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Ausgabe:

1904

Spalte:

208

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ficker, gerhard

Titel/Untertitel:

Das ausgehende Mittelalter und sein Verhältnis zur Reformation 1904

Rezensent:

Deutsch, Samuel Martin

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Seite 1

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2o;

Theologifche Literaturzeitung. 1904. Nr. 7.

208

und Kraft finden könnte, auch diefe anonyme Haggada j kommt, wird fie gewiß mit großem Danke begrüßt
in einem zufammenfaffenden Werke zur Darfteilung zu ! werden.

bringen- Betheln (Hann.). E. Hennecke.

Göttingen. E. Schürer.

Tome premier: Tertullien et les origines. (VII, 512 S. Lex. 8.) —
Tome deuxieme: Saint Cyprien et son temps. (390 S. Lex. 8.)

Ficker, Priv.-Doz. Dr. Gerhard, Das ausgehende Mittelalter
Monceaux, Dr.Paul, Histoire litteraire de l'Afrique chretienne und sein Verhältnis zur Reformation. Leipzig 1903, J. A.
depuis les origines jusqu'ä l'invasion arabe. Deux voll. Barth. (III, 111 S. 8.) M. 1.80

(Description de l'Afrique du nord, entreprise par ordre I Die vorliegende Schrift gibt im Wefentlichen Vor-
deM.le Ministrede l'instruction publique et des beaux- ; träZe nieder, die der Verfaffer im September 1902 vor
. p . r einem Kreife von Geifthchen in Braunfchweig gehalten

hat; fie hatten den Zweck, über die bedeutendem etwa in
den letzten zwei Jahrzehnten erfchienenen Arbeiten zur
Gefchichte der nächften zwei Generationen vor der ReZweck
und Bafis diefer fpeziellen Literaturgefchichte formation zu berichten und das Bild diefes Zeitraums,
verftehenfichaus dem Zufammenhange der umfangreichen | Wle e.s flch ,m I-,c,1}te deTr "eue™ Forfchung gehaltet hat,
und genauen Forfchungen, welche die franzöfifche Ge- vor,AruB£n z" ftelu!n- In der Gruppierung folgen fie der
lehrtenwelt in den letzten Jahrzehnten an die Erforfchung I ?Lucb f°nft md RAe,ch, vorzugsweife benutzten vortrefflichen
des nördlichen, fpeziell auch chriftlichen, Afrika gefetzt j Dar,d'ung K MVleÜp (Kirchengefch. Bd II, Abt. 1). Es
hat. Nach dem Außentitel ift das Werk geradezu in die I w,rd daher zu?rft da" Pap^tum nach feinen yerfch.edenen
Description de l'Afrique du nord mit minifterieller Unter- I Beziehungen behandelt, wobei auch die Stimmung des
ftützung inbegriffen. Was hier zunächft zur Behandlung ' ,Volkes, g,e.fe.n Kircbe- 1 aP u"d K1"ru" zur SPracbe
gelangt, ift zwar auch fchon anderswo großenteils aus- | konlrnt; Leiter wird der Zuftand der Volksfromm.gkeit,
geführt, aber doch nicht in diefem Zufammenfchluß und 1 und 7, >e;cken Ml?el?.f .e ger>ahrt wurde erörtert; dem
kaum mit gleicher Vollftändigkeit mit Rückficht auf den (ch]}eJk "ch die Laienbildung in ihrem Auffchwung als
einmal gewählten Zufchnitt. Nicht bloß Literaturdenk- wichtiger Faktor der kirchlichen Entwicklung an, und

mäler im eigentlichen Sinn, fondern auch das fonftige
hiftorifche Material, mit Ausfchluß übrigens der gleich
zeitigen heidnifchen Literatur, hat hier Verwertung gefun-

endlich hören wir von den Reformbeftrebungen in Deutfch-
land, von den deutfchen fozialen Verhältniffen und ihrer
Beziehung zur Reformation des 16. Jahrhunderts. Überall

den, und es gewährt ein befonderes Intereffe, wie lite- f def,Ve/f-es vfftande.n» d« allgemeine Zeichnung der
rarifche Daten gelegentlich durch epigraphifche treffend Verhaltniffe durch pfchickte E.nflechtung von einzelnen
belegt werden. Der Abfchnitt über ,di? erften chriftlichen I Angabenanfchauhcherunddadurchanziehende^
Infchriften Afrikas' felbft (II 119ff.) ift dem Sachverhalt ! Da" er dabue' yorzugsweife auf deutfche Verhaltniffe den
entfprechend - nur wenig datierbare Infchriften aus vor- ! g«»chtet hat, rechtfertigt fich nicht nur durch die

