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Ausgabe:

1905 Nr. 17

Spalte:

483-484

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Neue Humaniana. Briefe und andere Dokumente, erstmals hrsg. von Heinrich Weber 1905

Rezensent:

Zillessen, Alfred

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483

Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 17.

484

einer Kraftquelle und an populärer Darftellungsfähigkeit
zum Bewußtfein bringen, um fie auf die gefchichtliche
hinzulenken? Oder ift die eine efoterifch und die andere

,Um ein getreues Bild von H.s Charakter und Wefen zu
gewinnen, darf man fich keinen Zug entfchlüpfen laffen,
fo unbedeutend er im erften Augenblick erfcheint. Kann

exoterifch? — Da das Sellfche Buch für die weiten j man nicht gleich hoffen, eine in jeder Hinficht fo be-
Kreife der Suchenden berechnet ift, tut jeder Pfarrer, gabte Natur vollftändig und erfchöpfend aufzufaffen und

der Gelegenheit und Freudigkeit für die Arbeit an diefen
hat, gut daran, fich eingehend mit ihm zu befchäftigen;
dann wird er durch Empfehlung oder durch Darbietung
feiner Gedanken vielleicht manchem wieder Refpekt vor

darzuftellen, fo wird doch eine möglichft reiche Zufam-
menftellung fo feiner Züge die gewünfchte Ähnlichkeit
des Bildes, wenn auch nicht erreichen, ihr doch möglichft
nahe kommen und am erften zur Auflöfung aller

der Macht der Religion und des Chriltentums erwecken ' etwaigen Diffonanzen dienen',
können, der auf unfere großen Geifteshelden zu hören Daß der Herausgeber mancherlei bei R oder G nur

bereit ift. Für diefen Zweck eignet fich das Buch von S. j unvollftändig Wiedergegebenes wiederholen mußte, war

vor allem darum, weil es im ganzen nur die Stoffe felbft um der Les- und Brauchbarkeit des Buches willen felbft-

ohne fubjektive Beleuchtung und namentlich ohne jede verftändlich. Doch trifft fein Vorwurf gegen G, daß er

den Tatbeftand verdrehende Befchlagnahme für die chrift-
liche oder gar eine parteiliche Auffaffung geben will.

Heidelberg. Niebergall.

Neue Hamanniana. Briefe und andere Dokumente, erft-
mals herausgegeben von Dr. Heinrich Weber. Mit
einer Fakfimile-Beilage. München, C. H. Beck'fche
Verlagsbuchh. 1905. (IX, 183 S.) Lex. 8° M. 10 —

Mit Unterftützung von R. Unger hat H. Weber aus
dem Rothfchen Nachlaß Hamannfcher Papiere ,alles
irgend Wiffenswerte an ungedrucktem Material entnommen
', als ,notwendige Ergänzung aller bisherigen Ausgaben
wie jeder zukünftigen Neuausgabe von H.s Schriften

und Briefen'. Er bringt teils von R. aus innern oder ganz i nicht gefagt, daß das ganze Stück S. 53 u. bis 54 u.

R.s Papiere unvollftändig benutzt habe, feine eigene Nachprüfung
G.s. W. will mit Ausnahme von etwa 8 auch
im Vorwort angeführten und mehreren nur an Ort und
Stelle bezeichneten Stücken, die teilweife bei R und G
zerftreut find, ,nur ungedrucktes Material' bieten. Allein
auch ohne die mühfame Nachprüfung ganz durchführen
zu können, habe ich eine große Zahl von Stücken feft-
geftellt, die teilweife oder ganz bei G flehen, ohne daß
W. es bemerkt, ja dort z. T. vollftändiger wiedergegeben
find, wenn fie auch hier diefe und jene Korrektur erfahren
. Auch dürfte, felbft wenn die Forderung fortlaufender
kurz kommentierender Anmerkungen nicht
zu erheben ift, gelegentlich eine kritifche oder erklärende
Notiz nicht überflüffig gewefen fein. Warum ift zum Brief
25 (an Nicolai) nur bemerkt: ,vgl. Sehr. III icpff.' und

äußerlichen Gründen (Diskretion, Raumerfparnis, Schwie- j dafelbft an J. G. Lindner adreffiert ift? Vom Brief 27
rigkeit der Entzifferung) Ausgelaffenes, teils von Gilde- (an Jacobi) find nicht nur einige Stellen, fondern zwei
meifter verloren Geglaubtes (die Lindnerfchen Briefe), i Drittel bei G II 102. 105 vorhanden, in 28 ift ein Stück
Der I. Teil (Briefe) enthält diefe 18 Jugendbriefe auf S. 63 = G II 143, 24 fteht nicht nur teilweife, fondern
an Johann Gotthelf (nicht ,Gg', wie W. im Regifter VIII j bis auf wenige Zeilen ganz bei G II 159fr. Ich nenne

