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Ausgabe:

1902

Spalte:

681-683

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Jahn, G.

Titel/Untertitel:

Beiträge zur Beurteilung der Septuaginta 1902

Rezensent:

Gressmann, Hugo

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. HinrichsTche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

Nr. 26. 20. December 1902. 27. Jahrgang.

Jahn, Beiträge zur Beurtheilung der Septuaginta Urbain, Ein Martyrologium der chriftlichen Kawerau, Die Verfuche, Melanchthon zur ka

(Grefsmann). Gemeinde zu Rom am Anfang des V. Jahr- tholifchen Kirche zurückzuführen (Köhler).

Schmiedel, O., Die Hauptprobleme der Leben- hunderts (Erbes). 1 t ra l r i. j r> r

Jefu-Forfchung (Holtzmann). ; Lindner, Weltgefchichte feit der Völkerwan- Tho-m»,.> Dm Anfchauung der Reformatoren vom

Chase, The Credibility of the book of the j derung 1. Bd. (G. Ficker).

Acts of the Apostles (Holtzmann). j Boehmer, Die Fälfchungen Lanfranks von Can-

Wirth, Der .Verdienft'-Iiegriff in der chriftlichen ' terbury (G. Ficker).

Kirche, II. Der .Verdienft'-Begriff bei Cyprian Römer, Die Entwicklung des Glaubensbegriffes

(Jordan). bei Melanchthon (Köhler).

geldlichen Amte (Derf.).

Chriftmann, Melanchthons Haltung im fchmal-

kaldifchen Kriege (Derf.).
Guerard, Petite introduction aux inventaires

des archives du Vatican (G. Ficker).

Jahn, Prof. G., Beiträge zur Beurtheilung der Septuaginta. gelegen haben. Diefes aber ift verderbt aus 4. Ktna =

Eine Würdigung Wellhaufenfcher Textkritik. Mit
einem Anhang: Antwort auf Praetorius' Allerneuftes
über meine Erklärung des Sibawaihi. Kirchhain N.-L.

[a]ßarara d. h. durch Umftellung entftanden aus Knra,
während J. es mit KTtin 3X identificirt. 5. tyßad-ad-ct.
nach J. = nS>K "UT, ift vielmehr = £i}ßafra[9-a] = KTOT
d. h. wiederum durch Umftellung aus Knta hervorge-

1 Leiden 1902, Buchhandlung u. Druckerei vormals gangen. 6. baßat, = &aßa£(a) = »tan, wiederum eine

E. J. Brill.) (52 S. gr. 8.)

Umftellung von KflT3. J- denkt an Corruption aus Mut

Jahn conftatirt zunächft als Refultat der neueren | + fem. n! Da fünf der überlieferten Namen ungezwungen
Textkritik, dafs nicht die LXX, fondern der maf. Text i auf !W3 (refp. Umftellungen) zurückgehen, fo ift es viel-
der verfchiedenen Bücher des A. T. von ungleichem leicht nicht allzu kühn, dagaßa für verderbt zu halten
Werthe fei, da diefer durch abfichtliche und tendenziöfe aus V-aCaßa = Kam und CaifoXirct aus C,a&oßcc = Kirr.
Aenderungen der Soferim gelitten habe (S. 4 f.) Weil doch fei dies dahingeftellt. Dagegen ift tfapp« (nach J.
aber die Soferim um die hebräifche Syntax unbekümmert ' = SHM) zweifellos = {raggag = ©m vgl. 221 (wo B
waren, fo kann diefe überhaupt nicht oder wenigftens ' and Jof. &i-öev[= o]rog = ©in gelefen haben). Unter

nur ungenügend aus dem faft ausnahmslos fchlecht (tili
firten A. T., fondern nur mit Zuhilfenahme der fchöner
ftililirten Makamen des Tachkemoni und der Schriften
des Maimonides gelernt werden (S. 6 f.). — Von S. 7—48
enthält die Brofchüre Beiträge zur Beurtheilung — Well-
haufen's. Für die Textkritik des Buches Elter (denn
darum handelt es fich im Grunde allein), gefchweige für
die Beurtheilung der LXX, wird nennenswerth Neues
nicht beigebracht. J. wiederholt nur, was er fchon
früher gefagt hat, dafs die LXXüberfetzung mit peinlicher
Akribie angefertigt fei, und will diefen ihren
Charakter durch .unzählige Beifpiele' (S. 30) feftgeltellt
haben. Aber bewiefen ift dies jetzt fo wenig wie früher,

folchen Umltänden die LXX für urfprünglicher zu halten
als den M. T., ift verfehlt. Üb Eft. 114 die Namen des
M. T. ©i©-in Knt3"!K gut überliefert find, mag man bezweifeln
, jedenfalls ift der erfte durch Umftellung iden-
tifch mit aftadafrov, apa.[vu}dad-ov, apad-aöov l ig afia&ov 82g
und der zweite mit öagoa&aiog. OagtoiHo- = Tl©"lB
(vgl. Judith 81 aagaöaö{= ff)cu. J. erklärt dies als "1"©

rp -jo.it.!) u. f. w.

