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Ausgabe:

1905

Spalte:

65-69

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

van den Bergh van Eysinga, G. A.

Titel/Untertitel:

Indische Einflüsse auf evangelische Erzählungen 1905

Rezensent:

Oldenberg, Hermann

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Km. Verlag: J. C. HinrichsTche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr_ 3 4. Februar 1905. 30. Jahrgang.

Schermann, Eine Elfapoftelmoral oder die
X-Rezenfion der „beiden Wege" (von der

van den Bergh van Eysinga, Indifche Ein-
flüße auf evangelifche Erzählungen (Olden-

berK'- . , ,t u c • Goltz).

Kennedy, The Note-Line in the Hebrew Scnp- | Das enländifche Münchtlim)

ture commouly called Paseq (Beer). der ^

d'Eyragues, Les Psaumes, traduits de 1 He- »• t ' _

Hauck, Kirchengefchichte Deutfchlands,
IV. Teil (Brandl).

breu (Beer).

Tennant, The sources of the doctrines of the

fall and original sin (Clemen).
Völter, Die apoftolifchen Väter neu unterfucht.

I. Teil (Knopf).

Archiv für Reformationsgefchichte, herausg.
von Friedensburg, I. Jahrg. (Boflert).

Rockwell, Die Doppelehe des Landgrafen

Philipp von Heffen (Virck).
Heinrich Bullinger's Diarium, herausg. von

Egli (Boffert).
Röville, Histoire du dogme de la Divinite de

Jesus-Christ (Lobstein).
Kunze, Die ewige Gottheit Jefu Chrifti (Lob-

ftein).

Mezger, Rätfei des chriftlichen Vorfehungs-

glaubens (Niebergall).
Ragaz, Du follft (Niebergall).

van den Bergh van Eysinga, Priv.-Doz. D. G. A.; Indische
Einflüsse auf evangelische Erzählungen. Mit einem Nachwort
von Profeffor Dr. Ernfk Kuhn. (Forfchungen zur
Religion und Literatur des Alten und Neuen Te-
ftaments, herausgegeben von W. Bouffet und H. Gunkel.
4. Heft.) Göttingen, Vandenhoeck & Ruprecht 1904
(VI, 104 S.) gr. 8° M. 3 —

Das Buch ift eine deutfche Bearbeitung der 1901 er-
fchienenen Differtation v. d. B.s Jndische invloeden op
oude Christclijke verhalen mit Berückfichtigung der inzwischen
erfchienenen Literatur, von welcher Hopkins'
Auffatz ,Christ in India1 (in feinem Buche Jndia old and

der eventuell entlehnenden Kultur oder Literatur erreicht
werden. Bietet diefe Kultur ,auf ihrem eigenen Gebiet
die Vorausfetzungen dar oder bietet fie fie nicht dar, aus
denen fich auch ohne Annahme einer Entlehnung die
fraglichen Erfcheinungen hinlänglich erkhären ließen? Weift
die Konfiguration diefer Erfcheinungen irgendwelche Abnormitäten
, Ausbuchtungen, Fugen, Riffe auf, die der Anficht
Gewicht verleihen könnten, daß fremdartige Elemente
beigemifcht find?' Das kann hier nur der Kenner des
Neuen Teftaments entfcheiden, nicht der Sanskritift.

Der Sanskritift findet nicht viel und nicht Wichtiges
zu monieren. Vor einem Unternehmen wie dem Seydels
— der dabei den unvermeidlichen Schiffbruch erlitt —
uns mit einer Chronologie der buddhiftifchen Literatur

new New York u. London 1901) dem Verf. leider ent- | zu befchenken, ift der Verf. durch gefunden Takt zurück
gangen ift. Das Hauptrefultat der Unterfuchung wird in ■ gehalten worden. Die Überfetzungen und fonftigen in-
den Schlußworten zufammengefaßt: ,Bei treffenden Paral- I dologifchen Vorarbeiten, die er benutzte, haben ihm im
lelen zwifchen chriftlichen und indifchen' — im wefent- ganzen durchaus zuverläffiges gegeben. Natürlich möchte
liehen heißt das fo viel wie buddhiftifchen — .Erzählungen, man hierund da ein Kleinigkeit anders wünfehen: Sonnen-

wie ich fie anführte, ergaben fich bisweilen auf chriftlicher
Seite für den Erklärer Schwierigkeiten, welche jedoch
fchwinden, wenn man fich auf indifcher Seite Aufklärung
holt. Dies alles rechtfertigt die Vorausfetzung, daß indifche
Überlieferung höchft wahrfcheinlich bereits die
altchnftliche Evangeliendarftellung beeinflußt hat'.

