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Ausgabe:

1902 Nr. 18

Spalte:

492-493

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Berger, Samuel

Titel/Untertitel:

Les préfaces jointes aux livres de la Bible dans les manuscrits 1902

Rezensent:

Dobschütz, Ernst

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Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 18.

492

theils in dem der Conjectur (212 33 g 426 ftatt B? tvna
lieft D. na tVHB, 4219 504 525, 14f. 5310 5910 6314 647),
theils in der Urfprungsfrage (425—720—22 4981224t. 502
5110 5921); hierbei find inzwischen gemachte Vorfchläge
theils angenommen, theils abgewiefen. Die jefaianifchen
Stücke erfcheinen nicht mehr in dem überaus fetten
Drucke, fo dafs die Raumerfparnifs den Erweiterungen
zu gute kommt.

Duhm's Commentar zufammen mit den Werken von
Cheyne und Marti: das ift eine imponirende Probe von
der heutigen Arbeit an diefer centralen Partie des A. T.

Leonberg. P. Volz.

Facsimiles of the fragments hitherto recovered of the book
Of Ecclesiasticus in Hebrew. Oxford — Cambridge 1901,
University Press (London, Henry Frowde. — J. J.
Clay & Sons). (V S. Text u. 60 Taf. Fcfms.) 21 s.

Vom hebräifchen Originaltexte der Weisheit des
Jefus Sirach find bis jetzt mehr als drei Fünftel des
Ganzen entdeckt, und zwar in Fragmenten, die vier
verfchiedenen Handfchriften entflammen. Aus einer
Handfchrift (A) find c. 3 eb— 1626 a, aus einer anderen
(B) c. 3011—33 (36)3- c. 35 (32)11—3827b c. 3915c—5130
erhalten. Aufserdem enthält eine dritte Handfchrift (C)
einzelne Verfe aus Capp. 4. 5. 6. 7. 18. 19. 20. 25. 26. 27,
und eine vierte (D) c. 3629—38 a in einer Textgeftalt, die
fich ziemlich genau mit den Randlesarten der Handfchrift
B deckt.

Die Fragmente befinden fich an fieben verfchiedenen
Orten, nämlich in der Univerfitätsbibliothek in Cambridge,
der Bodleiana in Oxford, dem Britifchen Mufeum, der
Bibliothek des israelitifchen Confiftoriums in Paris, z. Th.
aber auch im Privatbefitze der Mrs. Lewis und Mrs. Gibfon,
E. N. Adler's und M. Gafter's. Um fo gröfserer Dank
gebührt diefen allen dafür, dafs fie ihr Eigenthum für
die vorliegende Publication zur Verfügung gefiellt haben.

Einige Facfimiles find Reproductionen von bereits
bekannten. Das Blatt der Mrs. Lewis und Mrs. Gibfon
(=39iäc—408) ift vermuthlich nach der Ausgabe von
Schechter-Taylor wiederholt, ebenfo die Blätter 3 und 4
der Hdfchr. A nach Jewish Quarterly Review, April 1900
S. 466, ein Blatt der Hdfchr. C nach ebenda S. 694 ff.,
und das einzige Blatt der Hdfchr. D nach der Revue
des Etüde s jmves XL Nr. 79 S. 1 ff. Die übrigen find
aber neu hergeftellt, namentlich find auch die früheren
Facfimiles der Blätter der Bodleiana (vgl. ThLZtg. 1897,
Sp. 265 ff.) durch weit beffere erfetzt.

Somit ift bis auf einen gewiffen Grad Jedermann in
Stand gefetzt, die bisherigen Editionen auf ihre Zuver-
läffigkeit zu prüfen, für die weitaus meiften Blätter er-
fetzen diefe Facfimiles geradezu die Originale. Das
Letztere gilt namentlich von den Handfchriften A, C
und D, weniger von den z. Th. ttark befchädigten Blättern
von B.

Cowley, Israel Levi und Schlechter haben unterdeffen
die Handfchriften mit grofser Sorgfalt neu verglichen und
manche Einzelheiten richtig gefiellt. Dafs aber auch die
Facfimiles von erheblichem Nutzen find, mögen folgende
Beifpiele lehren, c. 731 finde ich ftatt des von Israel Levi
mit Recht angezweifelten B'nilK vielmehr Di[B]ES (==stsgl
jtXTjfifieXeiag), und der für die Cultusgefchichte nicht
gleichgiltige Vers lautete dem Anfcheine nach:

■f nanni bi[b]ös "srib
:irnp nanni p-js ^[ror]

Unter Dtlb verftand der Grieche (dscaQYfj) wohl mit
Recht die fibn von Num. 1520.— 10 20 fleht ftatt des
vom Herausgeber ergänzten 12BB im Texte . . SO. Ich
hatte vermuthet, dafs der Grieche (ßv wpücüfiolg avzov)
•BSO in 113V3 verlefen habe. — 1028 fleht ftatt tTD».... B
in der Handfchrift m RSVO [Qy]ü; vgl. 3717 Hebr. —
114 finde ich ftatt flWa vielmehr riESO. —

