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Ausgabe:

1905 Nr. 2

Spalte:

58-59

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ott, Emil

Titel/Untertitel:

Die Religionsphilosophie Hegels in ihrer Genesis dargestellt und in ihrer Bedeutung für die Gegenwart gewürdigt 1905

Rezensent:

Lülmann, Christian

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Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 2. 58

Freffe zuwies. Oder wollte er durch feinen Vermerk, richtig bemerkt hat, in England verfaßt und aus dem

fo vorfichtig er auch an den Schluß gefetzt ift, aufmerk- j Englifchen überfetzt. Den Autor ausfindig zu machen,

fam machen, daß man ein reformatorifches Produkt vor ; ift P. nicht gelungen. Die zweite ift des Micronius piaer

lieh habe? Wenn P. S. 116 fragt, ob Lamberts Schriften i bewijs van het recht gebruyck des nacktmacls Christi ende

in den Niederlanden bekannt gewefen feien, fo wird das wat men van de Misse houden sab von 1552. Bei ihm

durch Fredericqs corpus doc. haer. prav. bejaht (vgl. z. B. ift, darin ftimme ich P. zu, die Polemik gegen die Tauf-

Bd. 5 S. 4 u. ö.). ' gefinnten ganz deutlich.

Die nächfte Nr. bringt die niederländifche Uberfetzung Die Schrift des Micronius ift aullerordentlich umfangreich und be-

eines Teiles der Auslegung des 68. Pfalms VOn Luther, j fallt eine ganze Dogmatik in ftch. Die Sakramente werden genannt ,een

Ti- w ■____a __u„& jfL j;0r_ik0 ont^nnpn ift urirrl ; heylig oeffeninghe der ghemeynle', fie beftehen aus einem inwendigen und

Die Weimarer Ausgabe, der diefelbe entgangen Ut wird au^fn/ s^ück ^ Ub-T ^ wird ab lehnt. Die Worte:"hoc est
in den Nachträgen zum achten Bande darauf ninzuweiten . corpus mmm find . em sacramcntischt oft pgUerli/he wijt* zu ver-

haben. , flehen, d. h. fie befagen: diefes Brechen und Genießen des Brotes be-

An fünfter Stelle folgt des Wilhelm GnapheUS deutet meinen Leib fS. 479). Eigenartig ift die Abwehr dos Argumentes

Jroostende Stiegel der siechen* 153I, in der zweiten Auf- j der Ubiquitarier Chriftus fei durch verfchloiTene Türen gegangen. .VVant

, 7. 1 • , r___„ .2? tTo ift vir. i ***r " nytt gheschreven, dat htj door besloten doren quam, maer werde

läge auch ,Tobtas ende Lazarus genannt. Es ilt ein i Mm £Hß aenghette'kent, i„ den welchen Christus tot sijnen iong-

evangelifches Sterbetroftbüchlein, das P. mit Recht ZU I lteren g]iegam ,y (S. 485). Weitherzig zeigt ftch Micronius in der Form
Luthers Tessaradecas consolatoria in Beziehung fetzt. I des gebrauchten Brotes. Ob fchwarz, weiß, gefallen und ungefäuert, ift
Doch hätte P in der Einleitung noch etwas mehr Über ' einerlei. Aber der Wein muß unvermifcht fein. Grund: die Streitigkeiten

die Literaturgattung der Sterbebücher fagen können; derPauiften, ob das b^

, . 0 , > d1c der Gemeinde würdigften Kelche find hölzerne. Furchtet man Wem

denn um eine folche handelt es lieh vgl f. Falk: die zu vergielien) fo fmd die Kclche bequem zu machen. S. 5x9 Z. 7 v.o.

deutfehen Sterbebüchlein von der älteften Zeit des Buch- \es: „itvlucht. Zu der Bemerkung über die ,Zauberer, welche Gottes

drucks bis Z. J. 1520 (1890). Speziell die Form eines Wort in ihren Zaubereien mißbrauchen und öfter den Beginn des Jo-