Selbftverftändlich drängt fich die Vergleichung der
Auffaffungen v. d. B.s mit denen R. Seydels auf. Es ift
unverkennbar, daß der holländifche Gelehrte fehr viel
vorfichtiger zu Werke geht als einft fein deutfeher Vorgänger
. S.s Hypothefe von einem buddhiftifch gefärbten
chriftlichen Evangelium läßt er fallen. Viele einzelne der
chriftlich-buddhiftifchen Parallelen S.s gibt er auf oder
weift auf fie nur unter forgfältig ausgefprochener Referve
hin. Das Bewußtfein, daß bei Unterfuchungen diefer Art
das Element der Subjektivität nun einmal nicht auszu

held und Sonnenmythus z. B. liegen dem Verf. näher als
vielleicht motiviert ift (flehe S. 16. 24. 74. 76); der nicht
gerade glückliche Einfall Kerns über den cakravartin
(S. 36) wäre beffer bei Seite gelaffen — aber dergleichen
macht im Grunde recht wenig aus. Die Hauptfache ift,
daß von indologifcher Seite ein über die chriftlichen
Parallelen hinausgehendes Alter für viele der in Betracht
kommenden buddhiftifchen Erzählungen unbedingt behauptet
werden kann (z. B. für die Gefchichte von Afita-
Simeon, die Verfuchungsgefchichte). Wenn in einzelnen
Fällen höheres Alter der chriftlichen Tradition wohl
möglich ift, fteht dasfelbe doch nirgends feft.

Vielleicht täte ich recht, meine Befprechung hier zu
fchließen. Zur Hauptfrage — nach dem Vorhandenfein
oder Nichtvorhandenfein buddhiftifcher Einflüffe auf die
altchriftliche Literatur — hätte ich dann keine Stellung ge-

fchalten ift, ift in ihm durchaus lebendig. Einige Paral- i nommen: aber das entfpräche ja gerade der Rolle, die

lelen find übrigens von ihm neu hinzugefügt. Für
jene, die die apokryphen Evangelien betreffen, kamen
ihm die Funde Kuhns (in der Gnrupttjäkaumudi) zu gute.

Der Verfaffer ift nicht Sanskrit- oder Päli-Philolog.
Wir haben keinen Grund damit unzufrieden zu fein. Der
Bearbeiter eines folchen Problems wird nie die beiden in
Betracht kommenden Gebiete felbft in vollwertiger Kenntnis
beherrfchen. Dann aber ift der neuteftamentliche
Forfcher hier der weitaus berufenere als der Sanskritift.
Es fei mir geftattet, mich auf Bemerkungen zu beziehen,
die ich kürzlich bei anderer Gelegenheit über diefen Punkt
gemacht habe. Bei Entlehnungsproblemen diefer Art,
fo führte ich aus (Deutfche Rundfcnau Nov. 1904, S. 255),
kann die eigentliche Entfcheidung nur von dem Kenner

hier dem Indologen zukommt. Wird mir geftattet fein,
die Grenze doch zu überfchreiten und meinen Eindruck
darzulegen, daß, foweit es fich um die kanonifchen Evangelien
handelt — bei den Apokryphen könnte die Sache
anders liegen — jene Einflüffe nicht bewiefen und auch
kaum allzu wahrfcheinlich find? Von denen, die für die
Verhältniffe der neuteftamentlichen Vorftellungswelt ein
beffer gefchultes Augenmaaß befitzen, will ich mich natürlich
gern eines Anderen belehren laffen.

Dem Buch v. d. Bs kann ich hier felbftverftändlich
nicht Schritt für Schritt nachgehen; ich hätte dann ein
neues Buch zu fchreiben. Ich will mich begnügen, eine
oder zwei der angeblichen Parallelen zu prüfen, natürlich
folche, auf die der Verf. befonderes Gewicht legt.

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