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Ausgabe:

1906 Nr. 2

Spalte:

53-54

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Seeberg, Reinhold

Titel/Untertitel:

Grundriß der Dogmengeschichte. 2., verb. Aufl 1906

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 2.

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nologie in den Gött. Gel. Anz. 1905, S.43, die Schanz noch I fetzung bei van de Sande B. nicht zu finden fei?). Die
nicht benetzen konnte) ,nicht begreiflich' findet. Sonft ift ! Aufzählung der bloßen Titel von 10 oder II Schriften
mir nur noch aufgefallen, daß er mit der Bemerkung | des Athanafius erfcheint mir faft fo überflüflig wie die
(S 399), daß de aleat. von einem fchismatifchen Bifchot ! von den 16 Schreibereien des Alexandriners Cyrill,
itammen könne, Harnacks neuefter Wendung eine zu Grund zu Beftreitung einzelner Thefen liegt nicht vor,
rafche Konzeffion macht. In den übrigen kritifchen Pro- da S. nur für Unterrichtszwecke einen Auszug aus feinem
blemen, die fich an die viel verhandelten Pfeudo-Cyprianen Lehrbuch 1895—98 bietet.

anfchließen, flimme ich meid mit Schanz überein. Die Marburg Ad. Jülich er.

Makrobius-Hypothefe bei de singtdaritate clericorum hält j -z___--

auch er (S. 403) für unhaltbar, ebenfo die Novatian- Harnack, Adolf, Der Vorwurf des Atheismus in den drei
Hypothefe bei de laude martyrü (S. 394). Ob ad Nova- erften janrnunaerten.

tianum von einem römifchen, italifchen oder afrikamichen »,',-«._.. .... .u TI_.

ßifchof herrührt, ift ihm ungewiß (S. 395)- Für die Ab" Schu|tze> Karl> °™ Martyrium des heiligen Abo von Tiflis.
faffung von de rebaptismate in Afrika belteht hohe Wahr-i HUga|>j Friedrich, Die Frau im römifchen Chriftenproceß.

fcheinlichkeit (S. 398)- Aus anderen Abfchnitten hebe Ejn Bejt zur Verfolgungsgefchichte der chrifUichen
ich noch heraus: S. 274fr. ift die Gefchichte der Präge . & .. & ö

ii.ii «uui " rn „fyif:,T wic auf Hip ffpuen Kirche im römifchen Staat,

über die Zeit des Octavius forglaltig bis aut die liegen- .
wart fortgeführt; Monceaux' und Harnacks Plaidoyer für (= texte und Unterfuchungcn zur Gefchichte der
das3.Jahrh. hat Schanz keinen Eindruck gemacht, ganz altchriftlichen Literatur. Herausgegeben von Oscar
mit Recht, wie ich meine; ich halte diefen Anfatz, wie von Gebhardt und Adolf Harnack. Neue Folge. Drei-
ich fchon bei Gelegenheit der Besprechung der erften zehnter ßand Hef Hinrichs'fche
Auflage fagte und in meinen /kritifchen Bemerkungen' ^ ' . * -/

weiter ausgeführt habe, für eine kritifche Verirrung. Buchhandlung 1905. (82 S.) gr. 8« M. 4.50

S. 292: Tertullians ad. wart, fetzt Sch. mit den meiden Das vorliegende Heft der Texte und Unterfuchungen

in den Anfang 197; ich verweife auf meine Bemerkungen' ] bringt uns drei Abhandlungen, die fich auf das Verhält-
S. 3of. S. 445 ff.: in dem Abfchnitt über Laktanz ver- 1 nis der Chriden zur öffentlichen Staatsgewalt beziehen,
miffe ich eine Auseinanderfetzung mit Harnacks neuen Den allgemeinden Gefichtspunkt hat die Abhandlung

