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Ausgabe:

1904 Nr. 11

Spalte:

322-324

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmidt, Karl (Hrsg.)

Titel/Untertitel:

Acta Pauli. Aus der Heidelberger koptischen Papyrushandschrift Nr. I. hrsg 1904

Rezensent:

Harnack, Adolf

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 11.

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feinen Emanationen (S. 46—63); 2. Anthropologie der K.:
rfychologie und Ethik (S. 63—80); 3. Magie der K.:
Buchftabenmyftik und praktifche Kabbalah (S. 81—108).
Daß der dritte Abfchnitt eigentlich nicht unter die Über-
fchrift: Die Lehre der Kabbalah gehört, gibt der Ver-
faffer in § 204 felbft zu. Es wäre richtiger gewefen,
diefen Abfchnitt unter der längft feftftehenden Benennung
.Praktifche Kabbalah' von der theoretifchen K. abzuändern
. Die erften zwei Teile unteres Katechismus der
Kabbalah (I. Wefen und Urfprung der Kabbalah, S. 1— 6;
II. Die Gefchichte der Kabbalah, S. 7—44) geben kein
deutliches Bild von der Entftehung und der Entwickelung
der jüdifchen Geheimlehre; wer fich darüber belehren
will, wird Befferes finden in Ph. Blochs (übrigens auch
von Bifchoff benützter) Darfteilung (Winter und Wünfche,
Die jüdifche Literatur, III, 219fr.) und in dem Artikel
,Cabala' von Louis Ginzberg im III. Bande der lewish
Encyclopedia. Es ift auch nicht ganz korrekt, daß auch
die früheren Stadien der jüdifchen Myftik als Kabbalah
und Kabbaliftik bezeichnet find, während von einer folchen
erft vom 13. Jahrhundert an die Rede fein kann1.

Einzelheiten feien in Folgendem berichtigt. S. 2.
R. Ismael b. Elifa lebte nicht ,um 130 n. Chr.', da diefes j
Datum als das feines Todes genannt werden muß. — S. 3.
Die Ideen des Talmud über die Hölle gehören nicht zur
.Dämonologie'. — S. 8, vorl. Zeile. Statt ,kosmologifch'
L kosmogonifch. — S. 12. Daß .Manche den Gaon
Saadja für den Autor des Jezirah-Buches halten', ift mir
nicht bekannt. Eine folche Abfurdität ift wohl auch noch j
Niemandem ernft in den Sinn gekommen. — S. 13. Jehuda j
b. Samuel Ha-Chafid kann nicht als Vertreter der '
deutfchen Myftik gelten, fowie auch der Auszug aus dem
.Buche der Frommen' (S. 109) nicht hieher gehört. —
S. 14. St. .Maamrim' 1. .Maamaroth'. — S. 17. .Gematria'
hat mit ysmfiitqUx nichts zu tun (f. meine Schrift: Die
ältefte Terminologie, S. 127). — Ib. Anm. 2. L.: Rokeach.

— S. 19. St. Ziruph 1. Zeruph (SplS). — Ib. St. ,Thet' 1. Thäw. I

— S. 20. St. r-DJ 1. nai. — S. 27. St. .Rekanate' 1. Recanati ,
(es ift der Geburtsort Leopardis). — S. 28, letzte Zeile, t
St. ,kewanah' L kawwanah. — S. 31 St. .maamroth' 1.
maamaroth. — Ib. St., Eröffnung' 1. Eröffnen — S. 32. Bei |
Jefaja Horwitz fleht die Jahreszahl ,1517', ftatt 1570—1630. ;

— S. 33. Jakob Emden war nicht .Rabbiner' in Altona.

— S. 37 lefen wir, daß Reuchlin fein Studium des Hebrä-
ifchen ,bei Leone da Modena' begonnen habe. Auch im
Anhange, S. 117, heißt es, daß Reuchlin ,1490 wieder nach
Italien kam und bei Leone da Modena das Hebräifche
lernte'. Es ift das ein unbegreiflicher Lapfus, da Leone i
da Modena 1649 ftarb. Hier fcheint ein Gedächtnis-
verfehen dem Verfaffer den fpätern Rabbiner von Venedig
an die Stelle Obadja Sfornos in die Feder gebracht zu
haben. Aber Obadja Sforno war Reuchlins zweiter
Lehrer im Hebräifchen; fein erfter Lehrer war Jakob
Loans (f. Grätz, Gefchichte der Juden IX, 91, 94). Auch
in Bezug auf diefen muß die Angabe auf S. 117 berichtigt
werden. — S. 40. Den .Chafidäismus (richtiger: Chafidis- j
mus) als ,Ultra-Orthodoxie' zu bezeichnen, ift nicht fachgemäß
; denn in mancher Beziehung ift der Chafidismus
ein Abgehen von der Orthodoxie. — S. 41. Weffely hieß
nicht Naphtali ,Herfch', fondern N. Herz (auch Hartwig).

