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Ausgabe:

1902

Spalte:

369-371

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Holzinger, H.

Titel/Untertitel:

Das Buch Josua erklärt 1902

Rezensent:

Kraetzschmar, Richard

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. in Berlin, und D. E. Schürer, Prof. in Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

Nr. 13. 21. Juni 1902. 27. Jahrgang.

Holzinger, Das Buch Jofua [Kurzer Hand-
commentar zum A. T. VI] (Kraetzfchmarj.

Grill, Unterfuchungen über die Entftehung des
vierten Evangeliums, 1. Teil (Holtzmann).

Mercati, Antiche Reliquie liturgiche Ambro-
siane e Romane (Harnack).

Houtin, La controverse de l'apostolicite des
eglises de France au XIXe siecle (G. Ficker).

Grub er, Studien zu Pacianus von Barcelona
(G. Ficker).

Hertling, Augustin (v. d. Goltz).

Wiegand, Agobard von Lyon und die Judenfrage
(G. Ficker).

Boerger, Die Belehnungen der deutfchen geift-
lichen FüTften (Böhmer).

Guiraud, L'eglise et les origines de la re-
naissance (Brandi).

Schlatt er, Jefu Gottheit und das Kreuz [Beiträge
zur Förderung chriftlicher Theologie V, 5]
(Lobftein).

Naville, Das Glaubensbekenntnifs der Chriften
(Lobftein).

Eucken, Das Wefen der Religion philofophifch

betrachtet (Tröltfch).
Ritfehl, die Caufalbetrachtung in den Geiftes-

wiffenfehaften (Tröltfch).

Holzinger, Stadtpfr. Lic. Dr. H., Das Buch Josua erklärt.
(Kurzer Hand-Commentar zum Alten Teflament. Herausgegeben
von Karl Marti. Abteilung VI.) Tübingen
1901, J. C. B. Mohr. (XXII, 103 S. Lex. 8). M. 2.50

Nachdem im Jahre 1899 Steuernagel's Commentar
zum Jofuabuche in Nowack's Handcommentar erfchienen
ift, liegt jetzt der von Holzinger aus der Marti'fchen
Sammlung vor; trotz zahlreicher Berührungen zwifchen
beiden Werken, wie fie durch den gemeinfamen Stoff
von felbft gegeben waren, haben fie doch beide neben
einander völlig Raum.

Wie bei dem Verfaffer der bekannten ,Einleitung
in den Hexateuch' nicht anders zu erwarten ift, liegt das
Hauptgewicht des Holzinger'fchen Commentares auf der
Quellenfcheidung, die beim Buche Jofua ja ganz befonders
fchwierig und mifslich ift und in fehr vielen Fällen überhaupt
nicht zu feften, allgemeine Anerkennung bean-
fpruchenden Refultaten führt und wohl auch kaum je
führen wird. Mit grofser Sorgfalt und feinem Verftänd-
nifse für die Eigenart der einzelnen Quellenfchichten ift
der Verfaffer den oft nur leifen Spuren nachgegangen,
die für den Forfcher heute die Handhabe bieten, die ineinander
gefchweifsten Quellfchriften zu entwirren, und er
hat fich redlich bemüht, Ordnung in das Chaos zu bringen.
Bei Erzählungen wie Cap. 13 verzweifelt freilich auch
er daran, etwas einigermafsen Sicheres geben zu können,
und will selbft feine Analyfe nur als ,Vorfchlag einer
Möglichkeit' gelten laffen; auch fonft beläfst er es m
literarkritifchen Fragen vielfach in weifer Zurückhaltung
bei einem Non liquet. Man kann im Allgemeinen über
feinen Standpunkt hinfichtlich der Quellenfcheidung lagen,
dafs er etwa die Mitte einhält zwifchen Albers und
Steuernagel. Befonders mit dem Letzteren fetzt üch
Holzinger eingehend auseinander. Nach Steuernagel
weift Jof. keine Spur von JE, fondern nur Benützung der
getrennten Quellen auf, von J nur ganz wenige, von E
etwas reichlichere Fragmente, es find nach ihm alfo hier
wahrfcheinlich J und E niemals zu JE vereinigt worden;
als Hauptquelle, mindeftens für Capp. 1—12, fteht er
das Werk eines D2 an, das er für eine relativ felbftftändige
Weiterbildung der Relation von E hält; die Fragmente
von J und E follen nach ihm erft im letzten Stadium
der Redaction (die von E erft zufammen mit Ps) einge-
fchoben worden fein. Dem gegenüber behauptet Holzinger
(S. IX ff., passim), dafs Steuernagel den Antheil
von J und E an jof. entfehieden unterfchätzt habe und
dafs genügend Anzeigen vorhanden feien, dafs JE im
Jofuabuche weiterlaufe; er hält das Grundfchema, das
für die Entftehung des Pentateuchs als feftftehend gilt,
nach wie vor auch für Jof. aufrecht, sc. dafs feine Entftehung
nach der Formel J + E, JE + D, JED + P verlaufen
fei. Bei der Beurtheilung z. B. von Capp. 7, 9
fcheint mir Holzinger gegenüber Steuernagel entfehieden
im Rechte zu fein.

