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Ausgabe:

1904

Spalte:

10-12

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Lauterbach, J. Z.

Titel/Untertitel:

Saadja Al-fajjumi‘s arabische Psalmenübersetzung und Commentar (Psalm 107-124) 1904

Rezensent:

Bacher, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 1.

falfche LA. ift, mit Budde und mir namentlich in der
Annahme, daß der Ebed nur an den Heiden, aber
nicht an Israel wirkt.

Aber auch mit Duhm hat R. Verwandtes. Er
fchreibt nicht nur die Ebedftücke einem anderen Verf.
als Deuterojef. zu, fondern er hält fie auch für fpäter
eingefchoben in deffen Buch. Um diefe Thefe durchzuzuführen
, benimmt er ihren Umfang weiter als D., nämlich
auf 421—7. 491-13. 504-51 s. (außer 5010f.) 52 13—53, 12.
Es ift eben zu deutlich, daß 425-7. 497-13. 51 1-8 auf die
vorhergehenden Ebedftücke Bezug nehmen.

Durch diefe Anfetzung gewinnt Roy für die Ebedftücke
eine neue, bisher noch nicht ins Auge gefaßte
Erklärung. Sie beziehen fich auf die gefetzestreue, nach-
exilifche Gemeinde, welche denn auch 511,8 mit höchft
charakteriftifchen Prädikaten als Jahvefucher, Leute ,mit
Gottes Gefetz im Herzen1 u. f. w. belegt werden. So
vermeidet Roy die Kollifion mit den Äußerungen Deuterojef
, der das Exil gewöhnlich auf die Sünde Israels
zurückführt. Die fpätere Prieftertheokratie war, wie viele
Pfalmen zeigen, in ihren Augen unfchuldig, ihre Leiden
konnten auf die Sünden der Heiden zurückgeführt werden.
Hieraus wird denn auch der geiftliche Charakter des Ebed
erklärt, während Deuterojef. noch im Partikularismus befangen
erfcheine. Der Titel der Schrift ,Israel und die
Welt' dürfte nun klar fein. R. verfucht, die verfchiedenen
Löfungen diefes Problems beim Ebedjahviften und
Deuterojef. darzulegen, freilich nicht, ohne in eine gewiffe
Übertreibung zu verfallen, die ich fchon in meiner Schrift
zurückgewiefen hatte. Dieie ift R. erft bekannt geworden,
nachdem feine Abhandlung in Druck gegeben war. Er
hat ihr am Schluß einige Exkurfe gewidmet.

Man wird es mir nicht verargen, wenn ich inbezug
auf manche Probleme, die mir klar gelegt zu fein
Rheinen, auf meine, von R. doch nicht durchgängig be-
rückfichtigte Schrift verweife. Ich glaube, daß es durch
den bisherigen Gang der Verhandlungen erwiefen ift,
daß 42 0—7 und 497—13 nicht zu den Ebedftücken gehören,
alle Charakteriftika Deuterojefaias treffen auf fie zu, namentlich
der Partikularismus. 42 5—7 foll augenfcheinlich
Israel tröffen, die Beziehung von 427 auf die Heiden
fcheint mir unmöglich, man kann die ,Gefangenen' hier
nicht anders deuten, als in 4222 und 492. Namentlich
fpricht m. E. der gefchloffene Gedankengang für die
Duhm'fche Abteilung der Ebedftücke. Nur in 511-8
könnte auf den erften Blick Roy's Thefe möglich er-
fcheinen, natürlich unter Streichung von 5010f. Indeffen
ift das vorhergehende Ebedftück wieder völlig gefchloffen,
und 51 1-8 gibt deutlich wie die Parallelftücke Anwendung,
wenn man fo will: Auslegung. Die Form des Stücks,
fein Stil, feine Bilder, feine Paraenefen, fprechen evident
für Deuterojefaia als Verf. Grade die Stücke, in
denen Roy Beziehungen auf die nachexilifche Gemeinde
findet, haben formell die befte Analogie bei ihm. Man
vergleiche:

511 mm i»'pna pis 15-n ibx iy»iö
51 s oaba mmn] oy, '1 v?-r „ „
4612 np-st: mpm-in ab i-nx „ „
463 apyi ma „ „

Dazu ferner 48 1, 12. Dem ,nahe ift meine Gerechtigkeit'
in 515 läßt fich parallel ftellen 4613 ,ich bringe meine
Ger.' Vergl. ferner 516 ,meine Ger. zögert nicht' (lies
mxri) mit 4613 .meine Hilfe zögert nicht', ebenfo 51 g
,mein Heil befteht in Ewigkeit' (cf. v. 8) mit 45 17 ,Israel
erfährt von Jahve ewiges Heil'. Auch erklärt 51 6 vortrefflich
die weniger deutliche Hinweifung auf eine be-
vorftehende furchtbare Kataftrophe in 45 22. Ich füge
noch hinzu 516 und 4025; ferner 513 und 51 », auch
49i3. Zu 51 7 vergl. Deutjef. passivi und bef. 5112. Die
Anfangsworte über Abraham und Sara find gewiß fehr
originell, aber nicht origineller als Deutjef. auch fonft
fein kann. Zu ihrer Fortfetzung bieten fich bei ihm
maffenhaft Analogien, ich darf wohl hier auf einzelnes

verzichten, kein Prophet bringt das Pfianzenbild fo oft
und fchwelgt fo wie er in Ausmalung der Vegetation,
die das fprudelnde Waffer fchafft.