— Ib., vorletzte Zeile. St. ^lahijjim' Veloliijjim; (t.,be-ihre'
beikkere. — S. 51. Das Zitat in § 107 ift mit geringen
Änderungen Bloch (S. 261) entnommen. Eine diefer
Änderungen ändert auch den Sinn. Wenn es bei Bloch
heißt, daß die Sephiroth ,die Kraft zum Vollkommenen
und die Kraft zum Mangelhaften bilden', fetzt Bifchoff
zum Nachteile des Sinnes ,in fich fchließen' an die Stelle
von .bilden'. — S. 74 und 75 ift das hebr. Wort ,Ibbur'
unrichtigerweife als Femininum gebraucht, weil es mit

1) Darum muß es auch als Verfloß gegen den richtigen Sprachgebrauch
beanftandet werden, wenn Prof. Freudenthal (Spinoza. Sein
' Leben und feine Lehre, I, 6) von Abraham ibn Esra ausfegt, daß er
.nüchterne Bibelkritik mit kabbaliflifchen Torheiten' verband.

i einem weiblichen deutfchen Hauptworte überfetzt ift; es
ift entweder als Masculinum oder als Neutrum zu gebrauchen
. — S. 85 Statt .Stein der Tiefe' muß es heißen:
| Stein der Gründung. — S. 113 St. .Meirath' 1. Mei'rath. —
| S. n8*St. .Tikune' 1. Tikkune.

Rühmend hervorgehoben feien die ,zum größten
Teil recht feltenen Originalen entflammenden Abbildungen
', welche in recht gefchickter Auswahl dem Texte
des fehr gefällig ausgestatteten Werkchens beigegeben
find: Amulette, Bildniffe von Gelehrten, Titelblätter
feltener Schriften, Figuren u. dgl. Es läßt fich, trotz der
hervorgehobenen Mängel, von ihm fagen, daß es — um
des Verfaffers eigene Worte zu gebrauchen — wenn
auch nicht alles, aber doch vieles .Wiffenswerte über die
Kabbalah kurz und dabei jedermann verftändlich' zu-
fammenftellt.

Budapeft. W. Bacher.

Acta Pauli. Aus der Heidelberger koptifchen Papyrus-
handfchrift Nr. 1 herausgegeben mit Unterftützung
des Großherzoglich Badifchen Minifteriums der Juftiz,
des Kultus und Unterrichts von Karl Schmidt.
Leipzig 1904, J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung.
(Tafelband: XII S. Typendr. u. 80 S. Fakfimile-
Lichtdr. 4.; Textband: Überfetzung, Unterfuchungen
und koptifcher Text: VIII, 240 u. 80 S. Lex. 8.)
Ausg. A: Text geh., Tafeln in Umfchlag M. 36.—
Ausg. B: Text in Halbfaff.Tafeln in Umfchlag M. 38.40
Ausg. C: Text u. Tafeln in Halbfaff., die Tafeln an

Fälze gehängt M. 42.—
Ausg. D: Text in Halbfaff, Tafeln in Leinenmappe

M. 41.—

Angefichts diefer Ausgabe könnte man eine inter-
effante Abhandlung fchreiben: ,Wie ein altchriftlich.es
Buch wiederentdeckt und wiederhergeftellt worden ift'.
In diefer Abhandlung würde Zahn mit befonderen Ehren
zu nennen fein; aber der Hauptruhm gebührt dem
Herausgeber Karl Schmidt. Er hat in einem Kon-
volut von c. 2000 Papyrusfetzen zu Heidelberg die kop-
tifche Überfetzung der Acta Pauli erkannt; er hat damit
die Hypothefe, daß die Acta Theclae, der falfche Brief-
wechfel Pauli mit den Korinthern und das Martyrium
Pauli Beftandteile der Acta Pauli feien, gerechtfertigt;
er hat endlich in jahrelanger mühfamfter Arbeit jene
Fetzen geordnet, lesbar gemacht, fie mit dem fonft Überlieferten
zufammengeftellt, überfetzt und fo zwar nicht
die vollftändigen Paulusakten wiederhergeftellt, aber das
Buch doch in folchem Umfange reftituiert, daß es nun
eine faßbare Größe geworden ift. Daß jene oben genannten
Stücke urfprünglich wirklich Teile des Buches
gewefen find, wird nun wohl nicht mehr bezweifelt
werden. Ich konnte, nachdem Schmidt feinen Fund vor
einigen Jahren fignalificrt hatte, auf Grund der pfeudo-
cyprianifchen ,Cacna' zeigen, daß früher auch andere
Taten des Paulus mit den Acta Theclae verbunden gewefen
find. Damit war bereits der urkundliche Beweis
erbracht, daß die Acta Theclae einft einem größeren
Ganzen angehört haben. Diefes größere Ganze, eben
die Acta Pauli, find uns nun zu einem beträchtlichen
Teile wiedergefchenkt.

Über die fprachliche (koptifche) Seite der großen
Arbeit vermag ich nicht zu urteilen; aber Schmidts
Bemühungen werden hier vorausfichtlich ebenfo zuver-
läffig fein wie die früheren, die koptifch-gnoftifchc Literatur
betreffenden. Daß in diefem Falle die Überfetzung
befondere dialektifche Eigentümlichkeiten aufwies, er-
fchwerte die Arbeit. Die Überfetzung mußte leider bei
dem traurigen Zuftande des Manufkripts recht viele
Zweifel und Fragezeichen flehen laffen. Das ,dies diem

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