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Ausgabe:

1908

Spalte:

4-5

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

A Concordance to the Septuagint and the other Greek Versions of the Old Testament (including the Apocryphal Books) by the late Edwin Hatch and Henry A. Redpath. Fasc. II 1908

Rezensent:

Schürer, Emil

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gifchem Gefpinft und Volksfage, zwifchen biblifchem
und antikorientalifchem Stoff zu fcheiden. Das ift befon-
ders deutlich bei feiner Behandlung des doppelten Charakters
von Adam (als erftem Menfchen und als Urmen-
fchen) und von Eva (als erftem Weib und als Dämon), j
Bei den Parallelen der außerbiblifchen Religionen fehlt die
fehr bezeichnende chinefifche vom Weib mit den beiden
Söhnen und der Schlange. Die Beziehung zwifchen
der jüdifchen und babylonifchen Mythologie dürfte noch
forgfältiger ausgeführt fein; W. denkt fich, daß die Juden
im Exil den mythologifchen Ideenkreis der Babylonier
von der Schöpfung des Urmenfchen, dem Paradies ufw. j
kennen lernten und auf Grund ihrer religiöfen Anfchau- j
ung umbildeten. Dabei hält fich W. hier in gefunder
Weife frei von der Übertreibung des babylonifchen Ein-
fluffes. Richtig ift feine Erkenntnis, daß oft in den jüng- {
ften Midrafchwerken fich uralter Stoff findet.

Trotz allem Mangel im Methodifchen ift die Stoff-
fammlung der jüdifchen und namentlich auch der mos-
lemifchen Auslagen über Protoplaft und Sündenfall und
die erftmalige Überfetzung des biblifchen Sündenfallbe-
richts nach dem Jalkut Schim'oni wertvoll.

Tübingen. Volz.

Ludwig, Carolus, De psalmis delectis emendatius ac metrice
edendis. (Progr.) Lipsiae, G. Fock MCMVII. (13 p.) j
40 M. I —

Ludwig meint, daß Kittels Biblia Hebraica, weil
fie die textkritifchen Verbefferungen ftatt in dem Texte
unter ihm biete, fich für den Schulgebrauch nicht recht
eigne. Durch Duhm angeregt hat L., als Lehrer des |
Hebräifchen feinen Schülern altteftamentliche Gedichte, |
metrifch und textkritifch fein gefäubert, vorgelegt. Als
Proben feines Verfahrens und zugleich als Vorläufer
einer geplanten größeren Ausgabe hebräifcher Lieder
führt uns jetzt L. die Pfalmen 42/3, 23, 39, 110, 67, 107,
146, 51, 2, 90, 46 und 29 metrifch und kritifch vor. Das
Ganze ift, wie fofort gefagt fein foll, nicht bloß ein fchönes
testimonium eruditionis des Verf.s, fondern eine Förderung
der Pfalmenforfchung nach der eben angegebenen
Richtung hin. Es liegt freilich im Wefen der Sache, daß
die Förderung nur in Einzelheiten beliehen kann.

Es läßt fich nicht beftreiten, daß L.s Verfahren, die
kritifchen Verbefferungen in den Text felbft aufzunehmen
— ein Verfahren, das natürlich Kittel felbft reiflich er- 1
wogen, aus praktifchen und anderen Gründen aber beifeite
geftellt hat, — einen gewiffen Vorzug hat vor der von I
Kittel fchließlich befolgten Methode, fämtliche Noten j
unter dem Texte zu bieten. Warum foll man die Fehler [
des maforetifchen Textes in omnia saeada verewigen j
und fich nicht im Texte felbft angebrachte Verbefferungen
gefallen laffen, die gelegentlich durch einen fchon oft j
mehr als hundertjährigen consensus doctorum gebilligt
find, befonders wenn auch die Verfionen dafür eintreten?
Aber wenn nun in wirklich vorhandene, durch die Verfionen
nicht ausfüllbare Lücken des maforetifchen Textes
Neudichtungen treten, wie z. B. die gar nicht üble tp 23 4
nntt Xb ilb^b -nB'a D3i (S. 6), fo wird man bei folchen
Verbefferungen, mögen fie auch noch fo plaufibel fein,
fich doch fragen müffen, ob fie verdienen in den Text
geftellt zu werden. Ift nicht ein Unterfchied zwifchen
einer durch die Verfionen, und einer durch pure Konjektur
erzielten Verbefferung? Die Buntfeheckigkeit des
Textes, vor der Kittel zurückfehreckte, ift für L. eine
Herzensfreude. Er ift fich auch meift der Treffficherheit
feiner Verbefferungen bewußt: fo und nicht anders hat
der Urtext gelautet! Wo bleibt die Unterfcheidung
zwifchen Möglichem, Wahrfcheinlichem und Sicherem?
Warum foll in einem kritifchen hebräifchen Texte in
Zweifelsfällen oder bei größeren Verderbniffen nicht
auch einmal eine Lücke am Platze fein, für die dann
unter dem Texte Befferungsvorfchläge gemacht werden?

