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Ausgabe:

1904 Nr. 9

Spalte:

264-265

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gutjahr, F. S.

Titel/Untertitel:

Die Glaubwürdigkeit des irenäischen Zeugnisses über die Abfassung des vierten kanonischen Evangeliums aufs neue untersucht 1904

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung 1904. Nr. 9.

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Gut jähr, Prof. Dr. Dr. F. S., Die Glaubwürdigkeit des ire-
näischen Zeugnisses über die Abfassung des vierten kanonischen
Evangeliums aufs neue unterfucht. Feftfchrift der
k. k. Karl-Franzens-Univerfität in Graz aus Anlaß der
Jahresfeier am 15. November 1903. Graz 1904, Leufch-
ner & Lubensky. (VII, 198 S. Lex. 8.) M. 5.—

Die Gründlichkeit, mit welcher hier das Zeugnis des
Irenaus über den johanneifchen Urfprung des vierten
Evangeliums erörtert wird, geht weit über alles hinaus,
was wir bisher in diefer Beziehung erlebt und erduldet
haben. Nachdem Harnack (Chronologie der altchriftl.
Literatur 1897) und Zahn (Forfchungen VI, 1900) alles

portam Neapolitanam ad partem dextram deorsunt in
valle sunt parietes, ubi domus fuit sive praetorium
Ponti Pilati. Trotz des beftimmten deorsum in valle
verlegt Barnabe' das Prätorium des Pilatus auf die
Höhe des Antonia-Felfens, indem er eine Ungenauig-
keit bei dem Pilger von Bordeaux annimmt; man dürfe
bei folchen Pilgern, die ihre Berichte meift erft zu
Haufe nach dem Gedächtnis redigiert hätten, nicht
eine mathematifche Genauigkeit vorausfetzen (Barnabe
p. 141). Ihm gegenüber hat Mommert gewiß recht,
wenn er es mit dem deorsum in valle etwas ernfter
nimmt. Er fucht die Stelle, welche der Pilger von
Bordeaux meint, im heutigen el-Wad, alfo ein wenig
weltlich vom Antonia-Fellen, indem er annimmt, daß die

weitläufigen Anlagen der alten Antonia fich bis dahin er- "Ä3 ^T? Material herangezogen und aufs
ftreckt haben. Genauer fucht er die Stelle auf dem I fubtl.lfte erolt"i haben< war ™ht leicht etwas Neues
Grundftück, welches lange Zeit hindurch unter dem 1 v?n irgend welchem Belang darüber zu Tagen. Der Verf.
Namen .Sultansbad' bekannt war und feit 1854 in dem j Slaubt d°ch> an einigen Punkten neue Anfchauungen von
Befitze der unierten Armenier fich befindet (S. 86 und ! apologetifchem Werte gewonnen zu haben, und halt es
fonft). Zur Beftätigung dient ihm Folgendes. Im "ot,& zu,rt,?efru^un| et1r ,e." uns den ganzen

5. Jahrh. wurde an der Stelle, wo lefus durch Pilatus ! btoff unter erfchopfendfter Beruckfichtigung der gefilmten
verhört und verurteilt worden war, eine Bafilica der heiligen i neueren proteßantifchen Literatur noch einmal vorzufuhren.
Sophia erbaut (Mommert S. 87- -90). In diefer Bafilica Die. dabei. a^ft.vlten .?Trw^g.u"f ?uu.fd UberlegunSen
fah ein Pilger des 6. Jahrh., der fog. Antoninus Martyr, ,nf,v°n eTinerr Rrei 5 und Umftandlichkeit, we che die Ge-
den Stein, auf welchem die Angeklagten beim Verhör duld des Lefers oft auf e.ne harte Probe Hellen, fo fehr
zu ftehen pflegten. Auf diefem Stein hatte auch Jefus
geftanden und in demfelben feine Fußfpur zurück-

gelaffen [ltinera Hierosol. ed. Geyer p. 175: Petra Ich befchränke mich darauf, dasjenige hervorzuheben,

man auch den Fleiß und die Ausdauer des Verfaffers
dabei bewundern muß.

aiitem quadrangulis, quae stabat in ntedio praeturio, in
quam levabatur reus, qui audiebalur, ut ab omni populo
audiretur et videretur, in quam levatus est Dominus
quando auditus est a Pilato, ubi etiam vestigia illius
remanserunt). Nun ift auf dem genannten Grundftück
der Armenier im Jahre 1882 bei Aufräumungsarbeiten
ein Mofaikfußboden aufgedeckt worden, in welchem die

was einigermaßen eigenartig ift. Eine wichtige Frage ift
bekanntlich die, ob Irenäus die kleinafiatifchen Presbyter,
deren Ausfprüche er öfters anführt, felbft gehört, oder
ob er ihre Ausfprüche aus dem Werk des Papias entnommen
hat. Erfteres ift Zahns, letzteres Harnacks Anficht
. Zahn ftützt fich hauptfächlich auf Iren. IV, 27, 1
quemadmodum audivi a quodam presbytero und 31, 1:

