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Ausgabe:

1908

Spalte:

321-323

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Grimme, Hubert

Titel/Untertitel:

Das israelitische Pfingstfest und der Plejadenkult 1908

Rezensent:

Volz, Paul

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.
Jahrlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jahrlich 18 Mark.

Nr. 11. 23. Mai 1908. 33. Jahrgang.

Grimme, Das israelitifche Pfingftfeft und der
Plejadenkult (Volz).

Smend, Die Weisheit des Jefus Sirach (Jülicher
).

— Griechifch-fyrifch-hebräifcher Index zur Weisheit
des Jefus Sirach (Derf.).

Lorge, Die Speifegefetze der Karäer von
Samuel el-Magrebi (Bacher).

Lewis, Supplement to a Palestinian Syriac
Lectionary (Schwally).

Lewis and Gibson, Forty-one Facsimiles of
dated Christian arabic Manuscripts (Schwally).

Rogala, Die Anlange des arianifchen Streites
(Krüger).

Drews, Studien zur Gefchichte des Gottes-
dienftes und des gottesdienfllichen Lebens II
u. III (Kattenbufch).

Seipel, Die wirtfchafts-ethifchen Lehren der
Kirchenväter (Grützmacher).

Sauter, Kolloquien über die heilige Regel

(Grützmacher).
Voigt, Brun von Querfurt (Kattenbufch).
Ludwig, Weihbifchof Zirkel von Würzburg

2 Bde. (Zfcharnack).
Knodt, Johann Hinrich Wichern (E. Chr.

Achelis).

Arnal, La philosophie religieuse de Charles

Renouvier (Lobflein).
Catholici, Lendemains d'Encyclique (Lobflein).

Grimme, Prof. Hubert, Das israelitifche Pfingftfeft und der
Plejadenkult. Eine Studie. Mit drei Tafeln. (Studien
zur Gefchichte und Kultur des Altertums. Im Auftrage
und mit Unterffützung der Görresgefellfchaft
herausgegeben von E. Drerup, H. Grimme und J. P.
Kirfch. ErfterBand. ErftesHeft.) Paderborn, F.Schö-
ningh 1907. (VIII, 124 S.) gr. 8« M. 3.60

Die bisherige Deutung des israelit. Pfingftfeftes als
des israelit. ,VVochenfeftes' und eines Erntefeftes hat
manche Einzelheiten des AT.lichen Gefetzes unerklärt
gelaffen. G. fpricht zunächft die AT.lichen Stellen durch,
wobei er feftftellt, daß das Datum des Feftes nicht ein

jetzt find die Plejaden die Hauptträger der Feftidee (nicht
mehr Marduk bzw. der Mond); der Fefttermin wird in
Kanaan tiefer ins Jahr hineingerückt, eben weil das Feft
jetzt den Plejaden gilt; dazu kommt noch die Verknüpfung
der Erntegebräuche. Die Israeliten übertrugen
das kanaan. Feft auf ihren Jahwe (Ex. 3422 LXX "61);
die ältefte Phafe der Entwicklung zeigt Lev. 23, wo die
Opferbeftimmung echt ift; Deut, will abfichtlich nj>Zi© JH
als ,Wochenfeft' verbanden wiffen und überdeckt die
mythologifche Grundlage durch den gefchichtlichen Aufdruck
. Ezech. fucht das Feft auszufcheiden, es erhält
fich aber, wird ein befonders gefeiertes Feft, vgl. die
ägypt. Therapeuten, die Jubil. Es ift ein Feft, bei dem
Clp Slptt oder rflS? ftattfand. d. h. die Einberufung der
wandelndes, fondern ein feftes war (der 50. Tag vom 16. j .Heiligen' im Gegenfatz zum profanen Volk. Die fpät

des 1. Mts. an), und daß Israel in äfterer Zeit einen auf
den 15. des Mts. fallenden Sabbat kannte. Die ungelöften
Rätfei des Pfingftgefetzes find vor allem: Zahl und Art
der Opfer, die Befonderheit der 49 Zwifchentage und
der Name nj>2». G. deutet diefen Namen n»n» ==
Siebenergottheit — Plejadengottheit. Der Mythus von
den Plejaden, die den Mond in die Enge treiben, den
Himmel während des letzten"Monats im Jahr, unmittelbar
vor dem Frühjahrsäquifloktium beherrfchen und von
Marduk (Orion) befiegt werden, findet fich bei den Baby-
loniern; die Plejadenverehrung läßt fich dazu im ganzen
Gebiet zwifchen Babylonien-Affyrien und der Mittelmeer

judifche Feftlegende enthüllt noch deutlicher die Beziehung
zum alten Plejadenfeft und zu jenem harranifchen Mond-
feft. Auch das Jobeljahr fleht in dem großen orien-
talifchen Zufammenhang wie das Pfingftfeft; es hängt mit
dem babylon. bubbulum (Pfingftperiode) zufammen und
ift älter als das israelit. Pfingftfeft. G. fügt etliche gute
Abbildungen bei, die meift 7 Sterne enthalten, von G. auf
die Plejaden gedeutet.

