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Ausgabe:

1904

Spalte:

625-627

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Harnack, Adolf

Titel/Untertitel:

Reden und Aufsätze. 2 Bde 1904

Rezensent:

Holtzmann, Heinrich Julius

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Theologische Literaturzeitung

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 23. 12. November 1904. 29. Jahrgang.

Harnack, Reden und Auffätze (Holtzmann).
Elbogen, Die Religionsanfchauungen der Phari-
fäer (Schürer).

Buttenwieser, Outline of the Neo-Hebraic
Apocalyptic Literature (BouiTet).

Schiefer, Die religiöfen und ethifchen An-
fchauungen des vierten Efrabuches (Bouffet).

Friedländer, Der Antichrift in den vorchrift-
lichen jüdifchen Quellen (Bouffet).

Dobfchütz, Probleme des apoftolifcheu Zeitalters
(Holtzmann).

Robinson, St. Paul's Epistle to the Ephesians
(Holtzmann).

Chapman, L'auteur du Canon Muratorien
(Harnack).

Eusebius' Onomastikon der biblifchen Ortsnamen
, herausg. von E. Klo Hermann

(Schürer).

Cassirer, Leibniz' Syflem in feinen wiffen-
fchaftlichen Grundlagen (Tröltfch).

Grotenfelt, Die Wertfehätzung in der Ge-
fchichte (Tröltfch).

Harnack, Adolf, Reden und Aufsätze. Zwei Bände. Gießen
1903, J. Ricker. (VII, 349 u. V, 379 S. gr. 8.)

M. 10.—; geb. M. 12.—

Schon feit einigen Jahren macht fich in der gebildeten
Lefewelt ein ftarker Zug und Drang nach vertiefter
religiöfer Erkenntnis in erfreulichfter Weife bemerkbar.
Da kommt es denn recht gelegen und wird allfeitig begrüßt
, wenn ein Theologe, der feit gerade einem Menfchen-
alter eine faft beifpiellofe Produktivität auf mehr als
einem Gebiet unferes wiffenfehaftlichen Betriebs entwickelt,
demfelben vielfach indurchfchlagendfterWeife neue Bahnen
und Ziele angewiefen, endlich aber auch in den Gang
der kirchenpolitifchen und fozialreligiöfen Bewegung fo
bemerkbar eingegriffen hat, daß fich an feinen Namen
mancherlei Hauptaktionen der neueren Kirchengefchichte
knüpfen — wenn diefer die bedeutendften unter den an
einen weiteren Leferkreis gerichteten Kundgebungen aus
einer fo bewegten Vergangenheit fammelt und noch einmal
, wie zu konzentrierter Wirkung, der Öffentlichkeit
übergibt. Der Form nach in Reden und Auffätze zerfallend
, unterfcheiden fie fich inhaltlich nach mehr ge-
fchichtlichen oder kirchlich praktifchen Zielpunkten; jene
walten ob im erften, diefe im zweiten Bande. Was in
beiderlei Richtung geboten wird, ift von der Art, daß
auch wer alles oder, wie der Referent, wenigftens das
Meine feiner Zeit fchon in fich aufgenommen hat, es
darum doch mit unvermindertem Intereffe, auch mit
gleichen Genuß und Gewinn, zum zweitenmal lefen wird.
Wem aber vieles oder alles neu fein follte, dem wird
eine gedrängte Überficht deffen, was ihn hier erwartet,
willkommen fein und hinlängliche Anregung bieten, um
fich über entfeheidende und einfehneidende Fragen der
Vergangenheit und der Gegenwart Auskunft und Belehrung
zu holen.

Die Reden des erften Bandes verbreiten fich über
(Legenden als Gefchichtsquellen' (es gibt eine doppelte
Gefchichte, die eine befteht aus Tatfachen, die andere,
nicht minder der Wirklichkeit angehörig, aus Gedanken
über die Tatfachen), ,Sokrates und die alte Kirche' (entgegengefetzte
Stellungnahme der Väter zu diefem, nicht
zu umgehenden Zeichen der Vergangenheit), .Auguftins
Konfeffionen' (fein Ich erweitert zum Ich der damaligen,
aus dem Heidentum und der Philofophie zur katholifchen
Kirche übergegangenen Welt), ,das Mönchtum, feine Ideale
und feine Gefchichte' (Metamorphofe des grundfätzlich
der Welt abgewandten, tatfächlich an der Weltaufgabe
der Kirche fich beteiligenden Inftituts), .Martin Luther'
und .Philipp Melanchthon' (auch jener, was fich bei diefem
von felbft verficht, betrachtet nach feiner Bedeutung für
die Gefchichte der Wiffenfchaft und der Bildung), ,Au-

