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Ausgabe:

1905 Nr. 15

Spalte:

435-436

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Seligmann, Caesar

Titel/Untertitel:

Judentum und moderne Weltanschauung. Fünf Vorträge 1905

Rezensent:

Fiebig, Paul

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 15.

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biete der reichen wiffenfchaftlichen Tradition feines Volks; 1 recht, wenn er S. 105 betont: ,Ift fomit das Gefetz nicht
er fchaut hinüber zu den großen Theologen desfelben in für diejenigen allein da, die ohne Gefetz nicht moralifch
der alten Kirche, auch zu den großen Philofophen der wären? Die freie fittliche Leiftung ift immer der gefetz-

vorchriftlichen Zeit. Und die Arbeiten der fpäteren Zeit
weiß er auch zu fchätzen und zu benutzen. Daß es feit
dem Mittelalter, zumal nach dem Falle von Konftantinopel
tief hinuntergegangen mit der Forfchung, zumal mit der
Dogmatik in dem freien, fpekulativen Sinn, den er für
nötig erkennt, um der Kirche den rechten Dienft zu
leiften, ift dem Verf. klar bewußt, er findet darin aber
nur den Sporn, um fo ernftlicher alles in Bewegung zu
fetzen, was zu einer Regeneration der Dogmatik führen

kann. Dankbar benutzt er dabei auch die Arbeiten der Gotha Paul Fiebig
abendländifchen Theologie, der katholifchen und der _'____fj

proteftantifchen. Zwar beachtet er forgfältig die Grenzen ß rf Gesellschaft für deutsche Erziehungs- und

wider beide. Dem ,Papismus' ift er ftreng entgegen und M 3

liehen Fixierung vorausgegangen'. — Es kommt aber gerade
nach evangelifchem Verftändnis des Chriftentums
darauf an: die Gefetzlichkeit, d. h. die Unmündigkeit und
Unfelbftändigkeit, zu befeitigen, nicht, wie das Judentum
auch Seligmanns das will, zu konfervieren. Daß die imperative
Moral als folche nicht minderwertig ift, ebenfo-
wenig die heteronome religiöfe Moral, foweit fie zur
innerften Autonomie des religiöfen Menfchen geworden
Tt, wird S. keiner beftreiten.

im Proteftantismus fieht er viel XoyocpgoOvvt] und cpvOi-
xöxrjg, d. h. Rationalismus und Naturalismus, verbreitet,
auch der Pantheismus und der duöuoq wirkt hier fchäd

Schulgeschichte. Begründet von Karl Kehrbach.
Fünfzehnter Jahrgang, erftes Heft. Berlin, A. Hofmann
& Komp. 1905. (84 S.) gr. 8° Jahrgang (4 Hefte)

Inhalt: Heubaum, Alfred, Die mittelalterlichen Handfchriften
in ihrer Bedeutung für die Gefchichte des Unterrichtsbetriebs. —
Weniger, Ludwig, Ein Schulbild aus der Zeit nach dem Dreißigjährigen
Kriege. — Wagner, Friedrich (•)'), Die lateinifche Grämlich
auf die Probleme ein. Aber daneben gibt es unter jyj g_. einzelne Hefte M 2

den öiafiagxvgofiEVOi gerade der neueren Zeit viele treffliche
Männer, zumal in der aorprj rsg/iavia, von denen
auch ein ,orthodoxer' Theolog lernen kann und foll. Von
XXscsg/jäxegoq ab nennt der Verf. eine ganze Reihe deut-
fcher proteflantifcher Theologen, denen er fich zu Dank

verpflichtet wiffe, nicht nur den ältern MxOioq, Pod-ioq, j matik von Johann Greußer aus R°th™burg ob d. Tauber, mitgeteilt

Kav'lOlOq, MagXEV<ST}VlOq, <Pgäyxioq, fondern auch BtlÖSQ- von GeorS Schufter- - Clemen, Otto, Zur Zerbfter Schulgesetze
und Asiyuog. Befonders geehrt find bei ihm Ot I fchichte in der Reformationszeit. — Jahresbericht. Galle, Richard,
ÖVO AÖgVEgOl, mit dem jüngeren von ihnen, den er als Das Mittelalter. — Wolkan, Rudolf, Das Zeitalter des Humanis-
OVVCtÖsXcpog xal (plXoq UOV bezeichnet, hat er eine kleine mus- — Mertz, Georg, Die Reformationszeit.

