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Ausgabe:

1904 Nr. 23

Spalte:

637-639

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Eusebius' Onomastikon der Biblischen Ortsnamen 1904

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 23.

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4) Die feltfame Stellung der ,Sapientia Sa/.' im Murat. I Befchaffenheit des Textes für weitergehende Emendation
hat ihre Parallele an dem Bericht des Photius über die ! noch reichlich zu tun übrig.

Hypot., wo aufgezählt werden Genes., Exod., Psal., Pauli I Durch diefe Lage der Dinge war Kloftermann feine
epp„ epp. cathol. und Ecclesiasticus. Aber die Aufzählung | Aufgabe vorgezeichnet. Er hat im Vertrauen auf die
bei Photius ift ganz lückenhaft, dazu: Sap. Sal. ift nicht j Sorgfalt von Lagardes Arbeit auf eine neue Kollation
Ecclesiast. i der Handfchrift verzichtet. ,Einige Nachprüfungen durch

5) Nur das Murat. kennt einen falfchen Brief des j Mercati und Lietzmann ergaben, wie zu erwarten, die
Paulus ,ad Alexandrini, da erkenne man den alexandrini- ; hervorragende Zuverläfügkeit' von Lagardes Kollation
fchen Schriftfteller! (S. XIX). Die Haupt-Aufgabe Kl.s war, die übrigen Hilfs-

6) Der alexandrinifche Schriftfteller offenbart fich auch mittel zur Verbefferung des Textes auszunutzen. Als
im Schlußabfchnitt; denn er kenne das Geburtsland des folche ftanden zu Gebote: 1) die LXX als die Quelle,
Valentin und einen fonfl unbekannten (alexandr.) Häre- aus welcher Eufebius die biblifchen Ortsnamen entnommen
tiker; man müffe nämlich korrigieren: 'Arsinoitarum seu j hat; infonderheit war die hexaplarifche Rezenfion der-
Valentini vcl Metiad' und überfetzen: ,Von den Arfino- | felben zu berückfichtigen; 2) die im J. 1896 entdeckte
ern, fei es dem Valentin, fei es dem Metiad'! Mofaik-Karte von Medaba, die, wie Schulten (Abhand-

7) Die neuteftamentlichen Bücher find in den Hypot. ! lungen der Göttinger Gefellfch. der Wiffenfch., phil.-hift.
in derfelben Reihenfolge behandelt gewefen, wie im Murat. | Kl. N. F. Bd. IV, Nr. 2, 1900) gezeigt hat, hauptfächlich
Allein nur durch willkürliche Annahmen kann man eine ; auf Eufebius fußt. Was fie bietet, ift freilich dem Umfang
gleiche Reihenfolge für die Hypot. konfluieren, und felbft j nach fehr wenig. Mehr bietet 3) Prokop von Gaza,
dann wird die Reihenfolge nur ungefähr gleich. welchen nach dem Vorgange Relands erft Kloftermann

8) Clemens hat die Acta loh. gekannt, und auch das i wieder zur Vergleichung herangezogen, man darf fagen
Murat. kennt fie, während fie fonft den älteren kirchlichen j aufs Neue als Quelle für die Textverbefferung entdeckt

Schriftftellern unbekannt geblieben find.

9) Das Bibelzitat im Murat. T Joh. 1, 1) findet fich mit
derfelben Inverfion (vidimus, audivimus) in den Adum-,
brat. (Hypot.).

hat. Bei weitem die wichtigfte Quelle zur Verbefferung
des Textes ift aber 4) die lateinifche Überfetzung des
Hieronymus. Für fie hat Kloftermann felbft zwei Hand-
fchriften saec. VIII/IX {Sangallensis 133 und Sangallensis

10) Das .De quibus singulis necesse est a nobis dis- 1 130) kollationiert und zwei andere nach Lagardes Kollation
putarU des Murat. erhält feine Erfüllung eben in den benützt. Auf Grund diefes Apparates konnte er nicht
Hypot. | feiten den von Lagarde gebotenen lateinifchen Text

Das find die wichtigften Gründe, die Chapman ange- | verbeffern. Er bringt denfelben neben dem griechifchen
führt hat. Er bringt noch ein paar andere, aber fie find Text (nicht, wie Lagarde, getrennt davon) zum Abdruck,
noch fchlechter. Angekündigt hat er eine umfaffende ! Auf die Notwendigkeit, nach diefen Hilfsmitteln den
Unterfuchung über die Quellen des Murat. Hoffentlich i griechifchen Text durchgreifend zu emendieren, hat Kl.
hat er fich bis dahin von der Clemens-Hypothefe wieder bereits vor zwei Jahren in feiner Charakteriftik von Eufe-
befreit. Er empfiehlt fie dem Wohlwollen der Kritiker, bius' Werk aufmerkfam gemacht (Texte und Unter-
zugeftehend, daß feine Beweisführung nicht ,apodiktifch' ' fuchungen von Gebhardt und Harnack, Neue Folge, VIII,
fei. Die Kritiker werden ihr Wohlwollen diesmal am j 2, 1902). Sehr zahlreiche und weitgehende Änderungen
beften durch den Verzicht auf eine ausführliche Wider- des Textes hat dann P. Thomfen in feiner überaus forg-
legung dokumentieren. Denn bei einer folchen könnten | fältigen Unterfuchung über ,Paläftina nach dem Onoma-
fcharfe Worte gegen den Verfaffer nicht vermieden wer- j ftikon des Eufebius' (Zeitfchr. des deutfchen Paläftina

