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Ausgabe:

1904 Nr. 23

Spalte:

628-629

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Buttenwieser, Moses

Titel/Untertitel:

Outline of the Neo-Hebraic Apocalyptic Literature 1904

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 23.

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verfe: die katholifche Kirche ift die Fortfetzung des 1 Chriftentum nennt der jüngere Plinius eine superstitio prava et immodica)

römifchen Weltreiches, feines Despotismus, feiner Heiligtümer
, feiner rechtlichen Auffaffung der Religion), ,Einige
Bemerkungen zur Gefchichte der Entftehung des Neuen
Teftamentes' (die vier Evangelien füllten zu einer Evangelienharmonie
zufammenwachfen; Paulus gegen Marcion
kanonifiert; Kanon in Rom entftanden), ,Was wir von

und barbarifch ebenfalls alles Fremde. Nicht ftichhaltiger ift es, wenn
zum Abfchluß die Stimmung der Römer als „Verachtung" zufammengc;-
faßt und durch die Benennung des Tacitus „despectissima pars servientium''
oder „taeterrimd gens" belegt wird. Hat nicht derfelbe Tacitus auch die
Chriften des odium generis humani befchuldigt, Sueton fie eine superstitio
maießcä genannt, und doch zieht niemand diefelben Schlöffe für das
Verhalten und den Charakter der erften Chriften? Daß Juvanal „fchwer-

, .. ., ', Ts-- u 1 j • u4.'i r 11 ii licn ohne allen Grund" ihnen fchuld gibt, „daß fie nur Glaubensge-

der römifchen Kirche lernen und nicht lernen follen nofl-en deQ Weg zeigen und nur Befchnittene zur gefuchten Quelle fuhren

wollen", ift eine Erfindung Schürers; ein folch ungeheuerliches Verhalten

(unfere Kirche foll kein Staat, keine Schule für ewig
Unmündige, keine fakramentale Verficherungsanftalt
werden), ,Das Teftament Leos XIII.' (kirchenpolitifche
Studie über das päpftliche Rundfehreiben an die Dürften
und Völker des Erdkreifes 1894; Ausfichten Roms im
Often, wo die Unfehlbarkeit abflößt, und im Weilen, wo
fie Glück macht). ,Die Bedeutung der Reformation innerhalb
der allgemeinen Religionsgefchichte' (Luther hat, was
bisher als Wefen der Religion galt entwertet, und, was
bisher als abgeleitete Wirkung derfelben galt, als ihr
Wefen beurteilt oder doch weitern Anftoß zu folchen,
fchon vor ihm angelegten Tendenzen gegeben), ,Der
evangelifche-foziale Kongreß in Berlin' (energifche Betonung
der Frage und Aufgabe über allen Fragen und
Aufgaben der Zeit), .Ritfchl und feine Schule' (ein theo-
logifches Bekenntnis), ,Über Wiffenfchaft und Religion.
Angeeignetes und Erlebtes' (Sammlung von nachdenklichen
Aphorismen).

Straßburg i. E. H. Holtzmann.

follte man nicht einmal rohen Völkern auf niedriger Kulturftufe zutrauen,
aber bei Juden erfcheint auch das natürlich. Selbftredend handelt es fich
um den Weg, der zum Quell der Religion führt (Joel daf. 137). Das
könnte man alles fcherzhaft auffallen, aber empörend ift es, wenn von
chrifllichen Theologen neuerdings immer wieder der Vorwurf gegen das
Judentum erhoben wird, daß fie die heidnifchen Götter verachteten und
nicht im Heidentum aufgingen. Das ift gerade der höchfte Ruhmestitel
des Judentums, daß es fich vom Heidentum und feinen fittlichen Ver-
irrungen frei erhalten hat'.

Da ich, abgefehen von der fehr zurückhaltenden
Zwifchenbemerkung bei Juvenal, die gehäffigen Urteile
der Römer lediglich referiert und nirgends mir angeeignet
habe, fo ift das alles ein reiner Kampf gegen Phantome
. Ich kann mir diefe Invektiven pfychologifch nur
fo erklären, daß derVerfaffer die ungünftigen Äußerungen
der alten Schriftfleller, die er auch in den Arbeiten
jüdifcher Gelehrter hätte finden können, zufällig zuerft
durch Vermittelung meines Buches kennen gelernt und
darüber fo fehr die ruhige Faffung verloren hat, daß er
nun feine Zornfchale, ftatt über die alten Römer, über
mich ergießt. Zur Beruhigung des Verf. will ich daher
Ei bogen, Dr. J., Die Religionsanschauungen der Pharisäer gerne ausdrücklich erklären, daß ich dem letzten Satze
mit befonderer Berückfichtigung der Begriffe Gott ' (von dem Ruhmestitel des Judentums) im wefentlichen
und Menfch. (Aus: XXII. Bericht der Lehranflalt 1 ?ullimJneJ (freilich mit einer gewiffen Einfchränkung in
r- j- wir r t. r* j t j i v> ,- ; betreff der fittlichen Venrrungen). .Empörend' aber

für die Wiffenfchaft des Judentums.) Berlin 1904, finde ich es> daß er von uns chri(llichen Theologen be-

M. Poppelauer. (VII, 88 S. gr. 8.) M. 3.— hauptet, wir machten dem Judentum daraus einen ,Vor-

,Die vorliegende Abhandlung ift aus Vorlefungen | wurf, daß es nicht im Heidentum aufging. Wo hat er

entftanden, die ich unter dem Titel „die Religion der etwas Derartiges gelefen? — Die Auslegung der Juvenal-

