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Ausgabe:

1904 Nr. 18

Spalte:

521-522

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Pöhlmann, Hans

Titel/Untertitel:

Euckens Theologie mit ihren philosophischen Grundlagen dargestellt 1904

Rezensent:

Mayer, Emil Walter

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 18.

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und ihren Pfarrer felbft wählen durften und fo im Kleinen weniger inkohärente Analyfe einzelner feiner Werke ereinen
Staat im Staate bildeten. Dankenswert ift auch, was öffnet noch keinen ausreichenden Einblick in den inneren
erüberdasgefeflige.häuslicheundgeiftigeLebenderNieder- Zufammenhang feines Syftems. Erheblich beffer find
länder bietet. Über letzteres urteilt Schumacher, daß ,von j dagegen die eigentlich theologifchen Kapitel. Zwar find

einem Einfluß niederländifchengeiftigen Lebens auf das Land
nichts zu fpüren fei, wenn auch unter den bäuerlichen
Anfiedlern ein gewiffer Prozentfatz von Bildung fich bemerkbar
machte, felbft unter den Frauen. Dagegen machte
in den Städten der Gewerbefleiß der Niederländer feinen
befruchtenden Einfluß geltend. Die niederländifchen An-
fiedlungen verdienen reichlich die Mühe, die Schumacher
an fie gewandt hat.

Unrichtig ift S. 53 Anm. 223 quinta feria post Margarethe
als der fünfte Tag nach dem 13. Juli gedeutet.
Denn quinta feria ift der Donnerstag, alfo der Brief, der
doch wohl ins Jahr 1533 gehört, am 17. Juli gefchrieben.
Gerhart v. Wormer S. 135 Anm. 575 wird der lange
Pfaffe genannt worden fein, weil er früher Priefter oder
Mönch war. S. 161 Anm. 686 ift neben Philipp von
Heften Ulrich von Württemberg nicht zu vergehen, der
die Todesftrafe gegen die Täufer nicht anwandte. S. 166
Z. 12 1. sal vnde wil. S. 167 Z. 2 ift nach suerdeechs das
Komma zu ftreichen. Gemeint ift der Sauerteig I.Korr. 5,6
Gal. 5, 9. S. 176 Z. 7 1. duo ftatt quo. Z. 25 ift Jodocus
Aquila von Gouda wohl der Schreiber der Bittfchrift.

Nabern. G. Boffert.

Pohl mann, Dr. Hans, Euckens Theologie mit ihren philo-

fophifchen Grundlagen dargeftellt. Berlin 1903,

Reuther & Reichard. (93 S. gr. 8.) M. 1.50

Siebert Dr. Otto, Rudolf Euckens Welt- und Lebens- I die df:n zu erläuternden, in beftimmter Geftalt vorliegen

einzelne der vorgetragenen Deutungen mindeftens diskutabel
. So ift dem Refer. fehr zweifelhaft, ob die
Gleichfetzung der ,univerfalen Religion' mit .idealiftifcher
Philofophie' oder gar .fpekulativer Theologie' berechtigt
ift. Alles in allem wird aber da nach manchen Seiten
hin eine deutliche und zuverläffige Orientierung gegeben.

Weit mehr fyftematifchen Charakter trägt die zweite
Brofchüre zur Schau, deren Verf., O. Siebert, fich bereits
durch eine Reihe von Publikationen über den
Jenenfer Philofophen bekannt gemacht hat. Sie will gar
nicht in erfter Linie deffen Theologie fchildern, fondern
einfach feine Welt- und Lebensanfchauung, hebt aber
die große apologetifche Bedeutung der letzteren fehr
ftark und nachdrücklich hervor. Sie fetzt ein mit einem
kurzen Bericht über die Hauptfchriften Euckens. Daran
fchließt fich ein ausführliches Referat über feine Kritik
des Naturalismus und Intellektualismus. Den Höhepunkt
endlich bildet die pofitive Darftellung des Syftems und
der Religionsphilofophie, die diefes krönt. Refer. hat
die ganze Abhandlung mit Intereffe und Vergnügen gelefen.
Er hat den Eindruck erhalten, daß fie wohl geeignet ift,
einzuführen in die Gedankenwelt des Philofophen, mit
dem fie fich befchäftigt, und das Verftändnis zu er-
fchließen für die inneren Zufammenhänge feiner Ideen.
Schade nur, daß fie vielfach gar zu fehr in der Sprache
und den Ausdrucksmitteln des Meifters felber redet.
Bekanntlich ift in der Regel die befte Erklärung diejenige,

anschauung. Langenfalza 1904, H. Beyer & Söhne.
(VIII, 72 S. gr. 8.) M. 1.20

Bei der Bedeutung Euckens und der lebhaften Teilnahme
, die er den religiöfen Problemen entgegenbringt,
darf es nicht wundernehmen, wenn die Theologie der
Gegenwart ihrerfeits ihm ein fteigendes Intereffe widmet,
das dann auch notwendig Schriften wie den beiden vorliegenden
zu ftatten kommt.

