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Ausgabe:

1905

Spalte:

594-601

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bauer, Adolf

Titel/Untertitel:

Eine alexandrinische Weltchronik 1905

Rezensent:

Dräseke, Johannes

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VH Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 22. 594

rede geftellt werden kann, ernftefter Erwägung wert.
Wo ift denn in der Logos- und Trinitätslehre des Methodius
das fpezififch Origeniftifche? Soviel ich fehe, geht
in der Trinitätslehre des Methodius nur die Anwendung
des Terminus vjioözäotiq über das hinaus, was fchon
aus der apologetifchen Tradition herflammt. Wer aber
mag fagen, daß Origenes diefen m. W. vor ihm nicht
nachweisbaren Terminus geprägt hat? Auch bei den die
,kleina(iatifchenl Einflüffe bei Methodius kreuzenden Gedanken
wird man nicht nur mit literarifchen Einwirkungen
des Origenes, fondern mit Traditionselementen
rechnen muffen. Harnack betont bei der Frage nach
der Exiflenz eines Symbols im Orient das Vorhandenfein
eines ftereotypen Kerygma. Man mag die Bedeutung
diefes Begriffs für die Symbolforfchung und die
ftereotype Form des Kerygma beftreiten. Doch daß in
der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts hinter der
Predigt und hinter der Katechumenen-Unterweifung eine
— lokal mannigfach verfchiedene ■— theologifche Tradition
ftand, wird trotzdem für wahrfcheinlich gehalten werden
müffen. Im Rahmen folcher vulgären kirchlichen Tradition
fleht die Theologie des Methodius trotz aller pla-
tonifchen Einflüffe, die fie zeigt. Schon Harnack hat
darauf hingedeutet (In 749); Bonwetfch hat es noch mehr
betont. Aber ich glaube, daß mit diefem Gedanken
noch mehr Ernft gemacht werden, der origeniftifche Einfluß
auf Methodius noch mehr eingefchränkt werden
muß. Die fchöpferifche Bedeutung des Origenes für
die Entwicklung nach ihm ift, wie ich glaube, unter
Harnacks Einfluß von uns im allgemeinen überfchätzt
worden. Es wäre töricht, fie leugnen zu wollen. Aber
älter als Origenes, ift die ,kleinafiatifche' Tradition (vgl.

viele für ihre Theologie zeugende xp/jtferc finden; Methodius
gehört fchon mehr in die Entwicklungslinie, die
zu Apollinaris und zum Monophyfitismus hinführt.
Auch der Einfluß des Origenes hat ihn in diefe Richtung
fchieben helfen. Aber neben Origenes andere Faktoren
, unter deren Einwirkung der große Alexandriner
felbft fchon ftand. — Wenn an diefen Gedanken Richtiges
ift, fo hat Bonwetfchs Abhandlung inbezug auf die
dogmengefchichtliche Würdigung des Methodius noch
nicht das letzte Wort gefprochen. Bonwetfch hat die
Frage nach der Stellung des Methodius in der Dogmen-
gefchichte auch nur im Zufammenhange mit unmittelbar
konftatierbaren Abhängigkeitsverhältniffen erörtert. Allen
Konftruktionen ift feine überaus vorfichtige. den ficheren
Boden des direkt Erhebbaren nicht veriaffende Art der
wiffenfchaftlichen Arbeit abhold. Aber eben hierauf beruht
ihr dauernder Wert. Über die Stellung des Methodius
in der Dogmengefchichte wird noch viel verhandelt
werden; und bei Fragen derart läßt fich das
fubjektive Element der facon de voir nicht ausfchalten.
Aber niemand, der urteilen will, wird an Bonwetfchs
Abhandlung vorbeigehen können. Sie wird für lange
Zeit der zuverläffige Führer bleiben für jeden, der fich
in Methodius hineinarbeiten will, und — dank der Menge
des ficher Feflgeflellten — ein Regulator für alle Rekon-
ftruktionen der bei Methodius nach rückwärts wie nach
vorwärts weithin überfehbaren dogmengefchichtlichen
Entwicklung.

Halle a. S. Loofs.

Bauer, Adolf, und Jofef Strzygowski, Eine alexandrinilche

Weltchronik. Text und Miniaturen eines griechifchen

RE IV3, 29,2fr). In ihr. nicht in der Theologie des Ori- " """ ~ ~" *~"---------- '•'*— s'"-**««-**«

genes, wurzelt letztlich fowohl die unter apologetifchen Papyrus der Sammlung W. Goleniscev, herausgegeben
Einfluffen von ihr ablenkende alexandrinifche, wie die und erklärt. Mit 8 Doppeltafeln und 36 Abbildungen
antiochenifche Theologie. Und die Bedeutung der Theo- | im Texte. [Denkfchriften der kaiferl. Akademie der
logie des Methodius fcheint mir vornehmlich darin ge-
fehen werden zu müffen, daß fie uns zeigt, wie und
unter welchen Einfluffen fchon im endenden dritten Jahrhundert
der künftige Sieg der apologetifch-alexandrini-
fchen Theologie fich vorbereitete. Im Mittelpunkt der
.kleinafiatifchen Traditionen', die für die Theologie des
Methodius den Ausgangpunkt bilden, fteht urfpriinglich
die doppelte Beurteilung des gefchichtlichen Chriftus

