als eines Frühlingsfeftes, die
Gleichfetzung der jetzigen Figuren mit den alten Göttern
Marduk ufw. fofort anerkennen; dagegen die Deutung
auf den Sieg über Nikanor, die Gleichfetzung Mardocais
mit Jonatan und befonders die der Judin Efther mit der
ägyptifchen Prinzeffin Kleopatra bleiben zweifelhaft. Mit

Charta Borgiand) diefes Stück antiker Üerlieferung zu er-
fchließen begonnen hatte. Die Exegefe forderte genaues
lexikalifches Verftändnis der neuen oder auf neue Weife
gebrauchten Wörter, die in diefen Texten begegneten.
Die Kritik mußte fich mit ihrer oft fo eigentümlichen
Schreibweife auseinanderfetzen. Allmählich gelangte
einiges von dem auch in die Lexika und die Grammatiken.
Aber eben nur fporadifch, fodaß eine volle Würdigung
unmöglich war. Durch die ungeheuer reichen, in rafche-
fter Polge fich ablötenden Funde der letzten zwei Jahrzehnte
und das Auswachfen der Papyruskunde faft zu einer
eignen Disziplin drängte fich der Verfuch einer zufammen-
faffenden Darftellung der Sprachtatfachen auf. Nachdem
St. Witkowski einen Prodromics gratnmaticae papy-
rortim Graecarum aetatis Lagidanim (Krakau 1897) hatte
erfcheinen laffen, gab Mayfer 1898 und 1900 in einem Heil-
bronner und einem Stuttgarter Programm eine Darftellung

agyptilchen I rinzelhn Kleopatra bleiben zweifelhaft. Mit des Vokalismus und des Konfonantismus der ptolemäifchen
Recht redet H. nichts davon, daß das Eftherbuch ver- | Papyri. In dem hier zu befprechenden Werke ift diefe

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