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Ausgabe:

1904 Nr. 3

Spalte:

82-83

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

SrawleyJames Herbert, James Herbert

Titel/Untertitel:

The catechetical oration of Gregory of Nyssa 1904

Rezensent:

Krüger, Gerhard

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 3.

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was nicht vor der Mitte des 4. Jahrhunderts möglich fei.
So ftimmen alle inneren Kennzeichen für die zweite
Hälfte des vierten Jahrhunderts. Zu diefer Zeit ift aber
die Klage über Abnahme der Zahl der Kirchenglieder,
das Drohen von Martyrien oder die Bezeichnung der
chriftlichen Gegner als nostri contemptores nur noch in
einer fchismatifchen Gruppe denkbar. Darnach ift zunächft
an einen Donatiflen zu denken. Ein folcher, Makrobius,
hat aber in der Tat um diefe Zeit in Rom gelebt und
hat nach dem Zeugnis des Gennadius ad confessores et
virgines libmm moralis quidem sed valde necessariae
doctrinae et praecipue ad custodiendum castitatem aptissimis
valde sententiis communitutn gefchrieben. Diefe Notiz
paßt genau auf unfer Schriftftück. Seine Angaben hat
Gennadius von Optatus. Nur daß Makrobius die Schrift
als katholifcher Chrift gefchrieben habe, ift wohl nur aus
der dogmatifchen Integrität des Traktats erfchloffen. Die
Schwierigkeiten aber, die in dem ,ad confessores et virginesi
liegt, will H. dadurch befeitigen, daß er das ,ef ftreicht.
Das fcheint etwas kühn. Ein Irrtum des Gennadius fcheint

Bright, Prof. William, D. D., The age of the fathers.

Being chapters in the hiltory of the church during
the fourth and fifth centuries. In two volumes. London
1903, Longmans, Green and Co. (X, 543 u. 597
p. gr. 8.) 28 s.

Der Name des im Jahre 1901 verdorbenen englifchen
Kirchenhiftorikers William Bright, Canon von Chrift church.
Regius Profeffor der Kirchengefchichte in Oxford, hat
auch in Deutfchland einen guten Klang. Seine Ausgabe
der Kirchengefchichte des Eufebius (2. Aufl., Oxf. 1881)
wird viel benutzt, fchon weil fie praktifcher und über-
fichtlicher eingerichtet ift als die Dindorffche, und das
gleiche wird vermutlich von den anderen Neudrucken
patriftifcher Werke gelten, die dem Ref. unbekannt geblieben
find. Seine Canons of the First Four General
Councils witk notes (2. Aufl., Oxf. 1892) und feine Chapters
of early English Church History (3. Aufl., daf. 1897) find
fleißig und lehrreich gearbeitet. Was uns jetzt aus feinem
Nachlaß von Walter Lock geboten wird, ift eine neue

mir dann noch wahrfcheinlicher. Aber davon hängt das j Bearbeitung des Themas A History of the church from
Elndrefultat nicht ab. Will man nicht annehmen, das A_ p.313—451 (Oxf. 1860). Die ältere Darfteilung ift dem
zwei Donatiflen, beide Bifchöfe, beide von ihrer Gemeinde Ref nicht bekannt. Locks Vorrede entnimmt man, daß

entfernt, beide einen Lehrbrief zu gleicher Zeit über das
gleiche Thema gefchrieben haben, — noch dazu hätten
Seide Stücke Anfehen in katholifchen Kreifen erlangt —
fo muß man die Harnackfche Beweisführung für ge-
fchloffen erachten, daß der donatiftifche Bifchof Makrobius
in den Jahren von 363—375 in Rom diefen Lehrbrief gefchrieben
und feinem afnkanifchen Klerus gefandt hat.
Die neu gewonnene Urkunde bildet dann aber einen wertvollen
Beitrag zur Gefchichte der donatiflifchen Gemeinde
, zur Sittengefchichte jener Zeit und zu der noch
ungefchriebenen Gefchichte des klerikalen Zölibats; end-

das frühere Buch rein wiffenfchaftlichen Zwecken diente,
daher auch mit Quellenangaben und Anmerkungen aus-
gerüflet war. Die Neubearbeitung rechnet mit einem
weiteren Leferkreis, aber, wie der Herausgeber fagt, das
Buch, though more popidar, is also morc learned1. Es ift
die ganze reiche Erfahrung eines langen Gelehrtenlebens
hineingearbeitet, eine Erfahrung, die nicht nur am Studier-
tifch, fondern auch auf großen Reifen gefammelt wurde.
Das merkt man vorteilhaft bei der Lektüre. Wenn Ref.
dennoch nicht glaubt, daß diefe umfangreiche Darfteilung
der Age of the Fathers fleh in Deutfchland viele Lefer

Chalcedon haben wir, feit Hefele, nicht erhalten. Liegt
es nur an uns, daß wir die Geduld nicht haben, fie zu
lefen ?

