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Ausgabe:

1905 Nr. 2

Spalte:

678-680

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kalb, Ernst

Titel/Untertitel:

Kirchen und Sekten der Gegenwart 1905

Rezensent:

Goltz, Eduard Alexander

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677 Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 25.

einen Sangallensis sei. 7Ä(der Buch 11 bis 22 enthält) hat
er entdeckt und ausgenutzt, die Eugippiusexzerpte
wenigftens gelegentlich herbeigezogen, fo oft fie nicht
mit ihren Sonderlesarten offenbaren Unfinn boten.

Von feinem Nachfolger und Vorgänger Hoffmann
fpricht er mit warmer Achtung; die Selbftändigkeit des

gönnt fei, was er nicht mehr zu hoffen wagt, alsbald den
erften Band diefer Edition, wo der Text zahlreichere
Änderungen als in Buch 14—22 erleiden würde, in der
3. Auflage zu vollenden und uns fein Endurteil über die
Gruppirung der Handfchriften von Auguftins Gottesftaat
auszufprechen.

Urteils aber hat er fleh durchaus bewahrt, und fchon im Marburg; Ad Ttili h

Vorwort betätigt er das durch den amüfanten Hinweis _ _ g- ___ . juncner.

darauf, daß Hoffmann, der den von Dombart in der
erften Auflage zu hoch gewerteten, in der zweiten
zurückgeffellten Aagustanus ganz gering einfehätzte, un-
wiffentlich deffen verdächtige Lesarten in einer langen
Reihe von Stellen auf andere Autoritäten hin rezipiert
hat. Man wird aber, auch abgefehen von diefem M:ß- ,

refebick, dem Urteil Dombarts über den relativen Wert M- 4—; geb. M. 5

Kalb, Pfarrer Ernft, Kirchen und Sekten der Gegenwart.

Unter Mitarbeit verfchiedener evangelifcher Theologen
herausgegeben. Stuttgart, Buchhandlung der Evang.
Gefellfchaft 1905. (XII, 576 S.) gr. 8°

der Manufkiipte, wo es von dem Hoffmanns abweicht,
meift beipflichten: befonders fcheint er mir mit Recht
den Münchener Kodex R gegen den Patavinus (p) zu bevorzugen
. Stillfchweigend hat Dombart Hoffmann öfters
verbeffert, fo im Text das von jenem II 667,14 ausgeladene
est vor felicitatis wiederhergeflellt, im Apparat uns
belehrt, daß der Augustanus nicht, wie Hoffmann zu
II 667,25 angab, experimentum fondern experivtenta lieft.

Einen neuen Text bietet übiigens Ü. hier nicht. Er
hat die alten Stereotypplatten beibehalten, nur notwendige
Verbefferungen, z. B. von Druckfehlern wie dixit
624,19 oder von fchlechten Lesarten wie Neman (Ü.A7aeman)
625,9 und pacatissimac (ft. -mo) coneordiae vtneulo 632,8
find vorgenommen worden. Aber im Apparat zeigt es
fleh, wie treu D. weitergearbeitet hat. Natürlich gibt er,
gebunden durch die ihm in der Bibliotheca Teubncriana

• * ----i 1 ___IT. , .

Das Buch des Stuttgarter Pfarrers Ernft Kalb füllt
eine empfindliche Lücke in unferer theologifchen Literatur
aus. Unfere wiffenfehaftlichen Handbücher der Symbolik
oder Konfefflonskunde fchreiten nur langfam voran.
Loofs hat bisher nur die katholifchen Kirchen, Katten-
bufch nur die griechifche Kirche liefern können und
wenn man weiß, welch umfangreiches Material hier zu
bewältigen ift, fo wird man es würdigen, wenn diefe
wiffenfehaftlichen Werke nur langfam gefördert werden
können. Einen einftweiligen Erfatz bieten ja viele
vorzügliche Artikel der Realencyklopädie. Aber fie können
diefen Dienft doch nur Wenigen leiften. Was wir
längft brauchten, war ein praktifches Handbuch der,Kirchen
und Sekten der Gegenwart', das weitere Kreife über die
einfehlägigen prinzipiellen Fragen, über die gefchicht-
lichen Grundlagen und über die wichtigfte Literatur der

gefleckten Grenzen, nur eine Auswahl von Varianten, > ,Kirchenkunde' zu informieren vermag. Einem in Stutt

aber meifterlich weiß er da mit dem befcheidenften
Raumaufwand wertvolle Beiträge zum Verftändnis des
Textes zu liefern, zum Auffinden der von Auguftin benutzten
Quellen, namentlich aber zur Verteidigung der

gart von der Evangelifchen Gefellfchaft Januar 1903
abgehaltenen öffentlichen Inftruktionskurfus über ,die
wichtigften Sekten der Gegenwart', verdankt das Buch
feine Entftehung. Die Evangelifche Gefellfchaft befchloß

von ihm in den Text genommenen Lesart oder zur Be- I auf Grund der dort gehaltenen Vorträge ein Sektengründung
feiner Oppofition gegen eine fcheinbar vorzüg- : büchlein' heraus zu geben und Pfarrer Kalb wurde mit
lieh bezeugte. der Redaktion beauftragt. Aus dem .Sektenbüchlein- ift

