Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1904

Spalte:

33-35

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Baumann, Eberhard

Titel/Untertitel:

Der Aufbau der Amosreden 1904

Rezensent:

Bertholet, Alfred

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Jährlich 26 Nrn. Verlag: J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung, Leipzig. Jährlich 18 Mark.

Nr. 2. 2 3- Januar 1904. 29. Jahrgang.

Baumann, Der Aufbau der Amosreden (Bertholet
).

Duhm, Das Buch Jeremia überfetzt (Bertholet
).

The Books of Ezra and Nehemiah ed. by
Guthe [The sacred Books of the O. T. P. 19]
(Budde).

The Books of Proverbs ed. by A. Müller and
Kautzsch [The sacred Books of the O. T.
P. 15] (Budde).

Perles, Bouflet's Religion des Judentums im

neuteftamentl. Zeitalter kritifch unterfucht
(Holtzmann).

Bouffet, Volksfrömmigkeit und Schriftgelehr-
tentum (Derf.).

Weine 1, Jefus im neunzehnten Jahrhundert
(Holtzmann).

Dibelius, Das Vaterunfer (von der Goltz).

Michel, Gebet und Bild in frühchriftlicher Zeit
(von der Goltz).

Hoppe, Syntax und Stil des Tertullian (Harnack
).

Engelkemper, Die religionsgefchichtliche
Lehre Saadja Gaons über die Hl. Schrift
[Beiträge zur Gefch. der Philofophie des
Mittelalters IV, 4] (Guttmann).

Tennant, The origin and propagation of sin
(CTemen).

B"gge. Das Gefetz und Chriftus im Evangelium
(Kattenbufch).

Loify, Evangelium und Kirche (Harnack).

Criegern, v., Gefchichte des Guftav-Adolf-
Vereins (Knoke).

Baumann, Paft. Relig.-Lehr. Lic. Eberhard, Der Aufbau
der Amosreden. (Beihefte zur Zeitfchrift für alttefta-
mentliche Wiffenfchaft VII.) Gießen 1903, J. Ricker.
(X, 69 S. gr. 8.) M. 2.40

Schon das vierte Beiheft zur Zeitfchrift für die alt-
teftamentliche Wiffenfchaft hatte fich mit der Kompo-
fitionsfrage der Amosreden befaßt. Die Unterfuchungen,
die Lohr dort niedergelegt hatte, haben Baumanns Arbeit
Hark beeinflußt. Zur bequemen Überficht feien zunächft
die beiderfeitigen Refultate nebeneinander geftellt. Beide
Verfaffer unterfcheiden 5 Redegruppen, nämlich

Baumann: Lohr:

I I 2—8. 13—15. 2 1—3. 6—16 I I I 1—8. 13—16. 2 1—3.6-14. 16.
(mit einzelnen Umftellungen).

3 9. 10. 13. 11. 12. 14 a- 15.
II 3 1—5. 6b. 6». 8. 4 1—3. 8l. 5.
7—10*. 13. 14. 11 (ll. 12.)

III 44—6. 9—11 (l2a.). 5 21—27.
(4 12 b.). 5 *—6- 14. 15.

IV 5l—3. 16—20 (exc. 17 a.). 61.
3—7. 13. 12 a. 8. 14. 11. 12b- 9. 10.

V 7 10—17. 1—9. 8 1—3. 9 1 a.
3 14b. 9 ib.-4. 7.

IIa 3 ib.2—4a.5a. 6. 8 —15. 4 I— 3.

84—U. 9la/t—4a.
III 44—12 (mit fehlendem Anfang

und Schlufs); 3 14b. 91a«

7(?).

IIb 5 1—6a. 7. 10—12. 18—18b«
20—27. 6 1. 3—8. 11—14.

IV. V 71-9. 8,-3.

7 10—17.

