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Ausgabe:

1904 Nr. 14

Spalte:

409-411

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lombard, Alfred

Titel/Untertitel:

Constantin V, Empereur des Romains (740-775) 1904

Rezensent:

Meyer, Ph. L.

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409 Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 14. 410

udfrert und notiere zu der Zeile Joh. 12, 27.^ 101, 3 1.
dsiUctv ft. öüliav, 101, 7 wohl yuayuivov ft. diu. 101, 18
find die Punkte hinter 'lovöainv und ötiXiä durch Komieinen
Landsleuten erfahren hat. Nach den Byzantinern
ift Konftantin Kopronymos ja mehr oder weniger ein
Scheufal in ethifcher und religiöfer Beziehung gewefen. Es

mata zu erfetzen; die Worte Z. 16 avd-Qcojiov bis Z. 18 : erweckt ein günftiges Vorurteil für den Verfaffer, daß er nun
txuafreia find als Kinfchub des Predigers in die fingierte 1 nicht in das Gegenteil eines übertriebenen Lobens verfällt.
Chriftusrede zu markieren. 102, 2 ift 'Iva vor Ifti unhalt- Mit Scharffinn und Vorficht verfteht er den Schriften der
bar, einfach zu ftreichen, der mit eöwn&?] Z. 3 endende ' Gegner desKaifers mancheZugeftändniffezudeffenGunften
Satz ift rhetorifche Frage. 102, 21 ift hinter ßaOtXtvq ein
Komma einzufchieben und zu Z. 8 f. Joh. 12,27 zu vermerken
zu entnehmen. Mit Recht wird auch auf die begeifterte
Verehrung hingewiefen, die Konftantin bei feinen Anhängern
und namentlich bei dem Heere genoß. So kann
Die Predigt gewinnt noch dadurch an Intereffe, daß i es denn von ihm heißen: brillant, heureux, autoritaire,
ein Pfeudochryfoftomus fie gründlich ausgefchrieben hat; ' ardent, ne supportant pas d'Opposition; avcc cela mine
ihren Hauptwert bezeichnet Holl zutreffend dahin, daß ' par la maladte et inquiete par des scrupides religieux,
fie eine fefte Brücke zwifchen den Fragmenten des Am- objet pour les uns d'execration, pour les autres denthou-
philochius und feinen Predigten fchlägt und die Echtheit j siasme, regarde par tout le peuple avec crainte et super-

der Predigten endgiltig fichert

Möchten in der Art wie hier Holl es getan, die pa-
triftifchen Studien von unfern Theologen häufiger betrieben
werden, trotz des peinlichften Intereffes auch für das
Kleine, in großem Stil, die Überrede und die Perfonen in
große geiftige Zufammenhänge eingeordnet, dann würde
der Ruf der Langweiligkeit, in dem diefe Bücher flehen,
fchwinden. Allerdings find nicht alle Objekte aus dem
fpäteren Altertum, die monographifcher Bearbeitung dringend
bedürfen, fo ergiebig für Gefchichte der Kirche, der
Exegefe, des Dogmas wie jener redegewandte und bibeltreue
Kappadozier um 380. Schon in der Wahl des
Themas hat Holl eine glückliche Hand gehabt, die AuS'

stition (20).

Die Kapitel 3—5 übergehen wir, da fie nur von der
äußeren Politik und zwar von den Kriegen mit den umgebenden
Völkern handeln. Dagegen zieht Kap. 6 wieder
das theologifche Intereffe an. Es handelt von der Politik
des Kaifers gegenüber Rom, den Langobarden und den
Franken. Fällt doch in Konftantins Zeit gerade der
weltgefchichtliche Schritt des Papftes Stephanus II., den
Franken Pipin um Hilfe anzurufen. Es erhebt fich die
Frage: Konnten die Byzantiner nicht den Verluft ihrer
wertvollen Befitztümer in Italien hindern? Verfaffer legt
die Verhandlungen zwifchen Papft und Kaifer dar, hält
es für nicht möglich, daß der letztere zur rechten Zeit

geftaltung, die er ihm gab, wird, falls es nötig fein follte, mit Gewalt in Italien eingreifen konnte, da er nament-
beweifen, daß er der theologifchen Doktorwürde, für lieh gegen die Bulgaren engagiert war. Er weift aber
deren Verleihung er der Berliner Fakultät mit diefem ! auch mit Recht darauf hin, daß die Macht des Hellenis-

Werke feinen Dank ausfprechen will, nicht unwert war.
Marburg. Ad. Jülicher.