Wie man bei einer Schulausgabe des Horaz (S. 4) verfährt
, kann für die Schulausgabe altteftamentlicher Texte
ziemlich gleichgültig fein. Oder foll ich L. erft daran
erinnern, daß es mit der Textgefchichte und den Hand-
fchriften des A.T. feine eigne Bewandtnis hat? Nur nicht
nivellieren — das ift unteroffiziermäßig! Was hier angebracht
ift, kann dort vom Übel fein! Das ganze Verfahren
L.s macht einen etwas befehlshaberifchen Eindruck.
So darf man wohl Schülern kommen, die noch an die
Unfehlbarkeit ihres hebräifchen Lehrers glauben — aber
ift das pädagogifch, proteftantifch und fchließlich auch
philologifch? Ergänzungen find durch ( ), Geftrichenes
durch [ ] kenntlich gemacht. Verbefferungen nach Verfionen
, Handfchriften oder Paralleltexten find einfach nur
durch Zahlen notiert. Dabei ift man gelegentlich im
Zweifel, wie weit die Verbefferung reicht. So z. B tß 42 5
"JOS 8), wo die 8j Verbefferung zweier Wörter
umfaßt. Überhaupt wäre zu wünfehen, daß die Qualitäten
der Verbefferungen, ob durch Verfionen, Handfchriften ufw.
gewonnen, durch verfchiedene kritifche Zeichen angedeutet
würden, die auch über den Umfang des ver-
befferten Textes keinen Zweifel ließen. Ob Kittels Verfahren
das Idealverfahren ift, braucht hier nicht unter-
fucht zu werden. Jedenfalls hat Ludwigs Verfahren, zu
deffen Gunften manches fpricht, doch auch eine Reihe
Bedenken gegen fich, die er noch einmal in Erwägung
ziehen möge, bevor er uns eine größere Ausgabe hebräifcher
Gedichte befchert.

Die Haupterforderniffe dafür: metrifches und text-
kritifches Taktgefühl befitzt Ludwig in anerkennenswertem
Maß. Freilich flehen hier gute Vorarbeiten zu Dienften,
befonders Baethgen, Buhl-Kittel,Duhm und Gunkel,
die Ludwig mit Gefchmack zu benützen verlieht. Auch
feine eigenen Verbefferungen find meift gefchickt.

Zum Schluß einige Bemerkungen zu den jetzigen
Anderungsvorschlägen. Ob 422 MISS mit Baethgen zu
ergänzen ift? Vielleicht ift hier IttD oder n©K3 ftatt 3 vor
bin vorzuziehen. 4210 wird L.s ibnnx flatt 'rbtt anzuerkennen
fein. ?/'23 ift in Qinaverfen gedichtet. 231 erklärt
L. nach Duhm, daß i-H35> iif.St "kO das Kurzglied der
Qinazeile ift, deren Langglied fehlt. Auch die Herftellung
des Eingangs 23 1—3 halte ich für glücklich. Beachtenswert
fcheint mir auch die Rekonflruktion von rp 110, namentlich
v. 3, wo L. mit Recht die Vorfchläge Buhls berück-
fichtigt. Befonders glücklich ift die Behandlung von ty> 51.
Ob aber 5112 trm zu ftreichen war? Ift 465 litbS) ftatt
1lb£ eine Verbefferung?

Straßburg i/Elf. Georg Beer.

A Concordance to the Septuagint and the other Greek Versions
of the Old Testament (including the Apocryphal
Books) by the late Edwin Hatch, MA., DD., and
Henry A. Redpath, MA., DLitt, assisted by many
scholars. Supplement by Henry A. Redpath, MA.,
DLitt., Fase. II. containing a Concordance to Eccle-
siasticus, other Addenda and Hebrew Index to the
whole work. Oxford, Clarendon Press 1906. (272 p.)
gr. 40 s. 16 —

Zu der in den Jahren 1892—1897 erfchienenen Hatch
Redpath'fchen Konkordanz (f. Theol. Litztg. 1892, 369.
1897, 234) wurde im J. 1900 ein erftes Ergänzungsheft
ausgegeben, welches die Eigennamen enthielt (f. Theol.
Litztg. 1900, 651). Das vorliegende zweite und letzte
Ergänzungsheft hat einen dreifachen Inhalt:

1) Eine Konkordanz zu denjenigen Stücken des
Jefus Sirach, für welche wir jetzt einen' hebräifchen
Text haben. Über die Schwierigkeit eines folchen Unternehmens
hatSmend in feinem bald nach Hatch-Redpath'
Konkordanz erfchienenen Griechifch-fyrifch-hebräifchen
Index zu Jefus Sirach (1907) fich eingehend geäußert.