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Ausgabe:

1902 Nr. 1

Spalte:

469-474

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

McGiffert, Arthur C.

Titel/Untertitel:

The Apostles‘ Creed 1902

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

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469

Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 17.

Texte hier eben fo wenig etwas wie Mc. 631fr.; nur von I Quellen wird es fich darum handeln, wer die glücklichfte
einem Ausblicke auf das meflianifche Mahl ift die Rede. 1 Idee fafst. Siegreich wird diejenige bleiben, die eine
Auf Nebenfachen, wie Druckfehler, Verwechfelungvon 1 gewiffe unmittelbare Ueberzeugungskraft für die Kenner
Wunfche und Weber S. 28, zweimalige falfche Wiedergabe der Zeit c. 100—175 in fich trägt und mit dem geringften
des Titels des Weber'fchen Werkes S. 28 und 65 etc. gehe 1 Maafse von Nebenhypothefen fich an dem Wortlaute
ich nicht ein. Dagegen möchte ich nicht fchliefsen, ohne j von R durchführen läfst.

dem Verf. für feine Gabe wärmften Dank zu fagen. Gerade McGiffert ift ein Schüler von Harnack (aus feiner

auch das zweite Heft enthält neben dem Angefochtenen Marburger Zeit). Das hat genügt, ihm an einem Herrn
vieles, in dem ich durchaus einer Meinung mit ihm bin. John A. W. Haas, B. D., der über feine Schrift ein
Da alle wichtigen Fragen des Lebens Jefu berührt werden, paper1 vor , The Lutheran Society for New Testament
war es unmöglich, auf das einzelne einzugehen. Vor Study1, in New York vorgetragen hat, einen grimmigen
allem aber kann die Fülle neuer Gefichtspunkte, die der ; Gegner erflehen zu laffen. Es ift bedauerlich, dafs die
Autor bietet, unferer Wiffenfchaft nur dienlich fein, auch , lutherifche Theologie in Amerika folche leidenfchaft-
wenn fich meiner Ueberzeugung nach vieles bei weiterer ; liehe Vertreter befitzt. Herr John A. W. Haas, B. D.,
Nachprüfung als nicht probehaltig erweifen wird. Die | hat Kunze's Buch gelefen und glaubt fich nun beSprache
ift fliefsend, die Darftellung gedrungen, fcharf rechtigt, in abfprechender Weife über alle herzufallen,
pointirt und durchweg anregend. | die anders denken. Von mir berichtet er im Eingange,

., ,, c r„.„ uniim.nn | was mich amüfirt hat, dafs ich zu ,Harnack's schooT

Halle a S deorg nonmann. ... , . V i_ • • . , .. ....

nunc a. _p gehöre und wie diefer bei meiner Arbeit über

_ _. . „ TT 7 das apoftolifche Symbol nichts im Sinne gehabt habe.

McGiffert. Prof. Arthur Cushman, The Äpostles Creed- als ^ fmst Ritschlianism uf>on the durch'. Ich fühle
Its Origin, Its Purpose, and Its Historical Interpre- mich nicht verpflichtet, die Argumente, die in Haas'
tation. ALecture, with Critical Notes. New York 1902, I paper wider McGiffert vorgebracht werden, hier zu be-
Ch Scribner's Sons (VII, 206 S. gr. 8.) S 1.25 j leuchten. Ueber Kunze habe ich mich im vorigen Jahr-

, a „, u r» u„ „„ *hn »BMii„.r,„„j Sange Nr- 1 geäufsert. McGiffert fcheint deffen Buch

Haas. John A. W, B. D., Mc. Gittert on the Apostles'Creed. nicht kennen |dernt zu haben E{ne Auseinanderfetzung

A criticism of his method in determining the place, ; mit ihm wird er noch einmal nachholen müffen, wenn

date. purpose and origin of the Creed. Paper read | er feine Thefen völlig durchfechten will.*)

before The Lutheran Society for New Testament 1 . D>e wichtigfte unter diefen ift nun die, dafs R

Study, New York. Philadelphia, Pa., 1902, Lutheran
Church Review. (18 S. gr. 8.)
In der Weife, die die Engländer lieben, hat Herr

zwifchen 150 und 175 in Rom gefchaffen fei und
antimarcionitifche Tendenz habe. Er findet, dafs
es ficher zurückzuverfolgen fei bis auf Irenäus, d. h.
etwa bis 175. Frühere Spuren gebe es nicht. Infofern

McGiffert, Profeffor am Union Theological Seminary | ift er wefentlich in Uebereinttimmung mit Harnack.
in New York, feine Auffaffung vom Urfprung, Zweck Er wundert fich, dafs Harnack nicht bereits erkannt
und hiftorifchen Sinn des apoftolifchen Symbols in einer 1 habe, was ihm evident zu fein fcheint, dafs man
,Lccture' kurz und knapp vorgetragen, dann aber eine in Rom durch Marcton's Auftreten veranlafst worden
Reihe von ausführlichen xritical notes' beigegeben. Der fei, ein Tauffymbol zu fchaffen und dafs R nicht zu

Vortrag füllt S. 3—36, die Anmerkungen den Reff des
206 Seiten umfaffenden Buches. In den letzteren wird behandelt
I. der Text des altrömifchen Symbols, R, im
4. Jahrhundert, II. die Zeit der Entftehung von R, III. der
urfprüngliche Text von R, IV. der Ort der Entftehung
von R, V. der Zweck von R und fein hiftorifcher Sinn,
VI. R und die Taufformel, VII. der gegenwärtige Text
des apoftolifchen Symbols.

