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Ausgabe:

1902 Nr. 15

Spalte:

423-425

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Clemen, Otto

Titel/Untertitel:

Beiträge zur Reformationsgeschichte 1902

Rezensent:

Bossert, Gustav

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423 Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 15. 424.

— Ib., Sp. 2, Z. 23. Das zweite S in xiüsps ift: zu ftrei-
chen. — S. 33, Sp. 2, Z. 20. »rälSbtt *>by bed. nicht: ,wie
fie hervorgebracht zu werden pflegen', fondern: gemäfs
ihren Organen; ilbü (hebr. SSltt) hat die concrete Bed.:
Sprachorgan, eig.: der Ort in der Mundhöhle, aus welchem
die betreffenden Confonanten herauskommen (f.
Abulwalid's Luma', c. 2). — S. 34. Zum Art. oLivi* ift

der Artikel nn in Abulwalid's Wörterbuche zu vergleichen
. — s. 40, Sp. 1, z. 15. st. nsr^ai 1. nx-pm. ib.

Z. 18. St. niSppypl 1.: ninppym. Uebrigens hat Deren-
bourg die Ueberfetzung vom alten Ueberfetzer übernommen
.— S.44, Anm. i. Wenn Derenbourg rnilbs mit 1-DDP!
überfetzt, meint er nicht P2BP ,die Urfache', was allerdings
unverftändlich wäre, fondern wohl Pa&i"J (f. Levy's Wörterbuch
I, 482a); der alte hebr. Ueberfetzer hat 2130. —
S. 45, Sp. I, Z. 12 ff. Anftatt ,für nöthig halten' wird
überall beffer ,für richtig halten' zu fetzen fein (vgl. das
Verbum der Mifchnafprache in diefer Bedeutung).

— S. 6b, Anm. 3. Die hier vom Verf. vorgefchlagene
Lefung ,)1220rV> ftatt j12*'DrP im Comm. zu Tohoroth VII, 6
(ed. Derenbourg. Bd. III, S. 51, Z. 27) ift fchon von Derenbourg
ftillfchweigend angenommen, denn er überfezt:
1221D Aber richtig ift doch dem Zufammenhange nach

nur ^^ajLwJL:- Es ift von den Dieben die Rede, die
fleh nicht frei bewegen, iich nicht gehen laffen, aus Furcht
gefehen zu werden. — S. 62, Sp. 1, Z. 10 ff. S. dagegen
meine Schrift: Die Bibelexegefe Mofes Maimüni's S. 32,
Anm. 3. — S.64, Sp. 2, Z. 2 von unten. Der Sinn im Sefer
Hamizwoth, S. 65, Z. 12, der dem Verf. nicht klar ift, wird
fofort deutlich, wenn unter Qi'oybS IPttJObX nicht, wie
fonft, die Scene der Offenbarung am Sinai, fondern, wie
nach dem Zufammenhange allein möglich, die Scene
der in Daniel 3 gefchilderten Begebenheit, wo vor den
verfammelten Völkern und Staatswürdenträgern die Anbetung
des Götzenbildes ftattfand, verftanden wird. —
S. 70, Sp. 1, Z. 12. St. rbüJB 1. Ti^BB oder (genauer)
ibt£>B; es ift Subftantiv zu ftWD (Lev. 13 5). — S. 73,
Sp. 2, Z. 24. Die Wurzel ift ganz zu ftreichen. Die

angeführten Verbalformen find als Juffive zu ^.bj (irjl)
zu erklären. — S. 85, Sp. 2. -^.yi ift zu ftreichen; nur

dj^j ift richtig (T"*)- Es ift das Wort, mit welchem

Saadja bl3"0 in Lev. 23 u und O^ax in Lev. 2 u wieder-
giebt (ebenfo Abulwalid s. v. bO20). Unter bO"lO find
nicht .Gartenfrüchte' zu verliehen (diefes Wort fcheint
der Verf. aus Gefenius übernommen zu haben), fondern
die frifchen Getreidekörner. — S. 118, Sp. 2, Z. 8. ppiobx
im ,Buche der Gebote', S. 65, Z. 15 bedeutet wahrfchein-
lich dasfelbe, was das drei Zeilen vorher flehende iPOJObtt
(oben zu S. 64).

Indem ich noch die fchöne Ausftattung der Schrift
und die vorzügliche Correctheit des Druckes hervorhebe
, fpreche ich den Wunfeh aus, dafs der zweite,
grammatifche Theil recht bald erfcheinen möge.

Budapeft. Wilhelm Bacher.

Clemen, Gymn.-Oberlehr. Lic. Dr. Otto, Beiträge zur Reformationsgeschichte
aus Büchern und Handfchriften
der ZwickauerRatsfchulbibliothek. Zweites Heft. Berlin
1902, C. A. Schwetfchke & Sohn. (IV, 147 S. gr. 8.)