den. Er behandelt die Quellen wie weiches Wachs und
ftellt an einen kritifchen .Beweis' die niedrigften Anforderungen
.

Berlin. A. Harnack.

Eusebius' Onomastikon der Biblischen Ortsnamen. Herausgegeben
im Auftrage der Kirchenväter-Commission der
Königl. Preußifchen Akademie der Wiffenfchaften von
Lic. Dr. Erich Kloftermann. Mit einer Karte von
Paläftina. (Die griechifchen chriftlichen Schriftfteller
der erften drei Jahrhunderte, Bd. 111 [Eufebius' Werke,
Bd. III 1].) Leipzig 1904, J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung
. (XXXVI, 207 S. gr. 8.) M. 8.—

Eufebius' Onomaftikon ift, nächft der Bibel felbft,
unfere wichtigfte Quelle für die Geographie von Paläftina
in der biblifchen Zeit. Leider ift der Text desfelben fehr
fchlecht überliefert. Von den wenigen Handfchriften,
welche es enthalten, kommt nur eine in Betracht, der
Vaticanusgr. 1456, saec. XII (diefe Altersbeftimmung gibt
Kloftermann jetzt S. XIX; in den ,Texten und Unter-
fuchungen' N. F. VIII, 2, 1902, S. 15 gibt er saec. XI an).
Die anderen find, wie feit Lagardes Arbeiten anerkannt
ift, direkt oder indirekt aus diefer gefloffen. Lagarde hat
in feiner zweiten Ausgabe {Onomastica sacra, Pauli de
Lagarde studio et smnptibus alterum edita, Gottingae 1887)
eine fehr genaue Kollation des Vat. vorgelegt, fich im
übrigen aber darauf befchränkt, nur ganz offenkundige
Fehler der Handfchrift oder folche, die fchon von früheren
Herausgebern verbeffert worden waren, zu emendieren.

Einem neuen Herausgeber blieb daher bei der fchlechten j 'fchritt über Lagarde hinaus, deffen Verdienfte dadurch

Vereins Bd. XXVI, 1903, S. 97—141, 145—188) vorge-
fchlagen (daf. S. 109—138). Die Arbeit Thomfens ift erft
erfchienen, als Kl.s Ausgabe ,fchon im Druck war' (S.
XXXII). Viele Verbefferungsvorfchläge Thomfens find
daher erft in den Nachträgen S. 205—207 mitgeteilt. Im
Allgemeinen ift Kl. bei Änderung des Wortlautes der
Handfchrift erheblich zurückhaltender als Thomfen. Gewiß
mit Recht. Die Grundfätze, welche er namentlich
für die Benützung des Hieronymus S. XXXIIIf. aufftellt,
werden auf weitgehende Zuftimmung rechnen dürfen.
Obwohl die Wahrfcheinlichkeit vorliegt, daß felbft ein*
zelne Lesarten, welche Vat. und Hier, übereinftimmend
bieten, falfch find (daß alfo fchon der gemeinfame Archetypus
Beider Fehler enthielt), ift doch in folchen Fällen
die überlieferte Lesart nicht verlaffen; wie ich glaube,
mit Recht; denn man muß mit der Möglichkeit rechnen,
daß Eufebius felbft den Fehler gemacht hat. Diefe Möglichkeit
ift auch dann zu berückfichtigen, wenn die griech.
Handfchrift Falfches, Hier, das fachlich Richtige bietet.
Denn Hier, kann und wird in einzelnen Fällen diefer Art
felbft korrigiert haben. Auch diefer Umftand ift von Kl.
berückfichtigt (S. XXXIV). _ Er hat es alfo an der erforderlichen
Vorficht bei der Änderung von Vat. nach Hier,
nicht fehlen laffen. Trotzdem find die Fälle, in welchen
der im Vat. überlieferte, noch von Lagarde gebotene
griechifche Text auf Grund der anderen Zeugen verbeffert
ift, äußerft zahlreich. Wer beide Texte vergleicht, kann
fich davon leicht überzeugen. In manchen Fällen kann
man verfchiedener Anficht fein; im Allgemeinen ift Kl.s
Verfahren umfichtig und befonnen. Es fcheint mir an
diefem Orte nicht geboten, auf Einzelheiten einzugehen.
Jedenfalls bedeutet Kl.s Ausgabe einen wefentlichen Fort-