Umriffe von zwei zierlichen Füßen (Sandalen) dargeftellt talla quaedam enarrans de antiauis presbyter refiaebat
find. Man war nach der Aufdeckung der Meinung, daß nos* Harnack fucht zu zeigen, daß diefer eine Presbyter,

damit die Fußfpuren der Maria dargeftellt feien, welche
hier ihrem göttlichen Sohne auf feinem Leidenswege
begegnete (M. S. 117). Mommert dagegen ift trotz der
Kleinheit der Umriffe der Anficht, daß es eine Darfteilung
der Fußfpuren Chrifti fei und daß damit die

welchen Irenäus gehört hat, nicht zufammenzuftellen ift
mit dem Kreife derjenigen Presbyter, welche noch den
Apoftel Johannes gefehen und gehört haben (Iren. II, 22,
5. V, 30, 1—33, :i). Was Irenäus über die Ausfprüche der
letzteren berichte, habe er aus dem Werke des Papias

Stelle wieder entdeckt fei, welche Antoninus Martyr I entnommen, wie namentlich — abgefehen von andern
meine. Letzterer fpricht freilich von einem Steine, i Gründen — deshalb wahrscheinlich fei, weil er unmittel.

nicht von einem Mofaik. Mommert nimmt daher an
daß man in dem Mofaikpflafter, auf welchem der Stein
lag, eine Zeichnung der Fußfpuren angebracht habe,
,damit diefe Stelle wiedergefunden werden könnte, wenn
der darüber befindliche Stein einmal durch irgend welche
Umftände oder auf irgend eine Weife von feinem Platze
gerückt würde oder verloren ginge' (S. 138). Das
Mofaikpflafter flammt aus dem 5. oder 6. Jahrh. (S. 138).
Eine Studie darüber hat Macalifter in den Quarterly
Statements des Palestine Exploration Fund 1902 p. 122
bis 124 veröffentlicht; eine Abbildung der Fußfpuren in

bar nach V, 33, -i die Schrift des Papias ausdrücklich
zitiere (V, 33, 4). Gutjahr, der fehr bemüht ift, den beiden
Gegnern gerecht zu werden, fchlägt einen Mittelweg
ein. Er erkannt an, daß ,das Verhältnis des Irenäus zu
den Ausfagen des einen Presbyters (in Buch IV) einer-
feits und des Presbyterkreifes andrerfeits ein durchaus
verfchiedenes' fei (S. 49). Er nimmt auch mit Harnack
an, daß Irenäus dasjenige, was er V, 30, 1—33,8 mitteilt,
durch Vermittelung des Papias erfahren habe; aber
er habe es nicht aus der Schrift des Papias entnommen,
fondern von Papias mündlich gehört. Nach diefen miind-

Originalgröße gibt Mommert Tafel IV. — Diefelbe An- ; liehen Mitteilungen des Papias zitiere er dann auch noch
ficht wie Mommert vertritt auch Emilio Zaccaria, Pro- I die Schrift des Papias. V, 33, 4 tavva xai /Wag ....
feffor am Patriarchal-Seminar in Jerufalem (M. S. 120 ff.). ! tyyQa<pmq tJiiuaQxvQtl fei infolge ungenauer Ausdrucks-
Wie alle Arbeiten Mommerts fo zeichnet fich auch j weife fo viel wie ,dies bezeugt Papias auch fchriftlich'
diefe ebenfo durch große Gelehrfamkeit wie durch un- (S. 521.; vgl. 60). — Die Auffaffung fcheitert m. E. fchon
fagliche Breite aus. S. 90 erwähnt er die Lebens- an der Stellung des xai

befchreibung des monophyfitifchen Mönches Peters des | In der erfchöpfenden Erörterung über das bei Eufeb.
Iberers. Es fcheint ihm entgangen zu fein, daß die- ; III, 39 erhaltene Prooemium des Papias (S. 71—125) ge-
felbe auch ins Deutfche überfetzt worden ift (Raabe, 1 winnt Gutjahr durch Textverbefferung mit Hülfe der
Petrus der Iberer 1895). i fyrifchen Überfetzung apologetifche Refultate von weit-

Selbftverftändlich befteht der Wert von Mommerts j tragender Bedeutung. Der jiberlieferte griechifche Text
Arbeit ganz und gar in der fubtilen Unterfuchung der 1 des Eufebius hat: zovq rmv Jtgtaßvttfjcov ävtXQivov
katholifchen Tradition. Die Frage, wo in Wirklichkeit XÖyovq, vi 'AvÖQtaq u tl IlitQoq eijisv .... « vt AqiOtIcop
das Prätorium des Pilatus gelegen habe, ift nach ganz xai 6 stQtOßvxEQoq looavvnq 01 zov xvglov uaänral Xiyov-
andern Gefichtspunkten zu entfeheiden (vgl. darüber Qiv. Der fyrifche Überfetzer des Eufebius gibt ävtXQivov
meine obengenannte Anzeige von Barnabe). durch ,ich verglich' wieder, fcheint alfo övvtxoivov ge-

pW).;n„„n T7 c.i, liefen zu haben. Diefe Lesart bevorzugt Gutjahr und

L,°ttingen- - bcnurer- J überfetzt demnach (S.89): .Ich habe die (von den einftigen