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Ausgabe:

1905

Spalte:

369-374

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jacob, B.

Titel/Untertitel:

Im Namen Gottes 1905

Rezensent:

Heitmüller, Wilhelm

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Hamack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 13.

24. Juni 1905.



30. Jahrgang.

Jacob, Im Namen Gottes (Heitmüller).
Lewy, Ein Vortrag über das Ritual des Pefach-

Abends (Schürer).
Koch, Die byzantinifchen lleamtentitel von

400—700 (Kattenbufch).
Keller, Die heben römifcheu Pfalzrichter im

byzantinifchen Zeitalter (Frantz).

dvoßovviüiTTjq, 'Iwüvvrjg 0 dauttoxrjvoq
(Kattenbusch).

Acta inedita historiam Pontificum Romanorum
illustrantia ed. Pastor, vol. I (Keller).

Bullarium Franciscanum t. VII ed. Eubel (Karl
Müller).

Reuß Briefwechfel mit Graf, herausg. von
Budde und Holtzmann (Nowack).

Sülze, Dorner, Fifcher, Vorträge auf
dem 22. Proteftantentage in Berlin (Nieber-
gall).

Hans, Religiöfe Fragen (Niebergall).

Jacob, Rabb. Dr. B., Im Namen Gottes. Eine fprachliche
und religionsgefchichtliche Unterfuchung zum Alten
und Neuen Teftament. Berlin, S. Calvary & Co. 1903.
(IX, 176 S.) gr. 8° M. 3 —

Das eigentümliche Problem, das in den biblifchen
Formeln ,im Namen Gottes, im Namen Jefu' und in der
biblifchen Schätzung des Gottes- und Jefus-Namens gegeben
ift, hat in neuerer Zeit eine erfreuliche Berück-
fichtigung erfahren. Die fprachliche Seite des Problems
wurde zuerft von W. Brandt (Övofia en de doopsfor-
mule in het nieuwe testament, Theol. Tijdschr. 1891) und
dann von J. Böhmer, Das bibl. ,im Namen' 1898 behandelt
. Die religionsgefchichtliche Seite erörterte für
das alte Teftament Giefebrecht, Die altteft. Schätzung
des Gottesnamens, 1901. Im Frühjahr 1903 erfchien mein
Buch .Im Namen Jefu', in dem ich des ganzen Problems
nach feiner fprach- und religionsgefchichtlichen Seite Herr
zu werden verfuchte (vgl. diefe Zeitfchrift 1904, Sp. 199ff.).
Am Schluß des Jahres 1903 kam das vorliegende Buch
heraus. Inzwifchen ift die Erörterung weitergegangen.
In einer Reihe von langen, zum Teil erregten Be-
fprechungen meines Buches zeigte fich das Intereffe für
die einfchlägigen Fragen. Auch die beiden erften Bearbeiter
haben wieder das Wort ergriffen. W. Brandt
hat fich in einem längeren Auffatz ,De tooverkracht van
natnen in oud en nieuw testament', Theol. Tijdschr. 1904,
S. 355 ff., mit meinem Buch auseinandergefetzt. Und der
vielgefchäftige Böhmer hat in der ,Studierftube' 1904
eine Artikelreihe ,Das bibl. „Im Namen": Zauberformel?
Phrafe? Glaubensbekenntnis?' veröffentlicht, in der er zu
Giefebrechts, meinem und Jacobs Buch Stellung nimmt
und das Refultat der bisherigen Erörterung ■— in m. E.
freilich nicht befriedigender Weife — feftzuftellen ver-
fucht.

Das zur Befprechung vorliegende Buch von Jacob
hat zwar mit Giefebrecht, aber noch nicht mit mir fich
auseinandergefetzt. Das ift zu bedauern: nicht nur wäre
manche Ausführung, in der wir übereinftimmen, über-
flüffig geworden, vielleicht hätte eine folche Auseinander-
fetzung den Verf. vor einigen Irrwegen bewahrt. Davon
abgefehen haben wir die forgfältige Arbeit als einen
Beitrag zur Löfung der in Betracht kommenden Aufgaben
freudig und dankbar zu begrüßen. In den beiden
erften Kapiteln wird die Bedeutung von 3© und B©3,
fpeziell nirP ©©2 unterfucht. In durchaus richtiger
Weife geht J. dabei von der energifch betonten Tatfache
aus, daß 3© Bezeichnung, Name ift. Aber diefe Tatfache
hat er nun in unheilvoller Weife übertrieben und
darüber das Ziel verfehlt. Ein Symptom diefer Übertreibung
ift fchon die häufige Wahl des Ausdrucks
.Vokabel' für 3©. Daß in der Unterfuchung J.s hier eine
Übertreibung vorliegt, die das Richtige verfehlt, kann