fchreibt, vgl. R I 257, G I 17) Lindner und Frau (1752—
57); es folgen 24 Briefe aus der Lebenszeit nach der
englifchen Reife, zum großen Teil aus den 80er Jahren,
an die beiden Lindners, Nicolai, Hinz, Bode, J. G. Müller,
Joh. Mich. Hamann, Hartknoch und Reichardt. — Der
II. Teil enthält Regelten, darunter fehr intereffante
Stücke aus dem Konflikt mit den Freunden nach den
Londoner Erlebniffen, vor allem aber die wichtigen, von
R. unterdrückten Stücke — namentlich aus Briefen an
J. G. Lindner — über H.s Gewiffensehe, weiter über
Häusliches, Lokales, Berufliches, Abfchnitte Herder, Kant,
Claudius, Lavater, Hartknoch, Jacobi u. a. betr., über
feine ,Autorfchaft', Fragmente zu den Biblifchen Betrachtungen
(R I), den 3. Titel - Entwurf des .Triumvirats'
(vgl. G III 379—81) und ein an Werder gerichtetes Pro
memoria vom Mai 1787, das in echt Hamannfcher Weife
fein berufliches Elend im K. preuß. Dienft fchildert. —
Der Anhang bietet Briefe des Sohnes an Reichardt und
Jacobi über des Vaters Tod, einen Paffus von Jacobi an
Nicolovius betr. fein Buch über H. und drei Briefe von
de Marees an Jacobi. Es folgt ein Namenregifter und
Fakfimile des gen. Titelentwurfs.

Der Herausgeber hat fich in der Auswahl befchränkt
und untergeordnete Perfonalia weggelaffen. Beurteilt er
felbft die Sammlung als natürlich ,nicht von grundlegender
Bedeutung' für die Kenntnis H.s und feiner Umgebung
, fo enthält fie dennoch zumal in den oben hervorgehobenen
Stücken Dokumente, die zum Verftändnis
wichtiger Lebensabfchnitte und Schritte H.s höchft wertvoll
find. Die Jugendbriefe ergänzen das Bild der Hauslehrerzeit
und zeigen fchon damals die ausgedehnte
Lektüre und den univerfal arbeitenden Geift, reichlich
verbunden mit dem bekannten ,kauftifchen' Humor, von
dem die Expektorationen 42—44. 103—116 z. T. lebhaft
abftechen durch ihren prophetifch dunkeln Ernft. Daß
auch das Bild Kants und anderer Freunde manche Bereicherung
erfährt, ift felbftverftändlich. Auf die ganze

weiter: Brief 36 z. gr. T. = G II 367!. 344; — 41 z.T.
= G III 332; — kleine Stücke aus 35 und 43 (S. 79/80 u.
98 u.) bei G II 367 III 239. Von den Regelten fteht die
vom 13. 10. 1784 (S. 123 k) bei G III 43 (ohne Lücke).
— 27. 2. 1775 (S. 128) vgl. G II 159. 164. — 8. 11. 1779
(S. 129) = G II 287. — 27. 4. 1781 (S. 130) = G II 343
(wo das Datum der 10. Äpril und ftatt factum: festum
fteht). — 23. 11. 1781 (S. 131) vgl. G II 370. 372. — 9. 3.
1785 (S. 134) mm G III io7f. - 12. 11. 1786 (S. 135) vgl.
G III 237 (ftatt ,Autorfchaft[?]': Philofophie). — 18. 11.
1785 (S. 139k) z. T. G III 153. — 23. 11. 1781 (S. 140)
= G II 414 (Jahresdatum 1782). — 2. 11. 1780 (S. 147f.)
z. T. G II 338 (ohne Lücke). — 30. 4. 1784 (S. 149) —
G III 11 (wo irrtümlich Hi 30 fteht). Auch der erfte
Brief im Anhang fteht teilweife bei G III 423 (wo es ftatt
des ,18.' S. 169 oben ,19.' heißt).

Noch manches wird fich bereits in G.s Mofaik finden,
was hier als ,bisher ungedruckt' figuriert. Bei allem Dank
gegen den Herausgeber und für die liberale Ausftattung
des Buches durch die Verlagshandlung kann gerade im
Intereffe der künftigen H.-Ausgabe und -Biographie der
Wunfeh nach forgfältigerem Anfchluß an den Vorgänger
und noch exakterer kritifcher Ausftattung nicht unterdrückt
werden. Daß W. feinen Neuen Hamanniana eine
anziehende Form gegeben, die bei allem, was dunkel
bleibt, die Lektüre angenehm macht, fei bereitwillig anerkannt
.

Simmern (H.). Alfred Zilleffen.

Bibliographie

von Lic. theol. Paul Pape in Berlin.
jDeutfcbe (Literatur.

Wendland, J., Die Schöpfung der Welt. t.—10. Tauf. (Religionsge-
fchichtliche Volksbücher. Hrsg. von Fr. M. Schiele. III. Reihe,
6. Heft.) Halle a. S., Gebauer-Schwetfchke 1905. (52 S.) 8°

Sammlung darf man das Wort G.s anwenden (III S. 143): | M. —40; kart. M —60