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Ausgabe:

1905 Nr. 22

Spalte:

591-594

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bonwetsch, Nathanael

Titel/Untertitel:

Die Theologie des Methodius von Olympus untersucht 1905

Rezensent:

Loofs, Friedrich

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59i Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 22. 592

Paulus-Apokalypfe, bezw. ihre kirchliche Verwerfung
fcheint bisher der 3. Kanon des Patriarchen Nikephoros
MSG 100. 852 a überfehen zu fein.

Die Überlieferung ift übrigens mit obigem nicht er-
fchöpft: als felbftändig aus der griechifchen abgeleitet
verdient die flavifche befondere Beachtung (f. Bonwetfch
bei Harnack LG I 2, 910). Harnack LG I 2, 788 nennt
noch koptifch (?). Zu forfchen wäre nach arabifchen Texten.

Dann aber wäre die durch Fragm. Vind. angeregte
Frage zu unterfuchen, ob die in PGS vorliegende Form
wirklich die Apokalypfe in ihrem urfprünglichen Umfang
gibt; zeigt doch der letzte Teil, der in jenem Fragm. fehlt,
Wiederholungen und Widerfprüche im Vergleich mit dem
vorausgehenden. Auf rabbinifche Quellen für die Sabbatruhe
im Hades hat Levy, Rev. des etudes juives XXV
hingewiefen.

daß der Logos bei der Menfchwerdung den Protoplaften
felbft mit fich verbunden habe. Bonwetfch hat — und
damit komme ich auch zu einem Ergänzungswunfche,
zu einem Punkte, an dem die ausführlichen und doch
nie breiten Ausführungen Bs. etwas vollfländiger hätten
fein können, — dies Theologumenon gar nicht ausdrücklich
ins Auge gefaßt. S. 92 Anm. 2 und S. 93 Anm. 2. u. 3
citiert er die drei Stellen, an denen diefer fonderbare Gedanke
am deutlichften ausgefprochen ift; aber er hebt
das Sonderbare des Gedankens gar nicht hervor, fcheint
in ihm lediglich die Vorftellung zu finden, daß ,die in
Adam vorhandene allen gemeinfame Menfchheit dem Logos
geeint wurde' (S. 92). Das mag letztlich gemeint
fein. Doch, wenn man bedenkt, daß fpielende
Ausmalung der bei der dvaxc-cpaXaicoOig gewährten
Gleichheit der Situation' fchon vor Methodius Chrifti

Straßburg. von Dobfchütz. I Tod auf denfelben Tag, ja an denfelben Ort verlegt

ö hat, da Adam dem lode verfiel, lo muß man fagen,

j daß die bei Methodius vorliegende mythologifche Zu-
Bonwetfch, Nathanael, Die Theologie des Methodius von 1 fpitzung der .Währung der Gleichheit' in der Linie

Olympus unterfucht. (Abhandlungen der Königlichen
Gefellfchaft der Wiffenfchaften zu Göttingen, philolo-
gifch-hiftorifche Klaffe. Neue Folge, Band VII. Nr. i.)
Berlin, Weidmannn 1903. (IV, 173 S.) gr. 40 M. 12 —

Es ift allein die Schuld des unterzeichneten Referenten
, daß diefe Anzeige fich fo lange verzögert hat.
Die Abhandlung, der fie gilt, hätte es verdient, rechtzeitiger
mit lebhaftem Druck begrüßt zu werden. Ihr Ver-
faffer wie ihr Stoff hatten ein Anrecht darauf.
Zweifellos kennt keiner der Fachgenoffen den Metho-

diefer älteren Spielereien liegt und daher nicht undenkbar
ift bei einem ,Theologen' wie Methodius, der
volkstümlich .frommen' Vorftellungen mehr nachgegeben
hat, als mit klarem Denken fich vertrug.

Dies führt auf die Beurteilung der Theologie des
Methodius und damit zu dem Zweiten, das neben der
hervorragenden Zuftändigkeit des Verfaffers der Abhandlung
Bs. das Intereffe aller Freunde dogmengefchicht-
licher Arbeit fichert. Methodius, dem die Abhandlung
gewidmet ift, ift m. E. eine der lehrreichften und daher
intereffanteften Erfcheinungen in der älteren Dogmen-

dius fo gut wie Bonwetfch, dem wir die Erfchlief- | gefchichte. Bonwetfch beurteilt ihn ähnlich wie Har

