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Ausgabe:

1904 Nr. 1

Spalte:

12-15

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Feine, Paul

Titel/Untertitel:

Jesus Christus und Paulus 1904

Rezensent:

Clemen, Carl

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 1.

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geregt wurde und von der bisher fünf Bände *) erfchienen
find, in's Stocken geraten ift, muß jede Gabe willkommen
fein, welche die Lücke ausfüllen hilft und die vollfländigere
Kenntnis der Bibelexegefe Saadja's ermöglicht. Die gegenwärtige
Schrift, eine Göttinger Doktordissertation, fchließt
fich den früheren Differtationen an, in denen Teile von
Saadja's Überfetzung und Kommentar zu den Pfalmen
zugänglich gemacht wurden. Der Verfaffer zählt S. 7,
Anm. 1 feine Vorgänger auf, vergißt aber Th. Hofmann
zu nennen, der im Programm des kgl. Gymnafiums zu
Ehringen (1891) die korachitifchen Pfalmen (42—49) ediert
hat. Zu den vom Verfaffer gewählten Pfalmen erhalten
wir den Text auf Grund der Münchener und Berliner
Handfchriften; er verfährt eklektifch, indem er bei abweichenden
Lesarten die eine in den Text aufnimmt, die
andere in den Noten verzeichnet, in denen er auch die
Varianten der ihm nur in den Auszügen von Ewald und
Schnurrer vorliegenden Oxforder Handfchrift angibt. So
hat der Verf. einen leferlichen und korrekten Text her-
geftellt, wenn auch hie und da die in die Noten geftellte
Variante vor der in den Text aufgenommenen den Vorzug
verdient hätte (z. B. Pf. 114, V. 2). Von den Fehlern,
die der arabifche Text — für den die hebräifche Schrift
der Manufkripte beibehalten ift — enthält, ift ein Teil als
Druckverfehen zu entfchuldigen. S. VI, Z. 8 1. 553 ft. Xtt;

ib. Z. 12, 1. inSi ft. "nöPs S. X, Z. 14, l. iw'üy ft. x^'u»;

S. XII, Z. 9 1. i-mm 3X ft. rrnmb«; ebenfo muß S. XXIV,
Z. 6 und S. XXV, Z. 12 biXIOXbX in zwei Worte getrennt
werden, wie es S. XIII, Z. 9 richtig gefchehen ift. (Die
Bemerkung zu diefer Stelle, S. 39 Anm. 8, ift unrichtig,
da Saadja mit bX-nZT bx nicht ein fupponiertes bX"!©"1 PPS
überfetzt, fondern auch fonft, wo der Bibeltext den Namen
Israel als Bezeichnung der Volkseinheit darbietet, dafür
bX"!©-" 3X fetzt, f. z. B. feine Überfetzung zu Exod. 19, 2;
Num. 24, 1). S. XV, Z. 3, das Tefchdid über dem 1 von
^31»2 ift zu ftreichen, ebenfo das über dem b in xnbü,
S. XXI, Z. 4; S. XVI, Z. 6, vor px erh. ifi; ib. Z. 7 1. IX
ftatt 1« (vgl. unten); S. XXII, Z. 8, 1. h3KB ft. h3X 1B; S.

xxiv, vorl. z., l an ft. San.

Die Sorgfalt, mit der Lauterbach den Saadja-Text
ediert hat, verdient unbedingte Anerkennung; umfomehr
ift die Mangelhaftigkeit der deutfchen Überfetzung zu
rügen, die er dem arabifchen Texte im Hauptteile feiner
Arbeit (S. 16—67) beigegeben hat. Zunächft muß bean-
ftandet werden, daß die Überfetzung, welche nur dann
ihren Wert hätte, wenn fie die arabifche Überfetzung
Saadja's mit allen ihren Nuancen wiedergäbe, durchaus
nicht diefem Zwecke entfpricht. Eine befonders wichtige
Eigentümlichkeit der Bibelüberfetzung Saadja's liegt darin,
daß er mit dem Bibeltext, ohne Rückficht auf die Versabteilung
frei verfährt und die zu einander gehörigen Bibel-
verfe in der arabifchen Übertragung fyntaktifch mit einander
verknüpft. Der Verf. erkennt dies zumeift und
überfetzt auch demnach; aber er fchädigt den Sinn feiner
deutfchen Wiedergabe des Saadja-Textes dadurch, daß er
nach jedem mafforetifchen Verse einen Punkt fetzt und
fo äußerlich das zu einander Gehörige trennt. S. z. B. die
Überf. zu Pf. 119, 13-16 (S. 46), wo, abgefehen von dem
Hörenden Punkte nach jedem Verfe, richtig überfetzt ift;
aber die Conjunction B, die S. dem erften Worte des
V. 17 vorfetzt, um die Kitte des Pfalmiften dem Vorhergehenden
anzufügen, ift in der deutfchen Überfetzung
nicht berückfichtigt. An manchen Stellen überfetzt der
Verf. nicht Saadja's arabifche Überfetzung, fondern den
hebräifchen Text. In PL 110, V. 6 giebt Saadja ©Xl mit
dem Plural wieder und knüpft daran den Anfang von
V. 7, alfo: ,die Häuptlinge, die aus dem Bache tranken'.
L. aber überfetzt den Wortlaut des hebräifchen Textes:

1) Oeuvres completes de R. Saadia. Vol. I, Penateuque, 1893; Vol.
III, Isaie, 1896; Vol. V. Job, 1899; Vol. VI. Proverbes, 1894; Vol. IX,
Halachifche Schriften, 1897. Die ganze Ausgabe (bei Ernest Leroux,
Paris) ift auf zehn Bände berechnet.

