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Ausgabe:

1905 Nr. 7

Spalte:

198-199

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Theodor, J. (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Bereschit Rabba mit kritischem Apparate und Kommentare. 1. u. 2. Lfg 1905

Rezensent:

Bischoff, Erich

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197

Theologifche Literaturzeitung 1905 Nr. 7.

Lifte neftorianifcher Lesarten (S. XXXVII ff.) zeigt, und
fchließlich nähert lieh mir Barnes doch wieder, wenn er
den Grundlatz aufftellt, daß eine Lesart, die von den

wicklung der Dinge auch nur einigermaßen wahrfchein-
lieh zu machen.

Und doch könnte fein Buch nun im einzelnen manche

neftorianifchen und zugleich von einer oder mehreren | richtige Beobachtung enthalten, aus der nur unrichtige
älteren iakobitifchen Handfchriften geftützt wird, in der ! Schlüffe gezogen wären. Aber auch das ift nur fehr
Regel als urfprünglich zu gelten hat (S. XLIII). feiten der Fall; vieles war fchon im voraus, fei es ausdrücklich
, fei es ftillfchweigend, widerlegt. Halmel hat
das nicht beachtet; fo hätte es wohl auch keinen Zweck,
wenn ich, wie fchon früher an diefer Stelle (1897, S56ff.
1900, 7036".), nochmals darlegte, weshalb mir Kap. 9 doch
mit 8 zufammenzugehören, Kap. 10—13 dagegen den
früheren voranzugehen fcheint. Daß 1, 15fr. der fog.

Alles in allem ift Barnes* mühevolle Arbeit mit großer
Freude willkommen zu heißen. Allzu viel neue Lesarten
lind ja bei ihr nicht herausgekommen, wie überhaupt die
Varianten des Pefchitatextes nicht fehr zahlreich find;
zwei bis drei Varianten auf der Seite mögen etwa den
Durchfchnitt bilden, doch kommen auch Seiten ohne

eine einzige Variante vor. Aber die Menge neuer Les- komplizierte Reifeplan zum erftenmal (und von Maze

arten tut es auch nicht, fondern die richtige Auswahl
und forgfältige Kollationierung der Handfchriften. Mögen
dann die Handfchriften die fchon bekannten Lesarten
beftätigen oder neue liefern, wir wiffen jedenfalls, was fie
bieten, und darauf kommt es an.
Göttingen. Alfred Rahlfs.

Xachfchrift. Zur Ergänzung mag bemerkt werden,
daß Barnes kürzlich auch einen Äuffatz über ,The
Pesliitta Version of 2 kings1 im Journal of Thcological
Studies VI (1905), 220—232 veröffentlicht hat. Er gibt
hier Kollationen von drei Handfchriften, zwei jakobi-
tifchen (AB), die er auch zur Chronik und zum Pfalter
verglichen hatte, und einer neftorianifchen (aus dem 13.
Jahrh.l, und kommt zu dem Refultat, daß die bisherigen
Pefchitaausgaben öfter gegen die älteren Handfchriften
mit dem hebräifchen Texte, refp. dem Syro-hex. überein-
ftimmen.

Halmel, Priv.-Doz. Dr. A., Der zweite Korintherbrief des
Apostels Paulus. Gefchichtliche und literarkritifche
Unterfuchungen. Halle a. d. S., M. Niemeyer 1904.
(V, 135 S.) gr.S" M. 4-

Halmel hatte in feiner Erftlingsfchrift, die unter dem
niißverftändlichen Titel ,Der Vierkapitelbrief im zweiten
Korintherbrief vor elf Jahren erfchien, nachzuweifen ge-
fucht. daß 2,14—6,10 urfprünglich nicht zu ihm gehört habe.
Jetzt dehnt er diefes Urteil, ebenfo wie J.Weiß in feiner Be- j ''cn ift
fprechung jenes Buches in diefer Zeitung (1894, 513«*.), auf , Bonn. Carl Clemen

2,u—7,4 aus und nimmt damit zwar nicht, wie jener, Kap.
10—13, wohl aber 1,3-7. 9 und 13,11 f. (Brief C) zufammen.
Kap. 10, 1—13, 10 (Brief B) dagegen fei fchon vorher
als zweiter Teil eines zum Schutz des Apoftels ver

donien aus!) mitgeteilt würde, wird wohl von vornherein
niemand einleuchten, und ebenfo ift die Ausfcheidung
von 1,3-7 und die Abtrennung von 13,13r. von dem
vorhergehenden Vers nur fehr ungenügend begründet.
Vollends auf die Ausfcheidung von 3, 12-18. 4, nf. g wäre
Halmel wohl felbft nicht gekommen, wenn nicht zufällig,
wie von 7,2—9,15:200, fo von 1,1—3,18:213 und 4,1-7,1
wieder 200 Stichen wären. Aber daß unfer zweiter Brief
zum Zwecke der Vorlefung in drei Abfchnitte zerlegt
und um die letzten vier Kapitel gekürzt wurde, dafür
fehlt es wieder an jedem Beweis.