fung der durch die flavifche Literatur erhaltenen Werke
des Methodius und im Zufammenhange mit ihr eine
Ausgabe aller Werke des Methodius, abgefehen von dem
längft vollftändig bekannten convivium decem virginum,
verdanken. Und Bonwetfchs Gelehrfamkeit, feine
Sorgfalt und Behutfamkeit machen ihn zu einem befonders
zuverläffigen Führer. Es ift daher zunächft ihr Verfaffer,
der diefe Abhandlung empfiehlt. Siebefpricht nach einer
kurzen literargefchichtlichen Einleitung zunächft Anlage
und Gedankengang der Schriften des Methodius (S. II — 53)>
behandelt dann die dogmatifchen und ethifchen Än-
fchauungen des Methodius (S. 53 —125 und 125—140),
um endlich auf Grund einer Ünterfuchung über das Verhältnis
des Methodius zur Schrift, zur Philofophie und
zur kirchlichen Überlieferung die Stellung des Bifchofs
von Olympus in der Dogmengefchichte zu erörtern (S.
140—173). Für die Richtigkeit und Vollftändigkeit des
hier gebotenen reichhaltigen Materials ift des Verfaffers
Name eine fo gute Bürgfchaft, daß es niemanden über-
rafchen wird, daß ich fo gut wie nichts zu korrigieren
oder zu ergänzen weiß. Die Möglichkeit einer Korrektur
ift mir nur S. 92 aufgeftoßen. Bonwetfch behandelt
hier den Gedanken, den Methodius conviv. 3, 4 ed. Jahn
p. 18. ausfpricht, den Gedanken, Adam fei nach Pauli
Meinung nicht nur Typus und Bild Chrifti, dXXa xal
avxb xovxo Xgtoxbv xcu avxbv ysyovlvai öta xb xbv stgo
alcovcov sig avxbv eyxaxaOxfjrpat Xoyov. B. glaubt
hier konftatieren zu können, daß nach der Meinung des Methodius
der Logos— offenbar in der Ekftafe Gen. 2,21
— auf Adam herabgekommen fei, fodaß damals ,eine
gewiffe Vorausnahme der Menfchwerdung' eintrat. Diefe
Vorftellung vermag ich in der Stelle nicht zu erkennen.
Der Kontext deutet fie nicht an. Das cyxaxaöxrjipai bezieht
fich m. E. auf die Menfchwerdung felbft; und die Identität
zwifchen Chriftus und Adam beruht darauf, daß
bei der evavdgcbjttjOig der Logos auf ihn, d. i. (vgl.
den folgenden Satz) auf den Adam felbft, den ngcoxö-
jcXadxog xcu Jtgcözoq xal xgcozoyovog xcbv dvvgmjicov,
herabkam. Es hängt alfo der fragliche Satz mit dem
von Harnack (DG I2 698) ftark betonten Theologumenon
oder Mythologumenon bei Methodius zufammen,

nack, der ,einen Ausgleich zwifchen Origenes und Ire-
naeus' bei Methodius fand. Doch verkennt Bonwetfch
nicht, daß ,die von Methodius vorgetragenen Anfchau-
ungen zum Teil Gemeingut der kleinafiatifchen Kirche
waren' (S. 164). Ich glaube, daß dies eine fehr richtige
Einfchränkung der allzu literarifchen Betrachtung ift,
die in Harnacks Dogmengefchichte den dogmenge-
fchichtlichen Zufammenhängen zuteil wird. Wir müffen
m. E. mehr mit Traditionen rechnen, die nicht nur
literarifche Exiftenz hatten. Daß Methodius Irenaeus
gelefen hat, will ich nicht beftreiten. Doch wenn die
,feine ganze Theologie beftimmenden Gedanken' (S 164)
aus diefer Lektüre flammten, fo wäre m. E. fchwer begreiflich
, daß der Terminus der dvaxtcpaXalcoQiq bei Methodius
keine Rolle fpielt: wo er vorkommt (conviv. 3,8
Jahn, p. 20), ift fein Sinn nicht einmal ficher zu erkennen
. Methodius fleht innerhalb kleinafiatifcher Traditionen
. Daß Methodius diefe mit origeniftifchen Flin-
flüffen kombiniert hat, ift feiner Exegefe und feinen
ethifchen Anfchauungen gegenüber, wie auch ich glaube,
nicht zu leugnen. Doch ift mir kaum zweifelhaft, daß
Harnacks Auffaffung der Theologie des Methodius als
der Kompromißtheologie zwifchen Irenaeus und Origenes
einer noch ftärkeren Modifikation bedarf, als Bonwetfch
ihr hat zuteil werden laffen. Bonwetfch hat diefe Thefe
fchon eingefchränkt: Methodius, in dem Harnack (I3,
741) einen .originalen Schriftfteller' erkennen zu können
glaubte, ift ihm ,kein Mann von theologifcher Originalität
' (S. 171), fondern nur ein gebildeter und kenntnisreicher
Vertreter des traditionellen Kirchenglaubens.
Einen .Kompromiß mit der Theologie des Origenes'
findet doch aber auch Bonwetfch in der Theologie des
Methodius: er erwähnt (S. 173 Anm. 2), wie es fcheint,
abweifend, eine fchwedifche Arbeit über Methodius (CG
Lundberg, Methodius btskop of Olympus, Göteborg 1901),
die diefe Thefe beftreitet, aber die volkstümlich kirchlichen
Elemente in der Theologie des Methodius ftark
betont. Das Buch von Lundberg ift mir ebenfo unzugänglich
gewefen, wie es für B. unzugänglich war. Aber
der von ihm hervorgehobene Gedanke fcheint mir, obwohl
origeniftifcher Einfluß bei Methodius nicht ganz in Ab-