rungen illuftrieren. Die Wendung by 0© St~lp, befonders
wichtig in der bekannten Phrafe by rTW 0© K"lp3, — die
ich als Niederfchlag einer primitiven Sitte erklärt habe,
wonach die Befitzergreifung vollzogen und fymbolifiert
wurde durch Nennen oder Ausrufen des Namens des
Befitzers über der betr. Sache oder Perfon, — verfteht J.
als eine ,grammatifche Operation'. Im bibl. Hebräifch
diene nämlich by zur Bezeichnung eines grammatifch-
fyntaktifchen Verhältniffes, des Genitivs, des status-con-
Vz7zcto-Verhältniffes: das abfolute Nomen, d. i. das an
2. Stelle flehende, fteht nach hebr. Empfinden by oberhalb
' des anderen (S. 12)! Exod. 23201. heißt es von dem
Mal'ach Jahves, der vor dem Volke hergehen foll: 1©© 13
■Q"lp3. ,Wie kann ein Wort, eine Vokabel in jemandem
fein?' fo fragt J. Nun, der Mal'ach ift eben Jofua.
,Gottes Name ift in ihm, d. h. in dem Namen y©li"P
fteckt der Name nipp'. Ibllpa 1©© "»3 ,ift alfo eine fprachliche
etymologifche Erklärung' (S. 23). — Num. 624 überfetzt
J.: ,So follen fie alfo meinen Namen auf die Kinder
Israel legen, aber fegnen (ihnen das Gute antun) will
ich fie' (30). ,Es ift auch hier wieder eine fyntaktifche
Operation, die mit dem Namen vorgenommen werden
foll, ebenfo wie bei by D© snp; die Worte by 1©© tl« 1©©1
i"3 heißen: fie follen meinen Namen (das Wort Jhvh')
in fyntaktifche Beziehung zu den Israeliten bringen, d. i.
fie follen Wunfchfätze bilden, in denen Jhvh Subjekt und
die Israeliten Objekt find'! — Eine Widerlegung diefer und
verwandter Anfchauungen darf ich mir erfparen. Schwerlich
wird der Verf. Anhänger dafür gewinnen. Sie werden
verftändlich, wenn man erkennt, daß fie durchaus
im Dienft der Tendenz diefer erften Kapitel flehen, nämlich
die von Giefebrecht (und mir) vorgetragenen Anfchauungen
über die Schätzung des Gottesnamens im
A. T. a limine abzuweifen. Das ift dem Verfaffer zuzugeben
, daß im A. T. der Gottesname nirgends direkt
als Zaubermittel erfcheint. Aber ganz außer allem
Zweifel fteht, daß in der altteftamentlichen Ausdrucksweife
und in der israelitifch-jüdifchen Anfchauung die
Spuren und Ausläufer des primitiven Menfchheitsglaubens
an die reale Macht des Namens, vor allem des Gottesnamens
, noch mit Händen zu greifen find.

Diefelben eigenartigen grammatifchen Anfchauungen
zeigen fich bei der Erklärung der uns am meiften inter-
effierenden Formel "B B©2. Zu 3 ©2 fcnp bemerkt J., daß
das 3 lokal gefaßt werden müffe und d©3 eine Sprachliche
Operation' bezeichne. Nämlich nach der hebräifchen
Auffaffung ,befindet fich die Handlung des Verbums, das
Nennen, innerhalb des Namens, und das ift ... . dann
der Fall, wenn der ausgefprochene Satz von dem Namen
fyntaktifch beherrfcht wird, was in der Regel bedeutet,
daß er den Satz beginnt' (26). rfirV D©3 y©©3, 7""i3 bedeutet
infolgedeffen: einen Schwurfatz, einen Segensfatz
ausfprechen, ,der fyntaktifch von dem Worte Jhvjr (mrP

ich ohne weiteres und am beften durch einige Erklä- I 3©) beherrfcht wird'. Hier ift zwar nicht ganz durch-
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