I 1124 fleht im Texte ny W ".[»]» fi[T i]S iflS 1*1 = ich
1 habe mein Theil, welches (Unheil) könnte über mich
kommen! — 37ig fleht B^TJBÜ (cfLCod. D B'iE'BnÜ) und
nicht B^BBO und 3827aB»[ini] «"in filEO — In dem
fehr genauen Abdrucke, den Israel Levi in der Revue
des Etttdes juives von Cod. D gegeben hat, ift mir nur
aufgeflofsen, dafs er 3730 Jlipi lieft, wofür m. E. jap"1
im Texte fleht.

Befonderen Dank verdienen die Oxforder und Cambridger
University Press'' noch für den billigen Preis
diefer höchft werthvollen Publication.

Göttingen. R. Smend.

Berger, Samuel, Les prefaces jointes aux livres de la Bible
dans les manuscrits de la Vulgate. Memoire potthume.
(Extrait des Memoires preTentes par divers savants ä
l'academie des inscriptions et belles-lettres, Ire serie,
tomeXI.IIe partie.) Paris 1902, C. Klinckfieck. (78 S. 4.)

Fr. 3.20

Allzufrüh der Wiffenfchaft entriffen, hat S. Berger
vieles von dem werthvollen Material, das er auf ausgedehnten
Reifen, auch noch in den letzten Jahren, ge-
fammelt hatte, nicht mehr verarbeiten können. Mit weh-
müthiger Freude begrüfsen wir diefes opus posthumum,
das, von Freundeshand in Druck beforgt, als ein Ab-
fchiedsgrufs von langem Krankenlager zu uns kommt. Es
legt von dem unermüdlichen Fleifse und der Gelehrfam-
keit des Verfaffers ein ebenfo fchönes Zeugnifs ab wie
von der feinfinnigen Art, mit der er auch dem fpröden
Stoffe Intereffe abzugewinnen und ihn in anziehender Form
darzuftellen verftand.

Schon in feiner Histoire de la Vulgate, 1893, hatte
Berger auf die Wichtigkeit der Beigaben zu dem Bibeltexte
hingewiefen und befonders der Stichometrie, der
Reihenfolge der biblifchen Bücher und den Capitelein-
1 theilungen feine Aufmerkfamkeit gefchenkt: grofse Ueber-
I fichten über den handfehriftlichen Befund, eine hochwillkommene
Orientirung für alle Mitforfchenden, liefsen er-
rathen, über welch' eine Fülle von Material der Autor
; verfügen konnte. Neben den Capiteltafeln flehen in den
Handfchriften diePraefationen(Prologe, Argumente); ihnen
ift diefe Arbeit gewidmet. Aus mehr denn I2O0 Codices
hat Berger fie ausgezogen und theilt hier die Initien —
es find 324 Nummern — überfichtlich geordnet mit. Er
gefleht felbfl, dafs er kaum die Zeit zu einer fbichen unendliche
Ausdauer erfordernden Arbeit finden zu können
gehofft habe — es ift vielleicht bei uns nicht allgemein
bekannt, dafs er neben feiner Stellung als Profeffor,
Secretär und Bibliothekar der theologifchen Facultät bis
zuletzt auch ein Predigtamt bekleidete und die feiner Für-
| forge anvertrauten Kranken des Hofpitales Laennec treu
befuchte —, hätte nicht die lange Krankheit ihm unfrei-
| willige Mufse dazu gegeben. Aufser Liften der benutzten
Druckfchriften und der Abkürzungen find diefer Ueber-
ficht noch zwei chronologifch geordnete Verzeichnifse der
I datirtenund der undatirten Vulgatahandfchriften angefügt,
eine Beigabe, die befonders werthvoll und auch neben
Gregory's Textkritik S. 824—846 fehr willkommen ift.
Diefes reiche Material ift nun die Grundlage, auf der
! fich die S. 1—32 gegebene, meifterhaft gefchriebene Ge-
fchichte der Praefationsliteratur aufbaut, der man es an-
! merkt, wie der Verfaffer hier aus dem Vollen fchöpft.
Nachdem er kurz die Aufgabe einer künftigen Gefchichte
der Vulgata f kizzirt, und die Bedeutung diefer Praefationen
fowohl für die Handfchriftengruppirung als vornehmlich
für die Auslegungsgefchichte beleuchtet hat, zeigt er, dafs
vor Hieronymus nur die bekannten monarchianifchen
Evangelienprologe vorlagen. Hieronymus hat in feinen
durchaus perfönlich gehaltenen Dedicationen die Grundlage
zu den biblifchen Praefationen gefchaffen. Manches
| freilich, was unter feinem Namen geht, gehört ihm nicht