Allerdings fcheint nun ein Moment auf einen Zu-
fammenhang mit den Ebedjahveftücken zu weifen, das
ift die Verheißung von der Ausbreitung der Tora über
die Völker in 51 4 und 5. Hier fcheint 42 1—4 anzuklingen.
Und diefer Eindruck wird verftärkt, wenn man nach LXX
mit Kloftermann und mir ,mein Bote' ftatt des ,mein
Volk' 2° lieft. Doch felbft, wenn dies angenommen
würde, fo wäre damit nur bewiefen, was zwar Roy nicht
anerkennen will, aber doch nicht aus Deutjefaia herausbringen
kann, daß der Verf. des Deutjefaia die Ebedftücke
gekannt hätte. Denn es würde fich, wie bemerkt,
nur um Anklänge, aber nicht um völlige Identität der
Gedanken handeln. Daß Jahve ,die Heiden richten'
werde, daß die Völker auf feine ,Arme harren follen',
würde fich keineswegs mit 421—4 decken, der Ausdruck
,Arme Jahves' würde hier fogar einigermaßen wunderlich
erfcheinen, fo daß ich, ehe mir der Zufammenhang der
Stelle völlig klar wurde, ftatt iyiT bx die LA. miT bx nach
5810. 6b 1-3 einfetzen wollte. — Im übrigen — felbft wenn
man nach diefem Vorfchlag läfe, würde die Stelle
Deuterojefaianifch fein können. Denn auch Deutjef.
kennt einen fittlich-religiöfen Einfluß des Ebed auf die
Heiden. 4514. 554 f., auch 427.

Doch fpricht gegen die Richtigkeit des überlieferten
Textes, wie ich fchon in meiner oben zitierten Schrift
hervorgehoben habe, die feindfelige Stimmung gegen die
Heiden, welche fich im ganzen Zufammenhang von 501
an äußert und namentlich 5Ig—8 zu Tage tritt. Wenn R.
die hier geäußerten Drohungen gegen die Heidenwelt zu
einer bloßen Verweifung auf ihre Vergänglichkeit ab-
fchwächen will, fo ift das nach v. 6 doch nicht möglich,
den auch R. auf eine fchwere Kataftrophe beziehen muß,
und der doch das Ebedftück im Ausdruck wörtlich reproduziert
. Daß auch der Arm Jahves in diefer Richtung
fehr bezeichnend ift nach ,den folgenden Kapiteln und
dem einfachlten Verftändnis diefes biblifch-theologifchen
Begriffs, hat fchon Koffers erkannt und daher v. 4 b und
v. 5 b ftreichen wollen. Dem gegenüber habe ich zu
zeigen verfucht, daß mit der Annahme ganz leichter Textkorruptionen
, nämlich nyinn für min und pmm für jibmi
ein Text herzuftellen ift,' der den Heiden keineswegs Aufnahme
in das Gottesreich, fondern vielmehr arge Strafen
androht. Die Einwendungen gegen den von mir herge-
ftellten Text könnten, wenn fie berechtigt wären, höchftens
dazu führen, einen anderen Urtext zu fuchen, aber nicht
das Prinzip als unberechtigt erweifen. Das pmm halte
ich unbedingt für richtig, und da die ,Gerechtigkeit
Gottes' hier nach dem Zufammenhang für Israel und
gegen feine Feinde auftreten muß, fo find dem folgenden
.meine Arme werden die Völker richten', die
Wege gewiefen. Inbezug auf v. 6 würde ich mich freuen,
in das Verftändnis Duhm's eindringen zu können, wenn
er behauptet: es fei rührend und erhebend zu fehen,
daß nach Deutjefaia Jahves Heil (für die Heidenwelt)
beftehen bleibe, auch wenn die Erdbewohner wie Mücken
fterben. Hier hilft nur die Unterfcheidung zwifchen Erdbewohnern
= Heiden und dem ewigen Heil für Israel
zum Verftändnis, cf. 45 17.

Königsberg i. Pr. Giefebrecht.

Lauterbach, Dr.J.Z., Saadja Al-fajjümi's arabische Psalmenübersetzung
und Commentar (Pfatm 107—124). Nach einer
Münchener und einer Berliner Handfchrift herausgegeben
, überfetzt und mit Anmerkungen verfehen. Berlin
1903, M. Poppelauer. (XXV u. 67 S. gr. 8.) M. 2.50

Nachdem die Gefamtausgabe der Werke des Gaon
Saadja, die zur taufendjährigen Feier feiner Geburt durch
den verewigten Parifer Gelehrten Jofeph Derenbourg an-

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