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Ausgabe:

1906

Spalte:

481-484

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Benrath, Karl

Titel/Untertitel:

Luther im Kloster 1505 - 1525. Zum Verständnis und zur Abwehr 1906

Rezensent:

Köhler, Walther

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Theologifche Literaturzeitung 1906 Nr. 17.

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vortreten, das ftarke Überwiegen der Reden in dem jfönlichkeit von K. in eine Gefchichte der menfchlichen
ganzen Bericht. Die Erzählung tritt wie gefliffentlich jKulturideen hineingeftellt werden muffen; man will doch
hinter ihnen zurück. Das könnte mit einer befondern wiffen, welche Kräfte diefen Mann treiben, aus welchen
poetifchen Form der Reden zufammenhängen und die j Quellen er fie fchöpft, wieweit üe fich für die fchottifche
einzelnen deutlichen Fälle ftichifcher Anlage als Rudi- j Spezialgefchichte verbrauchen, oder wieweit fie die Welt-
mente einer ausgedehntem derartigen Anlage der Reden i gefchichte bewegen und auch zu den Fundamenten der

in einer jetzt verwifchten Urgeftalt des Textes anzufehen
fein (vgl. S. 11 das Urteil von E. Meier). Die Behandlung
diefer Frage wäre vorzunehmen in Verbindung mit der
andern nach der Einheitlichkeit des Berichtes. Diefe
wird von Z. (S. 2 ff.) vorausgefetzt.

Berlin. Wolf Baudiffin.

Kattenbufch, Geh. Kirchenrat Prof. D. Ferd., Luthers Lehre
vom unfreien Willen und von der Prädeftination nach ihren
Entftehungsgründen unterfucht. Anaftatifcher Neudruck
der theol. Habilitationsfchrift vom Jahre 1875.
Göttingen, Deuerlich 1905. (95 S.) 8° M. 1.6b

Seit dem Erfcheinen diefer Habilitationsfchrift, alfo
feit dreißig Jahren, ift keine Monographie über Luthers
Lehre vom servum arbitrium und von der zwiefachen in
fich willkürlichen Prädeftination des Endgefchicks der
Menfchen veröffentlicht worden, welche Luthers Gedankenreihen
vollftändig analyfierte und in ihrem Werdegang
verfolgte. Da noch immer Nachfrage nach der Schrift
fitattfindet, hat der Verf. auf Wunfeh des Verlegers die
Veranftaltung eines ,anaftatifchen Neudruckes' geftattet.
Er übernimmt für diefe Weiterverbreitung feiner Jugendarbeit
keine andere Verantwortung, als er fie ohnehin
für diefelbe übernehmen würde, indem er auch jetzt
noch glaubt, daß fie wohl dazu helfen könne, eine richtige
Würdigung der Gedanken Luthers anzubahnen.

Göttingen. E. Schürer.

.Kultur der Gegenwart' gehören. Tröltfch hat foeben in
diefem Sinne K. gewürdigt (Die Kultur der Gegenwart I 4),
bei M. findet man davon nichts, es wird viel gebucht,
auch aus K.s Schriften, die M. fleißig gelefen hat, aber
einfache Erzählung ift doch nicht das Ideal der Biographie
. Eine Spezialdarftellung der K.fchen Theologie wird
man von einem Nichttheologen nicht verlangen dürfen;
fie würde nicht unintereffant fein, namentlich wenn man
auf die Quellen zurückginge. Allerlei Fragen drängen
fich bei der Lektüre des M.fchen Referates auf. Woher
z. B. in der wichtigen Frage nach dem Widerffandsrecht
des Volkes zuerft die Zurückhaltung (S. 27), dann die
Schärfe bis zum Äußerlten (S. 29m)? Woher flammt die
Einfchiebung des Superintendentenamtes in die im übrigen
ganz kalviniftifch aufgebaute Verfaffung (S. 45 vgl. 67)?
Ift wirklich der Glaube K.s der Glaube Cromwells (S. 74)?
Da gilt es doch fehr deutlich abgrenzen und K.s Stellung
nach rückwärts (Calvin) und vorwärts (Cromwell, Indepen-
denten) klar beftimmen. — Hoffentlich erhalten wir die
notwendige Ergänzung zu M.s Darftellung bald irgendwie
nachgeliefert!

