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Ausgabe:

1905

Spalte:

611-613

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gesenius, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Hebräisches und aramäisches Handwörterbuch über das Alte Testament. 14. Aufl 1905

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 23.

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denn hierzu gehört ein felbftändiges Studium des keil-
infchriftlichen Materials, und ich möchte die Mäßigung des
Verf. rühmend hervorheben, mit der er bei jenen israe-
litifchen Heroengefchichten nur wenige, die Darftellung
berührende mythologifche Züge erkennt, nicht die ganze
Perfon ins Mythologifche zieht; aber jenes Dogma von
der Einen altorientalifchen Weltanfchauung und von der
aflralmythologifchen Gefchichtfchreibung ift mir immer
noch fraglich und noch mehr das Dogma von der Herrfchaft
diefer Anfchauung über die biblifchen Schriftfteller.
Dabei möchte ich die Möglichkeit nicht leugnen, daß an
den Urgefchichten wie an den Vätergefchichten, die ja
großenteils von den Babyloniern bezw. Kanaanäern entlehnt
waren, manche mythologifche Earben hängen
blieben.

Unrichtig ift die vom Verf. beliebte Gegenüberftellung
der von ihm und andern betriebenen Arbeit am A. T. gegen
die bisher geleiftete; die bisherige literar-und textkritifche
Arbeit habe nur die Form der A. T.lichen Schriften berührt
, die orientalifche Altertumskunde dagegen habe die
Erforschung des Inhalts in neue Bahnen gelenkt und für
deffen Verftändnis Maßgebendes geleiftet. Das ift eine
Übertreibung und ein verhängnisvoller Gebrauch der
Begriffe ,Form' und .Inhalt'. Auch die orientalifche Altertumskunde
dient in erfter Linie und ganz überwiegend der
Erforfchung der Form des A. T., es foll ihr genügen, daß
fie das kann und tut; von dem mythologifchen Syftem
fagt Verf. felbft, daß es den Schlüffel zu einer Formenlehre
des biblifchen Schrifttums liefere und daß er auf
Schritt und Tritt bemüht fei, vor einer Überfchätzung
der Form und vor Auflöfung der Tatfachen in mythologifche
Ideen zu warnen. Auch was fonft aus der altorientalifchen
Gefchichte, Archäologie, Wiffenfchaft und
Religion beigebracht werden kann, befchränkt fich im
wefentlichen auf die Form und äußere Geftalt, während
der Inhalt der israelitifchen Religion dadurch nicht ver-
ftändlicher wird.

Unnötig endlich ift die apologetifche Ausnutzung
der,Denkmäler' und das Ausfpielen der Affyriologie gegen
die hiftorifch-kritifche Schule. Jede Epoche der wiffen-
fchaftlichen Arbeit ift notwendig und neben all ihren
Übertreibungen und Mängeln vernünftig, denn die Gefchichte
leiftet fich nichts Überflüffiges. Und diefe apologetifche
Art leidet gleichfalls an einer Verwechslung
des Äußerlichen und des Innerlichen; denn die Größe und
die Wahrheit der biblifchen Berichte wird nicht dadurch
gefichert, daß ihre gefchichtliche Übereinftimmung mit
den Denkmälern gezeigt werden kann, fo wenig die Größe
und die Wahrheit einer Perfönlichkeit dadurch beeinträchtigt
wird, daß in ihre Biographie legendenhafte, vielleicht
fogar mythologifche Züge eingetragen wurden.

So bleibt, da die 2. Auflage wohl fchon fertig ift,
nur der Wunfeh übrig, der Verf. möge in einer 3. Auflage
mit fachlicher Wiffenfchaftlichkeit ohne jeglichen
Nebenzweck und mit ftrenger Ausfcheidung alles Zweifelhaften
einen religionsgefchichtlichen, fpeziell babylonifchen
Kommentar zum A. T. fchaffen, zu dem er durch feine
Fachkenntnis und durch feine Überzeugung von der reli-
giöfen Einzigartigkeit Israels in befonderer Weife berufen
ift.

Leonberg. P. Volz.

Gelenius', Wilhelm, hebräifches und aramäifches Handwörterbuch
über das Alte Teftament. In Verbindung mit
Prof. Dr. H. Zimmern bearbeitet von Prof. Dr. Frants
Buhl. Vierzehnte Auflage. Leipzig, F. C. W. Vogel
1905. (XVI, 932 S.) Lex. 8° M. 18 —

