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Ausgabe:

1902 Nr. 3

Spalte:

67-68

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Köberle, Justus

Titel/Untertitel:

Die Motive des Glaubens an die Gebetserhörung im Alten Testament 1902

Rezensent:

Volz, Paul

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Seite 1

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67

Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 3.

68

war, wird die Lade vorwiegend Kriegsheiligthum; dies
lieg! aber nicht in ihrem Wefen, fondern in den Be-
dürfnifsen der Zeit. Jene geheimnisvolle Verbindung
zvvifchen Jahwe und Lade denken fich die einen in Israel
unfinnlich, andere maffiver; Fetifch aber und Zaubermacht
ift die Lade nicht, denn die Vorftellung, dafs Jahwe im
Himmel wohne und nur gelegentlich auf den Sinai fteige,
ift ebenfo alt wie die Lade; diefe war umgekehrt durch
ihre Beweglichkeit ein Mittel, Jahwe im Volksbewufstfein
vom Sinai loszulöfen. — Die geheimnifsvolle Verbindung
zwifchen Jahwe und Lade knüpft fich nun an das, was in
der Lade drin ift. Der Inhalt der Lade war von Anfang
d. h. von Mofes Zeit an, die Doppeltafel mit den 10
Worten; die neuere Annahme, dafs die Lade eine Ent-
wickelungdurchgemachthabe vomFetifchfteinbehälter zum
Dekalogbehälter kann nur durch gewaltfame Behandlung
der Schriftftellen erreicht werden. Die Bezeichnung ,Lade
der &rfr Jahwe's' ift alt; fie wird von E gebraucht (bei J
,Lade Jahwe's'); berit und ebenfo bei P fäui ift aber
nicht = Gefetz, fondern = Bundesurkunde, Bundeszeugnifs.
Alfo macht der Ausdruck ,Lade der berit Jahwe's' eben
deutlich, inwiefern die Gegenwart Jahwe's an den Inhalt
der Lade geknüpft ift: die Tafeln mit den 10 Worten find
die Urkunden für den Bund Jahwe's mit Israel, und im Bunde
liegt die Verheifsung feiner Händigen Gegenwart. — Die
Geftalt der Lade famt kapporet und kerubim ift in P
richtig befchrieben.

Sowohl diefe fich eng an die biblifchen Auslagen
anfchliefsende wie die neuere Deutung der Lade (Behälter
für Fetifchfteine) ift ausgefchloffen durch den Ausdruck
,Lade Jahwe's'. Verf. wie feine Gegner legen den Finger
auf das, was in der Lade drin war, die Lade drum herum
ift ihnen gleichgiltig; der Wortlaut aber redet immer nur
von der Lade felbft. Alfo kommt's auf den Inhalt der
Lade gar nicht an, die Kifte felbft ift das Wichtige, fie
ift (ganz abgefehen von einem Inhalte) Vehikel Jahwe's. So
erft wird's verftändlich, dafs die Berührung der Lade tötet.
Ob fie nun eine Art offenen Stuhles war, auf dem Jahwe
geiftweife fitzt, oder eine (leere) Kifte, die ihn wie ein Kleid
umfchliefst, oder was fonft, das ift fchwer zu entfeheiden;
jedenfalls wandert mit ihr Jahwe geiftweife mit. Die
Kerube mögen alt fein, als Räder tragen fie die Kifte,
alfo Jahwe; Jahwe fitzt auf ihnen. Der Ausdruck ,die Lade
der berit Jahwe's' oder ,die btritla.de (Jahwe's)', mag alt
fein, wenn fchon einer feineren Beobachtung entflammend;
an der Lade fleht man, dafs Jahwe feine Abmachung, mit
Israel zu fein, einhält. — Dafs ein Geift nicht an eine
einzige Stätte gebunden ift, weifs jeder antike Menfch;
felbft der Fetifchgeift ift nicht an den Fetifchgegenftand
gebunden; der Geift hat feinen Lieblingsfitz, kann aber
durch Fetifch und dgl. herbeigezogen werden. Jahwe's
Standort ift der Sinai, aber er ift nicht dorthin gebunden,
und mit der Lade kann man ihn bei fich haben. Dafs
fich folche maffive Vorftellungen mit der Lade verbanden,
hätte Verf. viel offener zugeben dürfen; dafs man fpäter
die Lade mit geiftigerem Gehalte füllte, ift ja nur ein
Zeugnifs für den Fortfehritt der göttlichen Erziehung, für
den wir dankbar fein follten.

Mit Recht hat Verf. den fchwierigen Gegenftand

aufs neue felbftändig geprüft und das Unwahrfcheinliche

und Willkürliche an den neueren Anflehten klar geftellt.