chronologifchen Anfätzen, die mir freilich nicht haltbar : von Ad. Harnack im Auge; fie handelt von der Ver-
erfcheinen. S. 353 A. 1: daß Thascius (Cyprianus) ,Spitz- j wendung der Begriffe aö-eoc und d&tötTjc im chridlichen
name' fei, halte ich trotz Monceaux S. 202 A. 6 nicht j Sprachgebrauch und in den Kämpfen zwifchen Chriden
für erwiefen. S. 464: für die Abfaffung von de mortibus 1 und Heiden in den drei erden Jahrhunderten. Ausgehend
durch Laktanz war Sch. fchon in der 1. Aufl. ,aufs Ent- ; von der Bezeichnung der Heiden durch Paulus als
fchiedenfte' eingetreten, hatte aber hinzugefügt, daß ,das j d&eoi, die den Tiefdand ihrer bedauernswerten Armut
Problem fo ungelöft fei wie zuvor'. Diefen Satz hat er und Hoffnungslofigkeit charakterifieren foll (Eph. 2, 12),
jetzt ins Präteritum gefetzt, wohl auf Grund von Pichon, | dellt H. zunächd die Stellen der altchriftlichen Literatur
dem auch Brandt beigetreten ift. S. 427: die Zeit Commo- zufammen, an denen die Chriften den Begriff afreot
dians will Sch. ,mit hoher Wahrfcheinlichkeit' ins 3. Jahrh. | und dä-torrjg auf die Heiden anwenden, um ihres Götzenfetzen
. Zur Löfung diefer Pkage wird man Brewers Ar- j dienftes willen und um ihres Glaubens an Götter, die in
beit abwarten muffen. Waitz' Hypothefe bezüglich des Wirklichkeit nicht exiftieren. Damit verknüpft fich der
pfeudo-tertullianifchen Carmen adv. Marc, wird S. 344 und allgemeine Begriff der .Gottlofigkcit', der dann auch auf
436 zu kurz abgetan. Eine befonders forgfältige Durch- Häretiker übertragen wird. Dem gegenüber kommt dann
arbeitung hat Sch. dem Abfchnitt über die Überfetzungen der Vorwurf der d&toxr)q in Betracht, den die Griechen
(S. 480fr.) zuteil werden laffen. S. XIIIff. ift eine Zeit- und Römer den Chriften machten. Im lateinifchen
tafel hinzugefügt worden. S. 306, Z. 30 ift ein Druck- ; Sprachgebrauch findet fich das Wort ad-eoc vor Arnobius
fehler der erften Auflage (Belek 1. Belck) flehen geblieben, j und Lactantius nicht. Was der Grieche dd-eöxrjg nennt,
S. 291. Z. 14 v. u. ein ftiliftifches Ungeheuer (,Das Schrift- nennt der Römer crimen laesae religionis und denkt dabei
chen ift nach dem Apologeticus gefchrieben, da auf den- nicht an theoretifche Anflehten oder Gefinnung, fondern
felben c. 5 hingewiefen wird. Dasfelbe . . .) herüber- an die praktifch dokumentierte Verachtung der kultifchen
genommen worden. Pflichten, die als impietas empfunden wurde und jeder

Gießen. G. Krüger.

Seeberg, Prof. Dr. Reinhold, Grundriß der Dogmen-
gelchichte. Zweite verbefferte Auflage. Leipzig,
A. Deichert Nachf. 1905. (VIII, 136 S.) gr. 8° M. 2.80;

geb. M. 3.50

Die erfte Auflage diefes Grundriffes war 1901 er-
fchienen, liehe darüber ThLZ 1901, 144k Wefcntliches
hat der Verf. nicht geändert, einige einfehränkende oder
erläuternde Zufätze im Text gemacht, neuere Literatur

nachgetragen, kleine Verfehen, die im erften Druck unter- I geftellt. ryie Chriften wandten nun felbft die juriftifche

zeit eine Anklage oderwenigftens gefellfchaftlichenBoykott
nach fich ziehen konnte. Auf griechifchem Sprachgebiet
war die Bezeichnung d&sot für die Chriften fchon im
zweiten Jahrhundert "ganz geläufig, und Juftin läßt fie fich
gefallen in dem Sinn der Gegner. In bezug auf die
Götter Roms und Griechenlands will er den Vorwurf
der a&BOTTjq gern auf fich nehmen, im abfoluten Sinn
lehnt er ihn ab und gibt ihn den Gegnern zurück. Die
Mehrzahl der Chriften mochten aber doch den Namen
nicht gern hören — er klang wie ein Schimpfwort. —
In einem Gefetz von 380 werden dann die nichtchrift-
lichen Religionen alle unter den Begriff der d&Boxrjc;

gelaufen waren, befeitigt. Allerdings ift mancher Druck- Waffe an, mit der man gegen fie geftritten hatte. So
fehler flehen geblieben, nicht bloß in Akzenten, fondern zeigt uns Harnack an der Gefchichte eines einzelnen
z. B. S. 6 (pavtgoptvov oder S. 39 Arinünium, fchhmmer Wortes ein Stück Religionsgefchichte!
6.46 tt]v Gaqxa CcooJiotovy tlvai (ft. rxoojtoiov) und, K. Schultze bietet eineunter Mitwirkung von Herrn
irdvaxov yevOOUSVOV ft. d-avdxov, neue find mehr hinein- j Dfchawackoff gearbeitete Überfetzung des Martyriums
gelangt als alte verfchwunden. Die Schreibung der des georgifchen Märtyrers Abo von Tiflis, eines jungen
Namen und Büchertitel laßt zu wünfehen übrig (z. B. im Arabers, der feinen Übertritt zum Chriftentum am
§ 7 Bakhuyfen ft. -zen, Lichtenhan ft. Liecht., /laerstbtis, 6. Januar 786 unter dem Khalifat Abu Mohammed Mufa
und warum wird für das Werk des Adamantius ein latei- | Alhadi, des Vaters von Harun Arrafchid, zu Tiflis mit dem
nifcher Titel geboten, p. 16 ein anderer lateinifcher, und | Tode büßte. Eine kurze gefchichtliche Einleitung ift
die Vorftellung erweckt, daß Kuhns lateinifche Uber- ' vorausgefchickt. Dann folgt der Text, zunächft zwei