Lombard, Lic. Alfred, Constantin V, Empereur des Romains
(740—775): Ftudes d'histoire byzantine. Avec
une preface de Ch. Diehl. (Universite de Paris. Biblio-
theque de la faculte' des lettres. XVI.) Paris 1902,
F. Alcan. (V, 175 S. Lex. 8.) Fr. 6.—

Die vorliegende Arbeit gehört ebenfowoh'l in die
Kirchen-als in die Profangefchichte. Und das mit Recht, bemüht fich Verfaffer, "auch hier nicht Wllein ftaatsmän

mus, der feit den Tagen des Heraklios das byzantinifche
Reich zur Konzentration hinzog, auch hier wefentlich
den Grund für die Schwäche gab, mit der der Kaifer
fich in Italien bemühte. Bezeichnend ift es ja auch, daß
die byzantinifche Literatur die Zeit diefer Verlufte im
Abendlande mit Stillfchweigen übergeht.

Verfaffer führt den Lefer nun zur inneren Politik des
Kaifers. Zentralifierung der Staatsgewalt und Hebung
der ackerbautreibenden und überhaupt der niederen Bevölkerung
ift hier Konftantins vom Vater übernommenes
Ziel. Daher die Gefetzgebung der Ekloge etc. Sorgfam

Es ift fo, wie der Verfaffer fagt: Le jugement que Von
portera sur Constantin V dependra toujours de Fopinion
qtCon se sera faite sur la question des Images et sur celle
des moines (S. 169). Es darf im Voraus bemerkt werden
, daß Verfaffer ein wefentlich günftiges Bild von
feinem Helden zeichnet. Mich dünkt, mit Recht.

Im erften Kapitel hören wir von den Quellen, die
benutzt find. Es fcheint, daß neue zu den bekannten
nicht hinzugekommen find. Theophanes und das Bre-
viarium des Nikephoros fowie eine Reihe von Heiligenleben
find die hiftorifchen Dokumente, auf die Verfaffer
namentlich fich ftützt. Unter den Abhandlungen treten
namentlich die Antirrhetici desfelben Nikephoros bedeutungsvoll
heraus. Vielleicht hätte es fich der Mühe
verlohnt, neue Quellen heranzuziehen. Gerade die Zeit
der bilderfeindlichen Kaifer ift von den Byzantinern mit
großer Einfeitigkeit behandelt. Umfo mehr müßte
verfucht werden, eine breitere Bafis zu finden. Man erkennt
nicht, ob Verfaffer die von Ehrhard bei Krumbacher
, Gefch. der Byzant. Literatur 1897 S. 72 genannte
unedierte Schrift des Nikephoros benutzt hat. Ganz

nifche, fondern auch ethifche Ideen als treibende Motive
aufzuweifen. Namentlich in der Ehegefetzgebung.

Die beiden letzten Kapitel handeln nun von den
Bilderftreitigkeiten. Sie bilden die Spitze des mit Kunft
gefchriebenen Werkes. Die Auffaffung des Verfaffers
von der Sache dürfen wir dahin ausdrücken, daß der
Kaifer den Kampf gegen die Bilder keineswegs vornehmlich
im Staatsintereffe unternommen hat. Vielmehr
war es feine Abficht, auf dem religiöfen Gebiet
in gleicher Höhe zu reformieren, wie auf dem ftaat-
lichen. Daß fpäter im Verlaufe des Kampfes das Intereffe
des Staates hinzukam, verfteht fich von felbft.
Können wir die Einzelheiten der Darfteilung auch hier
nicht geben, fo wenigftens einige Hauptgedanken Des
Kaifers Familie flammte aus paulizianifchen Kreifen.
Die Gedanken der Bilderfeindfchaft lagen ihm alfo von
vornherein nicht fern. Ein Recht hatte er als pretre-roi,
ja auch die Pflicht, wenn nötig, in die kirchlichen Ver-
hältniffe einzugreifen. Er befaß auch die Bildung dazu,
denn er war keineswegs nur ein Soldatenkaifer; trat er
doch felbft in dem Bilderftreit als theologifcher Schrift-

ohne Zweifel aber würden die handfehriftlichen Kataloge i fteller auf, und er wird als folcher von Nikephoros benamentlich
der orientalifchen Bibliotheken noch eine kämpft. Daß die bilderftürmenden Kaifer überhaupt an
Reihe von Schriften darbieten, die für unfern Zweck 1 jüdifche oder Gedanken des Islam anknüpften, hält Ver-
iioch nicht herangezogen find. Übrigens muß dem Ver- faffer für unwahrfcheinlich. Denn das erfte hätte bei der
taiier das Zeugnis gegeben werden, daß er in die be- 1 Verachtung der Juden ihren Plänen nur gefchadet Dem
kannte Literatur fich ernftlich vertieft hat. j Islam aber kam die Kirche dadurch nicht näher denn

Im zweiten Kapitel wendet fich der Verfaffer zu- außer der Bilderfrage trennten fie noch viele Dogmen
nachft^im^ allpmeinen ^Überblick gegen die fehr un- wie z. B. die Trinitätslehre. Die Mönche wollte Konftantin
mit dem Kampfe gegen die Bilder von vorn-

günftige Beurteilung, die der Kaifer namentlich von