Schade dafs er den Artikel von Meinhold (,Die Lade

Jahwes' in den Theol. Arbeiten aus dem rheinifchen

wiffenfeh. Predigerverein 1900) nicht berückfichtigt.

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Köberle, Priv.-Doz. Lic. Juftus, Die Motive des Glaubens
an die Gebetserhörung im Alten Testament. Sonderabdruck
aus der Feftfchrift der Univerfität Erlangen
zur Feier des achtzigften Geburtstages Sr. königlichen

Hoheit des Prinzregenten Luitpold von Bayern.
Erlangen u. Leipzig 1901, A. Deichert Nachf. (30 S.
Lex. 8.) M. 1.—

Es giebt Gebete des Volkes und des Einzelnen. Eine
Bürgfchaft für die Erhörung der Gebete erfterer Art findet
die ATliche Frömmigkeit fchon im Namen Jahwe's, ferner
in feiner Zugehörigkeit zu Israel, in feinem Bunde mit
den Vätern, in Israels Abdämmung von den Vätern, in
den früheren Grofsthaten Jahwe's und in feinen Ver-
heifsungen, in feinen Eigenfchaften (Macht, Güte, richterliche
Gerechtigkeit, Schöpfermacht, in feiner Gewohnheit
zu erhören), endlich in der eigenen Ehre Jahwe's, die ihm
die Gemeinde um fo eifriger vorhält, je ärmlicher fie felbft
daran ift. Der einzelne Beter glaubt an die Erhörung auf
Grund feiner perfönlichen Erfahrungen, feiner Zugehörigkeit
zum Gottesvolke und wegen jener göttlichen Eigenfchaften
. Während nun die niedere Frömmigkeit im
Volke ihren Glauben an die Erhörung zum Theil auch
auf äufsere Garantien, wie den Tempel, ftützt, betonen
die Propheten neben den bis jetzt aufgezählten Bürg-
fchaften ethifche Kräfte, durch die man zur Gewifsheit
der Erhörung kommt: Hofea die Bufse, Jefaja das vertrauensvolle
Fefthalten an Jahwe; dem Jeremia wird die
Erhörung gewifs auf Grund feiner göttlichen Berufung
und feiner fittlichen Treue. Derartige Motive werden
fpäter veräufserlicht zum Pochen auf die perfönliche
Frömmigkeit, auf das Fefthalten an Jahwe, das Recht
der vertretenen Sache, das befondere Verdienft; daneben
behalten aber jene zuerft genannten und die
prophetifchen Motive, namentlich in den Pfalmen, ihre
Geltung.

Dadurch, dafs Verf. den Gegenftand in gefchicht-
licher Folge darfteilt (vorprophetifche, prophetifche,
nachprophetifche Zeit), mufs er fich häufig wiederholen;
und dann erfahren wir aus der vorprophetifchen Zeit faft
nur die Motive der geiftlichen Schriftfteller, die fich doch
mit den prophetifchen berühren; fo bleibt eine wichtige
Frage unbeantwortet: was veranlafste den gemeinen Mann
in Israel an die Erhörung des Gebetes zu glauben. Auch
hält fich Verf. von der Tendenz, die frühere Religion
Israels zu vergeiftigen, nicht frei: ficherlich fah man
früher und auch fpäter wieder im Gebete wie im Gelübde
ein Mittel, das auf die Gottheit wie eine Art
Zauber wirken foll, und Vieles, was unter den Motiven
des Glaubens an die Erhörung erfcheint, wäre zugleich oder
beffer eine Waffe zu nennen, mit der man auf die Gottheit
eindringt, fo wenn der Beter Gott feine Verpflichtung Israel
gegenüber, feine Ehre oder die eigene Unfchuld vorhält.
Üeberhaupt läuft in dem, was Verf. ,Motive des Glaubens
an die Gebetserhörung' nennt, dreierlei zufammen: 1. ob-
jective Vorausfetzungen für das hilfreiche Einfehreiten
Jahwe's z. B. die Bufse, 2. fubjective Motive für den
Glauben an Jahwe's Hilfe, 3. Motive für den Glauben
an die Erhörung des Gebetes. Die beiden letzten find ja
nahe verwandt, müfsten aber doch, um der Klarheit
willen, auseinandergehalten fein.

Im Uebrigen aber find derartige Einzelunterfuchungen
über Stücke der ATlichen Frömmigkeit, namentlich, wenn
fie als religionsgefchichtliche geführt werden, fehr dankens-
werth, und Verf. hat reiches Material gefammelt.

Tübingen. P. Volz.

The Jewish Encyclopedia. A descriptive record of the
history, religion, literature, and customs of the
Jewish People from the earliest times to the present
day. Prepared by more than four hundred scholars
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berg, R. Gottheil, J. Jacobs, Marcus Jastrow,
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