Pharifäer" im Sommer-Sem efter 1903 für Studierende Stelle, die E- ncn aneignet, ift ,felbftredend' verkehrt,

aller Fakultäten an unferer Lehranflalt hielt'. In der Darflellung der ,Religionsanfchauungen der

So lefen wir im Vorwort S. V. ,Unfere Lehranflalt' Bharifäer' fchlägt der Verf. das einfache, aber nicht

ift die ,Lehranftalt für die Wiffenfchaft des Judentums'. 1 mehr neue Verfahren ein, alles Schöne und ihm Sympa-

Daß es an derfelben .Studierende aller Fakultäten' gibt, [ thifche mit großem Fleiße zufammenzuftellcn und alles, was

ift mir neu. Der Verf. hat wohl auch nur durch eine un- | nicht zu diefem Lichtbilde paßt, beifeite zu laffen. Erfleres

genaue Ausdrucksweife den Anfchein erweckt, als ob das ' gefchieht mit fo umfaffender Kenntnis des Materiales, daß

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der Fall fei. In Wahrheit kam es ihm augenfeheinlich
darauf an, ein Gegenftück zu liefern zu Harnacks Vorlefungen
über das Wefen des Chriftentums, die durch
einen, allerdings fehr fcharf formulierten Satz über ,die
Priefter und die Pharifäer' den befonderen Unwillen des
Verf. erregt haben. Diefer Unwille, der fich auch auf
mich erftreckt, ift nun feiner Sache nicht förderlich ge-
wefen. Dann ftatt .geficherte Refultate der Forfchung'
zu bieten, wie es nach S. V feine Abficht war, gibt er
eine fehr einfeitig gefärbte Darftellung des pharifäifchen

man hier gerne von ihm lernt Der lebendige und erquickende
Strom der prophetifchen Religion ift doch trotz aller
Veräußerlichung der Religion in gefetzlichem Werkdienft
nie ganz verfiegt. Aber hiernach allein den Pharifäismus
zu zeichnen und darin fein eigentliches Wefen finden zu
wollen, ift das Gegenteil objektiver Gefchichtsdarftellung.

Ein feltfamer Beweis für die Objektivität des Verf.
ift die Bemerkung S. 9: ,Von de n Feffeln des Mechanismus
blieben die eigentlichen Gebete auch dadurch befreit
, daß fie im Wortlaut nicht feftgelegt waren'. Ift

Judentums, welche uns überall nur das hellfte Licht und j der>n das Schmone Efre kein Gebet? Oder halt der
nirgends den geringften Schatten zeigt. Er gehört zu | Verf- nch zu diefer Behauptung deshalb für berechtigt,
denjenigen jüdifchen Gelehrten, welche nicht geflatten, weil der Text des Schmone Efre einige Wandlungen
daß man über das Judentum der talmudifchen Zeit irgend 1 durchgemacht hat, ehe er definitiv feftgelegt wurde?
etwas Ungünftiges fage. Ja, es ift nicht einmal erlaubt, Göttingen. E. Schür er.

zu berichten, daß griechifche und römifche Schriftfleller I_________---

ungünftige Meinungen über das Judentum gehabt haben. Butten wieser, Moses, Ph. D., Outline of the Neo-Hebraic

Da ich dies in meiner Gefchichte des jüdifchen Volkes 1 . . ,..___. ~ . .. 0 T

in der objektivften Weife getan habe, habe ich mir fol- ApocalyptlC L.terature. C.ncnnati, O. 1901, Jenn.ngs
gende Philippica des Verf. zugezogen (S. 5 f.): & pye- (VI> 45 S. gr. 8.) 50 c.

,Ein fchön gebundenes Bouquet all der gehäffigen heidnifchen | Einen Artikel, den der Verfaffer für den erften Band

Äußerungen über die Juden findet man bei Schürer, Gefchichte III3, der Jewistl Encyclopeditl gefchrieben hatte und der ihm
.02 ff.;^da fehr viele Belege aus den Quellen angeführt find, fedl das gan^ dortbei der Aufnahme willkürlich Verändert war, gibt
den Eindruck obiektiver, wahrhafter Forfchung machen. Daß Schurer n , • • ■• i ^ c _ r , ,

den Mut hat, auch nach Joels Auseinanderfetzung eine fo durchaus ein- B. hier in unveränderter r orm gefondert heraus.

feitige Darfteilung au geben, daß Bouffet diefe Charakteriftik fich aneignet j Er enthält einen verdienftvollen Überblick Über die

und noch zu überbieten fucht, beweift nicht ihre Wahrheit, fondern nur, j fpätere jüdifche Literatur, bei deren Darfteilung B. — gügen-

daß, wo eine Verurteilung des Judentums in Frage kommt, auch das Un- j über der namentliCh in jüdifchen Gelehrtenkreifen ver-

niöehche möglich wird. Was will es denn bedeuten, wenn Cicero (in , .. . ___j-—, <•„«» i_-n _-r v. Ar

einer Verteidigungsrede noch dazu) das Judentum eine barbara superstitio breiteten Meinung von dem fpateren nachlflamifchen Auf-

nennt? Eine superstitio war für den Römer jeder fremde Glaube (das kommen diefer Literatur im J udentum — mit vollem Recht