Dialocs mit dem Kranken findet fich in Heinrich Knaufts: hannesevangeliums lefen' (S. 530), verweife ich auf den Brauch, diefen

c>. iS 1 n., ,,r~ ix j„ 4. „u__„;„li „.;„:_~il /„„l 1 .Beginn'als Schutzbrief eingenäht zu tragen, vgl. Heßler: Heffifche Volks-

Sterbenskunft' von 15G2, ift dort aber nicht originell (vgl. jj^ „ ^ ^ ^ «™ ^ ™ ,<kiß die Priefter allein um der

H. Michel: H. Knauit 1903 S. I47). j Mefie willen höheren Wert haben als alle Prinzen und Könige, ja, als

S. 163 bei Behandlung der Armenverforgung und Einrichtung des i alle Engel' (S. 537), wird vortrefflich illuftriert durch des Jodocus

Gotteskaftens ift deutlich Luther (vgl. ,an den chriftl. Adel' u. a.) das Clichtoveus Schrift de vita et moribus sacerdotum 1519, in der es heißt :

Vorbild. S. 165 Z. 4 v. u. gibt Amy keinen Sinn, ich möchte vor- , ,Ea quippe potestas [nämlich des Meßopfers] neque regio diademate in-

fchlagen: aan my. Desgl. ift S. 205 Z. 1 hasse brieven, von P. als Reli- signitis neque imperiale adornatis Corona indulta est, sed neque angelicis

quienkaftenbriefe gedeutet, fchwerlich richtig, vielmehr, worauf die Zu- j spiritibus' (Ausgabe durch den Bifchof von Brügge 1903 S. 45).

fammenftellung mit den Ablaßbriefen deutet, zu lefen: haas brieven = T . . , , ,1. .. „ ,. m

Käfebriefe Z,«V not least Iteht die apothcosis Iiuardi lappart.

. „ . _ " „ ,' j . „ /. d- h. eine Verfpottung des Großinquifitors Tappart, viel-

An nachfter Stelle folgt: roan den propheet Baruch, ldcht verfaLit von Heinrich Geldorp und gehalten in der
d. h. eine Betrachtung über den logen. Brief des Jere- , bekannten literarifchen Form eines Gefpräches an der
mias, der in der Vulgata als 6. Kap. des Baruchbnefes { Himmelspforte. Um ihrer zahlreichen zeitgefchichtlichen
gilt Nicht völlig gelungen erfchemt der Nachweis P.s, Notizen willen jft die 1558 erftmalig gedruckte Schrift
daß wir es urfprünghch mit einer Homilie über 1 Cor 12 befonders wertvoll. Um deswillen verzichtet man aber
V. 2 zu tun haben, und daß ein Redaktor aus der wieder- auch rade hier fehr un auf dje Erläuterungen,
holten Anfuhrung von Baruch eine Homilie über diefen ■ „... a JOO - ,. . . . . . , 0 r ,.

, . r-v 11 C? i_ • • 1 j • i_. 1 rc I Nachgetragen lei: b. So», Z. 22 23 hegt eine Anmietung auf die

machte. Denn alle Schwierigkeiten werden nicht geloft. ! BannbuUe ^or. es. 613 Z. 28 geht die mit .nuperi charakterifterte Wirk-

Zwar S. 261—264 (Schluß des erften Abfchuittes) ift Homilie über j famkeit des Barthol. Latomus wohl auf das Wormfer Religionsgefpräch

I Cor. 12, 2, dann aber beginnt eine Homilie Uber die Worte: wer den 1557- Im Texte ift Verfchiedenes In Unordnung: S. 589 Z. 6 v. o. lies

Namen des Herrn anruft, der foll feiig werden (S. 264—267 Schluß des beffer natum ftatt satum, S. 610 Z. 7 v. u. lies perrupissem, S. 626

zweiten Abfchnittes); in dem ganzen PafTus ift ftets vom .Anrufen' die Z. 17 lies Vach, S. 627 Z. 15 v. u. corpus. —

Rede. Endlich folgt eine Homilie über Gal. 4, iff. (S. 267—zum Schluß; „ ro 1 j n 11 , Ix ,

der Zufammenhang ift zwar nicht immer durchfichtig, aber der Schluß | Uem zwe»ten Bande des verdienftvollen, des Dankes
(S. 272 Z. 1) greift ausdrücklich auf den Anfang zurück. Die 3 Stücke ! werten Unternehmens fehen wir mit Spannung entgegen.

