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Ausgabe:

1904 Nr. 18

Spalte:

513-515

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schanz, Martin

Titel/Untertitel:

Geschichte der römischen Literatur bis zum Gesetzgebungswerk des Kaisers Justinian. 4. Tl.: Die römische Litteratur von Constantin bis zum Gesetzgebungswerk Justinians. Erste Hälfte 1904

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 18.

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lieferung unenvünfcht lange hin — ift auch von Sickenberger
gegen von Soden zutreffend gewürdigt (vgl. Bi-
blifche Zeitfchrift I 182f. Theol. Quartalfchr. 1904 S. iof.).
von Sodens Anficht, daß für alle Matthäuskommentare
Chryfoftomus die Hauptquelle fei (Schriften des N.T. I
S. 249k 559k 567 k), wird dem Tatbeftande nicht gerecht.

Der Druck des Katalogs ift korrekt. Von Fehlern
ift mir aufgefallen S. 40 Z. 9 v. o. xavcöveq. S. 338 Z. 21
v. ob. jiuQayQaipüq. S. 339 Z. 3 v. u. vati cinium. S. 340
Z. 13 v. o. xazötiimddjOouai S. 581 Z. 25 v. u. lqueivev-
öuevov. S. 587 Z. 8 v. u. ift das zweite zov vor JSeqqcöp
zu tilgen. Ift das finnlofe aveaiov (S. 16 Z. 25 v. o.) ein
Druckfehler ftatt dveozlovi Diefes würde ein ungewöhnliches
Synonymon für döeOJiozov oder avssiiygacpov fein.
Beide Bezeichungen übrigens find eigentlich zu Unrecht
personifiziert. Sic weifen auf Scholien, deren Autor
unbekannt ift (dvesdygacpov, ddtöjzozov).

Bei den Angaben über Drucke aus der Katenenlitera-
tur habe ich vermißt Procopii Cotnm. in HeptateucJmm ed.
cx parte C. Clauser. Zürich 1555; ed. Meursius. Leiden
1620. Thcodoriti ep. Cyrensis in Cant. Cant. explanatio
interjectis Maximi, Nili, Pscllique notationibus F. Zino
interpretc. Rom, Aldus, 1563. (Die Überfetzung dürfte aus
Färberin. VI 6 L. p. 317 oder aus einer der gleichzeitigen
Vatikanifchen Handfchriften Stammen.) Olympiodori
in EccteHasten schalia, Divi Gregorii Neocaesarensis in
eundemmetaplirasis etc. loh. Oecolampadio interprete. Bafel
1536. Codex Graecus quatuor evangeliorum e bibliotheca
universitatis Pest inensis cum interpretatione Hungarica editus
a S. Markfi. Peft 1860. (Für Matth, und Joh. liegt Chryfoft.
zu Grunde.) Die Evangelienfragmente des Hippolytus,
Hippolytus' Werke (Berlin 1897) Bd. I 2 S. 208f. — Bei
den forgfältigen Indices am Schluß (Index auctorum p. 611 f.
Index codicum p. 615 f.) wäre eine Hervorhebung derBilder-
katenen wünfchenswert. Namentlich bei den Pfalmen find
die Bilder zugleich eine Art Kommentar für die chrift-
lichen Deutungen. Vgl. 1.1. Tikkanen, Die Pfalterilluftra-
tion im Mittelalter, Helfingfors 1895.

In meinem Artikel ,Catenen' (ThRE3 III 756k) hatte
ich die Bezeichung osigd, catena auf die myftifche Deutung
der oeiga 'Egficüx?} bezogen, die namentlich bei den
Neoplatonikern beliebt war (vgl z. B. Marin. Vita Prodi
c. 28). Von ihnen wird damit der Weltzufammenhang,
der aus einem Urgründe flammt, veranfchaulicht. Eine
Betätigung für die Benutzung von ßeigd zur Bezeichnung
der Auslegung autoritativer Texte gibt Eunapius Vita
Porphyrii (ed. Boissonade p. 456): 6 fiev yag Illmzlvoq
zä> ze z?jq ipvyrjq ovgavicq xdi zw kogcp xdi alviynaxwdei
zä>v löymv ßagvq eöoxei xdi dvOrjxooq. o 6h üogipvgioq
ojOjisq Eqpa'ixrj ziq osigd xdi stgbq av&gcojiovq ssiivsv-
ovaa öid xotxiXnq staidelaq sidvza slq zo svyvmdzov xdi
xad-aobv e^yyeXXsv. Dementfprechend ift die patriftifche
ö£tpd die aneinandergegliederte Kette von Auslegungen,
die den heiligen Text verftändlich und lauter deuten follen.

Leipzig. G. Heinrici.

Herr Dr. Li etzmann erfucht uns, mitzuteilen, daß
von der Separat-Ausgabe des Kataloges in Buchform
noch eine Anzahl Exemplare von Marcus und Weber's
Verlag in Bonn direkt gegen Einfendung von 50 Pf. zu
beziehen ift. Die Red.

