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Ausgabe:

1902

Spalte:

609-611

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Fulliquet, Georges

Titel/Untertitel:

Les experiences religieuses d‘Israel 1902

Rezensent:

Bertholet, Alfred

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

Nr. 23. 8. November 1902. 27. Jahrgang.

Fulliquet, Les experiences religieuses d'Israel
(Bertholet).

Weizfäcker, Unterfuchungen über die evan-
gelifche Gefchichte, 2. Aufl. (Baldenfperger).

Rainy, The ancient Catholic Church from the
accession of Trajan to the fourth General
Council, AD. 98—451 (Krüger).

Mirbt, Quellen zur Gefchichte des Papfltums

Lea, Histoire de l'inquisition au moyen-äge, t Thimme, Die religionsphilofophifcheu Prä-
trad. par S. Reinach, t. II (Karl Müller). miflen der Schleiermacher'fchen Glaubens-
Alb ers, Une nouvelle edition des Consuetu- ' lehre (Reifchle).

dines Sublacenses (Grützmacher). .„ 0.1 Schcll Reli ion und OfTenbarung [Apologie

MxgYf-"V Dle Eth'k Huldre,ch ZwmS1,s des Chriflentums 1. Bd.] (Elfenhans).

(Lobftein). t

Jahrbuch des Vereins für evangelifche Kirchenge- S ä g m ü 11 e r, Lehrbuch des katholifchen Kirchen-

fchichte der Graffchaft Mark, 4. Jahrg. (Boffert). rechts, 2. Teil (Frantz).
und des römifchen Katholicismus, 2. Aufl. j Kolb, Die Anfänge des Pietismus und Separa- Die Verhandlungen des 13. evangelifch-fozialen
(Karl Müller). tismus in Württemberg (Boflert). Kongrefles (Hummel).

Fulliquet, Pafl.Lic.Dr.Georges, Les experiences religieuses
d'Israel. Paris, Fifchbacher, 1902. (254 S. 8.) 3 Fr.

Ueber das Ziel, das fich der Verf. diefes Buches
gefleckt hat, und über feine eigene Stellung den behandelten
Problemen gegenüber orientirt am Beften, was er
felber in der Vorrede (S. 3 f.) fagt: ,Je suis un pasteur
decide a ne pas avoir honte de nies Hudes theologiques et
a ne pas les renier dans Finteret ou Fesperance de la
quietude de mon ministere. fai voulu faire connaitre
FAncien Testament tel qiFil m'apparait ensuite d'etudes

rein geiftigen Verkehres mit Gott (S. 27. 36 f.); der Tod
ift ihm Sündenftrafe (S. 32 f. 37) etc. Aber indem er
Pharao bittet, das Volk zu entlaffen, damit es feinem
Gotte in der Wüfte diene, gebraucht er eine Lift, die
,ungefchickt' ift. ,Cette ruse maladroite fixe Jahve au
Sinai- (S. 26A). Dagegen freilich, dafs die Verbindung
von Jahve und Sinai eine gegebene ift, fträubt fich auch
Fulliquet nicht. Er hält es für wahrfcheinlich (S. 20 f. A),
dafs Mofe eine Localgottheit adoptirt habe, die ihren
Sitz am Sinai hatte, einen Gott des Gewitters und des
Blitzes. Es fcheint, dafs derfelbe feine fpeciellen Attribute

critiques serieuses. Je n'ai pas la pretention a wie com- 1 unrj fejne unterfcheidenden Merkmale beibehielt, als er

petence critique speciale, je ne suis qiiun vulgarisateur de
resultats obtenus par une science qui nie parait aussi
prudentc qu'eclairee, qui respecte et sauvegarde les interets
sacres de la piete autant que ceux de la bonne methode . . .
Dans la disette complHc de bons manuels, fai du nie
forger le mien'.