Die Quellenanalyfe ift bei jedem einzelnen Capitel
im Zufammenhange vor der eigentlichen Auslegung behandelt
. Weniger empfehlenswerth ift es indes, auch die
Bemerkungen zum Texte von der Auslegung loszulöfen
und in einem gefonderten Abfchnitte in den Vorbemerkungen
unterzubringen, wie es hier gefchehen ift; es wird
dadurch in Hörender Weife Zufammengehöriges auseinan-
dergeriffen und der Gebrauch des Buches erfchwert.
Die Auslegung felbft ift, namentlich im Vergleiche mit
den recht ausführlichen analytifchen Bemerkungen, ziemlich
mager ausgefallen. Der Satz, den der Verf. S. 17
unten aufftellt, dafs bei vielen Capiteln ,die eigentliche
Aufgabe der Erklärung in der Analyfe' liege, und der
wohl zur Rechtfertigung des angeführten Mifsverhältnifses
dienen foll, ift für die Commentirung verhängnifsvoll geworden
. Befonders in religionsgefchichtlicher Beziehung
hätte mehr aus dem Buche herausgeholt werden können,
— ich erinnere nur an Capp. 9, 24; die abthuende Bemerkung
in der Einleitung (S. VIII): ,Religionsgefchicht-
lich bietet es nicht fehr viel* ift wie der oben angeführte
Satz nur bedingt richtig. Man merkt es dem
Buche etwas zu fehr an, dafs das Intereffe feines Ver-
faffers vorwiegend quellenanalytifchen Unterfuchungen
zugewandt ift. Auch ift in etwas zu ausgiebiger Weife
für dieRealia, Geographica etc. auf die Handwörterbücher,
Lexika u. f. w. verwiefen worden, fodafs zu befürchten
fteht, dafs das Buch vielen, namentlich weniger Unterrichteten
und folchen, denen die citirten Hülfsmittel
nicht zugänglich find, nicht die Hülfen leiftet, die fie
vielleicht davon erwarten.

Der zu erklärende Stoff ift in 3 Hauptabfchnitte zerlegt
: I., die Eroberung des Landes, Capp. 1—12 (S. 1—48),
mit vier Untertheilen: 1., Vorbereitungen (C. ifj, 2., Der
Übergang in das Weftjordanland (C. 3—5), 3., Die Eroberung
der Zugänge zur Höhe (C. 61—8 29) nebft
Anhang über den Altar auf dem Ebal (8, 30—35),
4., Die Niederwerfung der Kanaaniter (C. 9—12). II, Die
Vertheilung des Landes, Capp. 13—21 (S. 48—89), mit
drei Untertheilen: 1., Vorbereitungen (C. 13f.). 2., Die erfte
Landanweifung (C. 15—17), 3., Die zweite Landanweifung
(C. i8f.), mit einem Anhange über Gebiete mit Sonderzwecken
(Afylftädte, Befitz Levi's C. 20f.). III., Abfchlufs
der Wirksamkeit Jofuas, Capp. 22—24 (S. 89—100), mit
zwei Untertheilen: 1., Die Regelung des Verhältnifses zu
den oftjordanifchen Stämmen (C. 22), 2., Schlufsreden und
Tod Jofuas (C. 23 f.). Vorausgefchickt ift eine über das
Nothwendige vortrefflich orientirende Einleitung (S. VII—
XXI), worin eine in Tabellenform gegebene, peinlich
genaue Uberficht über die Quellenfcheidung (S. XVII—

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