find von einander unabhängig, und der Redaktor hat fie notdürftig durch i ,~- ,1 TZ "kl
den Titel .Baruch' mit einander verbunden. Übrigens ift S. 264 Z. 19 j diei.ien. Kollier,
der letzte Satz auch Beiwerk des Redaktors.-------

Nunmehr wird geboten das ,Spil van sinnen op Ott, Dr. Emil, Die Religionsphilosophie Hegels in ihrer Ge-

dwerck der apostolen1, wie es in den für die nieder
ländifche Reformationsgefchichte bedeutfamen Rederijks-
hauters aufgeführt wurde und vielleicht (P. äußert berechtigte
Bedenken) den Wilhelm van Haecht zum Ver-
faffer hat. Es flammt möglicherweife aus dem Jahre 1539.

Damals wurde, analog den heutigen Kölner Blumenfpielen, in Gent
von 19 Kammern ein Wettftreit veranftaltet, jede Kammer mußte ein
Stück zur Aufführung bringen über die Aufgabe: de troost van den
stervende. Da die Spiele deutlich reformatorifchen Sinn verrieten, wurden
fie verboten. Das vorliegende Spiel ift, wie P. treffend bemerkt, ,ein
Ketzerprozeß auf den Brettern'. S. 357 Z. 8 v. u. möchte ich ftatt
toppen vermuten das bei Luther als Kinderfpiel häufig vorkommende

nefis dargeftellt und in ihrer Bedeutung für die Gegenwart
gewürdigt. Berlin, C. A. Schwetfchke & Sohn
1904. (IV, 126 S.) gr. 8" M. 3 —

Auch zur Ehrenrettung Hegels ift die vorliegende
Monographie verfaßt. Gründlich, doch nicht ohne Breiten
und nicht ohne ftiliftifche Unebenheiten entwickelt der
Verf. Hegels Religionsphilofophie, fucht er ihre Wurzeln
auf in der Perfönlichkeit und in der Gedankenwelt des
Philofophen, verfolgt er ihre Wirkungen in den religions-
philofophifchen Strömungen der Gegenwart. Die Ab-

tokhen. S. 359 z. 2 erwähnt Verf. das bekannte Sprüchwort: die Ge- i handlung füllt ihren Platz aus, wenngleich doch fchon
lehrten, d,e Verkehrten. | Manches zu Hegels Religionsphilofophie gefchrieben ift,

Auch die folgende Nr. bringt Komödie, ein ,Tafel- was nicht einfach als ,Skizze' oder ,Karikatur' abzutun ift.
fpiel', wie es bei Tifch aufgeführt wurde, poetifch wenig Die innere Entwicklung von Hegels religionsphilofophi-
bedeutfam. ein Proteft gegen eingeriffene Mißbräuche, fchen Gedanken ift durch eine gelegentliche Vergleichung
Über Abfaffungszeit — P. vermutet 1539 — und Verf. der erften mit der zweiten Auflage der Religionsphilofo-
war nichts auszumachen. Warum P. diefen (S. 371) in phie erläutert. Doch hätte der Verf. noch mehr aufs
Kreifen Taufgefinnter fucht, ift mir nicht klar geworden; ; Einzelne Bedacht nehmen und die fehr lehrreiche Ab-
m. E. deutet nichts darauf hin. handlung von Zeller über Hegels theologifche Entwick-

Die beiden nächften Schriften handeln vom Abend- lung (Theol. Jahrbücher Bd. 4, 192—205. Tübingen 1845)
mahl. Die erfte ,den val der Roomscher Kercken1, ein berückfichtigen können. In der Schilderung von Hegels
fcharfer Proteft gegen die Transfubftantiationslehre zu Bedeutung für die Gegenwart fucht der Verf. eine An-
gunften reformierter Abendmahlsauffaffung, ift, wie P. lehnung namentlich an R. Kucken, deffen Buch über den