Der Verf. verteilt feinen Stoff auf 8 Capitel: Mofe,

Gott Israels wurde. Aber das ift in Wirklichkeit von
keinerlei dauernder religiöferBedeutung. ,C estune grossiere
errcur que d'itisister sur ccs debuts de la divinite israelite.
Ce qui importe, c'est la notion morale de la divinite, les
traditions moralcs de la vie des ancetres et jusqu'a la
valeur morale du nom nouveau que Aloise litt donne. En
realite Jahve, le Dien fidelc, vient directement des expe-

Samuel. David, Elia und Elifa, Jefaja, Jeremia, das Exil, ! riences morales des patriarches et de l'experiencc religicusc
die jüdifche Gemeinde nach dem Exil. Diefe Abfchnitte j de Aloise1. Aber wie, wenn in der altisraelitifchen Lite-
find m. E. von fehr verfchiedenem Werth. Am Wenigften ■ ratur fo auffallend wenig von diefer moralifchen Gottes-

wird fich gegen die letzten Capitel einwenden laffen;
denn man wird z. B. dem Verf. billiger Weife keinen zu
fchweren Vorwurf daraus machen, dafs er noch aus
Jer. 17 Schlüffe auf die Bedeutung zieht, die der Prophet
dem Sabbath eingeräumt habe (S. 177), obgleich ja
Jer. 17, 19—27 ,den Stempel der Unechtheit an der Stirne
trägt'. Man wird fich hier vielmehr über die frifche,
gefchickte Darftellung nur freuen. Anders mufs ich über
die Anfangscapitel urtheilen. Hier geräth das Beftreben
des Verf.s, der Gefchichte erbauliche Gefichtspunkte abzugewinnen
, mit den einfachften Refultaten der modernen
Kritik fo ftark in Collifion, dafs feine Darfteilung von
einer unerträglichen Halbheit wird, die, wie ich fürchte,
mehr Unklarheit fchaffen wird als Aufklärung. Ich hebe
nur einzelne Punkte hervor: Der Verf. fpricht von den
religiöfen Erfahrungen der Erzväter, zunächft Abraham's:
,Dieu sc manifeste par la conscience individuelle . . . Dien
dispose des forces de la nature' (S. 34) u. f. w. Von Abraham
zu Jakob, von Jakob zu Jofeph führt Seitens Gottes
,une education progressive1 (S. 19). Jofeph hat nur einen
Fehler, fest un ndif et instinetif orgueil, ne d'ailleurs de
la conscience de sa superiorite morald (S. 17). Diefer
Glaube an das in der Genefis von Jofeph entworfene
Bild fchliefst nicht aus, dafs Fulliquet urtheilt, feine
Träume feien alle machträglich fabricirt' (S. 18 Ai). —
Aber nun Mofe! Er hat nur eine Schwäche, nur einen
Fehler vielleicht, dafs er nämlich keine Schüler gebildet
hat, die nach ihm fein Werk hätten vertheidigen und

vorftellung zu finden ift? Fulliquet hat eine wunderbar
naive Antwort darauf: ,La tradition religicusc semble
s'etre donne pour fache de garder, de conserver precieuscmcnl
les notions cnfantines et erronees du peuph, plutöt que la
coneeption morale de Mdise. Si bien que les superstitions
des Hebrcux sont devenues article de foi, et que notre
tentative de retablir a leur place les vues plus saines et
plus hautes de Aloise, apparaitra ix plus d'un comme un
sacrilege et une oeuvre de negation et d'incredulite'] (S. 34)
Voll falfcher Züge ift weiterhin das Bild, das Fulliquet
von Samuel zeichnet. In der Einfetzung des Königthums
habe er einen fchweren Irrthum und wirkliche Rebellion
gegen Jahve gefehen (S. 66). Er habe die individuelle
Frömmigkeit verlangt und innerhalb der Nation die
Kirche gegründet, eine demokratifche Theokratie (ebenda)
u. f. w. — Sehr fchillernd ift das Urtheil über David.
Einmal heifst es (S. 84): ,Nous voyons ici ce nielange de
piete superstitieuse, d'astuce, de cruaute et d'orgueil, qui
fait de David un etre si deplaisantl Andererfeits: ,// est
certain que David est un homme complet, qui repond a tous
les besoins de la Situation cxceptionnellement brillante qui
Im est faite, qui n'en est pas ecrase, mais qui la domind
(S. 91). Er hat fich wahrfcheinlich als frommer und in-
fpinrter Sänger in den Prophetenlchulen ausgezeichnet;
aber wir haben nicht viel von ihm abgefehen vom authen-
tifchen Klagelied auf Saul und Jonathan (S. 86). Ein
Vorwurf wird ihm daraus gemacht, dafs er die moralifche
Gefahr feiner Umgebung nicht erkannt habe, dafs er

fortfetzen können (S. 33 f.). Er hat die Erfahrung des ; nicht als einfacher Privatmann in die Fremde geflohen

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