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Ausgabe:

1905 Nr. 26

Spalte:

701-702

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Graf, Georg

Titel/Untertitel:

Die christlich-arabische Literatur bis zur fränkischen Zeit (Ende des 11. Jahrhunderts) 1905

Rezensent:

Bacher, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 26.

702

Darfteilung, die doch aus einem Guß geworden ift, her- j reichert haben, find dabei nicht berückfichtigt. Unter den
umzuflicken. Ich wünfche feinem Buche, daß es nicht j älteften Autoren, die hier behandelt find, feien hervor-
nur ein VVegweifer für die Studenten, fondern mehr noch 1 gehoben: Theodor Abu Qurra, ein Schüler des Johannes

für die Dozenten werden möge. Das wird der fchönfte
Lohn auch für den Verfaffer fein.

Gießen. G. Krüger.

Graf, Präfekt Dr. G., Die chriltlich-arabifche Literatur bis

zur fränkifchen Zeit (Ende des II. Jahrhunderts).
Eine literarhiftorifche Skizze. (Straßburger Theologifche
Studien. Hrsg. von Prof. Dr. A. Ehrhard u.
Prof. Dr. E. Müller. VII. Band, I. Heft.) Freiburg
i. B., Herder'fche Verlagsbuchhandlung 1905. (XII,
74 SO gr. 8« M. 2 -

Den erften Verfuch einer Darfteilung der chriftlichen

Literatur in arabifcher Sprache' bietet das vorliegende

Heft, und zwar zunächft die Darftellung der erften, mit

dem' 11. Jahrhunderte abfchließenden Periode jenes

Schrifttumes. In der Einleitung (S. I—5) werden die naturgemäß
nur fparlichen Angaben über ,die Literatur

der& chriftlichen Araber in der vorislamifchen und der

erften Kalifenzeit' beleuchtet. Eine in eigentlichem Sinne

chriftliche Literatur in arabifcher Sprache entftand im

Kalifenreiche, in Vorderafien und Ägypten, erft feit

fich ,um das 8. Jahrhundert das Arabifche bei den Chriften j liehe und dabei ftiliftifch vortreffliche Darftellung ver-

Damascenus, der auch griechifche Abhandlungen apolo-
getifch-polemifcher Natur fchrieb; Eutychius oder Sa ld
b. al-Batnq, der Verfaffer der bekannten, bis zu feiner
Zeit (938) reichenden Chronik; Jahjä b. 'Adi (ftarb 974),
der zu den Hörern Alfäräbis zählte und eine Apologie
des Chriftentums fchrieb, die in Briefform an und gegen
den Scheich Abu Tfä Muhammad b. Härün al-Warräq
gerichtet ift; Abu "All Tfä b. Ifhäqb. Zur'a.ein Schüler des
Vorigen, als Überfetzer griechifcher Philofophen und
Mediziner fehr angefehen. Unter feinen Schriften befindet
fich ein Schreiben an den Juden Bifchr Finhäs b.
Schu'aib (diefen erwähnt Steinfehneider, Jewish Litcrature
p. 182 unter anderen jüdifchen Aftronomen) über die
Abfchaffung des mofaifchen Gefetzes und Anderes.
Ferner Elias von Nifibis (ft. 1049), der auch als fyrifcher
Schriftfteller bekannt ift. — Der vorftehende Bericht
über den Inhalt der Graffchen Arbeit foll nur eine Vor-
ftellung von der reichen Fülle von Belehrung bieten, die aus
ihr gefchöpft werden kann. Der hier zum erftenmale
zum Gegenftande zufammenhängender literaturgefchicht-
licher l^orfchung gemachte Stoff ift mit Sorgfalt und
Fleiß gefammelt und mit großer Klarheit und kritifcher
Genauigkeit verarbeitet worden. Auch die ftreng fach-

a

ls Verkehrs- und Umgangsfprache eingebürgert hatte', j dient rückhaltlofes Lob.

Die älteften, in gut datierbaren Handfchriften aus dem
S. bis io.Jahrhundert erhaltenen Erzeugniffe diefer Literatur
beftehen in Überfetzungen von Teilen der heiligen
Schrift, Lebensbefchreibungen heiliger Mönche und anderen
Schriften religiöfen Inhaltes. .Allen gemeinfam ift
eine fehr vulgäre Sprachform' und foweit es Überfetzungen

Budapeft. W. Bacher.

Göller, Dr. Emil, Der Liber Taxarum der päpftlichen Kammer.