Richtig ift ja, was Halmel über die Notwendigkeit,
eine Zwifchenreife und einen Zwifchenbrief anzunehmen,
fowie über das Verhältnis von Kap. 3—6 zu 10—13 fagt
— aber wieder nicht neu. Beides zugleich gilt nur von
der gelegentlichen Notiz, daß das Vergehen des Blut-
fchänders von der Gemeinde deshalb vielleicht nicht
verurteilt worden fei, weil er Sklave war und an ihn die
fonftigen fittlichen Maßftäbe nicht angelegt wurden.
Auch das will ich nicht unterlaffen hervorzuheben, daß
Halmel die Aufhellungen feiner Schrift ,Über römifches
Recht im GalaterbrieP ftillfchweigend zurücknimmt; aber
all das verfchwindet doch zu fehr hinter dem vielen Unhaltbaren
, das er vorbringt.

Im allgemeinen wird der Ton, in dem über andere
abgefprochen wird, fo fehr er jetzt modern ift und daher
in vieler Augen zur Empfehlung dient, doch vielleicht
noch manche abflößen. Auch die Zahl der Druckfehler
brauchte nicht fo groß zu fein, wie fie es tatfäch-

Bereschit Rabba mit kritifchem Apparate und Kommentare
herausgegeben von J. Theodor. Berlin
faßten Schreibens der Mazedonier entftanden, noch früher I [Bojanowo, Pos. Selbftverlagl 1903. (1. u. 2. Lieferg

und vor einem zweiten Befuch in Korinth 1,1 f. 8—2,13. | c ._r = «0 x u

7,5—8,24. 13,13 (Brief A). Bei oder bald nach der Zu- ; lOU-> Lex* ö a M- 3

Ein Werk, bei dem zwei Gelehrte wie Wilhelm
Bacher und Immanuel Low das Korrekturlefen übernommen
haben und Mofes Gaffer den Druckfatz noch-

fammenarbeitung diefer drei Briefe (nach 100) fei endlich
3, 12-18. 4, 3f. 6.6, 14—7, 1 als Abfchluß der erften beiden
unter den drei Lefeabfchnitten, in die Kap. 1—9 zerlegt
wurden — 10—13 follten urfprünglich nicht mit vorge-
lefen werden — hinzugefetzt worden.

Dies die Theorie von Halmel, die, was Kompliziertheit
angeht, jedenfalls unter allen bisher über den zweiten

mals nach der Haupthandfchrift kontrolliert, ift fchon
empfohlen, zumal wenn noch dazu der Herausgeber ein
Mann von folch kritifchen Takte, philologifcher Sorgfalt
und umfaffenden Kenntniffen ift, wie Dr. Theodor,

Korintherbrief aufgehellten Hypothefen den Rekord er- der uns diefen alten Midrafch über die Genefis, eines
reicht. Denn da auch nach ihr vor und nach dem erften I der wichtigften Agadawerke, in modern wiffenfehaft-
kanonifchen Brief noch ein verlorener anzunehmen ift, j licher Bearbeitung bietet. Zugrundelegt ift cod. Add. 27169
kommen wir im ganzen auf nicht weniger als fechs | Brit. Mus., der kritifche Apparat enthält die Varianten
Korintherbriefe. Immerhin entfeheidet das natürlich noch j 1) der Handfchriften: cod.hebr. 149 Nat.-Bibl. Paris [Ref.
nicht: wohl aber werden Halmels Aufftellungen aus anderen
Gründen den meiften von vornherein als unhaltbar
erfcheinen.

So zunächft die Anfetzung der Zwifchenreife, die

hätte diefen zugrundegelegt], cod. 97 München ufw., fowie
zweier codd. des Rafchi-Kommentars, 2) der vielen
Zitate und Exzerpte im Aruch, Jalkut Schimeoni [ed. pr.)
und Jalkut Machiri, 3) der ed. pr. des Midrafch (Kon-
doch fchon 2,1 ff. vorausgefetzt"wird — denn die Wider- j ftantinopel 1512) und der für alle fpäteren Drucke maßgebenden
Venediger Ausgabe von 1545. Der über-
flüffigerweife antikifierend fi-nm tlTOE betitelte hebr.
Kommentar des modernen Herausgebers ift eine forgfältige
Arbeit, der Preis des fchön ausgeftatteten, auf
8 Lieferungen berechneten Werkes bei deffen Werte

*

legung diefer Erklärung durch Halmel ift nicht gelungen
Ferner nimmt 7,5 wohl 2,13 wieder auf, fetzt es aber
nicht unmittelbar fort, ebenfowenig wie 1, 8 in diefer
Form einen Brief begonnen haben kann. Endlich ift es
Halmel kaum gelungen, die von ihm vorausgefetzte Ent-