Selten find Falle von Einfuhrung einer ganz neuen 1 nun ein ftattliches Handbuch geworden welches auch
Lesart in den Text wie 634,12 quod nobis nos ipsi esse die wichtigften Volks- und Landeskirchen berückficlitmt
voluimus. Aber dahat D. einen guten Griff getan. Daß Der Forfchung neues Material darzubieten ift nicht die
er 243,10 quia certa erant noch immer nicht als Gloffe Abficht des Herausgebers gewefen, obwohl es in einirren
einklammert, wundert mich; in der Praefatio p. XIII füllte j Kapiteln auch daran nicht fehlt Aber überall find die
in dem Inhaltsverzeichnis der Kapitel von Buch 18 bellen Spezialarbeiten forgfältig benutzt um fachliche
c. XVI nicht nach Hoffmann mit dem c. 40 der Drucke , gute und für das allgemeine Verftändnis ausreichende
gleichgefetzt werden, es gehört auch noch 41a dahin, Orientierung zu bieten.

währeod cXVn.^^^^^tr^^^^^n 1 a I i7- iDe1,V{rrau^Lb/r felbft hat die Einleitung, (Wort

Daß der echte Auguftintext für de civitate Del trotz Kirche, Wefen der Kirche), die morgenländifchen Kirch

aller aufgewandten Mühen noch nicht durchweg gefunden
ift wird leider nicht zu leugnen fein; an zahlreichen Stellen
' meift handelt es fleh dabei freilich um für den Sinn

en.

den abendländifchen Katholizismus, die lutherifche Kirche
, die rechtliche Stellung der evangelifchen Kirche in
Deutfchland und den Mormonismus und das Verhältnis

unbedeutende Varianten — wird man bei dem Mangel an

autoritativen Zeugen gerade fo viel für Hoffmanns wie für der bearbeitet A H .^''Sjonsgefellfchaften zueinan
DombartsLesartfagen können Heillosverdorbenfcheintz.B. j Pfarrer Märkt-HeffXL'rW.ld T ^ AY-tr,age 8eliefe't:
623,27 ff., wo weder die Konjektur des einen noch die Herrenhut £S^!^lt\^&t Diakonus Marx-
des anderen befriedigt; Dombarts Text lautet: quia et ! ger (reforn^

nos pro modo nostro pacis eius (sc. Dei) partieipes facti Lutheraner, SwedenbcTp'l S 'i Bm°B> feParierte

setmus summam in nobis atque inter nos et cum ipso ! n---n-" ______, X.n otaatv(kar br. xMarquardt-

pacem, quantum nostrum snmmum est: isto modo pro suo
modo saunt eam saneti angelt; Hoffmanns: quia et nos
pro m. n. p. e. p. facti summam in nobis a. i. n. e. c. i.
pacem, quantum nostrum snmmum est obtinebimus: isto

-----rs:_ T7__: 1_____

Cannftatt (Tempel, Nazarener), Garnifonvikar Geiges-
Stuttgart (Arminianer, Socinianer, Independenten Quäker
, Ch. T. Ruffel), Pfarrer O. Meyer-Dietersweiler
(Kirche von England, fchottifche Kirchen, Methodismus
[auf Grund eines Vortrags von | O-K.R. v. BraunJ),
modo pro suo modo sciunl eam s. angelt. Die Konjektur , Stadtpfarrer Ott-Niedernhall (Baptismus, Darbysmus)

Dombarts (seimus ftatt des handfehrifdich auch nur knapp
geftützten sumus) laßt das quantum nostrum snmmum
est in der Luft fchweben, Hoffmanns obtinebimus zeiftört
die Parallele zu dem Wiffen der Engel. In folchen
Fällen ift der Exegefe noch ein gut Stuck Arbeit übrig
gelaffen, mit Konjekturen muß mutiger nachgeholfen
werden: Dombarts Beifpiel zeigt indes, daß die hand-
fchriftlichen Schätze auch keineswegs ausgefchöpft find.
Wir wünfehen, daß dem verehrten Augultin-Forfcher ver-

V--!---------,----J —----)1

Pfarrer Wurm-Stuttgart (Irvingianismus), Stadtpfarrer
Traub-Stuttgart (Spiritismus), Pfarrer Lotze-Eulendorf
(die fog. Gefundbeter), Dekan Th. Herrmann-Heilbronn
(Ausbreitung des Proteftantismus und feine Bedeutung
im Völkerleben).

Der reiche Stoff ift zweckmäßig eingeteilt, fodaß
zuerft die orthodoxe und die römifch-katholifche Kirche,
dann der Proteftantismus (zuerft der feftländifche, dann
der englifch-amerikanifche) und zuletzt einige religio.e