Eine Studie über feine Entftehung und Anlage. Rom,
Loefcher & Co. 1905. (105 S.) Lex. 8° M. 3 —
find, .beruhen fie zum größeren Teile auf griechifchen Den Arbeiten von Göller ift gemeinfam, daß man

Originalen' (S. 7). Diefe aus dem Sabasklofter im füd- fchlecht über fie berichten kann. Sie erfcheinen zwar

liehen Paläftina und aus dem Sinaiklofter flammenden
Schriften — in ganzen 10 Nummern — werden als die
.paläftinifche Gruppe' diefer alten chriftlich-arabifchen
anonymen Literatur zufammengefaßt (S. 8—21). Unter
ihnen ift hervorzuheben ein Traktat dogmatifchen In-

jeweils durch eine große Frage zufammengehalten, löfen
fich aber unter den Händen auf in eine überreiche Fülle
des Details; nur diefe Details find fertig; die größeren
Probleme erfcheinen durchweg als noch nicht fpruchreif.
So find in unferem Fall die Handfchriften des Liber

haltes, der fich nicht gegen, fondern an Mohammedaner j taxarum zur Hälfte unterfucht und befchrieben (S. 41—49)
wendet und in dem auch zahlreiche Koranftellen als 1 zur anderen Hälfte vorläufig verzeichnet. Drängt fich

Stützen der biblifchen Beweife beigezogen wurden
(S. 19). Als .fyrifche Gruppe' (S. 21—24) befchreibt der
Verfaffer fünf Nummern, darunter das Diateffaron des Ta-
tian in arabifchem Gewände, ferner eine Evangelienüber-
fetzung in gereimter Profa. Einen befonderen Abfchnitt
widmet der Verf. einer in fünf Handfchriften vorhandenen
foanifch-arabifchen Evangelienüberfetzung (S. 24—30).
Eine der Handfchriften {Cod. Monac. ar. 234) enthält
außer den Evangelien auch den Pentateuch; diefe
Handfchrift flammt aus dem Jahre 1492 und der Schreiber
gibt als feine Abficht bei der Niederfchrift beider
Teile an, daß er auf die Gefchichten der Juden und
Chriften aufmerkfam machen wolle, und daß dem Lefer
die Gefchichten der vorgenannten Völker und die übermäßigen
Irrtumer, in welchen fie fich befinden, dargetan
werden, damit er fich überzeugt, daß die Religion des
Islam die erhabenfte der Religionen ift'. Aus einer Notiz
am Anfange der Einleitung zum Lukasevangelium geht
hervor, daß die aus dem Lateinifchen geflohene Uber-
fetzung der Evangelien aus dem Jahre 946 flammt und
Ifaak Velasquez von Cordoba zum Urheber hat. Die erwähnte
Pentateuchüberfetzung beruht auf einem fyri-
fchen Texte. — Im zweiten Hauptabfchnitte des vorliegenden
Heftes (S. 30—71) werden ,die chriftlich-ara-

fomit auch hier die Frage auf, ob es nötig war, fo Stück
um Stück zu publizieren, fo zaudert man doch mit der
Antwort angefichts der mannigfachen Belehrung, die diefe
umfichtigen Studien bieten.

Der Liber Taxarum war bislang nicht unbekannt,
aber nur zugänglich in fchlechten Editionen des XVI.
Jahrhunderts und bei Döllinger, Beiträge II (1863); auch
die bisherige Benutzung des Buches ließ zu wunfehen,
fogar die Angaben in Eubels Hierarchia catholica ent-
fprechen nicht einheitlich einer Periode. Eine neue kri-
tifche Ausgabe bereitet der Verf. für das Preußifche
Hiftorifche Inftitut. Die vorliegenden Studien enthalten
dazu allerlei Prolegomena. Zunächft über das Wefen des
Taxbuchs. ,Der Liber taxarum der päpftlichen Kammer
ift ein in der Camera apostolica und der Camera collegii
cardimalium geführtes, im Verlauf der Zeit umgeändertes
Verzeichnis der bifchöf liehen Kirchen und fervitienPflichtigen
Abteien und der bei ihrer Neubefetzung nach vorausgegangener
Obligation an beide Kammern gleichmäßig
zu entrichtenden Taxe' (S. 14). Es ift alfo keine Annaten-
lifte (kleiner Pfünden), noch weniger ein Kanzleitaxbuch
für Urkunden; fondern eine Lifte von Provifionsgebühren.
Diefe Gebühren werden unter Johann XXII. fchon als
antiqua consuetudo bezeichnet; in der Tat laffen fie fich

bifchen Schriftfteller' der behandelten Periode vor- i durch das ganze XIII. Jahrh. zurückverfolgen, wo fie freigeführt
, im Ganzen 18 Autoren, und zwar nur Solche, lieh noch Gefchenkcharakter haben und die Engländer
die in ihren arabifch verfaßten Schriften fpeziell chrift- befremden. Mit der Zeit find fie normiert auf lJ3 des
liehe Stoffe behandeln. Die chriftlichen Schriftfteller Jahreseinkommens; diefes Jahreseinkommen Hellte man
fyrifcher Herkunft, die im 9. und 10. Jahrhunderte 1 feft und behandelte man weiter nach Informationen die, als
mit ihrer Überfetzertätigkeit die arabifche Literatur be- | Akten gefammelt, durch das XIV. (und XV.) Jahrhundert