M. 4.—

Kaum ein Jahr nach den Erfcheinen des erften Heftes
läfst Clemen ein zweites mit neuen werthvollen Beiträgen
zur Reformationsgefchichte folgen, das gleich dem erften
noch eines Regifters entbehrt, das in einem dritten Hefte
folgen foll. Clemen bietet an gröfseren Auffätzen, welche
aus der reichen Reformationsliteratur der Zwickauer Raths-
fchulbibliothek und handfehriftlichen Aufzeichnungen
fchöpfen, 1. die Verhandlung des Bifchofs Adolf von

j Merfeburg mit dem Pfarrer Stumpf von Schönbach und
Klotzfch von Grofsbuch über die Priefterehe und das
Fallen, ferner Lebens- und Charakterbilder: 2. von Simon
Haferitz, dem einfügen Amts- und Gefinnungsgenoffen von
Thom. Münzer, 3. von Georg Mohr, dem Wittenberger
Schulmeifter 1521 und fpäteren Pfarrer zu Borna und S.
Thomas in Leipzig, 4. von Ulrich Hugwald, dem Basler
Humaniften, Drucker, Wiedertäufer und fpäteren Profeffor.
5. von Diepold Beringer von Ulm, gewefenem Mönche
im Klofter Echenbronn, dem fogenannten Bauern von
Wöhrd. Dann folgen Spalatiniana und zwar erftlich ein
Brief von Spalatin an einen Studenten aus Melanchthons
Schola privata, Jordan Hertzheimer, dann 22 Briefe an
Spalatin. Die Zwickauer Rathsfchulbibliothek belitzt näm-

j lieh 201 Briefe von Joh. Fr. Hekel, dem Herausgeber jener

1 feltenen Brieffammlung Manipulus primus epistolarum
singularium, an den Zwickauer Rector Daum, die einen
Blick in die Brieffchätze thun laffen, welche Hekel ge-
fammelt hatte. Einen kümmerlichen Reft davon hat Cl.
im Cod lat. 2106 der Münchner Hof- und Staatsbibliothek

1 aufgefpürt, aus der er 22 Briefe an Spalatin von Pirkheimer,
Link, Agricola, Ofiander, Veit Dietrich, Brenz, Camerarius

j und anderen mittheilt. Leider ift ihm Kawerau's lehrreiche
Schrift ,De Digamia episcoporum' (1889) entgangen. Sie
hätte nicht nur über den Inhalt des Briefes von Pirkheimer
d. d. 15 Mai 1529 erwünfehtes Licht verbreitet, fondern
ihm den Text aus einer anderen Vorlage mit einer im
Münchener Codex fehlenden Nachfchrift geboten. Am
Schiufse giebt Cl. eine Inhaltsüberficht über die im CR.
nicht verwerthetenEpigrammata Wormatiensia. Vitebergae.
Anno M.D.XLI. und aus einer Zwickauer Handfchrift
einen Brief von Brenz an Bernh. Ziegler in Leipzig aus
Regensburg 24. Januar 1546, die Eröffnungsrede Malvendas
am 5. Februar 1546, der (S. 143) Paul ftatt Peter genannt
ift, und Bemerkungen von Jak. Milichius, Profeffor der

i Medicin über Joh. Jovinianus Pontanus, deffen Werke

, Milichius von Melanchthon gefchenkt erhalten hatte.

Es ift eineFülle von mancherleiNeuem. In dem erften
kurzen Auffatz ,Zu Luthers Stammbaum und Erfurter
Studienzeit' weift Clemen aus einem Briefe des Dresdener

| Schulmeifters, fpäteren Rathsherrn und Bürgermeifters

j Dietrich Lindemann aus Kreuzburg nach, dafs Luther in
der S. Georgsburfe zu Erfurt wohnte, alfo nicht der
commensalis von Jodocus Trutfetter im Collcgium Beatae
Mariae war, wie Oergel annahm. Der Zusammenhang
Luther's mit den Lindenmann ift hier aufs Neue beftätigt,
aber noch nicht klarer geworden. Sehr bemerkenswerth
ift das auch fonft gehörte Urtheil über den Cölibat und die

| Priefterunzucht aus dem Munde des Bifchofs von Merfeburg
S. 7 und 11 und der Zufatz zum Cölibatsgelübde:

j ,quantum Jiumana fragilitas permiserit', der das ganze
Gelübde illuforifch machte. Sehr nett ift auch die vor
dem Bifchof verhandelte Frage, ob Paulus' Lehre als

I Evangelium anzuerkennen fei. S. 9. S. 23 Z. 21 ift bei
.kyffat' natürlich nicht mit Cl. an Pf. 2,12 zu denken.
Haferitz fordert das Volk auf, vom fächftfehen Fürften-
haus abzufallen und fleh felbft einen Fürften zu ,kiefen',
was nicht, wie Cl. in zweiter Linie will, in ,küren' zu
corrigiren ift. Das Flemming'fche Lied ,In allen meinen
Thaten'das Cl. natürlich auch kennt, hat noch das Wort, er-

i kieft'. DieFrankenbrauchenheutenochkiefig = wählerifch.

! Die Form ,on', die S.22 mehrfach=ihnen vorkommt, ift dem
füddeutfehen Ref. verdächtig und fcheint ein Druckfehler
in Cl. Vorlage für in zu fein.

Um die Lücke in Haferitz Leben auszufüllen, wäre
es wohl der Mühe werth, feftzuftellen, wer jener Simon
ift, der im Juni 1529 aus Kreuzburg weichen mufste und
von Luther für einePfarrei empfohlen wurde. Enders 7,ii3fT.,
de Wette 3, 468. Die Charakteriftik Luther's ,ab epi-
scopis Tliuringiae absolutns aut liberatus potius, nullo sane
suo magno vitio, sed magis odio plebis istius durae ....
mihi valde notus .... in doctrina midtum valet, faenndia

| etiam inter primos' dürfte auf Haferitz zutreffen. Ueber