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Ausgabe:

1905 Nr. 3

Spalte:

87-88

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Réville, Albert

Titel/Untertitel:

Histoire du dogme de la Divinite de Jesus-Christ 1905

Rezensent:

Lobstein, Paul

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«7

Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 3.

88

Mächten. Nüchtern fleht er den Ereigniffen in der Natur
gegenüber. Wo die Flacianer nur portenta fehen, genügt
B. die F"eftftellung der Tatfachen. Nirgends verrät fich
ein Spur von aftrologifchen Neigungen. Dann und wann
fchlägt der Humor in den trockenen Notizen durch, z. B.
wenn er von feinen Vitae pontificum Romanorum fagt, dies
compendium ,mag wol zum teil genänt werden die fchel-
menzunft' (S. 97). Mit wenigen Strichen zeichnet er oft
den ganzen Mann, z. B. den Kardinal Guife S. 88 19, Don
Juan d'Auftria S. 124 m. Vgl. auch das kurze Placuere
bei Peter Raraus' Schriften S. 98.

S. 45 Z. 1. Grynevici. S. 55: Im Krieg fagt man:
wytz habend Nüwrenberg, achsla etc. S. 66 Z. 12 flatt
Julius vel Pius Justus Velsius. S. 75 Z. 18 Brubachium.
S. 86 Z. 22: TraleCtI oCCepIt statVas confrlngere saCras
gens Goeslana tVo BarthoLoMaee die. Zu Diener S. 525
vgl. Bl. für Württb. KG. 1895, 133. S. 5715: Zu Ambrofius
Ziegler, gewefener Prediger zu S. Marx in Wien vgl. Beitr.
zur bayr. KG. 1898, S. 15 Anm. 2. Scalichius S. 5712
ift der große Schwindler, der in Tübingen und Königsburg
eine Rolle fpielte. S. 75 Z. 26 1. flatt Schauenburg
wohl Waldenburg. Denn gemeint ift die Gräfin Helene
von Hohenlohe-Waldenburg, die Witwe des Grafen Georg,
die Mutter Eberhards, des Stammvaters der Linie Hohenlohe
-Waldenburg der die Tochter der Katharina von
Tübingen zur Gattin hatte. Beide, Katharina und Helene
waren Erbtruchfeffinnen von Waldburg.

Es wird fich für die Freunde der Reformationsge-
fchichte Englands und Polens verlohnen, die von Egli
noch nicht vollftändig nachgewiefenen Männer weiter zu
verfolgen. Die Heimat des Dänen Erasmus Michaelis
Laetus, die im Text ausgelaffen ift, fleckt ficher in dem
rätfelhaften sHetsmienl und ift vielleicht die In fei Hjelmen.

Nabern. G. Boffert.

Reville, Prof. Albert, Histoire du dogme de la Divinite de
Jesus-Christ. Troisieme edition, revue. (Bibliotheque
de philosophie contemporaine.) Paris, F. Alcan 1904.
(XII, 185 p.) 8° Fr. 2.50

Diefe als ,3. durchgefehene Auflage' bezeichnete
Schrift ift der faft unveränderte Wiederabdruck des im
Jahre 1869 von dem auch unter uns rühmlich bekannten
Religionshiftoriker veröffentlichten Werkes. Nicht nur ift
die Anlage des Ganzen und, abgefehen von einem kleinen
Zufatz, der Text des Buches unverändert geblieben; auch
die Vorrede von 1869 ift einfach herübergenommen, und
die Anmerkungen weifen nur an zwei Stellen einen biblio-
graphifchenNachtrag auf: S.n erwähntA.Reville feini897
erfchienenes Werk Jesus de Nazareth; S. 50 verweift er
auf das Buch feines Sohnes Jean Reville, le quatrieme
evangile, 1900. Neu ift bloß eine Auseinanderfetzung mit
dem Herrn Abbe Troncy, der eine eingehende Refutation
(Paris 1885, 471 pag.) der Chriftologie Revilles herausgegeben
hatte. Diefe in der Form eines Appendice
(13—18) eingefchobene Auseinanderfetzung berührt das
Übrige keineswegs. Der im Text felbft vorkommende
Zufatz, der wahrscheinlich bereits in der 2. mir nicht zu
Geficht gekommenen Autlage ftand, erinnert (S. 180) daran,
daß die Generalfynode der reformierten Kirche Frankreichs
, obgleich fie in ihrer überwiegenden Zahl aus
Orthodoxen beftand, im Jahre 1873 nicht mehr den Mut
hatte, das trinitarifche Dogma unter die notwendigen
Glaubensartikel aufzunehmen. Auf derfelben Seite befindet
fich die in der 1. Auflage fehlende Anmerkung über
Guizot, der in feinen Meditations chretiennes, zur Begründung
der kirchlichen Lehre von der Menfchwerdung
Gottes, geäußert hatte, es fei in jeder Menfchenfeele etwas
Göttliches vorhanden. Im übrigen ift, wie gefagt,
diefe Schrift die wörtliche Wiedergabe des vor 35 Jahren
erfchienenen Werkes. Die Hilfsmittel, die der Verf. heranzieht
und verwertet, flammen aus jener Zeit oder liegen