des zweiten behandeln ,Das Chriftentum und die Gefchichte'
(die Lebenskraft der Perfon Jefu konnte durch 19 Jahrhunderte
, die uns von ihr trennen, nicht Verfehlungen
werden und verbürgt uns noch heute, daß Gott in der
Gefchichte waltet), ,Die evangelifch-foziale Aufgabe im
Lichte der Gefchichte der Kirche' (Längendurchfchnitt
durch die Gefchichte der Kirche nach der jeweils ver-
fchiedenen wirtfehaftlichen Stellung, die fie zu Arbeit,
Erwerb, Belitz eingenommen hat), ,Die fittliche und foziale
Bedeutung des modernen Bildungsftrebens' (Wert und
Recht desfelben ficher geftellt gegen Einwürfe, die aus
den damit verbundenen Gefahren entfpringen, beifpiels-
weife Vortreffliches über die Frauenbewegung S. 82 f.
92 f. 98 f.), ,Grundfätze der evangelifch-proteftantifchen
Miffion' (ein verftändiges Wort in einer von fo vielen
Vorurteilen umfehwirrten Sache), ,Zur gegenwärtigen
Lage des Proteftantismus' (rückbildende, katholifierende
Tendenzen in der Vorhand, freie, hoffnungsvolle Triebe
im Rückhalt), ,Die Aufgabe der theologifchen Fakultäten
und die allgemeine Religionsgefchichte'(praktifche und fachliche
Gründe gegen die Umwandlung der deutfehen Fakultäten
in religionswiffenfchaftliche Disziplinen mit einem
gegen Mißverfiändniffe fich verwahrenden Nachwort), ,Die
königlich preußifche Akademie der Wiffenfchaften' (Gefchichte
der wiffenfehaftlichen Bewegung der letzten zwei
Jahrhunderte, erläutert an Paradigmen der älteften unter
unferen heutigen Akademien).

Die Auffätze des erften Bandes behandeln ,Das apo-
ftolifche Glaubensbekenntnis' (objektiver gefchichtlicher
Bericht über deffen Entftehung, maßvolle theologifche
Würdigung feines Inhaltes; dazu Einleitung und Nachwort
über die Entftehung des bekannten Streits um das
Apoftolikum von Jahr 1892 nebft Zufätzen), .Antwort auf
die Streitfchrift D. Cremers: Zum Kampf um das Apoftolikum
' (gegen eine Autorität, die lange Zeit eine entfeheidende
Stimme für die Gefchicke der preußifchen
Theologie führte, aber auch diesmal nur ihre Unfähigkeit
an den Tag legte, eine gefchichtliche Frage mit
dem Gewiffen des Hiftorikers zu behandeln und jene
Zudringlichkeit des Dogmatikers zu bezwingen, welche
Tatfächliches a priori behandeln zu dürfen glaubt), ,Als
die Zeit erfüllet war. Der Heiland' (die viel befprochenen
kleinafiatifchen Infchriften zu Ehren des Auguftus zeigen,
daß die Sprache, die wir heute als Ausdruck chriftlicher
Andacht empfinden, vielfach fchon von den Griechen
geprägt war), (Über die jüngften Entdeckungen auf dem
Gebiete der älteften Kirchengefchichte' (überrafchender
Reichtum im Laufe des Vierteljahrhunderts feit 1873 ; Nachwort
aus der Gegenwart). Die des zweiten Bandes tragen
die Uberfchriften , The present State of research in early
church history1 (aus Contemporary Review 1886; behan-

guft Neander' (eine durch Vereinigung von Pietät und 1 delt die damals erfolgte Wendung in der Erforfchung
Kritik ausgezeichnete Würdigung des Vorgängers). Die I des Urchriftentums infolge der Baur-Ritfchlfchen Kontro

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