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Ausgabe:

1904 Nr. 4

Spalte:

100-101

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kautzsch, Emil

Titel/Untertitel:

Die Aramaismen im Alten Testament 1904

Rezensent:

Ryssel, Viktor

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 4.

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Ausnahme des Mara, keine ftarke Einwirkung auf die
fichtbare Welt zufchreibt und deswegen die indifchen
Götter nicht anruft, fo zweifelt er doch nicht an der
Exiftenz derfelben, glaubt aber, daß auch fie dem Kreislauf
der Seelenwanderung unterworfen feien. Wir werden
daher die buddhiftifche Kosmographie, welche fchon in
den Päli-Schriften in ihren Grundzügen fich findet, im
wefentlichen auf Buddha felbfi zurückführen und annehmen
müffen, daß er in feinen Predigten die Qualen der Seelenwanderung
und der Plöllenreiche ausgemalt habe, denn
ohne folche Anregung der Phantafie hätte er ficherlich
nicht große Volksmafien für fich gewonnen. Auch werden
wir annehmen müffen, daß er felbfi feine Perfon, obgleich
er keine göttliche Würde für fich in Anfpruch genommen,
doch als diejenige bezeichnet habe, welche allein den richtigen
Weg zur Erlöfung gefunden. Abgefehen von der
Vergleichung mit Chriftus, führt uns auch die Analogie
mit Mohammed auf diefe Betonung der eignen Perfon,
und das buddhiftifche Bekenntnis zu den drei Stützen
befiätigt diefelbe. Hardy hat diefe Punkte nicht hervorgehoben
, und fo erfcheint es ihm als eine Inkonfequenz,
daß er ,mit Genien höhern und niedern Rangs wie mit
Realitäten rechnete' (S. 65). Ebenfowenig wird klar-
geftellt, wie das weltflüchtige, für das häusliche Leben
und die Berufstätigkeit intereffelofe Mönchtum allein die
buddhiftifche Kirche bildet, für welche die Laien nur zu
forgen haben. Es wird das als felbftverftändlich nach
indifcher Anfchauung vorausgefetzt, während doch in
diefem Stück zwifchen Brahmanismus und Buddhismus
nicht unerhebliche Unterfchiede fich finden.

Calw. P. Wurm.

Schreiber, Max, Buddha und die Frauen. Tübingen 1903,
J. C. B. Mohr. (IV, 109 S. gr. 8.). M. —.90

Gegenüber von neuern Verfuchen, den Buddha felbfi ! ™(fe "älTAramaTsmentgelten] O^'zvuA^ch'die'nSt

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Kautzsch, Prof. E., Die Aramaismen im Alten Testament,

unterfucht. I. Lexikalifcher Teil. Hallifches Ofterpro-
gramm für 1901 und 1902. Halle a. S. 1902, M. Niemeyer
. (V, in S. gr. 8.) M. 3.20

Es war ein befonders glücklicher Gedanke des bewährten
und verdienftvollen Herausgebers von Gefenius'
Hebräifcher Grammatik und des Verfaffers der Grammatik
des Biblifch-Aramäifchen', in einer Monographie den
Einfluß des Aramäifchen auf das altteftamentlicheHebräifch
genauer aufzeichnen und begründen zu wollen. Wie wir
aus dem Vorwort erfahren, waren diefe Unterfuchungen
urfprünglich in einem weit größern Umfange geplant,
als er ihnen hinterher geben konnte. Insbefondere be-
ftand die Abficht, die Belege aus dem ganzen Bereiche des
Aramäifchen durch Verweife auf beftimmte, den Texten
oder Infchriften felbfi entnommene Belegftellen zu erbringen
. Äußere Gründe, vor allem dies, daß das Büchlein
als Hallifches Ofterprogramm für die Jahre 19OI und
1902 erfcheinen follte, haben dann den Verf. genötigt, auf
jede nähere Begründung der Angaben über das Vorkommen
der einzelnen Wörter im Aramäifchen zu verzichten. Bei
der notorifchen Akribie des Verf. ift diefer Wegfall nicht
fehr zu beklagen, weil niemand bezweifeln wird, daß er
Behauptungen wie ,gemeinaramäifch' und dergl. nur auf
Grund tunlichft forgfältiger Ermittlungen ausgefprochen
hat. Mehr bedauert Ref., daß fich der Verf. aus eben
denfelben äußeren Gründen auf die lexikalifchen Aramaismen
befchränken mußte. Denn da einmal in einzelnen
Fällen eine Exkurfion auf das grammatikalifche Gebiet
nicht zu vermeiden war, fo vermißt man umfomehr die
prinzipielle Behandlung der betreffenden Fragen, weil
diefe ihm Gelegenheit geboten hätte, fie allfeitig zur Ent-
fcheidung zu bringen. So aber konnte der Verf. u. a. bei
der Zufammenftellung der Wörter, die ihm nicht zweifellos
, fondern nur möglicher- bezw. wahrfcheinlicher-

