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Ausgabe:

1908 Nr. 6

Spalte:

177

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schubert, Hans von

Titel/Untertitel:

Outlines of Church History 1908

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Seite 1

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177

Theologifche Literaturzeitung 1908 Nr. 6.

178

Bibliographie der kirchengefchichtlichen Literatur. Jahrgang
1906/07. Beiheft zum XXVIII. Band der „Zeitfchrift
für Kirchengefchichte." Gotha, F. A. Perthes 1907.
(146 S.) 8» M. 6 —

Die den einzelnen Vierteljahrsheften beigegebene
Bibliographie für den ganzen Jahrgang gefammelt als
befonderes Beiheft herauszugeben, ift eine äußerft dankenswerte
Einrichtung. Bei dem naturgemäß fehr ver-
fpäteten Erfcheinen des ,Theologifchen Jahresberichtes' ift
diefe Bibliographie der Zeitfchrift für Kirchengefchichte

nur aus den Synoptikern, allenfalls noch aus den echten
Paulinen beftimmt wird. Es wird freilich anerkannt,
daß das urfprüngliche Chriftentum fich eng mit den Er-
rungenfchaften der antiken Kultur berührte und fomit
auch fruchtbare Weiterbildungen unter dem Einfluß heid-
nifcher Umgebung erfuhr, die nur infoweit als heidnifch
bezeichnet werden können, als fic den Grundprinzipien
des Chriftentums widcrfprechen. Aber in der pofltiven
Durchführung feiner Thefe, daß ,das Heidentum' Kirchenlehre
und Kirchenverfaffung völlig verfälfcht habe, merkt
man von der freundlichen Stimmung gegen die Errungenein
unentbehrliches Hilfsmittel für alle, die auf kirchen- I fchaften der antiken Kultur nicht allzuviel: falfche Wert-
gefchichtlichem Gebiete arbeiten, zumal der Rahmen der fchätzung des Alten Teftaments, fittlicher Rückfall in"s
fkirchengefchichtlichen' Literatur erfreulicherweife recht j Heidentum, Anthropomorphismus und Polytheismus, Wunweit
gezogen ift: von der allgemeinen Religionsgefchichte j deraberglaube, heidnifcher Opferbegriff, Abendmahl und
bis zu den neueften Zeitkontroverfen hat alles hier Auf- Meffe, Hierarchie, das find die Themata, an denen der
nähme befunden. Die Reichhaltigkeit ift eine überaus innere Verfall des Chriftentums bei äußerem Sieg dargroße
, ja, man kann wohl ruhig von Vollftändigkeit ' gelegt wird. Erklärung und Entfchuldigung aus den
fprechen. Ich habe, foweit ich es verfolgen konnte, Zeitverhältniffen will Soltau nicht gelten laffen, vielmehr
kaum eine wichtigere Veröffentlichung vermißt (z. B. bleibe die Tatfache diefer Verfetzung des urfprünglichen
die von Leitner in der ,Theol.-prakt. Monatfchr.' ver- Chriftentums mit heidnifchen Elementen tief bedauerlich
öffentlichten .Schell-Dokumente'). Die Überfichtlichkeit, als Anzeichen für einen bedenklichen Verfall der menfch-
welche begreiflicherweife unter der Fülle des Stoffes ; liehen Entwickelung, da das urfprüngliche, fo arg gefchä-
leidet, würde größer fein, wenn an Stelle des minder digte Chriftentum einen abfoluten Wert befitze,
wichtigen Autorenverzeichniffes ein alphabetifches Sach- Das alles wird nicht fyftematifch, fondern in gefchicht-

regifter beigefügt wäre, das dann zugleich einen nicht lieber Darftellung vorgeführt, und es muß anerkannt
unintereffanten Überblick über die jeweils befonders ; werden, daß der Verfaffer, der eine außerordentliche Bebevorzugten
Arbeitsgebiete gäbe. Die Abkürzungen j lefenheit in den Quellen und in der neueren Literatur befind
nicht immer glücklich gewählt, z. B. MfGoKrlKu! ! fitzt und geltend macht, mit der an ihm vorteilhaft be-
BiblEcHEt! find doch nur für den erkennbar, der die | kannten Emfigkeit ein großes Material zufammengetragen
betr. Zeitfchrift bereits kennt, was doch nicht ohne hat. Aber die extreme Thefe zu tragen, reicht es u. E.
weiteres vorausgefetzt werden kann. nicht aus, und Ref. muß für feine Perfon bekennen, daß

gg-ij p Pape feine Anfchauung vom Verlauf der Kirchengefchichte
er '"'__ ! und damit von dem Verhältnis zwifchen ,Heidentum' und

Schubert, Prof. Hans von, Outlines of Church History. j -Chriftentum' fich mit der vom Verfaffer vorgetragenen
™ , . , , t, ... . „ .... , w - nur in befcheidenem Umfang deckt. E,r muß aber auch

Translated from the third German edition by Mau- , 7ugehen< daß es fich dabei fm letzten Grunde um Wert.

nee A. Canney, M. A. With a supplementary chapter urteile handelt. Soltaus, in mancher Beziehung intereffantes
by Miss Alice Gardner. (Theological Translation | Buch ift ein neuer Beleg dafür, wie ftark unfer gefchicht-
Library Vol. XXIV.) London, Williams & Norgate 1907. liches Urteil von unferer Grundftimmung beeinflußt wird.
(X, 399 p ) gr. 8° s. 10.6 j Gießen. G. Krüger.