2. Eine fehr gründliche Arbeit ift Kortes Unterfuchung,
eine Göttinger Differtation. Verf. fkizziert kurz den Konzilsgedanken
von feinem erften Auftauchen bei Luther an
bis zum Jahre 1537, um dann die kaiferliche Konzilspolitik
in den Jahren 1538—43 eingehend Schritt für Schritt
darzuftellen. Eine Rekapitulation des Entwicklungsganges
ift hier unmöglich, denn die Situation wechfelt beftändig.
Nur das läßt fich im allgemeinen fagen: das Konzil ift
in diefen Jahren Projekt geblieben, weil es politifches
Mittel war für die verfchiedenartigften Zwecke. Karl V,
Nlulot, R., John Knox 1505—1572. Ein Erinnerungsblatt zur j 1526 angefichts der Liga von Cognac zum erften Male
vierten Zentenarfeier. 1904. (III, 83 S.) den Konzilsgedanken ausfpielend, benutzt ihn zum Druck

. _. „ .. ..... „ , ,. . . . . auf die Kurie, zum Entgegenkommen gegen die Prote-

Korte, Auguft, Die Konzilspolitik Karls V. in den Jahren ftanten> oder, je nachdem, als Verfuchsmittel zu ihrer
1538-1543. 1905. (IV, 87 S.) Rückführung unter die kirchliche Einheit. Das Konzil

Schnöring,Dr.Wilhelm,JohannesBlankenfeld. Ein Lebens- yeibt ihm „d ,bei immer ein. N?tbehelf, der fich in fort-

, .. , , a r.- , D r__4.;^„ tt„tö.. r„ dauernder Balance gegen die Intereffen einer von Joa-

b.ld aus den Anfangen der Reformation. Unter Be- , chim n yon Braifdesnburg eingeleiteten Ausföhnung
nutzung der Vorarbeiten Sr. Excellenz des verdorbenen ! durch Religionsgefpräche oder gegen ein gemeinfames

Staatsfekretärs Wirkl. Geh. Rats Dr. v. Jacobi. 1905
(IV, 115 S.)

Benrath, Karl, Luther im Klufter 1505—1525. Zum Ver-
ftändnis und zur Abwehr. 1905. (III, 96 S.)
(= Schriften des Vereins für Reformationsgefchichte.
Nr. 84—87. 22. Jahrgang. 3. und 4. Stück und 23. Jahrgang
. 1. und 2. Stück.) Halle a.S., R. Haupt in Komm,
gr. 8° Je M. 1.20

Friedensburg, Prof. a. D. Dir. Walter, Die erlten Jefuiten
in Deutichland. (Schriften für das deutfehe Volk, her

Scharfmachen mit der Kurie gegen die Proteftanten oder
auch gegen die Zufälligkeiten der franzöfifchen und eng-
lifchen Politik zu behaupten hat. Die Kurie ihrerfeits
befteht auf einem ,päpftlichen' Konzil und fucht mit
einem folchen alle Ausföhnungsverfuche, die ihr gefahrbringend
find, zu fchlagen. Eine hübfehe Ergänzung zu
den inftruktiven Ausführungen K.s wäre eine Darftellung
der die Konzilsfrage behandelnden reformationszeitlichen
Publiziftik. — Noch eine Kleinigkeit: wollen wir die Bezeichnung
der Kurialiften als ,Ultramontane' nicht lieber
in der wiffenfehaftlichen Diskuffion über Fragen der
Reformationszeit vermeiden? (zu S. 35). Es liegt doch

ausgegeben vom Verein für Reformationsgefchichte. j ein kleiner Hieb in dem Worte, den wir fparen follten.

Nr. 41.) Halle a. S., R. Haupt 1905. (74 S) 8° M. — 15

I. Mulots Arbeit gilt dem Knoxjubiläum von 1905, das
in England literarifch lebhaft gefeiert worden ift, trotzdem
A. Lang im Athenacum 1904 Bd. II S. 623 the Date of
Knox Birth auf 1513 oder 1515 mit guten Gründen feft-
zulegen fuchte (f. Theol. Jahresber. 1904 S. 596). Das
Erinnerungsblatt, auf guten Quellen aufgebaut, befchränkt

wo er nicht nötig ift.

3. Auf Johannes Blankenfeld hatte neuerdings AI.
Schulte in feinem Werke über die Fugger hingewiefen.
Unter Benutzung des von Sch. gebrachten Materiales, zu
dem Manufkripte zur Blankenfeldfchen Familiengefchichte,
gefammelt von f Staatsfekretär von Jacobi, kamen, liefert
Schnöring ein eingehendes Lebensbild. Der Entwicklungsgang
eines Kurialen, typifch in mehr als einer Beuch
auf eine Darfteilung der äußeren Lebensverhältniffe I ziehung! Der Lebenslauf des 1478 oder 79 geb. Mannes
und kurze Skizzierung der K.fchen Schriften, läßt aber ! zeigt zunächft, wie man an der Kurie fein Glück machen
leider dogmengefchichtlich nahezu alles zu wünfehen ! kann. Der ehemalige Leipziger, dann Frankfurter (a. O.)
übrig. Selbft wenn der Verf., wie ich vermute, kein ; Profeffor, an der Gründung der letzteren Hochfchule
Theologe ift — im anderen Falle wäre feine Unterlaffungs- ] ftark beteiligt, auch ihr Rektor, geht 1512 als Orator
fünde um fo fchlimmer — hätte doch die markante Per- | des Kurfürften von Brandenburg fowie als Generalpro-

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