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Ausgabe:

1904

Spalte:

18-20

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Zetterstéen, K. V.

Titel/Untertitel:

Beiträge zur Kenntnis der religiösen Dichtung Balai‘s 1904

Rezensent:

Ryssel, Viktor

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 1.

Aber der Verfaffer hat fich nicht mit den forgfältigen I Wiffenfchaft ift übrigens eine noch weiter gehende Diffe-

Reproduktionen — die Hälfte ift farbig; Photographien
zu nehmen, war wohl nicht überall möglich; die Aquarelle
hat neben den Vorzügen auch Schattenfeiten — begnügt,
die unzähligen Irrtümern, die aus früheren falfchen Abbildungen
genoffen find, ein Ende machen; er hat die
Bilder, ausgerüftet mit allen technifchen und antiquarifchen
Vorkenntniffen, ftudiert und fie nicht nur aufs genauefte
— felbft das geringfte Detail beachtend — befchrieben,
fondern auch mit wahrhaft hiftorifchem Geifte durchdrungen
.

Eine doppelte Frucht ift ihm und uns daraus er-

renzierung kaum von Belang.

In 24 Kapiteln hat der Verf. feinen Stoff zerlegt, den
er ohne Pedanterie, aber erfchöpfend vorführt in lebendiger
und anziehender Darfteilung, die uns all den Staub,
alle Widerwätigkeiten der Arbeit und den immenfen FleiD
vergeffen läßt. Das I. Buch (12 Kapitel) bringt die ^Ii-
gemeinen Unterfuchungen' und handelt (1) von der Technik
der cömeterialen Gemälde, (2) von der cömeterialen
Malerei in ihrem Verhältnis zu den heidnifchen Wandmalereien
, (3) von der Gewandung auf den Katakombenmalereien
, (4) von der Bart- und Haartracht. Im 5. Kapitel

wachfen. Erltlich um die Prinzipien und Gefichtspunkte, | wird die wichtige Frage behandelt: .Enthalten die Kata-

nach denen die Katakomben-Gemälde zu verliehen find,
ill nun nicht mehr zu ftreiten. Welch' eine Laft dogmatischer
und romantifcher Vorurteile hat urfprünglich auf
der Erklärung diefer Bilder gelaftet! In welchem Maße
ftand doch noch felbft der große Meifter, de Roffi,
unter diefen Vorurteilen, obgleich grade er fo Vieles für
ihre Befeitigung getan hat! Proteftantifche Forfcher
haben zuerft die entfcheidenden Schritte getan, um zu
voller Klarheit zu gelangen; Unficherheiten blieben jedoch
übrig und Überftürzungen fehlten auch nicht. Aber allmählich
erwuchs auch hier der saisus veri et simplicis, und
nun hat Wilpert, auf ein Material geftützt, wie es keiner
vor ihm befeffen hat, die Aufgabe zu Ende geführt. Sicher
gilt das von allen Hauptpunkten. .Konfeffionelle'
Kontroverfen kann es in Zukunft auf dem Gebiet der Er-

kombenmalereien Porträts?' Die Frage wird in jeder Beziehung
, völlig einleuchtend, verneint. Auch der kleine
pofitive Reft, der bei Petrus übrig bleibt, ift kaum ein
folcher. Das 7. Kapitel bringt die chronologifchen Kriterien
, das 8. handelt vom künftlerifchen Wert der
Malereien (fehr befonnen), das 9. bringt die Grundregeln
zur Auslegung der religiöfen Darftellungen, das 10. handelt
von den Bilderzyklen des 2., 3. und 4. Jahrhunderts, und
des 11. und 12. fchildern den Zuftand der Malereien und
ihre bisherigen Vervielfältigungen. Das II. Buch (12 Kapitel
) ift der Erforfchung des Inhalts der Katakombenmalereien
gewidmet (13: die chriftologifchen Gemälde,
14 und 15: die Darftellungen der Taufe und Euchariftie,
16: die Darftellungen, welche den Glauben an die Auf-
erftehung ausdrücken, 17: die Darftellungen, die fich auf

klärung der Katakombenbilder kaum mehr — ich darf Tod und Sünde beziehen, 18: die Darftellungen, welche

vielleicht fagen: nicht mehr — geben. Die Wiffenfchaft

die Bitte um den Beiftand Gottes für die Seele des Verweiß
jetzt, wie fie diefe Bilder zu interpretieren und zu ftorbenen ausdrücken, 19: die Darftellungen des Gerichts,
würdigen hat. Überall, bei der Interpretation des einzelnen 20: die Darftellungen, welche die Bitte um Zulaffung des
Bildes und bei den notwendigen Verallgemeinerungen, l Verftorbenen in die ewige Seligkeit ausdrücken, 21: die
zeigt der Verfaffer die gleiche Befonnenheit, Umficht und ] Darftellungen von Verftorbenen in der Seligkeit, 22: die
Vorurteilslofigkeit. Man kann vielleichtbei diefer oder jener 1 Darftellungen von Heiligen, 23: die Totenmahle, 24: die
Einzeldarftellung anderer Meinung fein, aber man hat Darftellungen aus dem Handwerk und Gewerbe). Zwei
nicht mehr mit /Tendenzen' zu kämpfen, fondern muß große Beilagen bilden den Befchluß: (1) die mit Malereien
beffere Gründe wohlerwogenen Urteilen entgegenfetzen. 1 gefchmückten Grabftätten nach den einzelnen Katakom-
Die zweite Frucht ift vielleicht nicht geringer anzu- ! ben Roms, (2) Chronologifche Reihenfolge fämtlicher mit

Malereien gefchmückter Grabftätten in den Katakomben
Roms.