freundfehaftliche Sonderauseinanderfetzung über die Auf- 1 Das vorliegende i. Heft des neuen Jahrganges 1905
gäbe und die richtige Grundlegung der^ Dogmatik ge- | bringt 3 Abhandlungen: 1. Die mittelalterlichen Hand

pflogen, vgl. Ilegl xijg ovöiaq h> xolg öoyfiaOi xov ygi
(Sxiaviöuov xal xmv Siatpdgmv fiogcpmv xyg avajtxvg~emq
avxmv, 1903 (Separatabdruck aus der 'EjcExygig xov e&i>.
JtavEJixSxyuiov); Dorner jun. fchätzt die Häretiker auch
als pofitive Momente der avajixv§iq, worin ihm R. nicht
recht gibt. Die Arbeiten, die von Ritfehl beeinflußt find,

fchriften in ihrer Bedeutung für die Gefchichte des Unterrichtsbetriebes
von A. Heubaum (Es ift eine Aufforderung
, diefe Bedeutung im Auge zu behalten, nicht ein
materieller Nachweis); 2. ein Schulbild aus der Zeit nach
dem 3ojähr. Kriege von Weniger (Es handelt fich um
Nachrichten über dasEifenacher Gymnafium 1657—1707);

haben für R. begreiflicherweife kein Intereffe, nur Xugvax 3. die lateinifche Grammatik von Joh. Greußer aus dem
wird doch auch berückfichtigt. Unter den katholifchen ; Nachlaffe von + Wagner. — Den wichtigften Abfchnitt
Theologen hat der Verf. befonders Fühlung mit Klee, j bildet der pädagogifche Jahresbericht S. 35—82. Die auf

Staudenmeyer, Kuhn u. a. Er weiß mit allen diefen
Theologen fachgemäß zu diskutieren. Aug. Dorner hat
ihm mit gutem Rechte in feiner Dogmengefchichte,
S. 616—618, fchon auf Grund früherer Schriften einen
ehrenvollen Platz gewährt.

Der vorliegende Band führt in 333 Paragraphen bis
zum Schluffe der Lehre von der Schöpfung und Regierung
der Welt durch Gott, wobei R. zuletzt die Offenbarung
und die Stiftung der dyia ygarpy befpricht. Wenn
das Werk abgefchloffen ift, wird es angezeigt fein, ihm

das Mittelalter fich beziehende neuere Literatur befpricht
Dr. Rieh. Galle, diejenige über das Zeitalter des Humanismus
Dr. Rud. Wolkan, diejenige über die Reformationszeit
Dr. G. Mertz. Der Bericht will nicht eine voll-
fländige Aufzählung der Literatur geben, fondern ein
Bild von dem Fortfehritte der Forfchung auf dem Gebiete
der Pädagogik. Nur unter diefem Gefichtspunkte
wird man ihn darum zu Rate ziehen können; aber unter
dem gleichen Gefichtspunkte empfiehlt fich dann auch
feine Benutzung, da er im wefentlichen bietet, was er zu

eine ausführlichere Befprechung feines Inhalts zu widmen, i bieten beabfichtigt. — Außer dem Angegebenen enthält

Es lieft fich wie ein Werk der älteren Vermittlungs
theologie unter uns, etwa eines Martensen.

Göttingen. F. Kattenbufch.

das Heft noch einen kleinern Beitrag von Clemen über
die Zerbfter Schule aus 1524, fowie Bemerkungen und
Nachrichten, auf die hier nicht weiter eingegangen
werden kann.

Seligmann, Dr. Caefar, Judentum und moderne Weltan- Göttingen. K. Knoke.

schauung. Fünf Vorträge. Frankfurt a. M., J. Kauff-
mann 1905. (III, 117 S.) 8° M. 1.80

S. handelt nach einer kurzen Vorrede über: Natur-
wiffenfehaft, Pantheismus, Schopenhauer, Nietzfche und
die ethifche Kultur, jede diefer 5 Größen vergleichend
mit dem Judentum. Von vornherein vermutete ich, daß

Bibliographie

von Lic. theol. Paul Pape in Berlin.
jDcutfcbe titcratut.

Howard, N., Neue Berechnungen üb. die Chronologie des Alten Teer
unter Judentum' Religion meinen würde. Das hat ftaments u. ihr Verhältnis zu der Altertumskunde. Mit e. Vorwort

fich mir auch durch die Lektüre der Vorträge beftätigt. v- E- Ra-pprecht. Bonn, J. Schergens 1904. (XIV, 412 S.) gr. 8°

Die Vorträge fagen, Was vom Standpunkt der Religion ( Wilke, F., Jefaja u. Affur. Eine exegetifch-hiftor. Unterfuchg. zur Poli'tik

aus zu fagen üt, klar und nicht unintereffant. Neues be- des Propheten Jefaja. Leipzig, Dieterich 1905. (IV, 128 s.) gr. 8"

gegnet kaum. Wichtig ift, was S. S. 101 ff. über die im- I M. 3—

perative Moral fagt. Wenn er S. IO4 dem Chriftentum Disco, H., Der Chriftus der Heiden. Bemerkungen zu den Evangelien,

als folchem die Gefetzlichkeit der katholifchen Kirche _ Hally..f}; HTeller, I0°5- (2?. S0 f - Tv . . Kmf ,.., M -?°

„___,r c , . r ....f, , , X T c Kreyenbühl, J., Das Evangelium der Wahrheit. Neue Lofg. der Jo-

ZUm Vorwurf macht, fo durfte das dem Evangelium Jefu hanneifchen Frage. 2. Bd. Kerlin C. A. Schwetfchke & Sohn 1905.

und des Paulus gegenüber verfehlt fein. Gewiß hat S. | (in, 842 S.) Lex.-8» M. 23 —