Unleugbar hat die Deutung n»Stt? = Plejadengottheit
etwas Beftechendes, und es fleht von Haus aus der Annahme
nichts im Weg, daß die Israeliten ein altes Plejadenfeft
auf Jahwe übertrugen. Aber die Grundlagen

küfte nachweifen. Auch das AT. zeigt Spuren davon: der Beweisführung von G. find fämtlich noch zu brüchig,
Namen wie yscb« (mein Gott ift das Siebengeftirn), der als daß eine fichere wiffenfchaftliche Überzeugung darauf
Kult von ya»1»3 deuten darauf hin; auch Ri. 5 20 f. Am. 525 j gebaut werden könnte. Einmal fleht nicht feft, daß die

Jef. 1418 fpielen wohl auf die Plejaden an und arjn fleht
mit ihnen in Verbindung. Von den Stellen fpeziell, in
denen das Wort n3>l© vorkommt, laffen fich die 3 bisher
unerklärlichen Hab. 3-» Jer.. 521 Ez. 2128 erft recht vernünftig
exegefieren mit der Überfetzung nM© = Plejadengottheit
; Nu. 2821; fordert die Israeliten auf, die Opfer
Jahwe in feiner Eigenfchaft als ihrer Plejadengottheit
darzubringen; nur Ez. 4521 (Siebenheit) und Dt. 16n
(Woche) bleiben abfeits. Somit ergibt fich als befte
Deutung von nso© Sri: Feft der Plejaden. Der Plejaden-
mythus in Feftgeftalt nun ift uns in Einzelheiten aus
Babylonien und aus Harran überliefert, genauer ein Marduk
- bzw. ein Mondfeft mit Plejadenmotiven, auch aus
Griechenland hören wir Ähnliches. Gewiß hatte auch
Kanaan fein Plejadenfeft, vgl. den Kult von JDttniO.
Durch jenes harranifche Feft werden uns die 49 Zwifchentage
verftändlich, da fich jenes Mondfeft über 49 bis 51
Tage erftreckt; ebenfo fällt Licht auf Zahl und Art der
Pfingftopfer, da der harranifche Kult Ähnliches aufweift.
Das kanaanit.-israelit. Pfingftfeft enthält aber andrerfeits
bedeutfame Unterfchiede vom babylonifch-harranifchen:

,Siebengötter' die Plejaden find, oder daß überall, wo die
.Siebengötter' genannt find, die Plejaden gemeint feien;
dasfelbe gilt fpeziell von »rnö-ÖK, dem Kult von J>a© ufw.
Weiter ift auch die Exegefe der genannten nynfljftellen
mit Hilfe der Plejaden noch nicht zu völliger Befriedigung
gebracht; namentlich fcheint die Überfetzung inNum. 2820
Jahwe als euerer Plejadengottheit' kaum denkbar, auch
wenn man die Zeit von Num. 2826 in noch fo hohes
Alter hinauffchiebt. Der fchwächfte Punkt ift die Ver-
gleichung des ,kanaan.-israelit.' Pfingftfeftes mit dem
harranifchen Mondfeft. Hier ftimmt fo gut wie nichts.
Daß der Träger des Feftes wechfelt, ift doch keine
Nebenfache; ebenfo die Verfchiebung des Fefttermins,
alfo der ganzen Feftidee; die 49 bzw. 51 Tage find dort
die Zeitdauer des harranifchen Mondfeftes felbft, hier
nur die Zwifchentage; die im Pftngftgefetz genannten
Opfer find zwar auch im harranifchen Mondfeft ähnlich,
aber durchaus nicht identifch und find dort auf die ver-
fchiednen Zeitpunkte des Feftes verteilt; außerdem find
die Opfer des israelit. Pfingftfeftes Nu. 28 durchaus nicht
bloß für diefes charakteriftifch. Eine Verwandtfchaft des

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