Die neue 14. Auflage diefes Werkes Hellt fich fchon
äußerlich in ziemlich veränderter Geftalt dar. Um trotz
erheblicher Vermehrung des Stoffes die Seitenzahl nicht
zu vermehren, find die Kolumnen verbreitert, die Intervalle
zwifchen denfelben verfchmälert, die Schrift verkleinert
, und der etymologifche Teil im Anfang der Artikel
durch noch kleinere Typen von dem übrigen abgehoben
worden. Der gewollte Zweck ift dadurch erreicht
, aber vom äfthetifchen Standpunkt und namentlich
im Intereffe der Augen ift die frühere Ausftattung weit
vorzuziehen. Sachlich bedeutet diefe Auflage wieder
einen bedeutenden Fortfehritt, und wir find dem unermüdlichen
Eifer des Herausgebers Frants Buhl und
feiner beiden gelehrten Mitarbeiter Heinrich Zimmern
und W. Max Müller zu großem Danke verpflichtet. Nicht
nur im etymologifchen, fondern auch im lexikalifchen
Teil hat die Umarbeitung oft und tief eingegriffen, und
die fehr zerftreute Literatur ift wieder mit bewundernswerter
Vollftändigkeit ausgebeutet. Meine Bemerkungen
zur früheren Auflage (diefe Zeitung 1899 Nr. I2> Sp.
355—358) find, wie ich fehe, vielfach berückfichtigt worden
, und vieles von dem, was ich mir noch fpäter am
Rande notiert habe, fcheint jetzt erledigt. Ich habe aber
immer noch eine große Zahl von Verbefferungsvor-
fchlägen bereit. Die meiften beziehen fich auf den übrigens
recht verdienftlichen etymologifchen Teil. Indem ich
mir vorbehalte, diefelben fobald als möglich in einer phi-
lologifchen Fachzeitfchrift zu veröffentlichen, befchränke
ich mich hier auf das fpeziell hebraiftifche Gebiet.

S. 74b: Bei "12 .Stange' war zu verweifen auf jüd.
aram. ans, das auch ins Arabifche eingewandert ift, vgl.
de Goeje im Gloffar zu Tabari. — 126 a zu nba ift zu
vergleichen xbba im palmyrenifchen Steuertarif/— 185 a
■p-p iShtT ,die Arme feiner Hände' ift natürlich Unfinn,
man erwartet von Pfeilen zu hören. — S. 198a oben:
!"!Tn c. 3 im Sinne von 3 ittn muß Aramaismus fein. —
206 a ift nicht erkannt, daß DDri auch .liftig, verfchlagen'
bedeutet, z. B. II Sam. 133, vgl. auch den modernen jü-
difchen Jargon. —230 b -pfj heißt nicht eigentlich ,Sorge
tragen', fondern .unruhig hin und her laufen, fich Unruhe,
Umftände machen'. — 240a: Q^nn II Sam. 24 ift eine
unmögliche Lesart, korrigiere entweder MPM oder fipn
und dann im Folgenden "IT£ (Subjekt Gott)' für ntit. —
261 Die Ausfprache des Tetragramms (fW als Jehovah
ift fchon bei Jacob Weffel (-(- 1480) zu konftatieren. —
264 a lin. 28 ift gegen den deutfehen Sprachgebrauch ver-
ftoßen: .Sedantag' bedeutet nicht die Schlacht von Sedan,
fondern das Feft zur Erinnerung an diefe. — Unter den
folgenden präpofitionalen Ausdrücken vermiffe ich Di*1!"!;)
.gerade, eben jetzt' I Sam. 913. — 283: Es ift nicht zu
verfchweigen, daß 'pprJ reguläres Hiphil zu pp^ ift; die
Orthographie tut nichts zur Sache. — 294 a -urjin "1BD heißt
,Buch des Tapferen'. — 300a rn;03 lud. 1821 bedeutet
nach dem Zufammenhang .Bagage, Troß'. — 315 a lin. 3:
Die Emendation Bertheaus taugt gar nichts. Die Stelle
ift in einem verzweifelten Zuftande. —405: Zu n23'0 vgl.
jetzt G. Dalman in ZDPV 1904 — 410a; Die Übersetzung
von pitn "'paSE durch .Säulen der Erde' follte zu fchweren
Bedenken veranlaffen, denn die Vorftellung, daß der
Erdkreis auf Säulen ruhe, ift weder aus Israel noch aus
Babylon zu belegen. — 412 b: Die Stellen, an denen
Blptt .Kultusort' bedeutet, dürften vollftändiger angeführt
fein'(Gen. 12 g. Jerem. 712. u). R. Dozy hat in feinem
wunderlichen Buche ,Die Israeliten zu Mekka' S. 148 hieraus
fehr gut den jüdifchen Terminus DIpEn für ,Gott'
abgeleitet. — 418 a Es wäre wichtig hervorzuheben, daß
fcfnB in keinem gefetzlichen Abfchnitte vorkommt, auch
ift feine Bedeutung fehr dunkel. — 441 fn; Ezech. 1633
ift fchlechte Lesart für prj, das noch im Selben Verfe
gebraucht wird. — 451 ''P'ansri Ezech. 513 ift nicht =
iptansnr', noch darf fo korrigiert werden, es liegt vielmehr
Dittographie zu iimTBn vor. — 465 a Zu den Belegen für
Qi?B lb£3 Gen. 45. 6 füge noch I Sam. Iis, wo ficher fo
mit LXX zu lefen ift, gegenüber llpl des maforet. Textes.
— 502a unten: Die Exegeten follten fich endlich dabei
beruhigen, daß Potiphar ein verheirateter Eunuche war.
Daß Eunuchen heiraten, ift in alter Zeit vorgekommen,