noch weiter zurück: zu wiederholten Malen operiert er
mit Zitaten aus Giefeler, verweift auf Neander, folgt den
Spuren Baurs. Von letzterem ift überhaupt feine Dar-
ftellung in weiterem Umfang abhängig; auch feine Auf-
1 faffung der Dogmengefchichte überhaupt ift durch den
! Meifter der Tübinger Schule beftimmt (vgl. i8i' = 178''
j in welchem Sinne er fich zum Hegelianismus bekennt).
I Gelegentlich des Arianismus zitiert er in diefem Abdruck
i (86), wie in der erften Geftalt feines Buches (88) die
i I. Auflage der Realenzyklopädie von Herzog (vgl. auch
S. 107). Die Namen neuerer Forfcher kommen in der
Schrift nicht vor; auch Harnack wird nirgends erwähnt,
! und von feiner Dogmengefchichte wird ebenfo wenig
Notiz genommen als von den Werken Thomafius',
Nitzfehs, Loofs', Dorners, Seebergs. Somit müßte eine
I nähere Charakteriflik der Schrift auf das Buch von 1869
: zurückgehen. Einen folchen Anachronismus zu begehen,
liegt indeffen kein zwingender Grund vor.

Straßburg i. E. P. Lobflein.

Kunze, Prof. Dr. Johannes, Die ewige Gottheit Jesu Christi.

Leipzig, Dörffling & Franke 1904. (IV, 86 S.) gr. 8"

M. 2 —

Diefe Schrift ifl aus einem am 17. Februar 1903 vor
der (alten) Chemnitzer Konferenz gehaltenen Vortrag
: hervorgegangen , den der Verfaffer auf Wunfeh diefer
! Konferenz dem Druck übergab und in wefentlich erweiterter
Geftalt veröffentlichte.

Nach einigen einleitenden Bemerkungen über die
Faffung des Themas und die Bedeutung desfelben fetzt
fich K. zunächft mit der Ritfchlfchen Auffaffung von der
Gottheit Chrifti auseinander, indem er auch die Löfungs-
verfuche einiger von Ritfehl angeregten Theologen
(H. Schultz, Kaftan) prüft (5—11). Hierauf wirft er die
Frage auf: ,Wie kommen wir dazu, Jefu Chrifto Gottheit
beizulegen?' (11). Er will nicht einfach die altprote-
i ftantifche Methode der dicta probantia aus der heiligen
S Schrift erneuern: fo lange man die religiöfe Überzeugung
von der Gottheit Chrifti ohne weiteres aus den biblifchen
Zeugniffen alten und neuen Teftamentes ableitet, bleibt
diefe Überzeugung zu äußerlich vermittelt, und es fehlt
| ihr die unerfchütterliche Grundlage, deren der Glaube
| bedarf; nur um Chrifti willen können wir an Chriftum
1 glauben (11—16). Zwei andere Wege, auf denen die von
Ritfehl ausgegangenen Theologen zur religiöfen Schätzung
| Chrifti gelangen, weift der Verfi zurück. Einmal ifl Ritfchls
eigene Theorie, ,die durch das Stichwort Werturteile
gekennzeichnet ifl' (16), doch nur ,eine Ausflucht, bei der
die wirkliche Schwierigkeit umgangen wird'; ,denn ifl auch
mein Glaube die Anerkennung der Gottheit Chrifti, fo ift
doch zuvor feine Gottheit die zeugende Urfache und
tragende Grundlage meines Glaubens. Unfer Glaube bejaht
nur eine Gottheit, die als unabhängig von ihm da-
feiende zuvor fich ihm ausgewiefen hat und noch fort
und fort ausweift' (17). Aber auch die andere Methode,
die als eine Korrektur der Ritfchlfchen erfcheint, die
praktifche Schlußfolgerung, welche die religiöfe Schätzung
Chrifti auf die Wirkungen, die wir von ihm erfahren, begründet
, verurteilt der Verf. als unzulänglich. ,Die Wirkungen
Chrifti auf uns find als folche durch das bedingt,
was er ift und wofür wir entfprechender Weife ihn halten'
(19. 20). — ,Die Gottheit Chrifti hängt für uns von dem
ab, was er aus fich macht, von dem, was er ift und fein
will, aber allerdings fo ift, daß es uns auch an ihm kund
und offenbar wird. Es handelt fich alfo einerfeits um
einen Anfpruch, den Jefus erhebt, andererfeits um eine
Wirklichkeit an ihm, die jenen Anfpruch ftützt und be-
ftätigt, wie fie wiederum durch ihn erft ins rechte Licht
geftellt wird' (21). Demgemäß analyfiert K. die Selbft-
offenbarung Chrifti im Worte (22—49) uno- 'm Wirken
Jefu (49—64), indem er zwar vom fynoptifchen Zeugnis
I ausgeht, aber auch das johanneifche als wefentlich gleich-