Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1905 Nr. 18

Spalte:

499-500

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schultheß-Rechberg, Gustav von

Titel/Untertitel:

Heinrich Bullinger, der Nachfolger Zwinglis. Vortrag 1905

Rezensent:

Köhler, Walther

Ansicht Scan:

Seite 1

Download Scan:

PDF

499

Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 18.

500

S. 89 irr. juwen ganz richtig = in eurem Fürftengrad.
S. 102 Z. 13 ift in dem fchwierigen Zwifchenfatz zu lefen
,wolde' ftatt wolden: Er wollte, daß fie, ftatt Gott zu
vertrauen, ihn fürchteten und fo fich, wie Adam und Eva,
von ihm abwendeten. S. 104 Z. 22 ift ,wolde' kaum =
gewaltig, fondern Fehler des Abfchreibers ftatt wol. Die
wohl fprechenden Gelehrten find Schmeichler. S. III Z. 4
v. u. ift ,nalateken' unverltändlich. Auch malteken paßt
nicht zu ,yntrede'. Ift vielleicht lemeken (aQviov) zu
lefen? S. 112 ift Anm. ,verletten' mit aufhalten erklärt,
dann aber hätten wir einen auffallenden Pleonasmus neben
,upgeholden'. Gemeint ift verletzen, violare. S. 122 läßt
der Abfchreiber Rothmann den Sinn von Prov. 16 m
völlig verkehren, wenn er fchreibt: de recht fpreckt, fal
werden gehath. Das paßt aber nicht in den Zufammen-
hang. Vielleicht hat Rothmann ,diligeturl der Vulgata mit
geharth = geherzt wiedergegeben. S. 123 Z. 14 ift der
kranken Stelle mit der Einfchiebung von holden noch
nicht geholfen, man wird noch darna beifügen müffen.
S. 125 Z. 4 wird ,deynet' nicht zu beanftanden fein. Denn
die vier Tiere flehen in Gottes Dienft.

Nabern. G. Boffert.

Zahn, W., Die Altmark im dreißigjährigen Kriege. (IV, 63 S.)

Kalkoff, Paul, Die Anfänge der Gegenreformation in den
Niederlanden. 2. Teil. (VII, 119 S.)

Schultheß-Rechberg, Guftav von, Heinrich Bullinger, der
Nachfolger Zwingiis. (III, 104 S.)

Egelhaaf, Oberftudienrat, Gymn.-Rekt. Dr. Gottlob, Landgraf
Philipp der Großmütige.

Diehl, Pfr. Lic. Dr. Wilhelm, Martin Butzers Bedeutung für
das kirchliche Leben in Hessen.

Vorträge, gehalten auf der VII. Generalverfamm- 1
lung des Vereins für Reformationsgefchichte am I
7. April 1904 in Kaffel. (63 S.)

(Schriften des Vereins für Reformationsgefchichte. [
Nr. 80—83. 21. Jahrg. 3. u. 4. und 22. Jahrg. 1. u. I
2. Stück.) Halle, R. Haupt in Komm. 1904. gr. 8°

je M. 1.20

1. Aus Lokalchroniken und vor allem den Archiven
und Kirchenbüchern der Städte fchöpfend, gibt Zahn
ein anfchauliches Bild von der Wirkung des 30jährigen I
Krieges auf die Altmark. Daß fie ,wie kaum eine andere
Gegend Deutfchlands' (S. 57) von den Kriegsleiden betroffen
wurde, glaubt man dem Verf. gern nach feiner
Darftellung. Schon ehe der Kriegsfchauplatz auf ihren
Boden verlegt wurde, hatte die Provinz unter durchziehenden
z. T. auf der Flucht begriffenen Truppen zu
leiden. 1626 kamen die Dänen; der Schaden, den ihre
Einlagerung der Altmark und Priegnitz brachte, wurde
auf 1200000 Taler gefchätzt! 1627—31 ftanden die Kaifer-
lichen in der Altmark, in Tangermünde wurde kraft des
Reftitutionsediktes der Verfuch einer Rückgewinnung des
Dominikanerklofters gemacht. 1631 kam Guftav Adolf,
die Altmärker mußten Kontribution für die Truppen in
der Werbener Schanze zahlen. 1635—50 waren mit
kurzen Zwifchenpaufen Sachfen, Kaiferliche und Schweden
in der Altmark, gegen die zahlreichen Marodeure fchritten
die Bauern zur Selbfthilfe. Die Folgen des Krieges
mögen aus dem vom Verf. beigebrachten zahlreichen
ftatiftifchen Material zwei Notizen veranfchaulichen:
Tangermünde hatte vor dem Kriege 623 bewohnte
Bürgerhäufer, 164S waren davon nur 228 bewohnbar, in
der Stadt Ofterburg wurde 1644 kein einziges Paar getraut
!