Gießen. G. Krüger.

lieh auch, wie Harnack in einer Beilage erörtert, zur Ge- ; grobem werde, fo foll damit kein Tadel über das Buch
lchichte der lateinifchen Bibel. Denn Makrobius benutzt ausgefprochen fein. Unfere wiffenfchaftlichen Kreife
noch nicht die Vulgata, aber auch nicht die altlateinifche | können Neues kaum daraus lernen — daß Bright der
Bibel Cyprians. Sein Text fleht dem des Lucifer am . neueren recht ergiebigen deutfehen Arbeit nicht gefolgt

" rit"' a- u -a a TT.ru u 1 ' bemerkt fchon der Herausgeber —, und das größere

Uber die beiden andern Umbuchungen Harnacks Publikum greift nicht zu zweibändigen Darftelluneen
kann ich mich hier kurz faffen. Die über die Hypoty- eines folchen Themas in englifcher Sprache. Der Charakter
pofen des Theognoft (S. 73-92) fchheßt fleh an das von der Darfteilung ift im Wefenlichen befchreibend nicht
Diekamp im Cod.gr. 502 der Marciana neu entdeckte und reflektierend, für Jemanden, der bereits unterrichtet ift
in der theologifchen Quartalfchnft (1902H.4, S. 481— 494) zumal wenn er die Queiien kennt, ermüdend Eine fo
publizierte Fragment des Alexandriners an und bietet j ausführliche Darfteilung der Vorgänge zu Ephefus und
unter Abdruck des Photius-Berichtes und der übrigen 1
bekannten Theognoft-Fragmente eine erneute dogmen-
gefchichtliche Behandlung diefer Refte eines großen theologifchen
Werkes aus der Schule des Origenes, darf alfo
als wertvolle Ergänzung des betr. Abfchnitts in Harnacks
Dogmengefchichte (I3 S. 733 ff.) dankbar begrüßt werden.

In der letzten Studie (S. 93-"7) nimmt H. von Srawley, James Herbert, B. A., The catechetical oration
neuem den Beweis für die Battifolfche Thefe auf, daß . r„ ' pu nf N„ee_ r,mK»m™ tt • r. r>

der im J. 1675 von d'Achery veröffentlichte Brief des °| Grefry °f N*!8iL Cambrldge *9°3, Un.verfity Press.
Bifchofs Theonas an den Oberkammerherrn Lucian eine ( ' 1°l P- gr' v 5 s-

Janfeniftifche Fälfchung fei (vgl. Harnack in der Theol. Ein neues Bändchen der Cambridge Patristic lexts

Litt.-Ztg. 1886, Sp. 319—326 und 1895 Sp. 107). Er j (f. diefe Zeitung 1900, Nr. IO, Sp. 500) wird immer willbringt
den Brief nochmals zum Abdruck, in dem er unter ! kommen fein, wenn es fo gut vorbereitet ift wie diefes.
dem Text auf verdächtige Stileigentümlichkeiten bef. ! Hatte der Herausgeber der theologifchen Reden des
Gallizismen aufmerkfam macht. Die kritifche Unter- j Nazianzeners auf umfaffende handfehriftliche Studien ver-
fuchung richtet fleh auf die Schriftbenutzung (Kontern- I ziehtet (eine Aufgabe, an die inzwifchen ein Franzofe,
plation und Erbauungslektüre), den Ausdruck der j Mifier, herangetreten ift; f. feine Auffätze in der Revue
Frömmigkeit und die ethifchen Anweifungen (religio de Philologie 1902 und 1903), fo will Srawley den Text
Christi — qui Christum simplicem et nudum I auf kritifcher Grundlage erbauen: .vorliegende Ausgabe
amplectitur u. a.), die vom Verfaffer angedeuteten und ruht auf einer Vergleichung der wichtigeren Handfchriften
wirklichen Zeitfpuren. In diefem letzten Abfchnitte : unferes Traktates, die in ihrer Mehrzahl bisher noch un-

interefflert befonders der mit Hülfe von Mommfen ge>
führte Nachweis, daß das vom Verfaffer vorausgefetzte
kaiferliche Hofzeremonial nicht das Diokletians fondern
das franzöfifche Ludwigs XIV ift. Man darf dies Problem

benutzt waren'. Srawley hat über feine Auffaffung der
Überlieferungsverhältniffe fchon im Journal of Theological
Studies 3, 1902, 421—428, Bericht erftattet. Er unter-
fcheidet zwei Gruppen unter den Handfchriften: die eine

wohl nun als abgefchloffen betrachten. ift vornehmlich repräfentiert durch Venet. Marc. 67 (saec

Berlin. Ed. von der Goltz 1 XI?) und Vatic. graec. 4 (saec. XI), diezweite durch zwei

! Codices des Britifchen Mufeums Add. 22 509 (s. X oder