Schanz, Prof. Martin, Geschichte der römischen Literatur
bis zum Gesetzgebungswerk des Kaisers Justinian. Vierter
Teil: Die römifche Litteratur von Conftantin bis zum
Gefetzgebungswerk Juftinians. Erfte Hälfte: Die Literatur
des vierten Jahrhunderts. Mit alphabetifchem
Regifter. München 1904, C. H. Beck'fche Verlags-
buchh. (XV, 469 S. Lex. 8.) M. 8. 50; geb. M. 10.—

Der dritte Teil diefes wertvollen Werkes ift in diefer
Zeitung 1897, Sp. 97ff. angezeigt worden. Der Verfaffer

hatte im Vorwort die Hoffnung ausgefprochen, den
vierten Teil in kurzer Frift vorlegen zu können. Es find
doch über 7 Jahre vergangen. Uber die Verzögerung
wird keine Auskunft gegeben, fie ift aber leicht erklärlich
, wenn man in Rechnung zieht, daß der Verfaffer
auch in diefem neuen Bande der chriftlichen Literatur
eine ganz befondere Aufmerkfamkeit gefchenkt hat und
daß er als Philologe fich in diefen Teil der Aufgabe
erft neu einarbeiten mußte. Auch ift inzwifchen von den
beiden erften Bänden des Werkes, die die Literatur bis
auf Hadrian behandeln, eine neue Auflage erfchienen.

Die ftarke Heranziehung der chriftlichen Literatur
ift für die Schanzifche Literaturgefchichte charakteriftifch
und gibt ihr gegenüber der von Teuffel-Schwabe ihren
eigentümlichen Wert. Hatte Ref. bei der Befprechung
des dritten Bandes geglaubt, die nationale Literatur
gegenüber der chriftlichen in Schutz nehmen zu müffen,
da der der letzteren gewidmete Raum unverhältnismäßig
groß erfchien, fo fällt eine derartige Erwägung jetzt hinweg
; denn was die nationale Literatur im 4. Jahrh. bietet,
tritt, mit den Leiftungen der chriftlichen verglichen, ftark
zurück. So liegt denn im vierten Bande mit gutem
Grunde der Nachdruck ganz auf der chriftlichen Literatur
, und wir dürfen uns der hingebenden Arbeit, die
Schanz ihr gewidmet hat, von Herzen freuen. Haben
wir doch kein Buch, das mit gleicher Sorgfalt, Umficht
und Genauigkeit alle wiffenfchaftlichen Fragen, auch die
abgelegenften, erörtert und von der an den Schrift-
ftellern geleifteten,Arbeit einen fo ficher und vollftändig
unterrichtenden Überblick gibt. Bardenhewers dritter
Band, der die gleiche Zeit behandeln wird, ift noch nicht
erfchienen. Er wird neben Schanz keinen ganz leichten
Stand haben.

Der die chriftliche Literatur behandelnde Abfchnitt
(S. 187—453 des Werkes) zerfällt fachgemäß in die beiden
Unterabteilungen Poefie und Profa. Leider ift — was wir
ähnlich fchon am dritten Bande rügen mußten — die allgemeine
Erörterung zum erften Abfchnitt wieder an den
Schluß gefetzt, was u.a. zur Folge hat, daß man erft, nachdem
man alle Dichter an fich hat vorüberziehen fehen,
erfährt, daß es zwei allgemeine Werke über die chriftliche
Poefie der Zeit (Manitius und Poizat) gibt. Unterabteilungen
find nicht gemacht. Behandelt werden die
anonymen Dichter (Landes Domini, Sodoma, de Iona),
Juvencus, Damafus, Proba und andere Centodichter, In-
vektivendichter und Polemiker, Hilarius von Poitiers,
Ambrofius, Prudentius, Paulin von Nola. Auch in dem
von den Profaikern handelnden Abfchnitt fehlen Unterabteilungen
: Hilarius, Lucifer, Luciferianer, Antiarianer,
Arianer, Ambrofius, die Verfaffer von Briefen und Predigten
, Pacian, Priscillian, Donatiften, Optatus, Philaftrius,
die Autoren von Wallfahrtsberichten und Befchreiber des
hl. Landes, Niceta von Remefiana, Rufin und andere
Überfetzer, Hieronymus folgen einander in bunter Reihe.
Bei den hervorragenderen Schriftftellern ift der Biographie
und der Befprechung der Schriften eine Charak-
teriftik und ein Abfchnitt über ihr /Fortleben' beigefügt.
Angefichts der rein äußerlichen Aneinanderreihung der
einzelnen Autoren hat es keinen Zweck, darüber zu
ftreiten, daß Ambrofius und Hieronymus diefem Bande,
Auguftin dem nächften zugewiefen ift. Unferer Auf-
faffung hätte es beffer entfprochen, wenn die Darftellung
Auguftins den Höhepunkt diefes Bandes gebildet hätte,
und der nächfte mit der nachauguftinifchen Literatur eröffnet
worden wäre.

Ein paar Notizen über Einzelheiten follen nur zeigen,
daß Ref. dem Verf. gerne und mit Aufmerkfamkeit gefolgt
ift. Zum pfeudotertullianifchen Gedicht gegen
Marcion äußert fich Schanz (§ 860) merkwürdig zurückhaltend
. Zwar für das 3. Jahrh. tritt er ein; der Herkunft
aus Afrika fcheint er noch fkeptifch gegenüber zu
ftehen; gegen die Autorfchaft Commodians (Waitz) macht
er die abweichende Verskunft geltend. Zu Prudentius