McGiffert fchreibt fehr gefchickt und beherrfcht das

begreifen fei, wenn es nicht als wider den Marcionitismus
gerichtet gefafst werde. Von vornherein fei zu ver-
muthen, dafs R als ein ,protest against errors1, entftanden
fei. Denn fo feien alle ,great historical creeds' entftanden.
Die Verwirrung, die in Rom durch Marcion geffiftet
worden, fei fo grofs gewefen, dafs es vollauf begreiflich
werde, wenn man dort jetzt befondere Vorkehr getroffen
habe, jedem Täufling in autoritativer Weife, d. h. in
einem Symbol, den wahren kirchlichen bez. apoftoli-

Material, foweit es die directen Quellen für R betrifft, fchen Glauben zu ,überliefern'. Man dürfe zwar R nicht

vollftändig. Von der Umficht, mit der er es behandelt,
wird jeder zu lernen vermögen. Er hat feinen Vortrag
1899 ausgearbeitet und ihn nachher mit Bezug auf die
neu erfcheinenden Werke weiter geprüft. Von meinem
Werke war 1899 der Schlufstheil noch nicht erfchienen.
In diefem erft gebe ich meine Interpretation von R. Ich
meine, dafs auch andere als ich, den Eindruck gewinnen
werden, dafs McGiffert mit Bezug auf fie wefentlich nur
noch nach Gefichtspunkten gefucht hat, wie er feine früher

r, , r 0 , _ c- j -v 1 1 Händigen onentalifchen Typus des Tauflymbols eiebt es nicht unV

gewonnene Ueberzeugung von dem Sinne und Zweck , Kattel^ufch nachgewiefen Zt und wie ich Ewtfror IhmÄS

von R behaupten könne. Das foll kein Vorwurf fein. ; „Antwort auf Cremers Streitfchrift" 1892, S. 9ff. behauptet habe' Er
Er felbft hat einen Gedanken gefafst, der durchaus ver- j hätte fchon auf Dogmengefch. I >, 1886, verweifen dürfen, wo er S. 259,
dient, Zäh vertheidigt ZU werden. Mag McGiffert Recht | Aum- 1 faft wörtlich eben dies Refultat niedergelegt hat. Ich habe
haben oder nicht, fo hat er der Forfchung einen Dienft ! 7.^.7. |,332 72?f- genau den jeweilen erreichten Standpunkt Har-

gethan, indem er feinen Gedanken veröffentlicht und , ^l^^™^^ die

felbft mit einiger Achtloflgkeit auf die Begründung, die I im Auge behält. Er ift auch jetzt keineswegs vollftändig meinen An

unmittelbar als ,regula fideP gefchaffen denken, vielmehr
wollte und follte es an und für fich nur ,fides'
fein. Aber es hob an der fides naturgemäfs nun in

*) Anmerkung bei der Correctur. Ich fehe foeben, dafs
Kunze (Theol. Litbl. 1902, Nr. 19) in feiner Recenfion meines 2. Randes
die Frage nach dem Verhältnifs zwifchen Harnack und mir unter dem
Gefichtspunkt beleuchtet, dafs Harnack in feinem Artikel ,Apoft. Symbol'
PRE 3 I in betreff meiner ,Hauptthefe ein Prioritätsrecht in Anfpruch
nehme'. H. fchreibt a.a.O. (S. 747, Z. 45f): .einen allgemeinen felbft-

andere für ihre Gedanken geboten haben, zu empfehlen
gefucht hat. Nach der Vorrede hat er in meinem Werke,
dem er übrigens fo viel Anerkennung zu Theil werden
läfst, als ich nur wünfehen kann, pome serious defects
in method1 gefunden. Das geht mir mit ihm ebenfo. Es
lohnt fich nicht, darüber in abstracto zu ftreiten. Ohne

fchauungeu zur Seite getreten. Ich war 1886 bereits längft der Meinung,
dafs R die Mutter aller ihm .ähnlichen', auch der orientalifchen Symbole
fei. Dafs ich zu diefer Anfchauung oder einer Vorform durch Harnack
angeregt fei, ift mir nicht bewufst. Soviel ich mich erinnere, bin ich zu
meinen leitenden Gedanken überhaupt von mir aus gekommen; vgl.
II, S. 956 fr. H. hat in der Recenfion des 1. Bandes (ThLZ.'1894
Sp. 579ff.) des regen Austaufches zwifchen uns in den gemeinfamen

Hypothefen kommt McGiffert fo wenig aus, als ich und j ^-f^°f:r J?VIe" (1S79 —»S86) gedacrit. Ich bin im Einzelnen durch ihn

irgend wer, der die Urfprunge des Tauffymbols aufzu- , 2?2£ Ä' %t

,■ , . j ir r 1 , Ii at l j . i . uioises .emprangen aut meiner Seite. Ift es auffallend, dafs

lichten den Verfuch machen Will. Nach der Art der wir uns in einer Frage, wie der berührten, vielfach begegneten?