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Ausgabe:

1902 Nr. 16

Spalte:

445

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Athanasiades , A.

Titel/Untertitel:

Die Begründung des orthodoxen Staates durch Kaiser Theodosius 1902

Rezensent:

Krüger, Gustav

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Seite 1

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445

Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 16.

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verwertet worden. Dagegen dürfte die in der katholi-
fchen Kirche geübte Deutung der kirchlichen Entfchei-
dung die Künfte der im Lager des Proteftantismus gepflegten
Schrifterklärung doch übertroffen haben. So hat
der Verf. eines umfangreichen Werkes über die Stelle
1. Joh. 57, Herr Abbe Martin fleh mit dem Decret des
Tridentinums, das den römifchen Schriftkanon, libros
ipsos integros cum omnibus suis partibus, unter die

täufchung, da derfelbe die fchon im fünften Jahrgange
erwartete Fortfetzung der von D. Kayfer bis zum Jahre
1121 herabgeführten Kirchengefchichte Hannover-Braun-
fchweigs nicht enthielt. Es wäre in hohem Grade zu
beklagen, wenn D. Kayfer durch das Erfcheinen der
kurzen Hannover'fchen Kirchengefchichte von Uhlhorn
fleh abhalten liefse, feine werthvolle Arbeit weiter zu
führen. Hoffentlich folgt er dem Beifpiele Loefche's, der

Sanction der Kirche Hellt, dadurch abgefunden, dafs den kurzen Abrifs der Gefchichte des Proteftantismus
diefer Vers nicht als Theil (parlie), fondern als Theilchen in Oefterreich eine Abfchlagszahlung nennt, welcher
(parcelle) anzufehen fei: fomit fällt die Verwerfung jenes eine umfangreiche Darfteilung folgen foll.
Verfes nicht unter das Gericht des kirchlichen Anathema Das neue Heft giebt drei gröfsere Arbeiten. Schulrath

(S. 227). — Der Verf., welcher niemals fein perfönliches DD. Koldewey hat Matthias Bracht von Kaffel eine aus-
Urtheil dem Lefer aufdrängt und fleh damit begnügt, führliche Biographie gewidmet, die derfelbe freilich mehr
die Thatfachen und die Zeugnifse vorzulegen, verzichtet | als Vater des Roftocker Humaniften Joh. Cafelius verdient,
darauf, das Facit der von ihm erzählten Gefchichte zu j alswegenfeinereigenenBedeutung,obwohlderSchulmeifter
ziehen oder auch die für die Zukunft fleh erfchliefsenden ! von Göttingen es zeitweilig einmal zum Superintendenten
Ausfichten zu zeichnen. Er deutet nur an, dafs die hiftori- ' brachte, um bald wieder zum fchlichten Prediger und
fche Kritik der Autorität der Kirche entwachfen ift {la cri- Kaplan, ja felbft zum Schulmeifter herabzufteigen, ohne
tique scripturaire etait secularisee, S. 278), fonft aber bleibt | auch bei feiner Verpflanzung nach Mecklenburg wieder
er an einer für die unmittelbare Gegenwart aufserordentlich 1 emporzufteigen. Koldewey hat felbft empfunden, dafs
intereffantenEpifode flehen: dieRede von Mgr.Mignot,Erz- diefes Lebensbild noch manche Lücken zeigt. S. 44
bifchof vonAlbi, La Metbode de la tkeologic (13. November Anm. 2 1. Wittenberg.

iCjOl in welcher der Kirchenfürft den franzölifchen Klerus D. Knoke hat ,die deutfehen lutherifchen Kateauffordert
, das Studium der proteftantifchen Theologen , chismen in den braunfchweigifch-hannover'fchen Landen
Deutfchlands eifrig zu betreiben, hat bereits im katholi- j während des fechzehnten Jahrhunderts'einer Unterfuchung
fchen Lager einen Sturm der Entrüftung hervorgerufen, unterzogen, welche die Wiffenfchaft um ein gutes Stück
Mit einer beredten Stelle aus jener Rede fchliefst das j überEhrenfeuchter(,ZurGefchichtedesKatechismusmitbe-
Buch Houtin's, der fleh offenbar die Worte des hohen ] fonderer Berückfichtigung der Hannover'fchen Landes-
Redners aneignet und feine eigene Stellung in diefen kirche' 1857) und Ernefti (,Zur Orientierung über die Kate-

Worten charakterifirt findet: .Accordons aussi aux savants

chismus-Literatur der evangelifch-lutherifchen Kirche mit

catholiques le droit tres humain de se tromper quelque- befonderer Rückficht auf den Stand der Katechismus-

fois . . . Laissons h la discussion le temps de faire son
oeuvre; n'y faisons usage que de procedes scientifiques, et
non point de ccs invectives oh de ces violences qui temoignent
d'uu zele pour l'Orthodoxie plus digne de Chevaliers errants
que de savants conscicncicux. Uaucuns s'inquielenl de
voir quelques-unes de nos conclusions scientifiques edincider
avec les opinions emises par les savants heterodoxes ou non
chretiens; äs appellent ccla protestantiser l'Eglise, la ratio-
naliscr. Les barbarismes n'empeckeront pas la science d'etre
une, la certitude de s'imposer ä Vesprit de L komme, et
la tkeologie serieuse d'accueillir toute verite d'oü quelle
vietme1.