über den Stifter der chriftlichen Religion zu ftellen, weift , Begründung mitteilen, warum er das eine Wort zu den

diefes Büchlein in trefflicher Weife nach, wie wenig die
Lehre Buddhas namentlich unferm deutfchen Gemüt
entfpricht, wie ihm das Familienleben nur als eine abzugreifende
Feffel erfcheint, wie keine Freude an Kindern
aufkommen kann und keine Wertfehätzung der weiblichen
Natur mit ihren befondern Vorzügen, wie Buddhas

ficheren Aramaismen gerechnet hat, ein andres aber zu
den zweifelhaften, obwohl der nämliche Grund für die
gleichwertige Beurteilung zu fprechen fcheint. Wenn
der Verf. Wörter wie ^33, ISO, rWtfj fchon um

der Wortform willen den fichern Aramaismen beizählt,
obwohl fie, wenigftens zum Teil, Derivate vielgebrauchter

Lebensideal fpeziell mit der weiblichen Natur im ftarkften . hebräifcher Stämme find, fo ift nicht einzufehen, warum
Widerfpruch fleht. Die wirkliche fich felbfi an die ein- er nicht auch Wörter wie nsbt, gleichfalls der erfteren

Kategorie zuweift und z. K ^33,' das wegen feiner fpezi-
fifch aramäifchen Nomen-agentis-Form (vgl. die Femininbildung
mUl) in Betracht kommt, überhaupt nicht erder
allgemeinen Muskellofigkeit des Buddhismus teil und wännt< Eine'prinzipielle Behandlung der Frage aber, Inhaber
« einen Frieden ohne Freude, ohne 1 atigkeit. Da- j wieweit die Wortbildung maßgebend für die aramäifche
bei wird man in dem Büchlein in die Grundgedanken Herkunft eines Wortes ift, hätte dem Verf. nicht nur

zelnen hingebende Liebe fehlt. Der religiöfe Egoismus
ift bei aller vielbewunderten Aufopferung doch die eigent
liehe Triebfeder. Die buddhiftifchen Nonnen nehmen an

des Buddhismus im allgemeinen eingeführt; es beruht auf
gründlichen Studien und ift allen denen zu empfehlen,
welche von modernen Apofteln des Buddhismus beeinflußt
find. — Es ift durch Oldenberg aufgekommen, die
in der Gefchichte Buddhas vorkommenden Namen und

Begriffe nicht in der Sanskrit- fondern in der .Päli- hebräifches p3Tt aufgefaßt wird, fo fragt man fich,"warum
Ausfprache zu fchreiben. So fchreibt Hardy■ Nibbana , nicht auch D^n^a um feiner platten Ausfprache willen als
Schreiber Nibbanam (iM Ntrvana, was Oldenberg felbft [ aramäifches Äquivalent für hebr. DH»'h3 zu gelten hat.
noch nicht getan hatte. Das ift eigentlich doch nicht So fehen wir denn dem zweiten Teile, der hoffentlich
richtig, namentlich in geographifchem Namen wenn auch j recht bald erfcheinen kann, mit befonderm Intereffe

erlaubt, fondern ihn direkt genötigt, fich näher über die
genannten Wörter auszufprechen. Das Gleiche gilt von
dem konfonantifchen Lautwandel innerhalb der beiden in
Frage kommenden femitifchen Dialekte; denn wenn J>j7"i
mit vollem Rechte als aramäifches Äquivalent für genuin-

Buddha felbft fo gefprochen hat. Das Sanskrit ift nun
einmal die Schriftfprache Indiens und für die große Mehrzahl
der Buddhiften auch die heilige Sprache geworden
Wir fchreiben doch auch in einer Gefchichte der fchweize-

entgegen. Aber wir find doch mit dem Verf. zugleich
der Meinung, daß alle Ergänzungen oder felbft Modifikationen
der Aufftellungen diefes erften Teiles fchwerlich
etwas an dem überrafchenden Hauptergebnis ändern wer-

rifchen Reformation nicht:, Schaffhufen', oder :,Lütpriefter', - ^ daßderEinfluß des Aramäifchen auf das altteftament
obgleich Zwingli fo gefprochen hat. I iiche Hebräifch fich in lexikalifcher Hinficht als weit

Calw. P. Wurm. i geringer herausftellt, als man bisher anzunehmen geneigt

| war. Auch mit dem kritifchen Grundfatze, daß ein zweifel-

- ' lofer Aramaismus — unter gewiffen Einfchränkungen —

immer eine ftarke Inftanz für die Anfetzung des betr.
■ Abfchnittes in exilifcher oder nachexilifcher Zeit ift, kann