Die an erfter Stelle genannte hat es zwar dem Titel
nach vorwiegend mit der .Theologie' des Jenenfer Gelehrten
zu tun; fie ignoriert aber nicht ganz die allgemeinen
Vorausfetzungen derfelben. Das geht allein fchon
aus der Dispofition hervor.

Der erfte Teil befpricht die ,philofophifchen Grundlagen
', auf denen Eucken feine /Theologie' aufbaut, und
zwar fo, daß zunächft deffen Verhältnis zu hervorragenden
Denkern der Vergangenheit, wie Plato, Plotin, Kant,
Fichte und andern, kurz charakterifiert und dann auf 25
Seiten eine .fyftematifche Darftellung' gegeben wird, in
der hintereinander die ,Prolegomena', die .Grundbegriffe',
die .Einheit des Geifteslebens', der ,Kampf' und der
.Wahrheitsgehalt der Religion' zur Berückfichtigung gelangen
. Speziell mit dem letzten Werk befchäftigt fich
der zweite, ,die Religionsphilofophie Euckens' überfchrie-
bene Teil. Der Gliederung des Buchs entfprechend erörtert
er in zwei Kapiteln die ,univerfale' und die .charak-
teriftifche' Religion. Der letzte Teil endlich beleuchtet
Euckens Stellung zum Chriftentum, entwickelt die Konfe-
quenzen feiner Religionsphilofophie für die Dogmatik
und die aus ihr fich ergebenden Urteile über die Kirchen-
gefchichte.

Wie pietätvoll fich auch Pöhlmann in feinen Stoff
verfenkt haben möge, fo find doch nicht alle Partien
feiner Abhandlung gleichwertig ausgefallen. Am wemg-
ften gelungen dürften wohl die Abfchnitte fein, in denen
Euckens Philofophie im allgemeinen behandelt wird. Die
Darftellung ift da entfchieden zu aphoriftifch. Es geht
wirklich nicht an, das Verhältnis des berühmten Denkers
zu Plato, Kant oder Fichte durch ein paar herausgeriffene
einfchlägige Zitate zu kennzeichnen, und eine mehr oder

den Gedanken gleichfam vor den Augen des Lefers entkleidet
und in ein anderes Gewand, will fagen, eine neue
Form bringt.

Straßburg i. E. E. W. Mayer.

Zöckler, Otto, Die Tugendlehre des Christentums, gefchicht-
lich dargeftellt in der Entwicklung ihrer Lehrformen,
mit befonderer Rückficht auf deren zahlenfymbolifche
Einkleidung. Ein Beitrag zur Gefchichte der chrift-
lichen Sittenlehre und Sitte. Gütersloh 1904, C. Bertelsmann
. (XII, 378 S. gr. 8.) M. 6—; geb. M. 7.—

Diefer ,dem Andenken H. Cremers' gewidmete Beitrag
zur Gefchichte der chriftlichen Sittenlehre und Sitte',
.zielt ab auf Zufuhr neuen Materials nicht nur für die
Moralgefchichte, fondern auch für die Sitten- und Kultur-
gefchichte des Chriftentums'. Die Bedenken, die eine
Darftellung der Lehrformen und der zahlenfymbolifchen
Einkleidung der Tugendlehre hervorrufen könnte, hofft
der Verf. durch diefe Erweiterung feiner Aufgabe zu
überwinden; in der Tat würde die bloße Entwicklung
der Lehrformen leicht in Begriffsformalismus ausarten,
wenn nicht die an die Spitze des Ganzen geftellte Bemerkung
als Leitfaden diente. ,In den Lehrformen
fpiegelt fich der Inhalt deffen, was gelehrt wird. Wandelt
fich der letztere, fo verändern fich notwendig auch
die erfteren. Die Entwicklung, welche einem Lehrfatz
oder einem Syftem von Lehren im Laufe der Zeiten
widerfährt, wird ftets begleitet fein von einem Wechfel
auch der jene Lehre einkleidenden Methoden, Formen
und Formeln . . . Die Bilrlungs- und Umbildungsprozeffe,
zu deren Schilderung wir uns anfchicken, find Momente
einer gefchichtlichen Entwicklung, die ein zentral be-
deutfamer Hauptfaktor des Gefamtgebiets der chriftlichen
Ethik erfahren hat. Mit der Gefchichte der Lehrformen
der chriftlichen Tugendlehre hängt die der chriftlichen
Tugendtibung eng zufammen'(V). Allerdings tritt diefe
Berückfichtigung der kulturhiftorifchen Faktoren nicht
gleichmäßig hervor; in dem dem Mittelalter gewidmeten
Abfchnitt aber bringt das Kapitel .Tugenden und Lafter