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Ausgabe:

1905 Nr. 14

Spalte:

396

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Furrer, Konrad

Titel/Untertitel:

Das Leben Jesu Christi 1905

Rezensent:

Holtzmann, Heinrich Julius

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Seite 1

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395

Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 14.

396

Ablehnung der vielfach beliebten Lesart *pia ,dein I und zwingt den Lefer, öfter hin- und herzublättern. InBrunnen
' (S. 85). deffen ift das reine Formfache. Jedenfalls wird, wer fich

Seinem Chakam weift McNeile, ziemlich ftark von
Siegfried abweichend, zu: 45. 0—12 67. na 71a. 4-12. 19 81
917—10 3. 8-15. 18 f. 12 11 f. Die Eingliederung von Ö'vbroü in
Koh.s Originalfchrift ift an fich wohl verftändlich, um fo
mehr als fie unter Salomos Namen ging. Ihr kalter
typifcher Stil fticht zuweilen allerdings ftark genug vom
wärmeren perfönlicheren Ton Koh.s ab, immerhin wird
hier das Urteil je nach dem fubjektiven Eindruck fchwan-
kend bleiben. Ich denke fpeziell an 71a. 4—e. 8-10 10 8—ü,
während ich umgekehrt geneigt wäre, z. B. iOief. Koh.
abzusprechen

mit Koh. eingehender befchäftigen will, an diefem wichtigen
Beitrag zu den einfchlägigen Fragen nicht vorübergehen
dürfen.

Bafel. Alfred Bertholet.

Furrer, Pfr. Prof. Dr. Konrad, Das Leben Jesu Christi,

dargeftellt. Zweite, umgearbeitete Auflage. Leipzig,
J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. — Zürich, Müller,
Werder & Co. 1905. (VIII, 261 S.) gr. 8°

Über das Verhältnis Koh.s zur griechifchen Philofo- M- 3~; geb. M. 4-

phie urteilt McNeile abfchließend (S. 52f.): .In the mind
of Koh. were germinating thoughts which find striking
parallels in the fragments of Xenophanes, in the teaching
ofthe earlier Stoics, and in that of the Sceptics represen-
ted by Pyrrho. And this is but a concrete cxample of the

Im Vergleich mit der erften Auflage (vgl. Jahrgang
1902 Sp. 164t. diefer Zeitfchrift) zeichnet fich
diefe zweite durch eine konzifere Faffung, zumal Vermeidung
von Wiederholungen, daneben aber auch durch
inhaltliche und ftiliftifche Befferungen aus. Was jener

State of mind which must have been wide-spread in the zum Lob und zur Empfehlung gereichte, gilt genau

Hebrew race during the last two Centimes before Christ. It
shews — not that Koh. came linder the immediate influence
of any one Greek school, but — that the natural deve-
lopmcnt of the two religions, Hebrew and Greek, proceeded
(broadly speaking) on the sanie lines, and produced certain
ajfinities between them'. Ich weiß, es können fich auffällige
Parallelen finden, ohne daß darum an direkte Be-

auch von diefer: ein überall wiffenfchaftlich gut funda-
mentiertes Buch und doch auch ein Andachtsbuch im
heften, im wahrhaft modernen Sinne des Wortes. Die
Vertrautheit mit Land und Leuten gibt ihm einen unübertragbaren
Reiz. Durchweg empfindet man es mit
Befriedigung, ,mit welch wunderbarer Treue die evan-
gelifche Erzählung in den landfchaftlichen Rahmen fich

einfluffung zu denken ift. Um z. B. etwas zu nennen, einfügt. Es wurde mir durchaus gewiß, daß die evan-

was in Koh.-kommentaren vielleicht noch nicht notiert ift,
verweife ich zu 17 auf Rig Veda 5 ss: ,daß in das eine
Meer die eiligen Waffer, die Flüffe, fich ergießend, es
nicht füllen'; zu 321: Liki VII, 17 {ed. SEE): ,the body
and the animal soul go downwards and the intelligent
spirit is on high1. Trotzdem glaube ich im fpeziellen
Falle Koh.s eine direkte Beeinfluffung feitens des Griechentums
annehmen zu müffen.

Aber der Wert des vorliegenden Buches erfchöpft

gelifche Uberlieferung nicht aus Rom oder Alexandrien
flammt, wie einzelne fchon gemeint haben, fondern
aus der Heimat Jefu und in vielen einzelnen Zügen nur
aus ihr zu verliehen ift' (S. 8). Jede diefer 14 Betrachtungen
bildet ein kleines Ganze für fich. Schwerlich
wird es einem Lefer begegnet fein, daß er über irgend
einer derfelben ermüdete, ehe er zu Ende damit gekommen
war. Der Wegfall vieler Auseinanderfetzungen mit dem
Publikum, vor welchem die Vorträge erftmals gehalten

fich nicht bloß in der Behandlung des literarkritifchen J waren, erleichtert die fortlaufende Lektüre.

und des religionsgefchichtlichen Problems, fondern be- e. n,____• c- u rj

a i.a. Li 6 -ja • j r r-u.- tv i rr Straßburg i. E. H. Holtzmann.