Wiffenfchaften in Wien, philof.-hift. Klaffe Bd. LI,
Nr. II]. Wien, C. Gerolds Sohn in Kommiffion 1905.
(204 S.) 4° M. 20 —

Seitdem nicht bloß die Mumien in den füllen Grabkammern
Ägyptens ihre von fürforglichen Angehörigen
ihnen auf den Weg in die Ewigkeit mitgegebenen Lieb-
lingsfchriften haben herausgeben müffen, fondern auch

als des &tbq (paVEQeoirdq und als des xaivoq avdQmxoq. der dürre Sand des alten Wunderlandes den mit großer
Der .vulgären Kirchlichkeit' ift fchon im zweiten Umficht und Sachkunde ihn durchforfchenden Gelehrten.
Jahrhundert die erftere Betrachtungsweife auf Koften j wie es Grenfell und Hunt in muftergültiger Weife tun",
der zweiten das Wefentliche geworden. Methodius j eine Unzahl von Reflen in erfter 1 anie griechifchen

aeht in den Bahnen diefer vulgären Kirchhchkeit.
Zwar fehlt bei ihm die zweite Gedankenreihe nicht völ-
Kg Aber Bonwetfch fagt gewiß mit Recht, es fei
.nicht zufällig, daß fich die Bezeichnung Chrifli als des
xaivbq ävdnomoq bei Methodius nicht findet'(S 96) Das
Wefentliche an dem neuen Anfang, den Chriftus fetzte,

Schrifttums, z. T. von unfehätzbarem Werte, in die Hand
gegeben hat, bringt faft jedes Jahr auf diefem Gebiete
neue Überrafchungen. Zu diefen gehören auch die ihrem
Fundorte nach unbekannten, aber durch anhaftenden
Staub und Sandkörner als aus der Erde Ägyptens ans
Licht gekommen gekennzeichneten Bruchflücke des von

ift für Methodius die Befeitigung der rp&OQ-a. Und daher ■ Adolf Bauer und jofef Strzygowski veröffentlichten Pakann
die um Chriftus als den Anfanger einer neuen
Menfchheit fich gruppierende Gedankenreihe bei ihm faft
ganz aufgehen in der erften: Chriftus ift für Methodius
wefentlich die äipfraQoia vixr/Oaöa tJävarov {conviv 3,7
Jahn p. 19). Die Rekapitulationslehre wird, wozu fich
fchon bei Irenaeus Anfätze finden, hiermit umgebogen
zur'.phyfifchen Erlöfungslehre'. Damit hängt es zufam-
men, daß Methodius mit dem Gedankn der tvavfrgo'j-
Jtyatq mehr Ernft macht, als die Theologie vor ihm:
der Logos .verläßt', herabkommend, den Vater im
Himmel und die ganze Engelwelt. Auch das erklärt fich
aus diefen Einfluffen, d.h. aus der Vulgärfrömmigkeit, daß
Methodius Anläufe macht zu xivcoaiq- Gedanken, und
daß die Behauptung einer Verm i fch u n g der menfehlichen
Natur mit der Gottheit in dem gefchichtlichen Chriftus
für ihn die wichtigfte chriftologifche Auslage wird.
Noch bei Irenaeus, bei dem m. E. des Überkommenen
mehr ift als des Eignen, konnten auch die Antiochener

pyrusbuches, das W. Goleniscev bei dem Antikenhänd-
ler Schech Ali in Gizeh erwarb. Strzygowski, dem der
Befitzer die Bruchflücke zur Herausgabe der fie zierenden
Miniaturen überlaffen hatte, bot Bauer die Bearbeitung
des Textes an. Und fo kam durch das Zufammen-
wirken beider Gelehrten fowohl nach Seiten der paläo-
graphifchen und antiquarifch-gefchichtlichen Erklärung,
wie der der kunftgefchichtlichen Würdigung eine
mufterhafte Leiftung zuftande, von der die an jenen
beiden Gebieten beteiligten Forfcher noch lange zu
lernen haben werden. Handelt es fich doch um einen in
vorzüglicher Nachbildung uns vermittelten, in der eiften
Hälfte des 5. Jahrhunderts gefchriebenen Papyrus, deffen
Schrift am meiften der von den obengenannten, verdienten
englifchen Forfchern im 2. Bde. der Amtierst
Papyri (Taf. XXIV, Nr. CXC) herausgegebenen, allerdings
erft dem 6. Jahrh. zugefchriebenen Hf. des Hirten
des Hermas ähnlich ift. Unter den ägyptifchen Papyri

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