Wellhaufen wird von Jahn dahin charakterifirt: nach
feinem principlofen Verfahren in der Bibelkritik gehöre
er zu den .Halben' (S. 8. 30), nach feiner Exegefe zu den
.Hengftenbergianern' und ,Rabbinen' (S. 23. 27. 29. 39 .
nach feinen .Tiraden' — nicht einmal an den .Biertifclv

Zu demfelben Refultate war Wellhaufen in einer Recenfion i (S. 19) u. f. w. Des öfteren wird ihm .offenbare Unwahr
(Gott. Gel.-Anz. 1902 Heft 2) der vor kurzem erfchienenen | heit', .klotzige Entftellung der Wahrheit', .Flunkerei' vorAusgabe
und Erklärung des Buches Efter von Jahn ge- 1 geworfen (S. 17. 24. 25. 30. 35. 37). Hätte J. nicht von
kommen. Die neue Brofchüre J.'s ift eine Antwort auf | einer .Claque' gefprochen (S. 36), fo würde es genügen,
diefe Ree. und befpricht die Einwendungen W.'s, um die 1 diefe Behauptungen tiefer zu hängen. Prüft man genau
alten Pofitionen auf Grund feines Urtheils über die LXX nach, fo ift allerdings W.'s Wiedergabe der Anflehten J.'s
zu retten. Vor allem hält er es für ungerechtfertigt, dafs I in einigen Punkten unzutreffend und ungenau, aber es
W. feine Auffaffung der LXX für eine petitio principe handelt fich doch um äufserst geringfügige Dinge. Ein
erkläre (S. 37 u. ö.). Aber auch ich fehe mich durch die • Beifpiel von vielen: W. fagt in der Ree. zu Eft. 37. lelbft
Thatfachen gezwungen, W. zuzuftimmen. J- räume .beinahe' ein, dafs der 14. Tag in LXX falfch

Um Ein Beifpiel herauszugreifen: J. fetzt Eft. 1 10 | fei. J. conftatirt jetzt — mit Recht —, dafs er es ,un-
die Eigennamen der LXX an die Stelle der vom M. T. , umwunden' ausgefprochen habe. Er fügt hinzu: .Was
überlieferten. 1. fiaCav hält er identifch mit JT?©, das j follen folche elenden hämifchen Entftellungen' (S 30).
vielleicht abfichtlicrf aus mta© geändert fei, um den 1 Aber hat J. ein Recht fich zu befchweren, wenn er felbft

Jahvenamen zu eliminiren. Aus der Nebenform ßaßta
,konnte nach der griech. (sie) Ausfprache des £jjr« leicht
ttnra des Hebräers entliehen'. Aber methodilch ift es

W. öfter ungenau citirt, zweimal fogar arg entftellendr
So heifst es S. 27: .Ebenfowenig wird man die Ueber-
fetzung des Ree. von (Eft. i)v.2o ohne Kopffchütteln lefen:

allein richtig vom Hebräifchen auszugehen und die in 1 „proklamirt wurde der Befehl des Königs, damit es ge
diefem Falle ganz klare Entwickelung der Formen auf- j fchehe"!' W. aber hatte gefchrieben: ,?///</ proklamirt
zuzeigen: NnT3 = *ßaC,e&a = ßaCea = ßaC,uv = fia^av. werde der Befehl des Königs, damit er gefchehe (Ni-

2. Knatn, meint J., fei aus ovageßmu entftanden! Da , phalf. Ferner foll W. nach J. Eft. 34 .überfetzen': Tie
aber Eft. urfprünglich hebr. gefchrieben ift, fo ift umge- wollten fehen, ob Mardochai damit durchkommen
kehrt ovageßcoa aus * oua(l ftatt h)Qeßcova verderbt, wurde (!!), dafs er ein Jude fei, wie (ki!) er ihnen gefagt

3. ßeaga^t] umfehreibt J. inia = Tä, aber da auf die hatte' (S. 30), während W. behauptet hatte: der ,Sinn
Vocale nichts zu geben ift, fo wird HÜTÜ der LXX vor- fcheint zu fein'. mOrfQ, ein gebräuchliches aram. Wort-

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