Von der fleh in fehr fchmuckem Gewände präfen- | Qelzer, Heinrich, Ausgewählte kleine Schriften. Leipzig,
tierenden enghfehen Uberfetzung von H. v. Schuberts ' ;_, nn
.Grundzügen' (f. diefe Zeitung 1905, Nr. 26, Sp. 699ff. j B- G- Teubner 1907. (V, 429 S.) gr. 8«
und 1907, Nr. 4, Sp. Iii) hier Notiz zu nehmen, veran- | M. 5—; geb. M. 6 —
laßt uns der Umftand, daß die durch ihre Arbeiten über Mitten aus vollem Schaffen ift Heinrich Geizer am
Julian Apoftata und Theodor von Studion bekannte Miß IL jun 190ö abgerufen worden zum herbften Schmerz
Alice Gardner ein Kapitel über die religiöfe Entwicke- a\> fejner Freunde und Verehrer, zu tiefem Leid denen,
lung in England während des 19. Jahrhunderts hinzuge- dje da wußten, wie viele Pläne diefer raftlos fchaffende
fügt hat. Die Ausführungen gehen nicht ganz fo in die Geift noch in fich trug, welch' reiches Material er in
Tiefe wie die v. Schuberts in den vorangegangenen jahrzehntelanger Arbeit gefammelt hatte. Geizer gehörte
Kapiteln, aber fle erfüllen ihren Zweck, kurz und fach- zu jenen echten Gelehrtennaturen, die unermüdlich einlieft
zu orientieren, vollkommen. Den Leitfaden geben heimfen in der Freude an dem eignen Gewinn des Lernens,
die evangelifche, die traktarianifche und die liberale | dje auch mit kraftvoller Energie große Stoffmaffen zu
Bewegung ab, deren Führer kurz charakterifiert werden, bewältigen, harte Blöcke zu behauen und zu geftalten
Gießen. G. Krüger. wiffen und doch, in dem Bewußtfein des Unzulänglichen

--._'___ aller menfehlichen, zumal der hiftorifch-philologifchen

Soltau, Wilhelm, Das Fortleben des Heidentums in der alt- Arbeit, in dem Gefühl, das eigne hochgeftellte Ideal noch

rt»4»iui... v „l- o r r r>„- . /yvt ! nicht erreicht zu haben, fich nur fchwer entfchließen, die

enruti chen K rche. Berlin, G. Reimer igoo. (AVi, . u , . > . ~ n-i- u

ivr f, ■ letzte Hand anzulegen und das Werk jahrelanger Muhen
307 b.) gr. 8° M. o — aus der vVgfbPatt hinausgeben. Mögen treue Schüler-

Diefes Buch ilt aus wiffenfehaftlichem und praktifchem hände zu Ende führen, was der Meifter unvollendet
Intereffe geboren. ,Ein jeder ehrliche Mann follte in der hinterlaffen hat; möchte insbefondere für die reichen
religiöfen Kalamität unferer Zeit für feine Perfon tätig Sammlungen zu den Notitiae episcopatuum ein Geizers
fein, eine Befferung herbeizuführen.' Soltau felbft hofft würdiger Bearbeiter fich finden: es gilt nichts geringeres
dazu durch den Nachweis beizutragen, daß ,das offizielle als einen modernen Le Quien zu fchaffen!
Kirchenchriftentum der katholifchen wie der proteftan- j Geizer war ftolz auf den ihm von der Gießener
tifchen Kirchen ein vollendetes Heidentum' fei. Diefes j Fakultät verliehenen Grad eines Doktors der Theologie,
kühn formulierte Urteil ruht auf einer u. E. zu engen I Und er führte den Titel mit Recht, nicht nur um feines

Definition von Heidentum und Chriftentum, wobei als

Heidentum rein negativalles dem Wefen des urfprünglichen weil erden bellen Teil feiner Kraft an kirchengefchicht

Chriftentums Widerftrebende bezeichnet, diefes felbft aber

regen evangelifch-kirchlichen Intereffes willen, fondern

liehe Arbeiten gewendet hatte. Das kommt fehr klar