konftantinifcher Zeit vorhanden - etwas dürftig ausge- ! Bem™mung rur ideut^ H°rer n ,r tWT^".- ^
fallen und übrigens auf Le Blant geftützt. Theologifche ! durch die befondere Bedeutung Deutfchlands für die ReFragen
werden mit Abficht nur, wo es unumgänglich ift, f^mat.on. Jedenfalls ,ft die Schrift wohl geeignet um
erwähnt. Der rein literarifche Charakter überwiegt. Dem- ; ™f^""en uber d,e kirchllche" Zuftande des ausgehenden
entfprechend findet man die großen Kirchenfchriftfteller j Mittelalters zu orientieren.- Daß man (f.S.39) im 14. und
Tertullian und Cyprian etwa nach den Kategorien der! I5-J?h1rh:Selernt bat, zwifchen dem was ge.fthch und
einzelnen Kapitel in Bardenhewers Patrologie behandelt. j .weltl,ch ,ft> zu unterscheiden, und zu der Erkenntnis ge-
Doch ergänzen intereffante Eingangskapitel und einzelne kommen war, daß das was die Kirche als geiftl.ch be-
lokalkirchliche Bezüge die DaMung vortrefflich. So j zeichnete, in vielen Fallen recht irdifch war fcheint mir
findet man im I. Bande außer den älteften afrikanifchen kel" fo neuer Gedanke daß es einer Entfchuld.gung be-
Martyriumsbefchreibungen auch die Gefchichte der lat. du[fte> *hn °hne bepfondeia; Begründung auszusprechen
Bibel in Afrika mit ihren Wandlungen bis zu den Aus- ; Schon Marfilms von Padua hat ja jene Unterfcheidung und
gängen im 6. Jahrhundert in dankenswerter Voll- j dlefe ,Erf enn n'S der/Cf ,arfften URnd t nfte" W7e,f^
Bündigkeit und mit anfchaulicher Illuftration durch Ta- dargelegt, und Je hatte fe.tdem im Bewußtfein der Zeit
bellen von Schriftzitaten der verfchiedenen Autoren vor- lmmer breltern Boden .gewonnen. Ob fich daraus weiter

ergibt, daß es in dem Gegenfatz zwifchen Mittelalter und
Reformation fich eigentlich um den Gottesbegriff handle,
ift freilich eine andere Frage, die fich nicht in Kürze be-
fprechen läßt. — Sehr richtig wird S. 50 gefagt, daß,
wenn es am Ende des Mittelalters zu einem allgemeinern
äußerlichen Abfall von der Kirche nicht gekommen fei,
dies auch darauf zurückgehe, daß die Machtmittel de
Kirche, dem Abfall zu fteuern, noch nicht verfagten;
ja es dürfte hierauf noch viel mehr Gewicht zu legen fein,

geführt. Auch fonft ift auf die fprachlichen Elemente bei
den einzelnen Schriftftellern (Tertullian I 446fr.) Rückficht
genommen, die Entfcheidung über die Frage nach
dem Sondercharakter der lateinifchen Literatur Afrikas im
allgemeinen aber der weitern Entwicklung vorbehalten
(I p. II). Man wundert fich vielleicht, hinter Tertullian
noch den römifchen Minucius Felix vorzufinden, deffen
Abfaffung nach Tertullian (213—250) gefetzt wird. Im

n. Bande werden mehrere der pfeudo-cyprianifchen Trak- | Ja cs ouriie n.eraui noen viel menr

täte, die von neuern (deutfchen) Forfchern ausländifchen I als ge^wohnheh gefchieht. Denn in fo vielfacher und eng
Größen zuerkannt wurden, darunter der wichtige de alea- yerfcWungener Weife war das Band zwifchen der herr-
tonbus, aus der nähern Umgebung oder durch die Ein- fcbende" K"c"e "nd den Z % r? Macht™ |?k 1"P?'
Wirkung Cyprians erklärt. Daß in literarhiftorifcher Be- und dadurch die Küche ,n den Befitz von Machtm.tteln
ziehun| der deutfchen Spezialforfchung der Vorrang ge- S^tzt, die fie an fich mcht hatte, daß es eines ganz
bührt, wird ausdrücklich anerkannt (I p. VI). Dement- ' befonders gunft.gen Zufammen reffens verfch.edener Um-
fprechend find die bibliographifchen Einträge bis zum Jande bedurft^ wenn es fchheßlich doch einmal der
Zeitpunkt des Erfcheinens des Werkes beinah! lückenlos. ; K.rchengewalt nicht gelingen feiltey einer oppofit.onellen
Ausführliche Kapitelüberfchriften, die auch in der Inhalts- ' Bewegung Herr zu werden wie ihr dies mit der englifchen
angäbe am Schluß der Bände wiederholt werden, erleich- "nd am, EndJ: des M,ttelalters faft auch fchon mit der
tern den Überblick ungemein. Wenn die Veröffentlichung b°hmifchen Bewegung gelungen war.
Monceaux' (frühere Arbeiten und Auffätze von ihm f. I , Berlin. S. M. Deutfch.

p. I A. 2. 196 A. 1. II 250 A. 1) in der begonnenen Weife j -

fortfeheitet und auf weniger behandelte Schriftfteller I