lteht nicht zum minderten in der lorgtaltigen Diskullion

des Textes, zumal der LXX. McNeile unternimmt in

einer Detailunterfuchung {Appendix I) den fpeziell gegen Weinel, Prof. Heinrich, Paulus. Der Menfch und fein

Dillmann (Sitzungsber. BAW 1892, I, 3—16), wie mir Werk: Die Anfänge des Chriftentums, der Kirche

fcheint, wohlgelungenen Nachweis, daß die Vermutung | und des Dogmas. (Lebensfragen. Herausgeber

von Grätz, es fei die Kohelethüberfetzung unferer grie- u Uf ■ n «r-u: t r vt tv/t^v... itui

. r i_ f>-u 1 • 1.4. ' j 1 a 1 j. ■ H. Weinel.) lubingen, J. G. B. Mohr 1904. (Vlll,

rhilrhen Hthp nirnts annerpn a s Arnum«; t>n.it?n -nvimn.. 1 ö 1 J ^ ' v

chifchen Bibel nichts anderes als Aquilas editio prima,
während die durch Origenes uns erhaltenen Aquilafrag-
mente deffen secunda repräfentierten, die zutreffende fei.
Appendix II behandelt sub A: Pre-Akiban readings, sub
B: Akiban readings which suffered later alteration in the
Hebrew text, sub C: Greek Corruptions. Die Früchte feiner
Spezialunterfuchung eignet fich der Verfaffer für feine
Überfetzung (S. 95—II2) merkwürdiger Weife nicht überall
an, vgl. z. B. im mit S. 156, 101 mit S. 80. I50f.,
103 mit S. 165. Als beachtenswerte Konjektur erwähne
ich 4 j.7 TtniT Q^bipSn nntaa fetter tkan the giß of fools
is thy sacrifice', — nach LXX, deren Lefung er auch

316 S.) gr. 8° M. 3—, geb. M. 4-

Nicht den ganzen, aber den wefentlichen Inhalt
diefes empfehlenswerten Buches hat die ,Chriftliche Welt'
1903 in Einzelartikeln gebracht. Überarbeitet und ver-
vollltändigt liegen diefelben nunmehr als ein in fich wohl
abgerundetes Werk vor, das eine notwendige und höchft
dankenswerte Ergänzung zu Jefus im neunzehnten
Jahrhundert' (vgl. Jahrgang 1904 diefer Zeitfchrift, Sp. 46
bis 48) bildet und die Grundprobleme, die das Chriften-
tum dem Denken und Empfinden der heutigen Menfch-
heit zu löfen aufgibt, an der eingehenden Betrachtung

fonft öfter den Vorzug gibt, z. B. 5 u ifeptt und 1010 feines ,zweiten Stifters' darftellen und beurteilen will.

Die Lefungen rTQSbs 515 und D^JISÜ 914 find bekannt; Nicht alfo ift es abgefehen auf einen Beitrag zur wiffen-

dagegen hätte zu 10 20 Perles'Konjektur q^SBä ,auf deinem fchaftlichen Erkenntnis, fo gewiß der Verf. fich durchweg

Lager' Erwähnung verdient. Im übrigen verweife ich auf I als kompetenter Kenner und Beurteiler aller einfchlägigen

McNeiles eigene Auffaffung von 913—15 (S. 12. 80) und I Probleme erweift und feinen Lefern gelegentlich auch

121—8 (S. 86). Gut ift zu 519 der Hinweis auf 1 Reg. 18 21. j Einblick in die Kleinarbeit theologifcher Exegefe ge-

Zu «TlpTO (S. 40) im Sinne von T)~ip Dtn. 23 11 ,ein fatales | währt (S. 238). Sein letztes Intereffe aber gilt praktifchen

Begegnis' war 1 Sam. 20 2« anzuführen. Eine Erklärung j Zielen. Die Beziehung, die dem Paulinismus zu unterem

in den ,Notes' (S. 56—94) hätte 912 ÖH3j5^ erfordert. Daß j wiffenfchaftlich gefchulten Denken, zu unferem äfthetifchen

SBu» IO4 nicht fealing' ift, d. h. nicht von -j/SST fondern I und ethifchen Fühlen, zu unferem gefamten Weltbild

vielmehr von yTlBI abzuleiten ift, ift mir angefichts von I gegeben wird, führt zu einer offenen und rückhaltlos

Jdc. 83 nicht zweifelhaft. Zu 10 3 (S. 81) ift Siegfried miß- ehrlichen Darlegung der ungeheueren Kluft, die fich hier

verftanden worden. auftut, aber auch zu einer feinfühligen Darlegung der

Die Dispofition des Buches mag ihre Vorteile haben; religiöfen Motive und Ideale, die über diefe Kluft hin-

fie nötigt den Verfaffer aber auch zu einigen Wieder- übertragen und uns heute noch die unbezwingliche Geiftes-

holungen (z. B. zu 8 2: S. 26 und 77; zu 8 12: S. 78 und 148) macht verfpüren laffen, mit der ein religiöfer Heros erfter