flück tatfächlich zu gehören fcheint. Hat das Stichwort
83 tlVTnr; (1. ninttf) Veranlaffung zur Umftellung der Rede
mit ihrem nrpTUrf (V. 10) gegeben? Nicht mit Unrecht hat
m. E. Baumann in feinem Schlußwort über ,Entftehung
und Verderbnis der urfprünglichen Reden' auf die typi-
fche Art der fchriftlichen Fixierung der (zunächft mündlich
tradierten?) Amosworte hingewiefen: ,Stichworte
waren es, nach denen der Redaktor fich mit Vorliebe
richtete, in der Hoffnung, durch fie auf die urfprünglichen
Zufammenhänge geführt zu werden. Der Gedanke war
nicht falfch, aber das Verfahren zu äußerlich mechanifch'
(S. 67). So mag in der Tat die Nennung Jerobeams 7 9
die Einfügung von 710-17 an der gegenwärtigen Stelle
verfchuldet haben; denn darin haben Lohr und Baumann
doch wohl ficher Recht, daß 8 1 unmittelbar an 7 9 anzu-
fchließen ift. Nicht übel wäre wieder der Anfchluß von
41 an 38 mit Ausfcheidung von 39—15 (Baumann gegen
Lohr); aber mit der Auskunft, es möchten diefe Verfe
(391) ,wenn nichts anderes, ein wirkungs- und ftimmungs-
voller Anhang an Kap. III' fein (S. 21), hat Baumann
felbft verraten, daß er noch nicht das löfende und nicht
das letzte Wort über fie glaubt gefprochen zu haben.
Richtig bleibt ferner, was fchon Oort erkannt hat (vgl.
S. 15), daß 54 fchwerlich die urfprüngliche Fortfetzung
von 5 i-8 gebildet haben kann, und an fich beffer in den
Zufammenhang der III. Rede paffen würde.

Dagegen ift es m. E. kein fonderlich glücklicher
Einfall, daß Baumann 521—27 ausfcheidet, um 6 m. unmittelbar
an 5 20 anzufchließen. Ift es nicht richtiger,

Man fleht, Baumann und Lohr find darin einig, ,daß
die urfprüngliche Anordnung im Buche Arnos vielfach
verwirrt und geftört fei', und ihre Löfungsverfuche weifen

ein beträchtliches Maß von Übereinftimmung auf. Das j zwifchen der Rede gegen die, .welche den Tag Jahwes
legt zunächfi die Frage nahe, ob nicht wenigftens das, herbeifehnen' (5 «), und der Rede gegen die, welche ihn
worin fie übereinftimmen, einigen Anfpruch auf allge- j .ferne wähnen'(63), den vorhandenen Abftand zu belaffen?
meinere Anerkennung erheben darf. Ich denke dabei Und die Streichung von 412a (S. 16), auch von 5 4a (S. 44),
beifpielsweife, um von einem konkreten Falle auszu- j welche durch die Einfchaltung von 5 21-27 in die III. Rede
gehen, an die Verletzung von 84fr. hinter 41-3. Nach j nötig wird, ift gewaltfam. Man braucht fich nur 5 «ff. am
der Aufnahme zu fchließen, welche die Löhr'fche Arbeit i Heiligtum gefprochen zu denken, um im Geifte den hun-
in der Kritik gefunden hat (vgl. Baumann S. 3 Anm. 2), j dertftimmigen Einwand der empörten Kultusmenge zu
fcheint freilich die Abneigung gegen dergleichen Ver- ' hören, — und der flammende Proteft, den Arnos V. 21— 27
fetzungen eine prinzipielle zu fein. Ich verftehe diefe j ihrem Kultuswefen entgegenwirft, wird verftändlich genug.
Abneigung und teile fie fogar einigermaßen, wie fich ! Überhaupt dürften fich mehrere Übergänge innerhalb der
aus dem Folgenden noch ergeben wird. Aber dem * Reden, wie wir fie lefen, immer noch am beften aus der
Tatbeftand gegenüber kann ich es nur für methodifch konkreten Situation heraus begreifen laffen, beffer als
richtig halten, von Fall zu Fall zu urteilen, und im vor- ! durch künftliche Konftruktionen, wenn diefe auch noch
Hegenden hat die vorgefchlagene Umftellung zweifellos j fo fein auf ,Analogien' bafiert fein mögen. Was ich an
vieles für fich (vgl. WO© und »3«: 41. 2 mit 84.7). Das ! dergleichen Konftruktionen, welche die Prophetenreden
tritt bei Baumann noch deutlicher als bei Lohr hervor, j nach einem unanfechtbaren Schema der Vernünftigkeit
fofern er für fie ein neues Argument gewinnt, indem er ! disponirt fein laffen und inhaltlich Aehnliches fchön zu-
davon Gebrauch macht, daß fie ihm gefiattet, den An- | fammenftellen, fchließlich vermiffe, ift ein gewiffer Sinn
fang von Kap. 9 unmittelbar an dieVifionen (71-9 81-3) für die Modulationsfähigkeit der Gemütsftimmung einer
anzufchließen, zu denen diefer Kapitelanfang als Schluß- | Perfönlichkeit vom Schlage des Arnos. DieferWiderfpruch
33 34