Strafsburg i. E. P. Lobftein.

Angelegenheit im Herzogthum Braunfchweig' 1S59) hinausgeführt
hat. Es wird fleh aber lohnen, nachzuforfchen,
ob nicht der Brenzifche Katechismus im ,Reiche' (! S. 93)
des Herzogs Julius von Braunfchweig-Wolfenbüttel Eingang
gefunden hat. Bekanntlich hat Jak. Andrea 1568
die Kirche in dem ziemlich befcheidenen Gebiete des
Herzogs geordnet und mehrere fchwäbifche Magifter aus
dem Stift zu Tübingen dorthin verpflanzt, von denen es
Bafll. Sattler bis zum Hofprediger und Generalfuperin-
tendenten brachte. Nach Henke ADB I, 439 Württb. KG.
(1893) S. 384 hat die Thätigkeit Andreä's und jener württb.
Magifter ,der kleinen Landeskirche württembergifche Züge
zurückgelaffen', die bis in die Gegenwart hinein zu erkennen
find. Die Frage nach dem Nutzen des Gefetzes

... . . r,r au- , .. j-, * n:. D.n.,':.j.inn und deffen Erfüllbarkeit in der ,korten Summe' des Luk.
Athanasiades, Pfr. u. Arch.mandnt Dr. A., D.e Begründung | Loffms berühft fich mJt der mjt diefem fchwer_

des orthodoxen Staates durch Kaiser Theodosius den Grossen, fälligen Anhang heute noch im württb. Katechismus das
Leipzig 1902, O. Haraffowitz. (47 S. gr. 8.) M. 1.60 j Hauptftück von den Geboten belaftet. Die Elcmenta
Warum diefe Arbeit gefchrieben werden mufste.iftmir j Agrikola's deswegen den ,älteften Welfenkate-

nicht klar geworden. Neues bietet fie gegenüber Richter, ! chismus' (vgl. S. 110) zu nennen, S. 83, weil fie Ernft V.
Güldenpenning-Ifland und vor allem Raufchen, 1 von Braunfchweig-Grubenhagen gewidmet waren, ift doch
deffen Jahrbücher' derVerfaffer bezeichnender Weife gar : im Jahre l902 kaum mehr .angängig'. Denn diefer Kate-
nicht zu kennen fcheint. nicht. Von wiffenfehaftlichem 1 chismus war auch dem Grafen (nicht Prinzen) Kaspar
Sinne zeugt fie nicht: man braucht nur den kritiklofen Be- 1 von Mans'eld gewidmet; fein Gebrauch im Weifenlande
rieht über das Blutbad von Theffalonich und dieBufsedes ,fl Sar n,cht nachgewiefen. S. III ift der Satz: ,Kafpar
Kaifers mit den forgfältigen Erwägungen Raufchen's zu | Hubennus Wlrkte feit 1525, afterdings mit wiederholter,
vergleichen, um deffen ganz fleher zu fein. Populäre
Zwecke fcheint der mit gelehrtem Apparat arbeitende
Verf. auch nicht zu verfolgen. Alto ift die Frage
cid bono wohl berechtigt.

durch Ausweitung verurfachter Unterbrechung als Prediger
in Augsburg' nach Kolde, Huberinus R. E. VIII. 415 und
Fr. Roth, Augsburg. Reformationsgefchichte, gründlich
zu revidiren. Denn H. ift erft zehn Jahre fpäter Prediger
geworden und nie aus Augsburg ausgewiefen worden,
fondern freiwillig dem Rufe nach Oehringen gefolgt und
I552 durch Moritz von Sachfen in feiner Thätigkeit für
Zeitschrift der Gesellschaft für niedersachsische Kirchen- das Interim in Augsburg geftört worden. S 125 ift
geschichte, unter Mitwirkung von Abt D. G. Uhlhorn Knoke allzu vertrauensvoll Spiegel gefolgt, wenn er H.

Bonnus=Gude fetzt. Den Beweis für diefe Gleichung ift

Giefsen. G. Krüger.

und Prof. D. Paul Tfchackert herausgegeben von
Superint. D. Karl Kayfer. Sechfter Jahrgang. Braunfchweig
1901, A. Limbach. (III, 288 S. gr. 8.) M. 5.—

Zunachft brachte der neue Jahrgang diefer fehr gut
redigirten Zeitfchrift dem Ref. eine fchmerzliche EntSpiegel
fchuldig geblieben. Die Form bonnus würde' der
trefflichen Schule, die der Osnabrücker Reformator genoffen
, wenig Ehre machen, wenn er fie im Sinne von
gut gebrauchen wollte. S. 128 Z. 24 ift wohl 1565, S. 133
Z.22 Klenod zu lefen. Sehr lebhaftes Mitgefühl mit den