2. Kalkoff fchildert zunächft Aleanders Bemühungen 1
um die Durchführung des Wormfer Ediktes in den Niederlanden
, das er in Löwen in lateinifcher Sprache publizierte
— diefer lateinifche Text galt als der authentifche,
der flämifche und franzöfifche bafieren auf ihm. Ein
meifterhaftes Kapitel zeigt dann die Verdrängung des
Erasmus aus den Niederlanden in die Schweiz — ,damit
fiel für die Ausbreitung und Sicherung des luthe-
rifchen Wefens ein förderfamer Einfluß auf die höheren
Stände, die Mitglieder der ftädtifchen Magiftrate, der
richterlichen Kollegien, der landesherrlichen Behörden
hinweg'. Der Schluß behandelt die Errichtung der
landesherrlichen Inquifition unter dem Inquiütor van
der Hulft, den Prozeß des Jacobus Praepofiti und der
drei Antwerpener Auguftiner — das Ganze natürlich
aufgebaut auf FYedericqs documenta, aber eine originale
Leiftung. Auf die wertvollen Anmerkungen fei ausdrücklich
verwiefen.

3. Hoch erfreulich ift, daß die Bullingerfeftfchrift des
Vereins für Reformationsgefchichte ein Syftematiker,
Prof. v. Schultheß-Rechberg, übernommen hatte; fo erhielten
wir ein Bild von der Theologie des großen
Zürichers, die bei den übrigen Feftreden und -fchriften
zu kurz gekommen war. Doch hat es auf der anderen
Seite v. Sch. verftanden, eine Lebensfkizze Bullingers
mit der Darfteilung feiner religiöfen Denkweife zu ver-
fchmelzen, fodaß ein abgerundetes Ganzes entftand. Das
zweite Kapitel: Bullingers religiöfe Denkweife ift die
Glanzpartie des Buches. An der Spitze fleht der treffende
Satz: ,nicht Perfönlichkeiten verdankt Bullinger feine
evangelifchen Überzeugungen, fondern Büchern'. Die
Kirchenväter, Tertullian, Laktanz, Cyprian, Auguftin, dann
vor allem Erasmus find feine Führer, doch denkt Bullinger
viel fupranaturaliftifcher als der Humaniftenführer.
Zwingli hat ihn in feiner fchon gewonnenen Pofition nur
,beftärkt', die Quellen feiner Abendmahlslehre liegen z. B.
nicht bei ihm, fondern in der alten und mittelalterlichen
Theologie. Infolge diefes Wertlegens auf die Tradition
ift ,die Theologie Bullingers kirchlicher als diejenige aller
anderen Reformatoren der erften Generation' (S. 29).

4. Die 7. Generalverfammlung des Vereins für Reformationsgefchichte
tagte in Kaffel, fie follte zugleich
Gedenkfeier für Philipp den Großmütigen fein. Egelhaaf
und Diehl waren die Feftredner. Jener bot ein knappes,
fcharfumriffenes Lebensbild des großen Fürften, bei dem
ich nur hinter die Feftlegung des Übertrittes zur Reformation
auf 1524 ein Fragezeichen fetzen möchte. Diefer
würdigte in dem Lande Vilmars fehr gefchickt zuerft die
Verdienfte des Lutheraners Adam Kraft, um dann ein
kurzes Refümee feiner eigenen Forfchungen über Butzer
zu bieten, die ich hier wohl als bekannt vorausfetzen darf.

Aus dem angehängten Bericht über die Tätigkeit
des Vereins für Reformationsgefchichte entnehmen wir
den Plan von Gegenfchriften gegen Denifles Verunglimpfungen
Luthers. Möchte der Verein auch diefe
Aufgabe zu gutem Ende führen!

Gießen. Köhler.

Dürrwächter, Lyc.-Prof. Dr. Anton, Christoph Gewold.

Ein Beitrag zur Gelehrtengefchichte der Gegenreformation
und zur Gefchichte des Kampfes um die
pfälzifche Kur. (Studien und Darftellungen aus dem
Gebiete der Gefchichte. Herausgegeben von Hermann
Grauert, IV. Band, 1. Heft.) Freiburg i. B.,
Herder 1904. (VIII, 134 S.) gr. 8° M. 2.60

Diefe Biographie des bayrifchen Hiftoriographen ift
trotz einer gewiffen Trockenheit, die z. T. im Stoffe liegt,
lehrreich für das Verftändnis der bayrifchen Politik am
Vorabend des dreißigjährigen Krieges und der geiftigen
Beftrebungen am Hofe Maximilians L Wir werden hereingeführt
in den intereffanten publiziftifchen Kampf, der
dem Waffenkampf vorausging, um das Recht der bayrifchen
und Unrecht der pfälzifchen Kurwürde; der Ge-
heimfekretär und Archivar tritt natürlich für Bayern ein,