,den Häuptling, der . . . trank'. In Pf. 113, V. 4 überf.
S. rPB©X, das ihm als Plural des Mifchnawortes HB©X gilt, mit
dem Plural; die deutfche Überfetzung bietet den Singular.

An einer erheblichen Anzahl von Stellen hat der
Verfaffer den arabifchen Text ganz unrichtig verftanden
und dadurch eine finnlofe oder unrichtige Überfetzung
zu Stande gebracht. Einige derfelben feien hervorgehoben.
In Pf. 108, V. IO überfetzt S. die erften drei Worte frei:
,Von Moab die Heizer meines Bades'. Im Deutfchen
I (S. 23) fleht dafür: ,Und aus Moab macht er Brennftoff
für mein warmes Bad'. — In Pf. 109, V. 24 überf. S. J©©t3
mit inibs ftt, d. h.,von der Anftrengung'. Im Deutfchen
(S. 27): ,ohne Kraft'. — Auf S. 45 heißt es in der Überfetzung
des Kommentars zu 118, 22: ,oder jeder Menfch
überhaupt, wenn er fich mit feinem Beleidiger ausformt'.
Dem entfpricht im arabifchen Original (S. XVI, Z. 7):
DXSbX 13» XlTftbX nbx»1» in» b» 1«, d. h. ,oder jeder Gottesdiener
oder Fromme — vgl. S.XXIII, Z. 14: nbx»bx 12»bx —,
der bei den Menfchen verachtet ift'. Um feine fonderbare
Überfetzung zu erzielen, mußte L. ftatt IX lefen JX ('in)
und nbxs (d. h. sälih) für ein Verbum anfehen. — In

Pf. H9.V.98 umfchreibtS. rriX» durch: iiXl»X2 3nn Xttttl,
d. h. ,und durch das, was du über meine Feinde kommen

läßeft'; in der Überfetzung (S. 53) ift verkannt, daß bnn
zweite Perfon ift. — Ib. V. 150 überfetzt S. JfaT mit X1X2,

d. h. ,mit Schädigung' (^Sb)* mit fchädigender Abficht.

Zu der Überfetzung ,Unrecht tuend' (S. 58) weift die Anmerkungauf
einVerbum ,jb, dasRechtüberfchreiten'hin,das
überhaupt nicht exiftiert. — In der kurzen Nachbemerkung
zu Pf. 119, fagt S., diefer Pfalm zeige, wie die Frommen
zu handeln haben, damit fie die Worte des Pfalmes auch
von fich ausfagen können und damit die Wahrheit fprechen.
Das Schlußwort diefer Bemerkung jlpixy. [SftlJ verwechfelt
der Verf. mit dem hebr. p"H£ und überfetzt es mit, ,als
Gerechte'.

In den ziemlich ausführlichen Anmerkungen zur
Überfetzung hat der Verf. viel nützliches Material zu-
fammengetragen und die Auffaffung Saadja's vom Bibeltexte
oft gut beleuchtet. In der Einleitung (S. 5—15) ift
das exegetifche Verfahren Saadja's gekennzeichnet. Die
Zufammentragung der Stellen, an denen die Überfetzung
Saadja's einen von der mafforetifchen Lefung abweichenden
Text vermuten läßt (S. 11 f.), war überflüßig, da der
I Verfaffer felbft fchließlich die fcheinbaren Abweichungen
! auf richtige Weife von der freien Überfetzungsmethode
' Saadja's herleitet. Hervorgehoben zu werden verdient
aus der Einleitung (f. auch S. 24) der Nachweis, daß
j Saadja in feiner Schriftauslegung auch die 32 Regeln des
I R. Eliefer b. Jofe Ha-Gelili benützt hat. — Zu S. 14 ift
nachzutragen die Überfetzung von "Pb©i, Pf. 122, 6, mit
arab. "ibD — S. 17, Z. 12 fcheint ,Banden' verfchrieben
zu fein aus ,Leiden'; denn damit foll arab. 2X1»X (= hebr.
13») überfetzt fein.

Budapeft. W. Bacher.

Feine, Prof. D. Paul, Jesus Christus und Paulus. Leipzig
1902, J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. (VIII, 309 S.
gr. 8.) M. 6.— ; geb. M. 7.—

Es find im Grunde drei verfchiedne, wenngleich eng
mit einander zufammenhängende Fragen, die unter diefem
Titel behandelt werden: wie urteilt Paulus felbft über feine
| Abhängigkeit von Jefus, wo benutzt er Worte von ihm
i und wie verhält fich feine Lehre zu der Jefu? F. widmet
nur der erften und letzten diefer Fragen einen befon-
dern Abfchnitt; die zweite wird bei Gelgenheit nebenher
erledigt.

Wie Paulus felbft über feine Abhängigkeit von Jefus
geurteilt habe, foll durch eine eingehende Unterfuchung
der Namen, die er ihm gibt, entfchieden werden. F.