Daß das Werk mit einer ausgezeichneten Kenntnis der
einfchlagenden altchriftlichen Literatur, die ftets verglichen
ift, gefchrieben ift, braucht nicht erft gefagt zu werden. —
Die eine Hälfte der Arbeit ift nun getan. Wer fchafft
uns ein ähnliches Werk für die außerrömifchen altchriftlichen
Malereien? Wer läßt diefe Farben noch einmal
leuchten, bevor fie auf immer verfchwinden? Wir hoffen
auf Wilpert felbft, da ein zweiter Wilpert nicht leicht
gefunden werden wird.

Berlin. A. Harnack.

fchlagen: Wilpert hat in die Chronologie der Katakombenmalereien
eine größere Sicherheit gebracht
, als wir fie bisher befaßen. In dem 7. Kapitel
des 1. Buchs hat er die Kriterien zur Altersbeftimmung
der Malereien vorfichtig und lichtvoll zufammengeftellt
und Rechenfchaft über die Kunft gegeben, fie auf die
hervorragendften Darftellungen anzuwenden. Über die
,Kunft' — denn es bleibt eine Kunft. Wo nicht durch
einen Glücksfall direkte chronologifche Anhaltspunkte
gegeben find, da muß die Zeitbeftimmung durch eine
Fülle von Einzelbeobachtungen gefunden werden, und
dann entfcheidet doch noch häufig die Kunft der Zu-
fammenfchau und der künftlerifche Blick des gefchulten
Archäologen, weil ein chronologifcher Syllogismus fich
nicht aufftellen läßt. Indeffen hat doch Wilpert eine Zettersteen, K. V., Beitrage zur Kenntnis der religiösen
ganze Reihe wirklich objektiver Merkmale aufweifen Dichtung Balai S. Nach den fyrifchen Handfchriften des
können, und hat auch jedes fo zu fagen feinen Schatten Britifchen Mufeums, der Bibliotheque Nationale zu
von Unficherheit — wo fie zufammenfallen da läßt fich paris und der Königlichen Bibliothek zu Berlin her-

doch ein beftimmter Zeitraum mit hoher Wahrfcheinlich- u j l r 4. •. t • , ,„ , , .

wwi v.111 lÄiuium«.! ...... . „ c ,. .... ausgegeben und uberfetzt. Leipzig iq02, 1 C Hinnchs'

keit abgrenzen. Mit Skeptizismus in Bezug auf die Mog- I c , s 5 , . .... . v ° ' *' V*^"»"*"U!

lichkeit, zwifchenKatakomben-Ausftattung(undKatakom- j fche Buchh- (IV> 52 u. 5° i>. 4.) M. 12.—

ben-Malereien) des Zeitraums c. 90—150 und des Zeit- Über die Gedichte des fyrifchen Kirchenliederdichters

raums c. 150—220 unterfcheiden zu können, habe ich j Balai war man bisher hauptfächlich durch die Textpu-
unter freundlicher Führung des Verfaffers und Hrn. j blikation von Overbeck (S. Ephraemi Syri, Rabulae Balaci
Baumftark's im Frühling vorigen Jahres einigeKatakom- , aliorumque Opera selecta, Oxonii 1865) und durch die
ben-Kammern berichtigt — ihre Nachweifungen und nun 1 Überfetzung diefer Dichtungen von Bickell (Ausgewählte
Wilpert's Werk haben mich belehrt, daß man wirklich ; Gedichteder fyrifchenKirchenväterCyrillonas, Baläus, Ifaak
mit Fug eine folche Unterfcheidung machen darf, weil von Antiochien und Jakob von Sarug, Kempten,' 1872)
man fle fehen kann. Auch ein Kenner wie Hr. Mau unterrichtet. Auch hatte Bickell feiner Überfetzung eine
ftimmt dem Verf. in Bezug auf die Kriterien zur Feft- ■, ,Einleitung über Leben und Schriften des Baläus' bei-
ftellung der älteften Katakomben-Anlagen bei. Noch ] gegeben. Es ift wenig genug, was man aus den Werken
detailliertereUnterfcheidungenalsc.90—isoundc. 150—220 des Balai felber und gelegentlichen Notizen fyrifchcr
glaubt das gefchulte Auge Wilpert's erkennen zu dürfen, j Schriftfteller und Handfchriften über feine Perfönlichkeit
Ich wage nicht fie zu beftreiten; für die gefchichtliche | und fein Zeitalter eruieren kann: daß er im 5. Jahrh. als